Kann man Jähzorn therapieren oder behandeln?
Der Vater einer Bekannten ist oft jähzornig und darunter hat die ganze Familie gelitten, bis die Eltern sich getrennt haben. Nun ist der Vater in Therapie. Aber dennoch hat meine Bekannte Bedenken und sie traut ihrem Vater nicht über dem Weg, was den Jähzorn betrifft. Sie meint, wer einmal so jähzornig ist, der wird es immer sein. Sie glaubt nicht daran, dass man so etwas therapieren kann und denkt, dass es einfach nur eine Entschuldigung dafür ist, dass er eben sehr jähzornig ist und dass er eben krank ist.
Kann man Jähzorn wirklich therapieren oder ist es wirklich eher eine Entschuldigung dafür, was man der Familie angetan hat und dass man nun auf dem Weg ist was zu ändern, obwohl nichts zu ändern ist? Kennt ihr Fälle, wo aus einem jähzornigen Menschen ein zahmes Wesen wurde?
Klar. Und der erste Weg ist ja auch der zur Einsicht und den ist der Vater deiner Bekannten immerhin schon gegangen. Und es ist ein großer Schritt, wenn man sich selber eingesteht, dass man jähzornig ist und eine Therapie braucht. Man kann in der Therapie die Gründe erörtern und vor allem lernt man Techniken, wie man "wieder runter" kommen kann, wenn man merkt, dass man gerade hoch fährt.
Da belästigt man dann seine Mitmenschen nicht mehr mit seinem Jähzorn und man wird sich sicherlich selber auch damit besser fühlen. Was man dann aber nicht gebrauchen kann ist eine Tochter, die das mit Skepsis sieht und dann vielleicht auch noch andeutet, dass das alles nichts bringen würde. Das führt eventuell nur dazu, dass der Herr seine Therapie abbricht, weil ja sowieso niemand an ihn glaubt. Warum sollte er dann an sich glauben? Rückhalt von der Familie finde ich persönlich da schon ziemlich wichtig und ist oft auch Therapiebestandteil.
Ich denke, wenn der Vater wirklich aus eigenem Antrieb und "Einsicht" in die Therapie gegangen ist, kann das auf jeden Fall etwas bringen und er hat die Möglichkeit zu lernen, mit seinem Jähzorn besser umzugehen. Mir fällt dazu das Stichwort "Anti-Aggressionstraining" ein, auch wenn ich glaube, das das nochmal was anderes ist als eine "reguläre" Therapie. Aber wenn Anti-Aggressionstrainings erfolgreich angewendet werden können, um Menschen ihr Verhalten dauerhaft ändern zu lassen, dann kann das sicherlich auch im Rahmen der Therapie gelingen, die der Vater Deiner Bekannten besucht.
Allerdings kann ich es gut verstehen, dass Deine Bekannte ihm "nicht über den Weg traut" - das ist noch ein zweites Thema. Durch das Verhalten ihres Vaters wurde sicherlich viel Vertrauen zerstört und selbst wenn er sich künftig immer einwandfrei verhalten würde, so glaube ich dennoch, dass dieses Vertrauen über eine ganze Zeitlang erstmal wieder aufgebaut werden muss.
Da ich selbst sehr jähzornig bin (Zum Glück kommt meine Freundin damit klar!), glaube ich kaum, dass es therapierbar ist. Man kann sich zwar zurückhalten und seinen Aggressionen anders heraus lassen, zum Beispiel an virtuellen Kreaturen oder Kissen oder was auch immer, jedoch ist der Zorn noch immer da, nur in andere Bahnen gelenkt. Jähzorn ist ein Problem, mit dem man leben lernen muss, verschwinden wird es allerdings nie.
Doch hat man einmal gelernt, damit umzugehen, kann es sehr vorteilhaft sein. Dann wird der Zorn plötzlich zu Durchsetzungsvermögen, weil man gelernt hat, nur einen gewissen Teil, so gesehen eine abgeschwächte Variante der Wut, gegenüber der Öffentlichkeit zuzulassen und so ruhig und beherrscht, aber bestimmend aufzutreten. Der angestaute Restzorn muss dann nur lange genug zurückgehalten werden, bis man ihn zu Hause an seinem Ventil (und damit sind keine Lebewesen gemeint) auslassen kann.
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