Psychisch kranker Mensch isst lieber aus Müll
Wie ich in einigen Beiträgen schon erwähnt habe, arbeite ich mit psychisch kranken Menschen. Auf Grund ihres Krankheitsbildes fehlt vielen die Einsicht in manche Dinge und bei anderen verursacht dieses eben Wahnvorstellungen und realitätsfremde Bilder.
Wir haben aktuell einen Klienten bei uns aufgenommen, bei dem wir ein wenig ratlos sind, wie wir weiter verfahren sollen.
Sein Krankheitsbild bewirkt, dass er denkt, dass das Essen was wir ihm anbieten vergiftet ist und das wir ihm nach dem Leben trachten. Unbeobachtet entsorgt er auch seine Medikamente, so dass die Einnahme dieser nur noch unter Beobachtung und in Rücksprache mit seinem Betreuer an die Taschengeldzahlung gekoppelt ist. Der Bewohner hat dem im Übrigen auch zugestimmt. Unser größtes Problem ist aber wie gesagt die Einnahme der Mahlzeiten. Unsere Bewohner sind nicht geschlossen untergebracht, sondern dürfen sich frei bewegen, das heißt auch das Haus verlassen, da wir ja eine Integration in die Gesellschaft anstreben bzw. eine Wiedereingliederung erreichen wollen.
Wie oben gesagt, denkt er wir wollen ihn mit den Lebensmitteln vergiften und so verweigert er die Nahrungsaufnahme und kauft sich von seinem Taschengeld selber Essen und Getränke, welche er dann in seinem Zimmer lagert. Reicht das Geld aber nicht mehr aus, so bedient er sich aus der Mülltonne - gerne auch aus dem Biomüll. Ich habe ihm bereits erklärt, dass er damit genau die Lebensmittel zu sich nimmt, die wir entsorgen müssen, wenn sie übrig bleiben. Das heißt er isst eigentlich nur, was er vorher verweigert hat. Diese Erkenntnis ist bei ihm allerdings nicht angekommen. Erstaunlicherweise, ist er der Bewohner, der nie, aber auch niemals an irgendetwas erkrankt, obwohl er jeden Keim und jeden Dreck aufnimmt.
Habt ihr Ideen, wie wir ihn davon überzeugen können, dass nichts vergiftet ist und das er den Biomüll meidet? Wegschließen der Tonnen hat übrigens nur den Effekt, dass er zur nächsten freien Tonne geht.
Mich wundert es nun schon sehr, dass du mit solchen beruflichen Sachen in ein Forum gehst. Wenn du in so einer Einrichtung für psychisch kranke Menschen arbeitest, dann wirst du ja ausgebildet sein und die Patienten werden ja wohl auch durch einen Psychologen oder vielleicht auch durch mehrere Psychologen betreut und diese kennen diesen Menschen und können da sicherlich bessere Ratschläge geben als irgendwelche Leute, die gerade mal ein paar Zeilen von diesem Menschen lesen. Jeder psychisch kranke Mensch ist ein Einzelfall und man kann niemals irgendwelche Ratschläge geben, wenn man nur Laie ist oder den Menschen gar nicht kennt. Wende dich doch bitte an das Fachpersonal.
@Diamante: Nun, das Fachpersonal bin unter anderem ich und meine Kollegen, welches aus Psychologen, Psychotherapeuten und ähnlichen besteht. Allerdings haben wir das Gefühl einfach nicht weiter zu kommen und manchmal ist es dann sinnvoll auch Hilfe und Tipps von völlig Unbeteiligten einzuholen. Was ist dagegen auch einzuwenden? Da wir tagtäglich mit dem Menschen zusammenarbeiten, kann es auch sein, dass wir die einfachste Lösung einfach nicht mehr sehen. So wie man manchmal sagt, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Wir sind nicht die erste Einrichtung in der er lebt und das Problem hat bisher weder Arzt noch Medizin in den Griff bekommen. Auch die unterschiedlichsten Förderpläne und ähnliches haben aus pädagogischer Sicht keine Früchte getragen. Erschwerend kommt halt auch dazu, dass er die Menschen, die ihm helfen wollen als Bedrohung ansieht und grundsätzlich misstrauisch ist.
Ich als Betroffene bin ebenfalls darüber schockiert, dass du hier so offen über deine Patienten schreibst. Einmal schockiert es mich, mit so sensiblen Daten hausieren zu gehen. Ich hoffe, dass keiner aus meinem Umfeld je auf so eine Idee kommt. Und dann schockiert es mich, dass ihr, die ja so toll und gut ausgebildet seid, mit so was nicht umgehen könnt. Dann brauchen wir Patienten uns nicht wundern.
Ich tippe mal frei heraus auf Schizophrenie. Sieht mir zumindest sehr typisch dafür aus. Ach ja ich habe keine Schizophrenie. Habe auch nur wenig Kontakt mit Menschen, die an dieser Störung leiden. Kann aber ein solches Verhalten ohne Probleme verstehen und nachvollziehen.
Das Problem wäre wahrscheinlich auch recht einfach zu lösen. Warum lasst ihr den Patienten nicht an der Essensgestaltung mitwirken? Vom Einkauf an? Dann sieht er ja, was in seinem Essen drin ist. Als ich das letzte Mal in einem Krankenhaus war, haben meine Mitpatienten teilweise das Essen abgelutscht und wieder auf die Platten gelegt, von denen sich alle bedienten. Die Pflege war sonst wo und die hat das nicht interessiert. Essenszeit hieß, dass man Ruhe vor uns hatte. Ich kann also nachvollziehen, warum jemand nichts aus einer Gemeinschaftsverpflegung essen mag.
Du magst mir nun erklären, der Patient ist ja trotzdem, was bei euch auf dem Tisch stand. Weißt du was der Unterschied ist, wenn er es aus den Mülltonnen isst? Er kann frei entscheiden, was er isst und wann er isst. In der Einrichtung selbst muss er essen, wann ihr es wollt. Er muss essen, was er hingestellt bekommt.
Zu den Medikamenten. Ich habe eine weitläufige Bekannte, die auch gezwungen wird Medikamente zu nehmen. Die werden ihr gespritzt. Sie verträgt die zum Teil gar nicht. Da kümmert sich keiner drum. Da kümmert sich erst jemand drum, wenn sie ihre Spritze nicht abholt. Und dann aber wird nicht mit ihr darüber geredet, sondern ihr wird gedroht. Wenn die das nicht macht, dann wird ihr x und x entzogen. Super Sache *ironie*.
Denk mal darüber nach, in wie weit du dein Leben einschränken lassen willst. Ist dir eigentlich bewusst, was ein Mensch, der in einer Einrichtung leben muss, alles aufgeben muss? Wie oft er den Launen des Personals ausgeliefert ist? Wie oft er irgendwelche Medikamente nehmen muss, nur weil 100 andere Menschen damit gut zu recht kommen?
@LittleSister: Kennst du mich? Kannst du aus meinen Aussagen Rückschlüsse darauf ziehen, von wem ich hier spreche? Kannst du mit den gemachten Angaben direkt oder indirekt losziehen und den Menschen finden, von dem ich berichte? Nein? Gut, denn genau so soll es auch sein. Hier wird niemand von mir bloßgestellt oder vorgeführt. Ich suche einfach nur nach Ideen und Anregungen, eben vielleicht auch auf Erfahrungen von Betroffenen, die mir helfen können mich besser in die Gedankenwelt hinein zu versetzen. Eben weil ich nicht jemand bin, der anderen Menschen einfach alles vorsetzt und über deren Leben bestimmen möchte, versuche ich das zu verstehen und bin offen für neue Vorschläge.
Ich bin ganz ehrlich schockiert darüber, wie man hier direkt als schlechter Mensch hingestellt wird, eben weil man dem Betroffenen helfen möchte. Es ist kein Wunder, dass man als Mitarbeiter einer Einrichtung von Außenstehenden nur Kritik erntet irgendwann nur noch Dienst nach Vorschrift macht. Schon einmal darüber nachgedacht? Inklusion heißt für mich auch die Probleme der Menschen in Heimen in die Gesellschaft zu tragen und nicht alles hinter verschlossenen Türen zu klären. Wie sollen wir auch in eure Gedankenwelt vorstoßen können und zusammen mit euch arbeiten, wenn wir auf eine Mauer der Ablehnung stoßen, so wie du sie gerade aufbaust?
Und nun zurück zum Thema: Der Mensch darf bei uns Essen was immer er möchte. Er darf wie all die anderen auch aus einer Vielzahl von Speisen sein Essen wählen. Eine individuelle Versorgung beim Mittagessen wird vom Kostenträger nicht finanziert. Aus diesem Grund ist es bei uns möglich das jeder Bewohner bei allen anderen Mahlzeiten (Frühstück, Zwischenmahlzeiten, Abendessen) die Wahl hat zu entscheiden, was er isst, ob er überhaupt etwas essen mag und wenn ja wann und wie viel. Diese Lebensmittel werden dann mit den Bewohnern zusammen eingekauft, wobei auch der besprochene Bewohner dabei ist und sich seine Lebensmittel in einen eigenen Korb legt und auch die Möglichkeit bekommt diese in einem separaten Kühlschrank zu lagern.
Auf Grund der Hygienevorschriften darf dieser aber nicht in seinem Zimmer stehen. In Gesprächen habe ich bereits herausgefunden, dass ihm dies nicht reicht. Er denkt, dass immer noch Leute kommen und sein Essen vergiften. Also habe ich mit ihm erarbeitet, dass wir dafür sorgen können, dass der Kühlschrank verschlossen wird und nur er einen Schlüssel dafür bekommt. Es ist aber egal, sobald das Essen in dem Kühlschrank liegt, verweigert er es. Auch wenn wir es gerade erst eingeräumt haben und er plötzlich bemerkt, dass er die Banane, die er gerade reingelegt hat, jetzt essen möchte, so ist ihm das nicht mehr möglich. Liegt die Banane aber erst im Müll, kann er sie sofort rausnehmen und essen.
Und nochmal, ich versuche zu verstehen, warum der Mensch so reagiert und handelt. Mir geht es nicht darum hier mit
sensiblen Daten hausieren zu gehen
Aber bei manchen hier habe ich den Eindruck, dass sie die Möglichkeiten des anonymen Austauschs um einem Menschen bestmöglich helfen zu können, nicht als Chance sondern als Fluch sehen. Die Datenschutzerklärungen in sämtlichen Einrichtungen erlauben mir sehr wohl mit jedem Menschen über meine Klienten zu sprechen insofern diese nicht eindeutig zuzuordnen sind. Anscheinend wollen einige doch lieber die Kollegen, die nur drohen und strikt von oben herab arbeiten. Ich bin da anders. Ich versuche mich stets auf einer Ebene mit meinen Bewohnern zu bewegen und sie als das zu sehen, was sie sind - Menschen wie ich.
Kleine Anekdote am Rande, die vielleicht auch zeigt, dass Internet nicht so anonym ist. Ich habe vor ein paar Jahren einen Klinikaufenthalt gehabt, der nicht wirklich schön war. Besonders belastend war unter anderem das Desinteresse und auch Ablehnung des Personals. Ich verbrachte Stunden damit, heulend in einem kleinen Raucherhof zu sitzen. Das bei Minustemperaturen und der Raucherhof ist von allen vier Seiten einsehbar. Unter anderem auch vom Pflegestützpunkt. Ich bin nie gefragt worden was los ist. Was aber mein kleineres Problem ist.
Wochen später stieß ich in einem sozialen Netzwerk auf das Profil eines Pflegers, der in diesem Krankenhaus arbeitet. Der tat öffentlich kund, wie beschissen er seine Patienten findet und wie scheiße die doch alle sind. Ein Blick auf den Tag und die Uhrzeit - zu dem Zeitpunkt, als er das geschrieben hat, hatte er Dienst und wenn er sich mal umgedreht hätte, hätte er mich gesehen. Soll ich dir was sagen? So was tut verdammt weh.
Ich finde Fragen, wie du sie hier stellst, in einem Forum für psychisch kranke Menschen besser aufgehoben. Oder gleich in einem Forum für Fachkräfte in dem Bereich. Klar kreidest du an, dass du lernen willst, mit uns umzugehen und ich quasi bocke. Ich für mich frage mich aber immer wieder, warum so Fragen gestellt werden, von ausgebildeten Menschen, die dann doch nach Schema F behandeln.
Ich für mich habe die Erfahrung gemacht, dass Personal in dem Bereich nicht wirklich Anregungen annehmen kann. Ich kann mehr als eine Situation aufzählen, die auf mein Krankheitsbild und meine Gesamtsituation bezogen auf die von dir genannte Situation passen würde, für die ich konstruktive Vorschläge machen könnte. Vorschläge, die wenig Aufwand für das Personal sind, beziehungsweise im Endeffekt für alle eine Erleichterung bringen. So weit wird mir noch nicht mal zugehört, ich bin ja psychisch krank und darf das deshalb nicht.
Und bevor du mir Zickerei vorwirfst. Ich habe dir passende Vorschläge geliefert. Da kam von dir nun nur, haben wir alles schon gemacht und stellst es so dar, als wenn ich das wissen müsste. Woher denn?
Wie du ja vielleicht schon mitbekommen hast, bin ich oder zumindest versuche ich nicht nach Schema F zu arbeiten. Schema F mag vielleicht, keine Ahnung bei der Hundeerziehung helfen, aber nicht in der Arbeit mit Menschen die sich in einer besonderen Situation befinden. Ich finde die Psyche des Menschen sehr faszinierend und genau deswegen Suche ich Rat auch von Außenstehenden. Manchmal ist der Blick eines Laien viel unbefangener als eine jahrelange Ausbildung und Erfahrung in dem Bereich. Warum? Weil eben gerade der Laie nicht das von den Ausbildern vermittelte Schema F im Kopf hat.
Nimm es mir also nicht übel, wenn ich alle Möglichkeiten nutze, um dem Menschen im Rahmen meiner Möglichkeiten ein weitestgehend angenehmes Leben zu bereiten. Mir persönlich liegt viel daran die Situation zu klären, da wir für den Menschen die letzte Station sind, bevor sein gesetzlicher Betreuer die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung beantragen wird, da er in seinem Verhalten eine erhebliches Maß an Eigengefährdung sieht.
Ich will hier niemanden verärgern und ich kann deine Enttäuschung sehr gut nachvollziehen. Leider sind es immer die Kollegen die nur Dienst nach Vorschrift machen und keine eigene Initiative zeigen, die die in der Chefetage gern gesehen sind. Menschen wie ich, die den Menschen hinter dem "Fall" oder dem "Krankheitsbild" sehen, die eben nicht eine z. B. Körperpflege in 5 Minuten abhandeln, sondern sich die Zeit für den Menschen nehmen, sind die, die leider viel zu oft "entsorgt" werden.
Ich habe mehrere Bewohner mit denen ich auch Jahre nachdem ich einen Arbeitsplatz verlassen habe noch Kontakt habe. Die mich immer wieder fragen, ob ich nicht wieder anfangen kann. Leider ist es so, dass die bei den Bewohnern beliebten Mitarbeiter oft rausgeworfen werden oder in meinem Fall zur Kündigung getrieben werden.
Ist denn eigentlich bekannt, woher diese Angst mit dem vergifteten Essen kommt? Immerhin könnte man da vielleicht anfangen, um nach einer Lösung zu suchen, wie diese Person die Angst abbauen kann. Ansonsten würde mir im Moment nur ein seperater Mülleimer einfallen, damit man gewährleisten kann, dass dort wirklich nur die entsorgten Lebensmittel dieses Patienten landen. Dann wäre zumindest nicht die Gefahr vorhanden, dass er/sie sich über das Essen aus dem Müll irgendwelche gesundheitlichen Schäden zufügt.
Über diese Variante kann man diese Person eben auch erst mal so handeln lassen, wie sie es will. Manch einer verliert damit auch seine Ängste, wenn man realisiert, dass nicht mehr erzählt wird, dass man das doch eigentlich so nicht macht.
Das ist sicherlich nicht gerade leicht, aber vielleicht hat man die Möglichkeit mit ihm einkaufen zu gehen oder ihm eben Essen in abgepackter Form zu geben, beziehungsweise ihn eben an der Herstellung teilhaben zu lassen. Vielleicht würde es ihm helfen, wenn er vom Kauf bis zur Herstellung eben dabei wäre und sehen könnte wo sein Essen her kommt und wie es zubereitet wird.
Ich finde es im Übrigen gut, wenn man auch mal den Blick über den Tellerrand wagt und sich Meinungen von Laien anhört. Immerhin kann man dann auf neue Ideen kommen und seinen Arbeitsalltag auch mit diesen neuen Einflüssen gestalten.
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