Schon einmal erlebt, dass Internet-Protest Erfolg bringt?

vom 28.07.2013, 09:50 Uhr

Auch wenn mir das Wort selber nicht gefällt, beschreibt das Wort „Shitstorm“, das vor kurzem ja sogar in den Duden aufgenommen wurde, wohl am besten, was vor kurzem der Hundefuttermarke Royal Canin zugestoßen ist. Für alle, die es nicht mitbekommen haben, eine kurze Erklärung:

Auf zahlreichen Seiten im Internet wurde von der österreichischen Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ ein Video verbreitet, das sich um Bärenkämpfe in der Ukraine dreht. Bei den Bärenkämpfen werden Hunde auf angekettete Bären losgelassen, die als Übungs-Beute dienen. Ähnlich wie Stierkämpfe ist das natürlich nichts anderes als Tierquälerei. Das schockierende an dem Video war unter anderem aber auch, das die Marke Royal Canin diese Bärenkämpfe gesponsort und unterstützt hat. „Vier Pfoten“ hat dann alle dazu aufgerufen, Royal Canin per E-Mail, Anrufe und auf deren Facebook-Seite darauf aufmerksam zu machen.

Als ich davon gelesen habe, bin ich auf die Facebook-Seite von Royal Canin Deutschland gegangen und staunte nicht schlecht, was sich dort bereits für Beiträge angesammelt haben. Viele haben geschrieben, dass sie fortan ihr Hundefutter nicht mehr bei Royal Canin kaufen werden und auch ihren Freunden davon abraten werden. Andere haben geschrieben, dass sie sowieso noch nie Futter bei ihnen gekauft haben, aber dafür sorgen werden, dass noch mehr Menschen davon erfahren werden.

Es hat nur ein bis zwei Tage gedauert, bis Royal Canin eine öffentliche Entschuldigung geschrieben hat. Im Grunde waren es aber nur leere Worte und sie haben sogar mehr oder weniger abgestritten, dass sie von dem Sponsoring der Bärenkämpfe gewusst haben, obwohl „Vier Pfoten“ mittlerweile herausgefunden hat, das sie schon im vorherigen Jahr die Bärenkämpfe unterstützt haben und das nicht das erste Mal war. „Vier Pfoten“ hat daraufhin aufgerufen, noch weiter Druck zu machen und hat eine hohe Geldsumme von Royal Canin gefordert, um Bärenschutzprojekte zu fördern und den Bären in der Ukraine zu helfen.

Tatsächlich hat sich Royal Canin nun bereit erklärt, sich mit „Vier Pfoten“ zu treffen. Das Treffen ist soweit ich weiß am Dienstag, dann werden wir erfahren, was für Schritte Royal Canin einleiten wird, um die Sache wieder gut zu machen. Aber schon jetzt finde ich es beeindruckend, was so ein „Shitstorm“ im Internet tatsächlich bewirken kann.

Habt ihr noch andere Beispiele, bei dem ein großer Protest im Internet zu einem positiven Ende geführt hat? Man beschwert sich immer so viel über das Internet was Datenschutz, usw. betrifft, aber ihr hat die Möglichkeit, öffentlich mit einer Firma in Kontakt zu treten, sodass es alle lesen können, doch wirklich mal etwas Positives gebracht. Was denkt ihr darüber?

» *sophie » Beiträge: 3506 » Talkpoints: 1,38 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Shitstorms gibt es ja mittlerweile am laufenden Band. Die meisten sind unglaublich sinnlos, weil die Internetgemeinde sich dabei meist hinter Pseudonymen versteckt und teilweise Leute oder Unternehmen nicht nur mit konstruktiver Kritik überschütten, sondern nur Beleidigungen weit unter der Gürtellinie postet. Ich finde es beispielsweise falsch, bekannte Personen aufgrund ihrer politischen Überzeugungen anzugreifen und zu beleidigen. Denn die meisten User, die so etwas posten, würden das niemals der Person ins Gesicht sagen und das finde ich falsch.

Natürlich finde ich es gut, dass Vier Pfoten dieses fragwürdige Sponsoring in der Ukraine durch Royal Canin an die Öffentlichkeit gebracht hat. Aber ich glaube nicht, dass die internationale Zentrale tatsächlich gewusst hat, was die ukrainische Landesvertretung dort sponsert. Das Unternehmen sponsert so viele Hundesportveranstaltungen, da sind leider regional auch schwarze Schafe dabei. Natürlich müssen sie etwas tun, um das Vertrauen ihrer Kunden wieder zu gewinnen, allerdings finde ich es falsch, dass Vier Pfoten nun meiner Meinung nach versucht, möglichst viel Geld aus dem Unternehmen zu bekommen.

Ein wirklich guter Shitstorm ist meiner Meinung der gegen Abercrombie & Fitch nachdem Mike Jeffries, der CEO, öffentlich sagte, dass er will, dass nur die coolen und gutaussehenden Leute seine Kleidung tragen, nicht aber die Armen und Dicken. So wurden beispielsweise durch das Unternehmen Waren 2. Klasse mit leichten Produktionsfehlern einfach verbrannt, statt sie sozialen Einrichtungen zu spenden. Seitdem gibt es unter anderem #FitchtheHomelss auf Twitter, eine Aktion, bei der man seine A+F-Kleidung an Obdachlose verschenken soll. Aktuell ist A+F auch sehr billig und überall auf den Wühltischen zu finden, weil sie die "coolen Leute" vom Unternehmen distanzieren und auch Läden sich weigern, die neuen Kollektionen in ihre Läden zu nehmen, da sie die diskriminierende Unternehmenspolitik von A+F nicht weiter unterstützen wollen. Das finde ich wirklich gut.

» danty » Beiträge: 540 » Talkpoints: 4,79 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Auch bei Microsoft haben solche Protestkampagnen gleich zweimal funktioniert. Beim ersten Mal ging es um das Wegfallen des Startbutton bei Windows 8 (und allgemein um die neue Windows-Oberfläche). Als Folge der Proteste wurde das Konzept "Windows Blue" überarbeitet, das Release vorgezogen und es wird als kostenloses Update angeboten.

Der zweite Vorfall betraf die Xbox. Dort hatte Microsoft ja einen Online-Zwang und dem Verbot vom Privatverkauf der Spiele angekündigt. Auch das führte zu massiven Protesten und führte dazu, dass der Konkurrent Sony mit der Playstation 4 ziemlich stark Oberwasser bekam. Sony nutzte die Kritik an Microsoft sogar als Werbung in eigener Sache. Daraufhin musste Microsoft erneut zurückrudern und hat inzwischen beide Themen gestrichen.

» Weasel_ » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



*sophie hat geschrieben:....„Vier Pfoten“ hat daraufhin aufgerufen, noch weiter Druck zu machen und hat eine hohe Geldsumme von Royal Canin gefordert, um Bärenschutzprojekte zu fördern und den Bären in der Ukraine zu helfen.

Ich bin immer sehr skeptisch bei solchen Dingen. Ich weiß es nicht wirklich was da gelaufen ist, aber wenn ich so etwas wie oben lese, empfinde ich das eher als Erpressung und habe so meine Zweifel an der Richtigkeit der dargestellten Sache! Es gab auch schon einmal einen Aufruf zur Lynchjustiz der dann jeglicher Grundlage entbehrte weil der mutmaßliche Täter eben nicht der Täter war. Wobei der Aufruf als solches schon nicht Rechtens ist!

Auch weiß ich von Vorfällen, wo Gäste im Restaurant damit drohten, wenn sie keinen Preisnachlass bekämen, dem Restaurant auf dessen Webseite eine schlechte Benotung ausstellen. Deshalb würde ich mich solchen Proteststürmen immer nur anschließen, wenn ich mich genügend mit dem Thema auseinander gesetzt habe.

» VerenaP » Beiträge: 5 » Talkpoints: 1,52 »



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