Kompetenz von Ärzten anzweifeln?

vom 24.07.2013, 17:36 Uhr

Ärzte haben zumeist eine sehr langwieriges Studium abgeschlossen, welches auch so schon nur mit einem perfekten Notendurchschnitt anzutreten ist. Und gute Noten sind nicht selten das Zeugnis einer überdurchschnittlichen Intelligenz, auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen mögen. Begibt man sich nun zu einem solchen Fachmann, hat man ja also allen Grund sich in guten Händen zu wiegen - oder? Mir ist es jedenfalls schon häufig anders ergangen.

Generell ist es so, dass meine Skepsis gegenüber einem Arzt proportional mit dem Umfang selbstständig angeeigneten Wissens in entsprechendem Gebiet wächst, so z.B. gegenüber der Zunft der Kieferorthopäden. Bei diesen habe ich bereits sehr oft das Gefühl gehabt, dass sie sich bspw. der Einstellung einer Zahnspange nur sehr nachlässig hingeben. Es wird immer nur kurz hingeguckt, "Ja, sieht doch gut aus." und so wird man dann nachhause geschickt. Mir ist es dann anschließend oft aufgefallen, dass bestimmte Drähte der Spange in eine falsche Richtung drücken, dass die Spange zu fest eingestellt etc.

Woher will ich nun wissen, welches die "richtige" und welches die "falsche" Richtung ist, kann man sich fragen. Nun, ich glaube mein eigenes Gebiss nunmal besser einschätzen zu können als ein Außenstehender, zumal ich glaube dass mein räumliches Denken ganz gut intakt ist. Nunja, ich war schon oft kurz davor, meine Zahnspange selbst zu modifizieren, aber letztendlich dachte ich mir dann immer, ohne jegliche weitere objektive Argumente: "Naja, irgendwas vernünftiges wird der Gute [der Arzt] ja acht Jahre lang ja gelernt haben.". Ob man einem Arzt auf so einem Wege einfach das letzte Wort überlassen sollte?!

Richtig "schlimm" wird's bei mir aber mit Assistenzärzten bzw. Zahnarzthelferinnen, da diese erfahrungsgemäß wirklich längst nicht immer allzu präzise arbeiten. Heute war das wieder sehr extrem, als man bei mir so ein lingual-Retainer-Teil rausnehmen wollte: Ich dachte nur so "DIE soll das jetzt also machen?". Hingebkommen hatte sie es ja schon, um dann mit den bloßen Fingern (von Handschuhen will ich gar nicht erst anfangen) zu prüfen, ob denn auch alles glatt ist. Ich werde wohl nicht wenig brauchen, um diesen widerwärtigen, salzigen Geschmack ihrer Finger zu vergessen. Aber was kann man als Patient schon ausrichten? Es ist dann einfach ein Gefühl des ausgeliefert seins, welches man wohl oder übel über sich ergehen lassen lassen muss. Arzt wechseln ist sicherlich eine Option, aber wer weiß, wie es dann in seiner Praxis zugeht?! Geht es Euch manchmal ähnlich? Seid Ihr gegenüber Ätzten auch tendenziell skeptisch?

» MasterOers » Beiträge: 348 » Talkpoints: 1,16 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Du hast da ja ziemliche Vorurteile. Ein Arzt muss nicht automatisch gute Noten haben für sein Studium. Mit einem Einserschnitt kommt man sicherlich eher zum Studium, aber man wird auch nach Warten genommen. Dann noch mal zum Studium an sich. Das dauert 6 Jahre an der Uni und dann ist man schon Arzt, qualifiziert sich aber noch für ein Fachgebiet und macht dann noch mal 6 Jahre seinen Facharzt. Einen Assistenzarzt gibt es also nicht, dass sind Ärzte, die sich qualifizieren in dem Fachgebiet. Eine Schwester kannst du da nicht mit einem Arzt gleichsetzen, das Eine ist eine Ausbildung und das Andere eben ein Studium. Ich habe nun übrigens von Humanmedizin geschrieben nicht vom Zahnarzt, weil ich es da nicht weiß.

Ich denke, dass ein Arzt schon Kompetenz aufweist, wenn er auch bereit ist an sich zu arbeiten und sich weiter zu informieren und zu bilden. Viele Ärzte haben es wirklich drauf, aber es gibt immer auch schwarze Schafe, das gibt es aber überall. Wenn du mit deinem Arzt nicht zufrieden bist, solltest du wirklich den Arzt wechseln und auch mit einer positiven Einstellung da hin gehen und nicht gleich schon schlechte Laune haben. Solltest du zu gewissen Punkten Fragen haben, würde ich die auch ganz einfach mal stellen. Ein kompetenter Arzt wird dir auch antworten.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ich bin bei Ärzten auch skeptisch und wenn ich mich nicht wohl gefühlt habe, dann habe ich mir meist einen neuen Arzt gesucht.

Ich habe auch lange gebraucht, bis ich in meiner Studienstadt einen Zahnarzt gefunden habe, zu dem ich gerne hingehe. Ich wohne hier seit fast 7 Jahren und habe erst dieses Jahr eine Praxis gefunden, in der ich mich wohlfühle. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Zahnspange unangenehm drückt, dann geh nochmal zum Zahnarzt und lasse ihn das prüfen. Dass es weh tut, direkt nachdem die Spange nachgezogen wurde ist okay, aber wenn dich Drähte ins Zahnfleisch stechen, dann lass das kontrollieren.

Ich habe dieses Jahr eine Knirschschiene neu angepasst bekommen und ich war fünf Mal zur Nachkontrolle und habe noch was ändern lassen, weil es irgendwo gedrückt hat. Meine Zahnärztin fand das okay, sie meinte immer, es bringt ja nichts, wenn es drückt und ich die Schiene dann nicht verwende... sie hatte mal einen Patienten, der war mehr als ein Dutzend mal da.

Aber dass die Zahnarzthelferin dir ohne Handschuhe im Mund rumweckelt finde ich wirklich grenzwertig. Das würde ich dringend beim Zahnarzt ansprechen oder sie das nächste mal einfach direkt darauf ansprechen, warum sie keine Handschuhe trägt. Ich finde das extrem unhygienisch.

» danty » Beiträge: 540 » Talkpoints: 4,79 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ich traue Ärzten auch nicht über den Weg und habe auch schon den Klassiker von wegen Assistenzarzt erlebt. Seinerzeit war ich mit meiner Mutter im Krankenhaus und "bedient" wurde sie dann von so einem richtigen Schnösel, Hauptsache Nase hoch und wichtig tun. Kaum zu Hause klingelte das Telefon, da hatte der Oberarzt sich die Röntgenbilder auch noch mal angeschaut und den Bruch gefunden.

Ansonsten muss man heute immer wieder feststellen, dass Ärzte zunehmend zu Verkäufern mutieren. Da wird nicht die Krankheit behandelt, sondern das was die Kasse bezahlt. Besser noch, wenn der Patient bereit ist aus eigener Tasche Zusatzleistungen zu blechen.

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» Bellikowski » Beiträge: 7700 » Talkpoints: 16,89 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Mir besonders ist so ein ähnliches Phänomen schon oft beim Arzt aufgefallen. Ich muss ja sagen, dass ich gern mal das ein oder andere kleine Löchchen am Zahn habe, wobei ich mir drei Mal am Tag die Zähne putze. Wahrscheinlich habe ich es einfach von der Familie geerbt und kann dagegen nicht wirklich viel tun.

Zumindest bin ich letztlich umgezogen und wollte nicht 15 Minuten bis zum Zahnarzt fahren und habe mir den Zahnarzt gleich um die Ecke ausgesucht. Dieser hat sich meine Zähne angeguckt und wollte mir sagen, dass ich ein Loch habe. Beim ersten Mal habe ich es auch machen lassen, aber es hat höllisch weh getan. Direkt 3 Monate später hieß es, ich hätte wieder 2 neue Löcher und bei einem sieht es nach einem Loch aus. Der Arzt meinte, daraus entwickelt sich Karies. Ich dachte mir in diesem Moment nur "Woran erkennt man bitte, dass Karies im Anmarsch ist?!". Ein "Loch" habe ich mir an diesem Tag trotzdem machen lassen auf die anderen "bedrohlichen" Löcher, habe ich erst einmal verzichtet.

Eines Tages kam es dann so weit, dass ich eine totale Entzündung hatte. Wahrscheinlich hatte sich meine Wurzel aus unerklärlicher Weise entzündet. Der Schmerz war kaum auszuhalten und wieder bin ich zu dem Arzt. Der wollte mir wirklich meinen kompletten heilen Zahn ziehen und meinte, dass dies nicht anders geht. Die Sitzung habe ich abgeblockt mit der Ausrede, dass ich einen wichtigen Termin vergessen hatte.

Ich bin einfach zu meiner alten Ärztin gefahren und habe ihr davon geschildert und sie meinte, dass es völlig quatsch ist, diesen Zahn sofort zu ziehen. Zwar entsteht ein Loch durch die Wurzelbehandlung, aber dieses kann man ja mit einer Füllung wieder verschließen. Die Behandlung an sich tat zwar riesig weh, aber alles besser als dass mir schon ein Zahn fehlt. Nebenbei habe ich sie doch gebeten nach ein Loch zu schauen, welches der Zahnarzt gefunden hätte und nach ein Loch, welches wohl im Anmarsch ist. Meine Zahnärztin hat kein einziges Loch mehr gefunden und hat gelacht, als ich ihr erzählt habe, dass der Zahnarzt meinte, Karies ist im Anmarsch. Für mich war in diesem Moment klar, dass ich zu dem inkompetenten Zahnarzt gleich um meiner Ecke nicht mehr fahre.

Ähnliches Phänomen gab es bei meiner Mutter. Sie musste eine Krone bekommen, aber bevor sie diese bekommen könnte, hieß es, dass sie eine teure Zahnspange tragen muss, damit ihr Kiefer gerade wird. Die Spange kostet eine Menge. Einen zweiten Rat holte sie sich von meiner Zahnärztin und diese konnte gar nicht feststellen, dass ihr Kiefer schief ist, da war alles blendend, nur halt die Krone musste wirklich sein.

Also man sieht, dass man seine Ärzte schon präzise auswählen sollte. Die Meisten wollen heutzutage einfach nur Geld machen, vor allem die Zahnärzte. Andere Vorfälle hatte ich bislang noch nicht und ich hoffe, dass es auch dabei bleibt. Ich vertraue schließlich die Ärzte, dass ich gesund werde und dies auch ohne zusätzliche Kosten, wenn diese nicht nötig sind.

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» Dennus » Beiträge: 1263 » Talkpoints: 0,61 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Also die Sache ist letztens doch nochmal gut gegangen. Zur Nachkorrektur habe ich die besagte Praxis nochmal aufgesucht. Es war eine Vertretungs-Ärztin da und bei ihr hatte ich sofort das Gefühl gut aufgehoben zu sein, obwohl sich die Kommunikation etwas schwierig gestaltete. Dennoch: alleine die Tatsache, dass sie alles selbst machte, anstatt Arbeitsschritte an irgendwelche Assistenten zu übergeben, kam mir sehr gelegen.

Außerdem hatte sie den Anstand, Silikonhandschuhe überzuziehen und den Sitz der Zahnspange von vorne zu begutachten, anstatt wie der andere Arzt nur von hinten, was nur so wirkte, als wäre er nur halbherzig bei der Sache (aber vielleicht unterschätze ich ja nur seine räumliche Vorstellungskraft). Bei Manchen stimmt halt sofort die Chemie, während man mit Anderen aller objektiven Tatsachen zum Trotz irgendwie nicht ganz warm wird. Man muss auch sagen, dass die besagte Vertretungs-Ärztin wesentlich wortgewandter war, wodurch auch der Eindruck entstand, dass sie sich auch wirklich bemüht, auf die Belange des Patienten optimal einzugehen. So sollte es doch bei allen Ärzten sein.

» MasterOers » Beiträge: 348 » Talkpoints: 1,16 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Einerseits kann ich dir recht geben - auch bei mir hat die Kieferorthopädin nicht sehr lange überprüft, ob die Zahnspange auch tatsächlich passt. Sie hat mich zuerst gefragt: „Passt die Zahnspange?“ Ich antwortete: „Nein, vorne drückt es sehr am Zahnfleisch. “ Danach hat sie kurz mit der Zange die Drähte gebogen und mir die Zahnspange gereicht. Tatsächlich drückte sie nicht mehr und zum Schluss wollte sie ein Feedback von mir haben. Ich sagte einfach „Ja, sie passt jetzt.“, da sie etwas gestresster fragte. Am Anfang war ich zufrieden und probierte die Zahnspange wieder Zuhause aus. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Zahnspange nun etwas zu locker eingestellt war.

Ich habe es einfach wegen dem Zeitdruck nicht bemerkt. Natürlich war ich etwas verärgert, aber ich sah auch ein, dass die Ärzte heutzutage mehr unter Zeitdruck stehen. Am besten sieht man das in Krankenhäusern. Seitdem statt der Betttage der chirurgische Eingriff vergütet wird, werden Patienten teilweise mit offenen, unverheilten Wunden nachhause geschickt. Ich kann dich verstehen, aber vielleicht hat dein Kieferorthopäde/in einfach viel Zeitdruck gehabt. Falls du bei ihm/ihr trotzdem Zweifel haben, kannst du tatsächlich an deren Kompetenz zweifeln.

Denn um Medizin studieren zu können braucht man nicht zwingend einen Einser-Durchschnitt. Wer ein schlechteres Zeugnis hat, kann sich auf die Warteliste setzen. Dann muss man zwar bis zu 12 Seminare warten, aber letztendlich kommt es ja darauf an, ob man angenommen wird. Allerdings kann ich das Fehlen der Handschuhe bei der Assistentin nicht verstehen. Ich hätte sie höflich darum gebeten, Schutzhandschuhe zu tragen. Denn als Patient hast du das Recht auf eine solche Hygienemaßnahme!

» Yunna » Beiträge: 44 » Talkpoints: 17,03 »



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