Heilungschancen und Therapie bei Epilepsie?

vom 19.07.2013, 21:18 Uhr

Wie ich in diesem Thread schon geschrieben habe, hat das Kind einer Bekannten einen Epilepsieanfall gehabt. Das Kind liegt jetzt im Krankenhaus. Aber wie sind eigentlich die Heilungschancen bei Epilepsie? Kann diese Krankheit überhaupt geheilt werden oder kann man sie nur lindern? Welche Therapie braucht ein Epileptiker? Kann ein Epileptiker ein ganz normales Leben führen oder ist dieses Leben immer ein wenig eingeschränkt?

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» supermami » Beiträge: 2317 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Meine Schwester hat auch Epilepsie. Ich glaube, eine hundertprozentige Heilung gibt es nicht. Aber Epilepsie ist ja nicht gleich Epilepsie. Es gibt sehr schwache Formen und auch sehr starke, bei denen die Betroffenen immer einen Helm tragen müssen, weil es jederzeit so weit sein kann und auch häufig passiert. Bei meiner Schwester ist es das erste Mal passiert, als sie das erste Mal in einer Disko war. Das Stroboskop wird vielen zum Verhängnis.

Sie nimmt seit Jahren Medikamente. Leider immer wieder unterschiedliche, weil sie einige nicht verträgt oder sie dann wieder zu schwach eingestellt sind. Bei den einen hat z.B. sie sehr stark abgenommen, weil sie keinen Hunger mehr hatte. Dann muss sie wieder ein anderes Medikament nehmen. Das muss dann erst wieder auf die richtige Dosis eingestellt werden und erst mit der Zeit stellt sich raus, ob es geeignet ist oder nicht.

Richtige Anfälle hatte sie aber seit Jahren nicht mehr. Aber manchmal hat sie so kleine. Dann ist sie abwesend, bekommt von ihrer Umwelt nichts mehr mit, zuckt ganz, ganz leicht. Dann lässt man sie am besten einfach in Ruhe. Danach ist sie sehr fertig und muss sich schlafen legen.

Seit einigen Wochen hat sie ein Gerät. Das ist so wie ein Herzschrittmacher, nur eben für´s Gehirn. Es sieht aus wie ein Hörgerät. Sie trägt es jeden Tag für ein paar Stunden. Damit geht es ihr sehr gut. Vielleicht kann sie dann irgendwann auf die Medikamente verzichten. Diese schaden ihrem Körper nämlich natürlich auch. Medikamente gehen ja immer besonders auf die Leber, die für Giftstoffe zuständig ist.

Einschränkungen hat sie leider schon dadurch. Obwohl sie Sozialpädagogin ist und in der Behindertenarbeit tätig ist, haben Arbeitgeber oft ein Problem damit und wollen sich nicht darauf verlassen, dass sie keine Gefahr für sich und die Behinderten darstellt. Oft ist sie von Vornherein abgelehnt worden oder dann in der Probezeit noch entlassen worden.

Außerdem hat sie sich gegen das Kinderkriegen entschieden. Entweder sie würde während der Schwangerschaft auf die Medikamente verzichten und Anfälle riskieren, die für sie und das Kind gefährlich wären. Oder sie würde weiterhin die Medikamente nehmen, die dem Kind ebenso schaden. Dass sie nicht schon längst schwanger ist, ist ein Wunder. Jahrelang hat sie die Pille genommen und hat dann, als sie den Gynäkologen gewechselt hat, erst erfahren, dass diese durch die Epilepsie-Medikamente eigentlich wirkungslos war. Seitdem hat sie die Kupferspirale.

Autofahren tut sie auch nicht mehr. Sie ist mal von der Polizei angehalten worden. Sie war Schlangenlinien gefahren und hat die Mittelplanke gestreift. Sie hatte eben so einen leichten Anfall und hat es aber gar nicht gemerkt. Nur bei der Kontrolle konnte sie dann die Tür gar nicht öffnen, weil die von der Mittelplanke eingedrückt war. Die haben alle möglichen Drogentests gemacht, weil sie es gar nicht glauben konnten. Aber den Führerschein verloren hat sie nicht. Es war ihre freiwillige Entscheidung, nicht mehr zu fahren, vor allem weil das Vorbeifliegen der Landschaft eben anfallauslösend wirkt.

Also es kommt wirklich auf den Schweregrad der Krankheit an. Meine Schwester hat einen mittleren Schweregrad. Bei einer leichteren Form lässt es sich mit Medikamenten bestimmt sehr gut in den Griff bekommen. Aber bei einer schweren Form ist man wirklich behindert. Das Gehirn nimmt ja bei den Anfällen auch immer wieder Schaden. Wobei meine Schwester auch einen Behindertenausweis beantragen könnte. Aber der hat eben nicht nur Vorteile.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Wie schon dargestellt gibt es verschiedenste Ausprägungen dieser Erkrankung. Es kommt auch vor dass sich während der Pubertät der Körper so verändert dass die Erkrankung vergeht. Es macht also keinen Sinn hier eine Glaskugel zu Rate ziehen zu wollen. Sinnvoll ist auf jeden Fall sich bei NAKOS schlau zu machen wegen einer Selbsthilfegruppe. Vor allen Dingen die Eltern werden froh sein wenn sie sich austauschen können stelle ich mir vor. NAKOS ist die nationale Anlaufstelle für Selbsthilfegruppen. Dass es eine für Eltern gibt weiß ich sicher.

Wenn die Erkrankung nach der Pubertät noch besteht - es gibt Versuche zu heilen. Der Weg ist aber noch in der Entwicklung und längst nicht für jeden Menschen geeignet. Ansonsten müssen keine Einschränkungen bestehen lässt sich die Erkrankung medikamentös gut einstellen und achtet die erkrankte Person auf ihre Gefühlswelt. Bzw. ihr Umfeld. Unter Umständen macht es Sinn sich über Arztbewertungsportale oder anhand der Empfehlungen aus der Selbsthilfe einen Facharzt zu suchen.

» dawala » Beiträge: 5 » Talkpoints: 2,75 »



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