Warum schlagen so viele Demenzkranke um sich?

vom 10.06.2013, 10:13 Uhr

Ich habe mich vor Kurzem mit einer Bekannten über den demenzkranken Opa meines Verlobten unterhalten, weil ich wusste, dass es ihrer Oma nicht anders ging. Nun hat sie mir erzählt, dass es bei ihrer Oma so war, dass sie dann auch um sich geschlagen hat und das gerade bei den Menschen, die sich gekümmert haben. Das habe ich auch schon von anderen Seiten gehört und nun frage ich mich warum das so ist.

Fühlen sich diese Menschen so weit in die Enge gedrängt? Ihre Oma war beispielsweise immer eine ganz liebe nette Frau und ich konnte mir das gar nicht vorstellen. Bei wie vielen Prozent der Demenzkranken ist das so? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Warum schlagen so viele um sich?

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



Bei meiner Großmutter war das zum Teil auch so. Ich denke, dass liegt einfach daran, dass sie Angst haben, weil sie gar nicht verstehen, was gerade passiert. Es ist ja nicht nur so, dass sie vergesslich sind und sie die Menschen, die sich um sie kümmern, nicht mehr erkennen. Das allein wäre schon Grund genug. Aber sie werden ja auch wieder wie kleine Kinder, die die einfachsten Sachen nicht verstehen. Und kleine Kinder werden auch bockig, wenn sie Tabletten schlucken sollen und nicht verstehen warum.

Und der Charakter verändert sich auch, wenn man nicht mal weiß, wer man ist. Meine Großmutter war zeitlebens keine liebe, nette Frau. Aber in der Demenz, als sie hilfebedürftig war und eben wie ein kleines Kind, war sie manchmal richtig lieb. Meine Mutter hat das sehr bewegt, dass sie so spät noch eine liebe Mutter hatte. Wenn auch nur für kurz, weil sie dann auch meine Mutter irgendwann nicht mehr erkannt hat.

Oder verwechsel ich hier jetzt Demenz mit Alzheimer? Also, meine Großmutter hatte Alzheimer. Vielleicht ist es anders, wenn man "nur" Demenz hat.

Benutzeravatar

» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Dieses Verhalten ist meist nicht mehr gesteuert, sondern einfach nur Ausdruck von Überforderung und Unvermögen mit einer Situation umzugehen oder zu kommunizieren, was man denn will und in welcher Realität sich der Demenzerkrankte gerade selbst befindet. Im Grunde ist das dann eine Verzweiflungstat. Dem kann man am ehesten begegnen, wenn die Betreuungspersonen geschult werden, wie sie damit umzugehen haben. Im Übrigen passiert es aber auch oft, dass einst eher lebhafte und temperamentvolle Zeitgenossen immer ruhiger und zurück gezogener werden.

Benutzeravatar

» Bellikowski » Beiträge: 7700 » Talkpoints: 16,89 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich arbeite seit geraumer Zeit in einem Alten- und Pflegeheim und bin vorerst in der Demenzstation untergebracht.
Dort haben wir zwei Bewohner, die hin und wieder kratzen oder zu treten. Das ist im Verhältnis zur Größe der Wohngemeinschaft recht wenig, wie ich finde, denn wir haben in der Wohngemeinschaft 28 Bewohner. Selten schlägt eine der beiden Bewohner um sich, aber nur, wenn man sie pflegt. Wenn man ihr essen an reicht, ist sie wieder ganz lieb und hat schon vergessen, dass sie einige Minuten zuvor gekratzt oder getreten hat.

Weshalb genau diese Bewohner kratzen und um sich schlagen, weiß ich nicht. Ich bin auch recht neu und habe noch nicht die Biografie aller Bewohner durchgelesen, sodass ich sagen könnte, dass Bewohner A kratzt, weil sie psychische Schäden oder Ähnliches hat.

Ich als Laie vermute allerdings, dass die Bewohner, die um sich schlagen nur zuschlagen, weil man ihnen nicht erklärt, was man macht. Ich habe beobachtet, dass einige Pflegekräfte einfach Hand anlegen und die Bewohner ausziehen, um sie beispielsweise zu duschen. Wenn ich allerdings für einen Bewohner zuständig bin, sage ich ihm, was ich jetzt vorhabe und dass beispielsweise ein feuchter Waschlappen zum Einsatz kommt. So vermeide ich eigentlich, dass die zwei Bewohner bei mir aggressiv werden.

Ich als Neuling traue mich allerdings noch nicht, den (meist) examinierten Altenpfleger Tipps zu geben, da ich neu bin und es falsch empfinde, denen besserwisserische Tipps zu geben, die wahrscheinlich auch noch falsch sind. Vielleicht mögen die beiden Bewohner mich einfach und kratzen deshalb selten/kaum bei mir.

» Gamer » Beiträge: 432 » Talkpoints: 2,69 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich hatte bisher keine Erfahrung mit Demenzkranken und kann deshalb auch nicht sagen, warum sie kratzen und um sich schlagen. Aber mir leuchtet das vollkommen ein, was „Gamer“ schreibt. Wer von uns würde nicht aufsässig werden, wenn eine Pflegekraft einfach beginnt, einem die Sachen auszuziehen oder ohne etwas zu sagen mit einem kalten Waschlappen anfängt, den Kranken zu waschen. Dabei ist es so einfach zu sagen, was man jetzt machen möchte. Auch der Kranke hat Gefühl, das noch nicht ganz der Vergangenheit angehört. Ich finde es schlimm, dass examinierte Pflegekräfte so brutal vorgehen und keine Rücksicht auf die Psyche nehmen. Dabei kostet eine nette Information auch nicht viel mehr Zeit.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^