Was fällt alles unter alternative Medizin und Heilmethoden?

vom 02.06.2013, 12:52 Uhr

Ich dachte immer, dass Naturheilkundler oder Ärzte, die auf Homöopathie setzen zu der alternativen Medizin gehören. Aber meine Cousine meinte, dass Naturheilkunde auch nichts mit Homöopathie zu tun hat und damit nicht zu einer alternativen Medizin oder alternativen Heilmethode zählen. Sie meint, dass Heiler, die mit Handauflegen heilen können oder auch Akkupunktur dazu gehört. Sie schloss aber Homöopathen und Naturheilkundler völlig aus.

Was fällt eigentlich alles unter der alternativen Medizin? Welche Ärzte befassen sich mit der alternativen Medizin und bieten alternative Heilmethoden an? Was haltet ihr von Alternativmedizin und dessen Heilmethoden?

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» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Der Unterschied, den deine Cousine meint, bezieht sich doch vielmehr auf die Anerkennung. Homöopathie ist eine alternative Heilmethode, die mit Schulmedizin nichts zu tun hat. Daher der Name "alternativ". Also ist alles, was nicht Schulmedizin ist, eine alternative Methode. Aber im Gegensatz zu Handauflegen, ist die Homöopathie in Deutschland mittlerweile anerkannt und wird zumindest von privaten Kassen bezahlt. Auch Akupunktur wird zum Teil übernommen.

Ich halte bisher nicht sonderlich viel von diesen Alternativmethoden. Im Endeffekt wirken sie alle durch den Placebo-Effekt. Also ist das erst mal nichts für Skeptiker wie mich. Aber ich sehe schon auch große Unterschiede. Homöopathie und Akupunktur sind schon was anderes als Auspendeln. Ich kenne einen Jungen, der jetzt kein Weizen mehr essen darf, weil sein ausgestreckter Arm mit dem Weizen in der Hand etwas schneller schwach wurde als der Arm mit der Gerste. Klingt lächerlich und das ist es meiner Meinung nach auch. Aber das die Chinesen seit Jahrhunderten interessante Heilkräuter kennen, ist gar nicht lächerlich. Dass die gegen Krebs helfen, glaub ich aber wieder nicht. Es ist alles eine Frage des Umgangs.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Unter dem Begriff 'Alternative Medizin' werden Therapiearten im Rahmen einer medizinischen Behandlung zusammengefasst, die außerhalb der sog. Schulmedizin (= Medizin, die standardmäßig im Rahmen des Medizinstudiums gelehrt werden) stehen. Manchmal werden auch Begriffe wie Naturheilkunde oder Regulationsmedizin verwendet. Wer die Erfolge der Alternativen Medizin als reinen Placebo-Effekt abtut, hat sich nicht offen und gründlich mit dieser Materie beschäftigt. Gerade bei sehr kleinen Kindern und Tieren wirken alternative medizinische Methoden sehr gut.

Folgende Verfahren gehören zur Alternativen Medizin (ich gehe nicht auf alle groß ein, das würde den Rahmen hier sprengen):

    1. Phytotherapie, also die Therapie mit Wirkstoffen, die direkt aus Pflanzen gewonnen werden. Diese Heilkunst ist in jedem Fleckchen der Erde älter als jede schulmedizinsche Methode, ihre Wirksamkeit ist vielfach belegt und auch viele Tiere nutzen sie instinktiv. Drolligerweise vertrauen die Zweifler an dieser Heilmethode ihr sehr häufig doch - schlicht aus Unkenntnis. Sie wissen nicht, dass einige Wirkstoffe aus Pflanzen im Labor 1:1 nachgebaut werden und als anerkannte Medikamente in der Schulmedizin zum Einsatz kommen.
    2. Homöopathie, eine der am heftigsten angegriffenen alternativen Heilverfahren. Immer wieder wird das Argument hervorgezerrt, dass homöopathische Verdünnungen soviel Wirkstoff enthalten wie ein Tropfen der Substanz im Bodensee. Zugegebenermaßen ist es schwer erklärlich, wie Homöopathie und die ihr verwandte Anwendung von Schüssler Salzen wirken soll. Aber darf man die Wirksamkeit einer Heilmethode, die nachweislich schon vielen Menschen und Tieren geholfen hat, verneinen oder in den Bereich der Einbildung (Placebo) rücken, nur, weil man (noch) nicht weiß, wie der Wirkmechanismus funktioniert? Dann müsste man konsequenterweise auch behaupten, dass es z.B. Radioaktivät erst seit 1896 gibt.
    Belegt ist übrigens seit vielen Jahren, dass ein bestimmtes homöopathisches Präparat gerade in der Hochpotenz, also in sehr hoher Verdünnung, zu einer signifikanten Vermehrung der Leukozyten im Blut führt.
    3. TCM und Akupunktur
    4. Bioenergetische Medizin
    Dazu gehören einige Verfahren, die z.T. auch von Naturheilkundlern mit Skepsis betrachtet (nicht grundlegend abgelehnt) werden, wie z.B. Bioresonanz, aber auch die Magnetfeldtherapie, an deren Wirksamkeit kaum mehr Zweifel besteht.
    5. Ernährungstherapie mit den Gebieten Grund- und Präventivernährung und Orthomolekulare Medizin.
    6. Aromatherapie
    7. Bachblütentherapie, die man gerade bei psychischen Problemen gut versuchen kann. Auch Laien können für sich gefahrlos selbst probeweise eine Mischung zusammenstellen, denn Bachblüten haben nie, im Gegensatz zur Homöopathie, unerwünschte Wirkungen. Im schlimmsten Fall haben sie keinen Erfolg (trotz Wunschdenkens des Patienten, also trotz eines zu erwartetem Placebo-Effekts).
    8. (Edel)Steintherapie
    9. Umweltmedizin, ein wichtiges Kriterium der Ganzheitlichen Medizin.
    10. Organotherapie
    11. Ayurvedische Medizin
    12. Osteopathie
    13. Physikalische Therapie, wozu z.B. Chiropraxis, Physiotherapie, Bewegungstherapie und Massage gehören.
Ich hoffe, ich habe nichts Wesentliches vergessen. Das Handauflegen eines Geistheilers, hat nichts mit Medizin zu tun, also auch nichts mit alternativer Medizin. Aber auch das soll manchem Patienten schon geholfen haben, weshalb ich es nicht herabwürdige, allein schon deshalb, da ich davon nicht besonders viel verstehe. Aber auch die bloße Berührung eines lieben Menschen hat schon manchem geholfen, ohne dass man daraus eine Therapieform ableiten kann - oder doch? Immerhin werden bei angenehmen Berührungen Endorphine freigesetzt.

Bienenkönigin hat geschrieben:Homöopathie und Akupunktur sind schon was anderes als Auspendeln. Ich kenne einen Jungen, der jetzt kein Weizen mehr essen darf, weil sein ausgestreckter Arm mit dem Weizen in der Hand etwas schneller schwach wurde als der Arm mit der Gerste. Klingt lächerlich und das ist es meiner Meinung nach auch.

Manche Therapeuten versuchen über die Muskelspannung des Patienten herauszufinden, wie bestimmte Substanzen auf den Organismus dieser Menschen wirken. Das hat aber nichts mit pendeln zu tun, das funktioniert anders. Ob diese Methode richtig ist, maße ich mir nicht an zu beurteilen, da ich mich damit nicht genug beschäftigt habe. Dass sich die Muskelspannung aber auch in Situationen ändert, die primär nicht mit Muskelaktivität per se in Verbindung zu bringen sind, ist für Physiologen ein alter Hut.

Bienenkönigin hat geschrieben:Aber das die Chinesen seit Jahrhunderten interessante Heilkräuter kennen, ist gar nicht lächerlich.

Das Kennen von Heilkräutern ist altes Wissen in jedem Kulturkreis, s.o. , das so nur so nebenbei.

Bienenkönigin hat geschrieben:Dass die gegen Krebs helfen, glaub ich aber wieder nicht.

Und die Alternative der Schulmedizin, nämlich der Einsatz von Zytostatika, also Chemotherapie, hilft gegen Krebs?

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» Vega » Beiträge: 207 » Talkpoints: 137,19 » Auszeichnung für 100 Beiträge



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