Woher wird beim Fasten Energie bezogen?

vom 28.05.2013, 14:35 Uhr

Das Fasten bzw. Heilfasten bezeichnet einen freiwilligen Verzicht auf Nahrungsaufnahme mit dem Ziel der Verbesserung des Wohlbefindens sowie der allgemeinen Gesundheit. Nicht nur, dass man schon nach kurzer Zeit einen gewissen Rausch vernehmen können soll; auch die Fettverbrennung soll durch das Fasten extrem verstärkt werden. Man schätzt, dass beim Fasten am Tag bis zu 350g Körperfett verbrannt werden. Aber wie steht es um das übrige Gewebe?

Man nimmt an, dass nach einer gewissen Zeit auch die Muskelreserven angezehrt werden, wovon dann sogar der Herzmuskel betroffen sein kann. Dies geschehe aber erst dann, wenn alles Körperfett bereits aufgebraucht ist. Andere Quellen behaupten dagegen, Muskeln würden schon von Anfang an zur Energiegewinnung herangezogen, wenn sie nicht beansprucht werden und da weiß ich nun nicht was ich glauben soll.

Ich faste ab und zu ganz gerne, da ich dabei immer das Gefühl habe eine ganz besondere Leichtigkeit und Klarheit des Seins zu erleben. An dem Nebeneffekt der Fettverbrennung vermag ich mich kaum zu stören, da ich (subjektiv betrachtet) durchaus ein paar Gramm zu viel auf den Rippen habe. Naja, 65kg bei 1,90m aber mein Bauch ist nicht der flachste. Ich fände es aber nicht so toll, wenn ich während des Fastens auch Muskelmasse verlieren würde. Schließlich ist diese mehr oder weniger hart erarbeitet.

Wie ist das also: in welcher Reihenfolge wird welches Körpergewebe bei Nahrungsentzug zur Energiegewinnung herangezogen?

» MasterOers » Beiträge: 348 » Talkpoints: 1,16 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ganz pauschal kann man das sicherlich nicht sagen. Das hängt davon ab, wie hoch der Körperfettanteil und die Muskelmasse ist. Bei einer Körpergröße von 1,90m und nur 65kg ist der Körperfettanteil sehr niedrig, aber es besteht auch keine große Muskelmasse. Mit diesen Daten zählt man ganz sicher schon als sehr untergewichtig. Der kleine Bauch, den du da ansprichst, ändert daran auch nichts.

In diesem Fall bedient sich der Körper sicherlich aus allen noch vorhandenen Quellen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Fasten gesund ist, ganz besonders nicht bei den von dir beschriebenen Voraussetzungen. Bei einer Dauer von einer Woche ist das vielleicht nicht besonders schädlich, aber trotzdem würde ich an deiner Stelle unbedingt ärztlichen Rat suchen.

» Weasel_ » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Naja, etwas Muskelmasse ist an mir schon dran, aber Fett in der Tat ziemlich wenig. Deswegen ja auch meine Frage, ob bei mir während des Fastens nicht gleich die Muskeln "angeknabbert" werden. So untergewichtig bin ich übrigens gar nicht und mein BMI ist gerade noch im Normbereich. Außerdem hängt das auch immer ein wenig vom individuellen Körperbau ab.

Auf die Idee eine Woche lang zu fasten bin ich übrigens eh nie gekommen. Das macht dann wahrscheinlich auch keinen Spaß mehr. Generell ist Fasten aber nicht ungesund, wenn man es denn richtig anstellt. Freilich gibt es da aber Einiges zu beachten. Was ich jedenfalls mit Fasten meinte sind nur kürzere "Hungerperioden", so von zehn Stunden maximal.

» MasterOers » Beiträge: 348 » Talkpoints: 1,16 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Einen Zeitraum von zehn Stunden kann man nicht als Fasten bezeichnen. Die meisten Menschen werden sehr häufig über einen solchen Zeitraum nichts essen, wenn er nicht gerade direkt vor dem Schlafen gehen und direkt nach dem Aufwachen jeweils etwas isst.

In diesem Zeitrahmen werden die Glykogenspeicher nicht leer werden, solange man nicht aktiv Sport betreibt oder man sich falsch ernährt, also allgemein zu wenig Kohlenhydrate zu sich nimmt. Die Glykogenspeicher enthalten bei einem normalen Menschen zwischen 300-400 Gramm Kohlenhydrate, was fast dem Grundumsatz eines ganzen Tages entspricht. Du wirst also in deiner kurzen "Hungerphase" kaum Fett oder Muskelmasse, sondern hauptsächlich Glykogen verbrennen.

Wenn man Sport betreibt, sieht das natürlich etwas anders aus. Dann wird aber auch Eiweiß und Fett verbrannt. Dann sollte man natürlich auf eine vernünftige Ernährung achten und dazu gehört es auch, sich vor und nach dem Training mit ausreichend Kohlenhydraten einzudecken. Leere Glykogenspeicher reduzieren die Leistungsfähigkeit des Körpers erheblich.

» Weasel_ » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Also ich glaube kaum beziehungsweise bezweifel sogar, dass beim Fasten am Tag ein drittel Kilo Körperfett verbrannt wird. Das entspricht ja einem massigen Energieverbrauch, das ist einfach nicht möglich. Zumal der Körper, bevor er eben an das Körperfett beziehungsweise die Fettreserven im Körper geht, sowieso erst einmal von den Proteinen aus den Muskeln seinen Energiebedarf deckt.

Fasten allgemein kann auch gar nicht gesund sein, denn hierbei wird weder irgendwelche "Schlacke" entfernt, so wie es beim Heilfasten der Fall ist beziehungsweise sein soll, noch gesund abgenommen. Primär wird hier nämlich als erstes Muskelmasse abgebaut, nachdem die Glykogen-Speicher zur Neige gegangen sind. Erst nach und nach beginnt der Körper auch damit Fettzellen zur Energiebereitstellung zu verstoffwecheln.

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» KingTarzan » Beiträge: 722 » Talkpoints: 0,49 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Dass Fasten nicht zur Entfernung von "Schlacken" beiträgt - weil sie gar nicht existieren -, ist mir bekannt. Dennoch hat Fasten seine Vorteile. Das Immunsystem beginnt auf Hochtouren zu laufen, weshalb ich bis jetzt gegen Infekte immer (erfolgreich) angefastet habe, und auch psychisch sind oftmals positive Effekte zu verzeichnen, sofern das Fasten freiwillig erfolgt. Was die Fettverbrennung anbelangt, so läuft diese gewiss nicht sofort an, sondern erst bei stärkerer körperlicher Aktivität und/oder sobald der Körper auf den so genannten Hungerstoffwechsel umgeschaltet hat. Dies erfolgt in der Regel nach etwa zwei Tagen.

Freilich ist Fasten nicht für jeden gleichermaßen gesund. So wird durch das Fasten kurzfristig der Blutdruck erhöht sowie der Körper mit Stresshormonen geflutet, was z.B. für Bluthochdruckpatienten natürlich kein so wünschenswerter Effekt ist. Außerdem läuft man bei längerem Fasten Gefahr einen Nährstoffmangel zu erwerben. Aus diesen Gründen wird empfohlen sich vor längerem Fasten von einem Arzt durchchecken zu lassen und man braucht für eine Fastenkur einen ordentlichen Ernährungsplan, um eine adäquate Nährstoffversorgung sicherstellen zu können.

» MasterOers » Beiträge: 348 » Talkpoints: 1,16 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Fakt ist, dass Fasten nicht ohne Risiken ist, auch wenn es vielleicht den ein oder anderen positiven Effekt bieten kann. Die große Frage ist, ob sich dieses Risiko lohnt. Ohne professionelle Unterstützung ist es jedenfalls eine sehr gefährliche Sache, besonders wenn man sowieso schon eher untergewichtig ist. Dazu kommt, dass die psychischen Effekte von Fasten schlicht auf dem Placebo-Prinzip basieren. Zur Stabilisierung der Psyche gibt es jedenfalls bessere Methoden.

» Weasel_ » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Naja, alles hat so seine Risiken. Außerdem sind die positiven Effekte des Fastens auf die Psyche nicht von der Hand zu weisen; sie alle lassen sich auf physiologischer Ebene sehr gut begründen. So werden beim freiwilligen Nahrungsverzicht bspw. Endorphine ausgeschüttet, der Sympathikus arbeitet verstärkt, wodurch sich u.A. die geistige Leistungsfähigkeit verbessert. Außerdem ist während des Fastens die Stress-Resistenz besonders stark ausgeprägt, wahrscheinlich weil die Nebenniere schon zu Beginn der Hungerphase alles Adrenalin "verballert" hat. Hinzu kommt eine verbesserte Durchblutung des Gehirns, da während des Fastens die Durchblutung des Magens sowie des gesamten Verdauungstraktes logischerweise weitestgehend heruntergefahren ist.

» MasterOers » Beiträge: 348 » Talkpoints: 1,16 » Auszeichnung für 100 Beiträge


All die von dir beschriebenen Effekte kann man auch durch simplen Sport erzielen. Wenn man das noch durch Entspannungstechniken wie beispielsweise autogenes Training unterstützt, kann man auch einen gewaltigen psychischen Effekt bewirken. Wieso sollte man also fasten, mit all den verbundenen Nachteilen und Risiken? Schließlich kann man nicht ständig fasten. Regelmäßigen Sport und Entspannungstechniken kann man dagegen regelmäßig, wenn nicht gar täglich, anwenden. Allein deshalb dürfte das wesentlich effektiver sein, weil man dann eine dauerhafte Wirkung erzielen kann.

» Weasel_ » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Naja, wenn Du vom Sport heimkommst und Dir gleich ein fettes Steak reinpfeifst, ist der durchblutungsfördernde Effekt des Sports auf das Gehirn schonmal hin ;). Autogenes Training ist an sich sicherlich nicht weniger wirksam als Sport aber Fasten ist eben noch eine zusätzliche Maßnahme und manchmal auch die einzige praktikable, wobei ich hier mit Fasten immer noch den kurzen Nahrungsverzicht (nicht über 10 Stunden) bezeichne.

» MasterOers » Beiträge: 348 » Talkpoints: 1,16 » Auszeichnung für 100 Beiträge


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