Sollten akute Schmerzen wirklich sofort unterdrückt werden?

vom 27.05.2013, 11:12 Uhr

Ich habe manchmal Kopfschmerzen und eigentlich wurde ich so erzogen, dass ich nicht bei jedem Wehwehchen eine Tablette nehme. auch wenn ich meine Periode habe, habe ich oft Bauchschmerzen und versuche so lange wie möglich ohne Schmerzmittel auszukommen. Aber nun habe ich in der Zeitung "TV 14" gelesen, dass man akute Schmerzen sofort unterdrücken sollte. Denn wer Schmerzen aushält würde einen Fehler machen. Grund dafür wäre folgender:

Im Gehirn haben wir einen Erinnerungsspeicher. Dieser Erinnerungsspeicher speichert auch Schmerzen ab und hält irgendwann die Schmerzen für eine Normalität und schon ist der akute Schmerz ein chronischer Schmerz. Die meisten, die oft Kopfschmerzen haben sind es selber Schuld, weil der Erinnerungsspeicher sagt, dass Kopfschmerzen eine gewisse Normalität haben und sendet immer wieder Schmerzen an den Körper. Die chronischen Schmerzen sind dann auch keine Schutzfunktion des Körpers mehr, die eine Krankheit signalisieren, sondern sind einfach vom Gehirn als normal angesehen.

Jeder akute Schmerz sollte deswegen sofort und ohne Ausnahme behandelt werden. Das hört sich ja erst einmal ganz gut an. Aber ich frage mich dann, ob die Schmerzmittel nicht auch Schaden können, wenn man diese bei jedem kleinen Schmerz nimmt. Nehmt ihr bei jedem kleinen Schmerz eine Tablette und was haltet ihr von der Aussage von Prof. Dr. Walter Zieglgänsberger aus der klinischen Neuropharmakologie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, der diesen Artikel wohl verfasst hat?

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» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Die Sache ist doch die, dass man Schmerzen nicht nur mit Schmerzmittel behandeln kann. Sicher sollte man nicht einfach weiter Marathon laufen, wenn man Regelbeschwerden hat oder weiter Computerspiele zocken, wenn man Kopfscherzen hat. Ausruhen, viel trinken, Wärmeflasche, Raum abdunkeln und so weiter und so weiter. Das ist doch auch schon Schmerzbehandlung. Vor allem ist es eine Behandlung, die die Ursache miteinschließen kann und das sollte man auch, wenn es möglich ist.

Einfach Schmerzmittel einzuwerfen und dann fröhlich weitermachen, erachte ich jedenfalls nicht für sinnvoll. Wenn man Schmerzen hat, will der Körper einem damit etwas mitteilen und darauf sollte man hören. Den Schmerz zu betäuben und weiterzumachen, ist nicht dir richtige Lösung. Der Körper hat dann weiterhin das selbe Problem, nur hört man es nicht mehr. Der Erinnerungseffekt wird doch durch Schmerzmittel auch nicht außer Kraft gesetzt. Der Schmerz tritt trotzdem immer wieder auf, weil ja nicht die Ursache bekämpft wurde.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Bienenkönigin hat geschrieben:Sicher sollte man nicht einfach weiter Marathon laufen, wenn man Regelbeschwerden hat oder weiter Computerspiele zocken, wenn man Kopfscherzen hat.

Das mit den Kopfschmerzen ist sicherlich richtig, nur das mit den Regelschmerzen muss nicht so sein, denn manch einem hilft gerade die moderate Bewegung sehr gut, seine Regelschmerzen in den Griff zu bekommen. Marathon muss vielleicht nicht unbedingt sein, aber ich kenne auch Leute, die tatsächlich schon einen Marathon gelaufen sind, während sie ihre Regel und Regelschmerzen hatten und die meinten, dass das so in Ordnung war.

Generell hat dieser Professor Recht und man sollte wirklich nicht zu lange warten bis man ein Schmerzmittel einnimmt. Ich muss mich da aber auch an der Nase fassen, denn ich bin auch jemand, der lieber Schmerzen aushält als gleich eine Tablette zu nehmen, obwohl ich beruflich mit Medikamenten zu tun habe :D .

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» Nettie » Beiträge: 7637 » Talkpoints: -2,59 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich habe es eigentlich nie so gemacht, dass ich Schmerzen ausgehalten habe und ich verstehe auch nicht, was es bringen soll, unnötig zu leiden. Wenn ich Regelschmerzen habe, dann nehme ich eine Tablette; das mache ich schon bevor die Schmerzen richtig schlimm werden, denn ich habe keine Lust, die Krämpfe zu ertragen. Wenn ich Kopfschmerzen habe, nehme ich auch was. Schmerzmittel sind ja nur dann ein Problem, wenn man die dauernd nimmt, aber zwei oder drei Tabletten im Monat sind doch ok.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Es geht ja hier nicht darum, Schmerzmittel bei jedem kleinen Schmerz zu nehmen, das hast du falsch verstanden. Aber wenn es kein kleiner Schmerz ist, sondern die Schmerzen schon heftig sind, ist es sinnvoll etwas dagegen zu nehmen, statt abzuwarten. Wartest du nämlich erst noch zwei Stunden, dann sind die Schmerzen nicht nur heftig, sondern schon weit schlimmer als heftig. Wenn du erst dann eine Tablette nimmst, hast du zwei Stunden umsonst die Schmerzen ertragen müssen, bis du trotzdem dann die Tablette genommen hast. Somit hast du nichts gewonnen, weil du dann die Chemie trotzdem im Körper hast.

Unternimmt man nichts gegen Schmerzen, können sie chronisch werden. Damit kein Schmerzgedächtnis entstehen kann, muss vorgesorgt werden. Selbstverständlich ist damit nicht gesagt, dass die Ursache des Schmerzes nicht herausgefunden werden sollte.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Ich halte es für eine ziemlich gewagte These, man könne einen Schmerz einfach erlernen, denn so funktionieren Lernprozesse nicht! Wenn das Gehirn wirklich so arbeiten würde, hieße das auch, dass man auch ein bestimmtes Geräusch permanent hören müsste, wenn man damit nur hinreichend lange umgeben wäre. Sicherlich existieren Phantomschmerzen, doch diese haben eine gänzlich andere Ursache. Ich würde mich bei dem Herren glatt fragen, ob er nicht von der Pharma-Lobby beeinflusst ist.

Der Schmerz erfüllt eine wichtige Funktion: er teilt uns mit, wenn am Körper irgendetwas nicht stimmt und zwingt uns dazu den Auslöser auszuschalten. Wenn man den Schmerz aber unterdrückt, hat der Auslöser unnatürlicherweise weiterhin freie Fahrt und richtet unter Umständen einen bleibenden Schaden an. Bei Kopfschmerzen trifft das vielleicht nicht zu; viel eher denke ich da an Jogger, die gegen belastungsbedingte Gelenkschmerzen Medikamente nehmen um einen Marathon zu überstehen. Das ist dann definitiv der falsche Ansatz.

Ich selbst hatte mal eine mäßig schmerzende Narbe nach einer OP die durchaus einige Tage immer wieder mal einen Schmerzreiz abgab. Schon im Krankenhaus wunderte man sich, warum ich die mir gereichten Schmerzmittel nicht einnehme. Nunja, nach einigen Tagen waren die Schmerzen auch von sich aus weg. Nix mit Schmerzgedächtnis oder Ähnliches! Auch sonst nehme ich praktisch nie Schmerzmittel, außer einmal bei wirklich heftigen Zahnschmerzen. Das Paracetamol war gegen die aber eh weitestgehend machtlos.

» MasterOers » Beiträge: 348 » Talkpoints: 1,16 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von dieser Aussage halten soll, denn man muss auch die andere Seite sehen. Von Schmerzmitteln kann man auch abhängig werden, wenn man sie zu oft einnimmt, weil durch häufige Schmerzmitteleinnahme auch ein Kopfschmerz entsteht, der dann wieder mit Tabletten bekämpft wird. So entsteht ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist. Deswegen sehe ich die Aussage etwas kritisch, dass man jeden Schmerz immer direkt bekämpfen soll.

Ich mache es auch nicht so, dass ich für jeden Schmerz direkt ein Schmerzmittel einnehme. Ich habe nicht sonderlich oft Kopfschmerzen und ich kann mir auch nicht direkt vorstellen, dass ich noch seltener Kopfschmerzen hätte, wenn ich immer direkt ein Schmerzmittel einnehmen würde.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



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