Wie verbreitet ist die Angst vor Löchern wirklich?

vom 26.05.2013, 00:35 Uhr

Phobien gibt es viele: Die Angst vor'm Fliegen, die Angst vor großen Höhen, die Angst vor Spinnen. Weitaus weniger bekannt ist eine Phobie, die im englischsprachigem Raum auf den Namen "trypophobia" hört. Offensichtlich lässt sich das mit "Trypophobie" übersetzen, aber alleine die Tatsache, dass Google mit dieser deutschen Variante nichts anzufangen weiß zeigt bereits wie gering die Zahl der "Erkrankten" eigentlich sein müsste.

Das Krankheitsbild der "Trypophobie" kennzeichnet sich durch übermäßige Angst vor "Löchern" jeglicher Art. Das können die "Löcher" von Schaum sein, die Löcher in einem Ameisenhaufen oder bei irgendwelchen Pflanzen. Was haltet Ihr denn z.B. von so welcher Körperkunst? Ekelt ihr euch auch vor irgendwelchen anderen Löchern?

Ich für meinen Teil finde diese "Körperkunst" wirklich extrem ekelhaft und auch solche Pflanzen finde ich nicht besonders ansehnlich. Da stellt sich aber die Frage ab wann man wirklich von einer Phobie sprechen kann. Bei mir scheint das auch von der Tagesform abhängig zu sein, eben je nach dem, wie aktiv meine Amygdalae gerade sind. Deren Aktivität hängt beispielsweise ziemlich stark davon ab, wie lange man geschlafen hat, aber nicht nur Schlafmangel sondern auch Alkohol verstärkt die Grundaktivität in den Amygdalae (zwei für Emotionen zuständige Hirnareale).

Die Forschung bietet zu dieser Phobie jedenfalls noch keine tiefgreifenden Erkentnisse. Es wird lediglich vermutet, dass man als Mensch solche Loch-Landschaften ekelig findet, weil sie dem Hautmuster eines bestimmten giftigen Tintenfisches ähneln. Da stellt sich aber die Frage, warum diese Phobie dann nicht genauso weit verbreitet ist wie die evolutionär geprägte Phobie vor Spinnen. In der Tat wird die Zahl der "Erkrankten" auf irgendwas mit 0,02% geschätzt, wobei die Trypophobie nur wenig als eine "echte" Phobie "anerkannt" wird. Nur zu oft werden Trypophobie-Erkrankte nicht ernst genommen.

Haltet Ihr die "Angst vor Löchern" für eine Phobie im eigentlichen Sinne, oder findet eigentlich jeder bestimmte Arten von Löchern ekelig? Habt Ihr das Gefühl von der Trypophobie betroffen zu sein?

» MasterOers » Beiträge: 348 » Talkpoints: 1,16 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich kannte das bisher auch noch nicht und möchte mich dafür bedanken, dass du hier davon berichtet hast. Das Thema an sich finde ich sehr interessant, weil ja Löcher eigentlich auch überall vorhanden sind und man sich ihnen nicht so einfach entziehen kann. Ich selber finde keine Löcher eklig oder ängstige mich vor Löchern. Die von dir gezeigten Bilder finde ich beispielsweise eher schön, statt hässlich oder mich davor zu ekeln.

Ich denke, dass es sehr schwierig ist mit so einer Angst zu leben, weil man dann ja auch kaum überleben kann, wenn sie zu extrem ausgeprägt ist. Es gibt ja überall Löcher und ich denke, dass diese Menschen in sehr ausgeprägter Form nicht mal die Wohnung verlassen werden.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ich dachte immer, dass die Angst vor Spinnen zwar in uns ist, aber in jungen Jahren ausgelöst werden muss. Wenn also ein Kind, dass sich noch sehr von Erwachsenen beeinflussen lässt, anwesend ist, wie jemand wegen einer Spinne Panik bekommt und schreit, dann legt das beim Kind einen Schalter um und es hat auch Angst vor Spinnen. Wenn man es schafft, dass das Kind ein gewisses Alter erreicht ohne solch ein Erlebnis zu haben, hat es zeitlebens keine Angst vor Spinnen. Das ist aber sicher sehr vereinfacht dargestellt.

Das würde aber erklären, warum die Angst vor Löchern nicht so verbreitet ist wie die Angst vor Spinnen, wenn diese tatsächlich durch diesen Tintenfisch ausgelöst wird. Das passiert ja wesentlich seltener, dass man so einem Tintenfisch begegnet, zudem noch in Anwesenheit von jemandem, der diese Angst bereits hat.

Ich selber habe keinerlei negative Gefühle beim Betrachten dieser Bilder. Und auch wenn man sie nicht gerade hübsch findet, hat man noch lange keine Trypophobie. Die Körperkunst kann man ja auch einfach so nicht schön finden. Wenn ich normale Tattoos nicht mögen würde, hätte ich ja auch nicht gleich Tattoophobie. Das ist einfach Geschmackssache und auch Gewöhnungssache. Solche Körperkunst ist ja nicht weit verbreitet. Da kann man schon mal verwundert sein und es seltsam finden, dass sich jemand so etwas machen lässt.

Von einer Phobie kann man, denke ich, reden, wenn man beim Anblick von Löchern eine körperliche Reaktion zeigt. Wenn dir also wirklich schlecht wird, dein Puls schneller schlägt und du instinktiv wegschauen willst. Ich denke, man muss da schon sehr zwischen Angst, wie groß auch immer, und krankhafter Angst, also Phobie unterscheiden. Viele behaupten, sie hätten Spinnenphobie. Es geht ja auch leicht von den Lippen und eigentlich spielt es auch keine Rolle. Aber die meisten werden wohl nur eine natürliche Angst haben.

In irgendeiner Talkshow wurden mal Leute mit Spinnenphobie eingeladen und die sollten sich dann mit einer Vogelspinne anfreunden. Ein Mädchen, das während dieser einstündigen Show ihre "Phobie" überwand und das Tier über ihre Hand laufen ließ, wurde sehr bewundert. Aber mal ehrlich, wenn du eine Phobie hast, ist es dir schlicht unmöglich, deine Hand ins Terrarium zu stecken. Du würdest eher davor kollabieren, eine Panikattake bekommen und ein Notarzt müsste her. Eine Phobie zu überwinden schafft nur monate- und oft jahrelange psychologische Arbeit.

Ich denke also, dass man nicht "das Gefühl von der Trypophobie betroffen zu sein" haben kann. Wenn man sie wirklich hat, weiß man das, weil man jedes mal ins Schwitzen ausbricht, wenn man irgendwo Löcher sieht. Dann wäre ein normaler Alltag nicht möglich. Sicher gibt es auch leichte Formen, aber irgendwann ist die Grenze zu einer normalen Angst, die man mit ein bisschen Willenskraft überwinden kann, sehr verschwommen.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich finde den Beitrag auch sehr interessant, weil ich die Angst vor Löchern gut verstehen kann. Ich habe jetzt zwar keine Angst davor, dass ich sagen müsste, ich hätte eine Loch-Phobie, aber ich mag Löcher auch nicht gerne, das sieht nicht schön aus. Das ist unangenehm beim Hinsehen und manchmal auch eklig, obwohl es nicht aus ekligen Substanzen besteht.

Wenn man sich Schaum anguckt, sieht man Löcher, die nicht schön aussehen, das hast du ja schon gesagt. Schwämme finde ich auch unangenehm hinsichtlich ihrer Löcher oder gestrickte Kleidung wirft solche Löcher auf. Selbst wenn man sich tief geschnitten hat, sieht das darunter liegende Gewebe aus wie engmaschige Strickereien, wie eine meine Strickjacke sieht das aus. Bah. Nasenporen sind unangenehm anzusehen und was ich ganz schlimm finde, sind bestimmte Bauten wie ich sie besonders in Städten Ostdeutschlands wie Dresden in Chemnitz gesehen habe. Ich denke da vor allem an die Stadthalle in Chemnitz. Das Gebäude besteht quasi nur aus Löchern und ich kann da einfach nicht hinsehen beim Vorbeigehen. Hier mal ein Bild: klick

Ich finde aber die Erklärung komisch, dass wir uns dabei an einen bestimmten Tintenfisch erinnern sollen, dessen Haut solch löchrige Struktur hat. Das finde ich nicht wirklich logisch, denn ich habe in meinem Leben noch keinen Tintenfisch direkt gesehen, die wenigsten Menschen werden das von sich behaupten können. Ich glaube nicht, dass man das dann damit verbindet. Auch evolutionär betrachtet macht das wenig Sinn, denn auch unsere Vorfahren werden andere Feinde gehabt haben als diesen sonstwo lebenden, giftigen Tintenfisch.

» Mandragora » Beiträge: 1763 » Talkpoints: 0,49 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



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