Großes Blutbild als Krebsvorsorge Untersuchung ausreichend?

vom 07.05.2013, 19:17 Uhr

Ich habe neulich gehört, dass man nur mit einem großen Blutbild feststellen kann, ob irgendwo im Körper Krebs ist und irgendwelche Tumorzellen ihr Unwesen treiben. Geht das wirklich, dass man nur mit einem großen Blutbild alle Krebsarten feststellen kann? Warum geht man noch zur Brustkrebsvorsorge oder Gebärmutterhalskrebsvorsorge, wenn man das alles am Blut sehen kann? Muss da ein bestimmter Bluttest gemacht werden? Habt ihr schon mal die Krebsvorsorge durch einen Bluttest machen lassen?

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» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Nur anhand eines sog. Großen Blutbildes kann keine einzige Krebsart festgestellt oder ausgeschlossen werden. Das gelingt nicht einmal bei Formen von Leukämien, die mit einer großen Veränderung der Blutparameter einhergehen.

Für viele Krebsarten gilt aber, dass bei einer Erkrankung bestimmte 'Marker' vermehrt auftreten. Das kann man sich als Anhaltspunkt zunutze machen, ob ein Patient nach erfolgreicher Therapie weiterhin tumorfrei ist oder nicht. Für Prostatakrebs gibt es einen Test, der gezielt eine Erkrankung aufdeckt oder ausschließt. Beides hat aber mit einem Großen Blutbild nichts zu tun.

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» Vega » Beiträge: 207 » Talkpoints: 137,19 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Vega hat geschrieben:Für viele Krebsarten gilt aber, dass bei einer Erkrankung bestimmte 'Marker' vermehrt auftreten. Das kann man sich als Anhaltspunkt zunutze machen, ob ein Patient nach erfolgreicher Therapie weiterhin tumorfrei ist oder nicht. Für Prostatakrebs gibt es einen Test, der gezielt eine Erkrankung aufdeckt oder ausschließt. Beides hat aber mit einem Großen Blutbild nichts zu tun.

Bei diesen sogenannten Tumormarker muss man immer vorsichtig sein. In der Diagnostik finden sie zwar größtenteils Anwendung, aber man muss sie im Kontext mit der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und ggfs. apparativer Diagnostik interpretieren. Der PSA-Wert beispielsweise kann abnorm hoch sein, ohne, dass wirklich ein Prostatakarzinom vorliegt - üblicherweise steigt der PSA mit dem Alter an.

Ganz wichtig werden eben diese Marker in der Nachsorge. Beim Hodentumor beispielsweise gibt es die Marker AFP, ß-HCG und LDH - die Ersteren sind zwar unspefizisch und müssen wie bereits oben erwähnt im Gesamkontext gewertet werden, aber in der Nachsorgen zeigt ein Anstieg beider Parameter mögliche Metastasen an bzw. noch vorhandene Tumorzellen, die eben diese Marker ausschütten (vorausgesetzt es fand nach der Behandlung eine Minderung um rund >70-80% - bestenfalls sogar 100% - statt).

Am großen Blutbild kann man per se keinen Krebs diagnostizieren, dafür sind die besagten Marker zu unspezifisch. Was man aber am großen Blutbild sofort sagen bzw. diagnostizieren kann, ist CLL (=chronisch lymphatische Leukämie) und - unter dem Mikroskop - AML (=akute myeloische Leukämie). Das sind Malignome, die mir auf Anhieb einfallen, die man am Blutbild sofort diagnostizieren kann, weil sie sehr typische Zeichen haben: Für CLL ist nämlich typisch, dass im Blut >80% Lymphozyten (über einen bestimmten Zeitraum) und sogenannte Gumprechtsche Kernschatten morphologisch zu erkennen sind.

Die AML hingegen zeichnen sogenannte Auer-Stäbchen aus, sobald man sie unter dem Mikroskop sieht, kann die Diagnose gestellt werden. Diese Methoden könnten in Zukunft allerdings obsolet werden, weil immer mehr dahingehend Diagnostik gemacht wird, dass Immunphänotypisierung und Zytogenetik populärer werden - sie finden zwar auch heute schon Anwendung, wird aber künftig einen noch größeren Teil einnehmen.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge



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