Mit einem im Koma liegenden Patienten Feste feiern?

vom 08.04.2013, 20:51 Uhr

In meinem Bekanntenkreis liegt schon seit einigen Jahren ein Mann im Koma. die Angehörigen feiern in dieser Einrichtung, wo der Patient liegt, alle Feste mit ihm. An seinem Geburtstag wird ein Kuchen gebacken und alle essen ihn, außer der Patient selber nicht, weil er ja im Koma liegt. Auch Weihnachten wird mit Weihnachtsbaum und dergleichen gefeiert. Da der Patient ja die Augen geschlossen hat und sie auch noch nie während der Komazeit geöffnet hat, bekommt er ja zumindest von dem optischen nichts mit, was die Angehörigen machen.

Würdet ihr mit Komapatienten auch die Feste feiern, die anfallen oder würdet ihr euch anders um diese Leute kümmern? Denkt ihr, dass das Feiern der Feste für einen im Koma liegenden Patienten hilft wieder in die Welt zu kommen, wo er her kommt?

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» Ampelmännchen » Beiträge: 1310 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Natürlich würde ich Weihnachten und Geburtstag mit meinem Kind feiern, wenn es im Koma liegt. Wenn ich glücklich verheiratet gewesen wäre, dann natürlich auch mit meinem Mann. Das hat nichts damit zu tun, dass man hofft, dass er genau an diesem Tag aufwacht, sondern damit, dass der Mensch ja nicht tot ist und man nicht weiß, was er mitbekommt und was nicht. Ich würde auch die Feste mit einem Komapatienten gemeinsam feiern, wenn er zur Familie gehört. Ich finde das eigentlich sogar selbstverständlich.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Ich denke schon, dass man auch mit einem Komapatienten feiern sollte. Immerhin war er ja in der Regel bis dato ein Teil der Familie oder des Freundeskreises und dann sollte man ihn auch weiterhin daran beteiligen. Ich finde, dass das normal sein sollte und nicht als komische Ausnahme gesehen werden sollte. Er ist doch nicht aus der Welt nur, weil er im Koma liegt. Man weiß ja auch nicht, was er noch mitbekommt und wenn da jahrelang kein Besuch kam oder nicht gesprochen wurde, dann ist das deprimierend. Man sollte da schon jeden Versuch des normalen Lebens zulassen.

Gerade bei mir sehr nahestehenden Personen würde ich alles machen, um weiterhin den Anschein eines normalen Lebens zu wahren. Die Routine ist ja vielleicht gar nicht mal so schlecht und jemanden im Bett vor sich hin liegen lassen, würde ich nicht wollen. So bin ich einfach nicht. Da ist feiern doch eine sehr gute Sache.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



Ich würde es ebenso machen und bei ihm feiern. Schaden kann es ihm ja sicherlich nicht. Es sei denn er hat Weihnachten gehasst. Ich z.B. habe schon seit 20 Jahren nicht mehr Weihnachten gefeiert. Wenn ich jetzt im Koma liege und meine Familie plötzlich damit anfängt, Weihnachten in meinem Zimmer zu feiern, wäre das natürlich doof. Aber wenn der Patient es gemocht hat, ist es doch eine gute Gelegenheit so viel Freude und Lachen in seine Umgebung zu bekommen wie möglich.

Für viele ist es schwierig mit jemanden, der unbeteiligt im Bett liegt, normal umzugehen. Da stellt es eine große Erleichterung dar, wenn noch viele andere Menschen im Raum sind und die Atmosphäre möglichst entspannt ist. Und dafür ist eben auch der Baum nötig. Sonst müssten die Verwandten ja schauspielern. Außerdem feiern sie ja auch nicht nur für ihn, es ist ja auch ihre eigenen Feier. Deswegen, und vor allem wenn Kinder involviert sind, sollte die Feier so schön wie möglich gestaltet werden. Sonst könnte es eine zu große Belastung für sie werden, solche Feste immer im Krankenhaus verbringen zu müssen.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich halte es für eine gute Idee, auch Menschen, die im Koma liegen, so viel wie möglich am Leben teilhaben zu lassen. Schließlich kann keiner sagen, wieviel der Betroffene von seiner Umgebung mitbekommt. Und mir ist die Vorstellung erheblich lieber, dass mein Angehöriger zumindest akustisch oder auf einer anderen, uns vielleicht gar nicht voll bewussten, Ebene am geselligen Beisammensein teilhaben kann, als wenn er oder sie sich einsam zu Tode langweilt, weil eine Kommunikation nicht möglich ist.

Selbst wenn der Patient wirklich absolut nichts mitbekommt, ist zumindest kein Schaden entstanden, wenn seine Familie bei ihm ist und auch mal ein bisschen feiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Aktivitäten dazu beitragen, dass derjenige sich schneller erholt, halte ich jedoch für gering. Aber selbst wenn jemand den Rest seines Lebens in diesem Zustand zubringt, heißt das ja nicht, dass seine Familie den Vater oder die Schwester dann im abgedunkelten Zimmer vergessen muss.

» Gerbera » Beiträge: 11346 » Talkpoints: 56,04 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


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