Saligarophobie - meine Angst vor Schnecken überwinden

vom 21.03.2013, 00:27 Uhr

Ich Schätze mein Alter zu der damaligen Zeit auf 6-8. Ich war mit meinen Freuden draußen, und wir haben etwas rumgealbert. Ich glaube mich erinnern zu können, dass ich Schnecken sonst normal anfassen konnte. Auf jeden Fall kamen meine Freunde zu mir und baten mich, meine Augen zu schließen. So leichtsinnig wie ich war, tat ich dies. Daraufhin meinten sie noch jetzt streckst du deine Hand aus. Dies tat ich ebenfalls. Sie nahmen eine Nacktschnecke und steckten sie mir unter mein Hemd (es war Sommer). Unmittelbar danach hab ich meine Augen geöffnet und habe geschrien. Ich erinnere mich sogar geweint zu haben. Ich hab mein T-Shirt ausgezogen, und die Schnecke haftete an meiner Brust. Immer noch herumspringend fiel mir die Schnecke irgendwann vom Leib. Ich bin nur noch nach Hause gerannt, weinend und bin Duschen gegangen.

Seit dem an habe ich eine explizite Angst vor Schnecken. Oder mehr ein Ekel. Ein Mischmasch aus beidem. Auf jeden Fall so weit, dass wenn mir eine Schnecke vor die Füße begegnet, ich erstmal einen kleinen Schock krieg und direkt wegspringe. Meine Freundin hat mich mal geärgert und mir eine Schnecke vor die Augen gehalten. Ich bin gerannt um mein Leben. Wenn ich diese schleimigen, wirbellosen (?), braunen Kriecher sehe, kriege ich Panik. Für einige von euch sicher unvorstellbar.

Wie kann man diese Angst überwinden? Ist 'der Angst in die Augen schauen' wirklich eine gute Methode? Sprich, mich direkt mit der Angst konfrontieren. Ich bin mir nicht sicher ob ich das machen würde. Und da wir schon bei dem Thema sind, habt ihr eher ungewöhnliche Phobien oder dergleichen?

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» Owlytic » Beiträge: 534 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ich glaube - und die Betonung liegt auf Glauben; ich bin absolut kein Experte und alles, was ich jetzt schreibe ist totale Laienpsychologie - Phobien werden oft durch so ein Erlebnis hervorgerufen. Es ist nicht nur die Schnecke an sich. Ich habe die übliche Phobie vor Spinnen. Aber auch die wurde irgendwann in mir hervorgerufen, weil jemand, dem ich vertraut habe, vor einer zurückgeschreckt ist. Die Angst vor Spinnen schlummert angeboren in uns. Wenn wir in Australien geboren wurden und es sinnvoll ist, vor Spinnen Angst zu haben, kann das Gehirn auf diese angeborene Angst zurückgreifen, um den Körper vor einem Biss zu bewahren.

Ob die Angst vor Schnecken angeboren ist und nur bei sehr viel weniger Menschen ausgelöst wird als die Angst vor Spinnen? Vielleicht. Aber auch einer angeborenen Angst muss man sich nicht willenlos unterordnen. Dein Erlebnis, bzw. was deine Freunde dir angetan haben, war sehr prägend. Die Emotionen, die deine Angst ausgelöst haben, waren ja nicht nur das Gefühl der schleimigen Schnecke auf deiner Haut. Vielmehr waren es auch die Gemeinheit deiner Freunde, die Ausgrenzung durch die Gruppe, das böse Lachen. Das waren alles sehr starke Empfindungen. Wenn du heute eine Schnecke siehst, dann kommt das alles wieder hoch. Nicht bewusst. Aber Schnecke und negative Gefühle sind miteinander verknüpft.

Ich glaube schon, dass eine kleine Eigentherapie helfen kann. Aber nicht in Form von "der Angst aussetzen", sondern vielmehr langsam rantasten. Schön wäre es, wenn dir jemand hilft. Du hast deine Freundin erwähnt. Das wäre perfekt. Macht einfach ein schönes Picknick im Grünen. Sie sucht eine Schnecke und die setzt sie dann in eine Entfernung, die du noch akzeptabel findest. Und dann beachtet ihr sie nicht weiter. Unterhaltet euch. Sorgt dafür, dass du schöne Gefühle hast. Da fällt euch sicher etwas ein. :D So wird vielleicht die Verknüpfung, die tief in dir schlummert, aufgelöst. Und durch die langsame Annäherung an die Schnecke - ihr müsst sie natürlich immer näher setzen - verlierst du vielleicht diese irrationale Angst.

Ich hatte früher Angst vor den Algen im See. Ich habe mich aber gezwungen, drüber zu schwimmen und eben nicht panisch strampelnd wieder ans Ufer zu fliehen. Tagelang bin ich über den Algen hin- und hergeschwommen. Dann bin ich ganz dicht an der Wasseroberfläche drüber getaucht. Dann bin ich näher drüber getaucht und nach zwei Wochen bin ich durch die Algen durchgetaucht. Und ich fand es herrlich. Es ist wie ein Unterwasserdschungel. Außerdem war ich super stolz auf mich. :D

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


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