Reaktionen, wenn der Arzt ein Medikament nicht kennt
Inspiriert durch einen anderen Thread, musste ich gerade wieder daran denken, wie mir vor einigen Jahren ein Arzt einmal ein recht unbekanntes, neues Medikament verschrieben hatte. Er sagte mir dabei auch direkt, dass es noch nicht lange auf dem deutschen Markt ist und er es auch erst wenige Male verschrieben hatte. Er hatte sich aber darüber informiert und konnte mir dennoch einiges dazu sagen. Wobei er auch sagte, dass man letztendlich ausprobieren muss, wie gut es für einen selbst wirkt. Ähnlich ist es meiner Meinung nach sowieso bei vielen Medikamenten.
Bis heute treffe ich immer wieder auf Ärzte, die dieses Präparat gar nicht kennen. Die Reaktionen dabei sind sehr unterschiedlich. Einige Ärzte verschrieben mir das Medikament ohne irgendwelche Nachfrage, ich musste den Namen dabei sogar buchstabieren - bekam aber direkt danach das Rezept ausgestellt. Andere handeln nach dem Motto "Kenn ich nicht - verschreib ich nicht", was ich teilweise doch sehr ärgerlich finde. Vor allem, da es sich nicht um eine Chemiekeule handelt, sondern um ein Präparat, dass man in anderen Ländern als Nahrungsmittelergänzung frei kaufen kann, teilweise sogar ohne Apothekenpflicht. Würde ich nun nach einem Drogenersatzstoff fragen oder nach Morphium könnte ich die Reaktionen nachvollziehen.
Meistens war es jedoch so, dass grundsätzlich bekannt war, was das ist und man war dem gegenüber irgendwie gleichgültig. Fast so als wäre es dem Arzt nur recht, sich schnell dem nächsten Patienten widmen zu können. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich einmal bezüglich eines anderes Medikamentes. Dabei druckte mir der Arzt mir drei Medikamenteninformtionen mit kurzer Beschreibung der Wirksamkeit und Nebenwirkungen, unterschrieb bereits ein Blanko-Rezept und ich im Wartezimmer in Ruhe lesen und entscheiden und meine Wahl dann der Sprechstundenhilfe mitteilen.
Habt ihr euch auch schon einmal Medikamente verschreiben lassen (oder wolltet dies), die der Arzt oder die Ärztin nicht kannten? Wie waren eure Erfahrungen?
Ich sehe das ganze aus einem anderen Standpunkt, denn ich studiere selbst Medizin. Besonders lange tue ich das noch nicht, deswegen habe ich bisher auch noch kaum praktische Erfahrungen gesammelt. Trotzdem habe ich schon mit einigen Ärzten gesprochen, und es wird insgesamt deutlich, dass man sich in dem Beruf kaum noch leisten kann, sich Zeit für den Patienten zu nehmen. Das ist unglaublich schade, und nicht unbedingt (nur) die Schuld des Arztes, sondern mehr ein wirtschaftliches Problem.
Auch ist das Gebiet der Medizin so unglaublich weit, dass es schwierig ist, sich wirklich mit allem auszukennen. Da kommt es schon einmal vor, dass ein Arzt ein Medikament noch nicht kennt. Man sollte sich zwar insgesamt regelmäßig weiterbilden, doch in vielen Fachbereichen ist das schon ein zeitliches Problem, denn beispielsweise in der Chirurgie und anderen ähnlichen Bereichen kann man kaum von einer regelmäßigen Arbeitszeit sprechen.
Generell trägt die Verantwortung natürlich der Arzt. Es ist aber nicht schlecht, sich auch als Patient über seine Therapie und Medikation zu informieren. Auch Ärzte machen Fehler, davon liest man ja häufig genug. Es gibt natürlich auch einige schwarze Schafe. Ändern wird man das nicht können.
Ich kann auch nachvollziehen, dass Ärzte ein fremdes Medikament nicht so ohne weiteres verschreiben wollen. Gleichzeitig verstehe ich natürlich auch, dass der Patient dann verärgert ist, denn es bedeutet ja auch für ihn Arbeit, dann an das Medikament zukommen. Doch eben weil der Arzt die Verantwortung trägt, ist ja am Ende auch er der Schuldige, wenn er ein Medikament verschreibt, das dem Patienten schadet. Da ist Vorsicht besser als Nachsicht.
Ich war eine Zeit lang im Gesundheitswesen tätig und konnte so einen kleinen Einblick in dieses sehr komplexe Fachgebiet gewinnen. Die Medizin ist generell ein sehr umfassendes Thema, bei dem man sich extrem viel merken muss. Schon alleine die Vielzahl an Medikamenten und deren Wirkstoffe lässt einen erahnen, wie kompliziert die ganze Thematik sein muss. Alleine aus diesem Thema lässt sich eine komplette Wissenschaft auslegen und das ist ja auch zum Teil schon der Fall. Ich kann also nachvollziehen, wenn ein Arzt mal ein Medikament nicht kennt. Er kann schließlich nicht alles auf Abruf im Kopf gespeichert haben.
Ich selbst habe noch nie bei einem Arzt um die Verschreibung eines bestimmten Medikamentes gebeten. Ich finde es aber gut, wenn ein Arzt es nicht verschreibt, wenn er es nicht kennt. Ich würde hier nicht so verärgert reagieren, wie es bei dir der Fall ist. Die Handlungsweise des Arztes finde ich an dieser Stelle richtig, weil er dieses Medikament nicht kennt und somit auch nicht einschätzen kann, ob es dir auch wirklich hilft. Am Ende ist dieses Medikament eher schädlich für dich, als das es helfen würde. Das wäre gar nicht so unwahrscheinlich.
Ich wohne in einem Dorf, wo es nur einen Arzt gibt. An und für sich war er mir von Anfang an nicht besonders sympathisch, aber ich bin eben gelegentlich hin gegangen. Einmal wollte ich für meinen Sohn ein Rezept für Schüssler Salze. Die bekommt man in einer Apotheke auch ohne Rezept, aber da mein Sohn eine private Krankenversicherung hat, wollte ich eben ein Rezept um die Kosten rückerstattet zu bekommen.
Besagter Arzt kannte die nicht einmal, was mir ehrlich gesagt schon ein wenig zum Denken gegeben hat. So unbekannt sind Schüssler Salze nun doch auch wieder nicht und mir war von Anfang an klar, dass er ein großer Verfechter der klassischen Schulmedizin ist und nicht allzu viel von Alternativmedizin oder dergleichen hält, aber dennoch finde ich, dass man Schüssler Salze zumindest kennen sollte. Ich habe ihm dann erklärt, worum es sich dabei handelt und habe dann das Rezept auch bekommen, auch wenn er davon sichtlich nicht begeistert war.
Dieser Vorfall, kombiniert mit anderen ähnlichen Situationen waren dann für mich auch Anlass, den Hausarzt endgültig zu wechseln. Ein Arzt ist nicht der liebe Gott und ich nehme es keinem Arzt böse, wenn er kein wandelndes medizinisches Lexikon ist und wenn er nicht jedes einzelne neue Medikament kennt oder eben auch ältere, die eben nicht sehr gebräuchlich sind, aber auch wenn es nicht seine fachliche Überzeugung ist, sollte er sich zumindest in den Grundzügen mit anderen Methoden auskennen.
Ich finde es schon schade, wenn Ärzte Medikamente, die sie nicht kennen, nicht verschreiben wollen. Denn der Arzt kann sich ja informieren, es gibt zu nahezu allen Medikamenten online die Packungsbeilagen und da braucht er ja nur nachzusehen und weiß dann, worum es geht. Wenn ein Patient etwas schon Jahre lang nimmt, dann sollte man auch mal über seinen Schatten als Mediziner springen und den Angaben des Patienten vertrauen.
Denn was macht denn ein Patient, der nicht das gewünschte Rezept erhält? Der würde wahrscheinlich zum nächsten Arzt gehen, bis er bekommt, was er will. Es ist also für alle Beteiligten ein unnötiger Aufwand, wenn Ärzte dann etwas, was sie nicht kennen, verweigern. Das kann ich nicht nachvollziehen, denn der Mediziner geht damit kein Risiko ein; schließlich hat er ja eine Haftpflichtversicherung, falls doch mal was schief läuft.
Zohan hat geschrieben:Ich würde hier nicht so verärgert reagieren, wie es bei dir der Fall ist. Die Handlungsweise des Arztes finde ich an dieser Stelle richtig, weil er dieses Medikament nicht kennt und somit auch nicht einschätzen kann, ob es dir auch wirklich hilft. Am Ende ist dieses Medikament eher schädlich für dich, als das es helfen würde. Das wäre gar nicht so unwahrscheinlich.
Ich bin deshalb nicht verärgert. Zu Zeiten der Praxisgebühr war es jedoch teilweise schon ärgerlich, wenn man dann für ein "nein" noch 10Euro bezahlen sollte. Und auch ansonsten denke ich, dass kein Arzt genau einschätzen kann, wie ein Medikament bei mir wirkt. Würde so etwas funktionieren, wäre die Medizin sicherlich einen großen Schritt weiter.
Potentiell schädlich sind viele Medikamente. Auch bei harmlosen Medikamenten findet man teilweise schwere Nebenwirkungen im Beipackzettel. Selbst bei Tampons steht meist dabei, dass man in sehr seltenen Fällen an TSS sterben kann.
Wenn ich nun zu einem Arzt gehe, der mich nicht kennt, so kann er meistens auch nur herumtesten. Und selbst wenn er alle möglichen Untersuchungen gemacht hat, wird er mir nicht garantieren, dass ein Medikament auf jeden Fall wirkt. Wenn ich nun selbst schon Erfahrungen habe mit einer Medikation habe, die auch ärztlich überprüft wurde, so wüsste ich nicht, warum es dann plötzlich schädlich für mich sein sollte.
Trisa hat geschrieben:Und auch ansonsten denke ich, dass kein Arzt genau einschätzen kann, wie ein Medikament bei mir wirkt. Würde so etwas funktionieren, wäre die Medizin sicherlich einen großen Schritt weiter.
Sicher kann er nicht zu hundert Prozent sagen, wie exakt und gut ein Medikament bei dir wirken kann, aber er kann dich vor Falschanwendung bewahren. Es kann ja durchaus sein, dass du oder einfach ein Patient noch andere Medikamente zu sich nimmt. Nehmen wir mal an, dass es sich hier um Medikamente handelt, die man täglich zu sich nehmen muss.
Jetzt beschließt der Patient, dass er ein bestimmtes anderes Medikament zusätzlich nehmen möchte. Hier kann der Arzt einen Riegel vorschieben, wenn er erkennt, dass sich die Medikamente gegenseitig nicht "vertragen". Es gibt Medikamente, die sich gegenseitig unwirksam machen oder sogar kombiniert Schäden verursachen. Genau vor so etwas will dich doch der Arzt bewahren. Und wenn er ein Medikament nicht kennen sollte, dann ist es doch klar, dass er sich dem ganzen nicht sicher ist, da er die Wirkstoffe in diesem Moment nicht kennt.
Ich denke, dass zumindest jeder Arzt die Grundzüge der wichtigsten, am häufigsten verschriebenen Wirkstoffe kennen sollte, obgleich er diese später braucht oder nicht. Ein gewisses Grundwissen diesbezüglich sollte also schon vorhanden sein. Auch die wichtigsten, eher kompliziert verlaufenden Wechsel- bzw. Nebenwirkungen sollten - wenn welche vorliegen - bekannt sein, um den Patienten möglichst gut aufklären zu können.
Was aber eher unbekannte, teils neue Medikamente angeht, die allen voran medial hochgejubelt und geworben werden, bin ich doch eher Pro-Arzt gepolt: Ein verantwortungsvoller Arzt nämlich sollte zwar auch offen für die Homöopathie bzw. neue, unbekannte Medikamente sein, aber zugleich auch eine gewisse Skepsis und allen voran Verantwortung dem Patienten gegenüber mitbringen. Ich würde nämlich auch nicht einfach mal so ein Medikament aufschreiben, das ich nicht kenne, worauf mich der Patient aber anspricht. Ich würde mich selbst dann gerne belehren lassen, mir das Medikament zu Gemüte führen und dann mit dem Patienten gemeinsam eine Entscheidung treffen, aber beim ersten Ansprechen würde ich sicherlich kein Rezept ausstellen. Zumal dem Hausarzt die aktuellen Medikamente des Patienten vorliegen und er abschätzen kann, ob es zu Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten kommen kann oder nicht.
Davon abgesehen sollte heutzutage aber auch der Patient ein gewisses Selbstmanagement an den Tag legen. Wenn ich mich in die Lage des Patienten hineinversetze, so hätte ich den Anspruch an mich selbst zumindest die Grundzüge des Medikamentes kennen zu müssen, wie es eingenommen bzw. angewandt wird und wofür es überhaupt geeignet ist. Anschließend kann man mit dem Arzt zusammen entscheiden, ob es sinnvoll oder eher sinnfrei wäre das Medikament einzunehmen.
Ich kenne es auch, dass Ärzte Medikamente nicht kennen und deshalb nicht verschreiben. Allerdings kann ich die Begründung durchaus nachvollziehen und passe mich eben dann den Gegebenheiten an.
Ich bin mal aus einer Klinik entlassen worden und hatte während des Klinikaufenthalts ein neues Medikament verschrieben bekommen. Noch dazu war das Medikament relativ neu auf dem Markt. Im Arztbrief standen genaue Anweisungen, wie und wann die Dosis des Medikamentes erhöht werden soll und auch, dass regelmäßige Blutkontrollen zwingend nötig sind. Den Arztbrief hatte ich vorsorglich daheim schon geöffnet.
So saß ich dann bei der behandelnden Fachärztin und reichte ihr den Arztbrief (ich hatte mehrere und konnte ihr einen ungeöffneten geben). Sie packte den Arztbericht aus und las ihn durch. Dann holte sie aus ihrem Schrank Medikamente raus. Sagte mir dann, wie ich die nehmen muss. Als ich sagte, die sollen aber so und so hoch gefahren werden, sagte sie mir, nein im Arztbericht steht was anderes. Die regelmäßige Blutkontrollen wurden auch zum Problem, da diese Praxis grundsätzlich keine Blutentnahmen macht. Also wurde mit dem Hausarzt telefoniert, ob die diese Untersuchung machen. Das war dann auch der Moment, in dem die Ärztin doch mal nachsehen musste, was das für ein Medikament ist, da sie den Spiegel wissen musste.
Zu Hause stellte ich am nächsten Tag fest, dass sie mir Medikamente gegeben hatte, die bereits seit Monaten abgelaufen waren. Das war dann ein Grund, nicht mehr zu dieser Ärztin zu gehen. Somit stand ich bei meiner Hausärztin, schilderte das Problem, sagte auch, ich kümmere mich um einen neuen Facharzt, aber ich brauche halt das Medikament. Sie kannte den Arztbrief auch und sagte mir dann, sie kann mir das nicht wie dort angegeben hoch fahren, da sie sich damit nicht auskennt und sie die Verantwortung trägt.
Von einer Fachärztin würde ich mittlerweile erwarten, dass sie sich kundig macht. Ich habe gerade mal wieder eine neue Fachärztin und die schaut in meinem Beisein immer wieder mal nach. Was ich an sich gut finde. Ich kann mit den ungewöhnlichsten Aspekten kommen und bevor sie mir was falsches sagt, holt sie ein medizinisches Fachbuch raus.
Ich finde es gut, wenn nicht wahllos irgendwas verschrieben wird, was man als Arzt nicht kennt. Das kann generell schon beim Patienten wirken. Kommt es aber zu Reaktionen irgendeiner Art, dann ist der verschreibende Arzt haftbar zu machen. Bei dem Problem mit der Praxisgebühr hätte ich mir einfach eine Überweisung geben lassen. Damit wäre das Thema erledigt gewesen.
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