Nebenwirkungen von Antidepressivum - Wechsel?
Seit meiner Jugend habe ich mich mit zum Teil sehr, sehr heftigen depressiven Episoden herumgeschlagen. Immer wieder Abstürze, bei denen ich tagelang, zum Teil auch wochenlang nur noch im Bett lag. Selten wirklich Spaß bei irgendwelchen Tätigkeiten, soziale Isolation und zum arbeiten, lernen und studieren war ich oft gar nicht in der Lage und immer wieder hatte ich Selbstmordgedanken. Ich habe mir lange, lange selbst eingeredet, dass ich einfach nur eine dumme und faule Sau wäre, war bei Psychologen um Selbstdisziplin und Motivation zu lernen und Selbstbewusstsein aufzubauen, und trotzdem änderte sich nichts.
Im letzten Jahr habe ich dann endlich den Schritt gewagt und bin zu einem Psychiater gegangen. Der war regelrecht erschrocken über das was ich ihm erzählte und diagnostizierte eine Depression, die nicht auf psychischen Problemen beruht. Also verschrieb er mir ein Antidepressivum und machte mir wenig Hoffnung, dass ich ein Leben ohne Medikamente verbringen könnte. Tatsächlich bin ich, seit ich das Medikament bekomme, stabil. Keine Abstürze mehr, ich bin viel offener gegenüber meinen Mitmenschen und habe das Gefühl von Freude und Zufriedenheit kennen gelernt. Ich habe mein Leben und meinen Alltag im Griff und fühle mich nicht mehr wie ein nutzloses Stück Dreck. Mir geht es einfach gut. Und ich könnte mir in den Hintern beißen, dass ich diesen Schritt nicht viel eher gewagt habe, sondern mich statt dessen 13 Jahre langherumgequält habe und mir fast meine Zukunft verbaut hätte.
Leider habe ich, seit ich das Medikament nehme, aber das Problem, dass ich zum Teil extrem unsensibel bin und tatsächlich relativ egoistische Züge entwickelt habe. Außerdem sind Nebenwirkungen, dass ich vermehrt schwitze, sehr intensiv träume (ich hab sonst so gut wie nie geträumt) und statt zu heulen eher aggressiv werde, was jetzt für soziale Verhältnisse auch nicht gerade zuträglich ist.
Nun stellt sich mir die Frage, ob sich diese Nebenwirkungen irgendwie ausschalten ließen, wenn ich ein anderes Medikament bekäme. Von einem Freund weiß ich, dass er während eines Medikamentenwechsels beinahe vor einen Zug gesprungen wäre, weil er durch die Umstellung komplett abgestürzt ist.
Ich werde das selbstverständlich mit dem Doc besprechen, dennoch: habt ihr Erfahrungen mit den Langzeit-Nebenwirkungen von Antidepressiva und dem Wechsel des Medikamentes? Ist es ratsam, das zu versuchen, oder sollte man eher bei dem Medikament bleiben, das einen stabil hält, anstatt einen Rückfall zu riskieren?
Ich selber habe auch mal eine Zweit lang Antidepressiva genommen. Von dem ersten Präparat wurde ich zu müde, so dass ich dann auf ein anderes gewechselt habe. Das habe ich zwar sehr gut vertragen, habe aber nach und nach an Gewicht zugenommen, so dass ich dieses Medikament dann auch abgesetzt habe, weil es mir auch besser ging.
Ich habe aber immer noch ab und zu mit depressiven Phasen zu kämpfen und so hatte ich mich mal im Internet schlau gemacht. Es gibt auch rezeptfreie Präparate, die man einnehmen kann. Das eine heißt L-Tryptophan und das andere L-Tyrosin. Beides sind wohl Aminosäuren, die die Dopamin- und Serotoninbildung im Gehirn anregen. Und im Gegensatz zu den verschreibungspflichtigen Medikamenten haben diese so gut wie keine Nebenwirkungen. Infomiere Dich doch mal diesbezüglich oder frage einfach Deinen Arzt!
Ich selber habe keine Erfahrungen mit Antidepressiva, ich nehme lediglich ein leichtes Psychopharmakon. Das hat keine Nebenwirkungen (jedenfalls keine, die mir auffallen), aber bei der schwere deiner Depression wird dir das wohl auch nicht helfen.
Ich würde wohl mit dem Arzt über die Nebenwirkungen sprechen und fragen, ob es eine Möglichkeit gibt diese einzuschränken ohne das Präparat zu wechseln. Es scheint dir damit ja ansonsten gut zu gehen und wenn der Wechsel zu einem anderen Medikament so krass ist, würde ich das wohl erst mal hinten anstellen. Wenn das nicht so geht, dann wird sicher der Arzt auch wissen welche Wechselwirkungen es gibt; eventuell gibt es da Erfahrungswerte bei welchen Medikamenten der Übergang nicht so übel ist.
Wie viele andere Medikamente auch weiß man noch gar nicht so genau, weil die Antidepressiva wirken. Man muss ausprobieren, welches Mittel bei dir wirkt. In unserer Familie ist die Veranlagung für Depressionen vorhanden. Aber man muss die Mittel im Normalfall nicht immer dauernd nehmen, sondern die Depressionen kommen in Phasen oder vielleicht auch nur einmal und dann nie mehr wieder. Aber das ist bei jedem eben anders.
Ein guter Arzt kennt sich da aber aus. Wenn du am Arzt zweifelst, dann würde ich ihn wechseln. Ein guter Arzt arbeitet speziell in diesem Bereich mit dem Patienten eng zusammen. Foren können dir hier eher weniger helfen, da jede Depression anders ist. Manchmal ist auch eine temporäre, stationäre Unterbringung nötig. Diese intensiven Träume sind ganz typisch.
Ich würde das auf jeden Fall mit dem Arzt besprechen und mich hier nicht auf irgendwelche Aussagen verlassen. Ich weiß, dass solche Medikamente auch körperliche Nebenwirkungen haben können, wie eben Appetitlosigkeit und Durchfall, Müdigkeit etc.
Warum sollten sie nicht auch Eigenschaften eines Menschen verändern können? Immerhin ist es Chemie die man da nimmt. Ich würde an deiner Stelle bald mit dem Arzt darüber reden. Er wird dich ja auch betreuen, wenn du ein neues Medikament bekommen solltest.
Das Medikament absetzen und einfach was frei verkäufliches nehmen, davon würde ich anhand dem was der Themeneröffner so offen geschildert hat, sein lassen. Wäre wie wenn man einen Naht an einer Wunde auftrennt und nur ein Pflaster drauf klebt, obwohl die Wunde noch nicht verheilt ist.
diagnostizierte eine Depression, die nicht auf psychischen Problemen beruht.
Wenn deine Erkrankung nicht psychisch bedingt sind, warum löst man dann die Probleme nicht anders? Beziehungsweise warum nimmst du Psychopharmaka bei nicht psychischen Problemen? Ich sehe da durchaus eine psychische Erkrankung oder eine Erkrankung, die ihre Ursache in psychischen Problemen hat.
Also verschrieb er mir ein Antidepressivum und machte mir wenig Hoffnung, dass ich ein Leben ohne Medikamente verbringen könnte
Das ist etwas, was durchaus möglich sein kann. Was aber anhand eines einzigen Gespräches nicht wirklich klar sein kann, sondern sich eher auf Dauer zeigt. Hier meinte ja auch jemand anderes, man nimmt die Medikamente NUR in Akutphasen. Das stimmt definitiv nicht und hängt unter anderem auch von der Art der Erkrankung und der Schwere der Erkrankung ab. Wobei bei Depressionen durchaus die Möglichkeit besteht, dass man bestimmte Botenstoffe nicht hat und so weiter und die durch Medikamente ausgeglichen werden. Die wachsen aber nicht einfach nach, die müssen dann durchaus für immer ausgeglichen werden.
Aggressivität und die anderen Punkte die du genannt hast, sind mit Sicherheit Nebenwirkungen. Unerwünschte Nebenwirkungen in deinem Fall. Und für mich wären das auch Nebenwirkungen, die ich nicht würde akzeptieren wollen. Generell neigt man gerade bei Psychopharmaka gerne dazu zu sagen, wenn es grundsätzlich hilft und die größten Probleme damit beseitigt sind, muss man andere Dinge (eventuell) in Kauf nehmen. Dazu zählen zum Beispiel auch die Gewichtszunahmen. In deinem Fall sehe ich es so, die Nebenwirkungen helfen dir ja nicht wirklich im sozialen Umgang, was ebenfalls psychische Probleme verursachen wird.
Generell ist es so, dass ein paar Antidepressiva gibt, von denen man weiß, sie haben vielen Menschen geholfen. Die werden bevorzugt verschrieben. Verträgt man die nicht, sucht der Arzt weiter. Deshalb solltest du die Nebenwirkungen auf alle Fälle ansprechen, da sie ja deine sozialen Kontakte wieder einschränken. Davon mal abgesehen, dass man egoistischer wird, halte ich nicht unbedingt für schlecht. Kommt immer auf die Art des Egoismus an.
Wenn deine Erkrankung nicht psychisch bedingt sind, warum löst man dann die Probleme nicht anders? Beziehungsweise warum nimmst du Psychopharmaka bei nicht psychischen Problemen? Ich sehe da durchaus eine psychische Erkrankung oder eine Erkrankung, die ihre Ursache in psychischen Problemen hat.
Das war vielleicht dumm ausgedrückt von mir. Ich meinte, dass der Arzt davon ausgeht, dass bei mir nicht irgendwelche unverarbeiteten Erlebnisse begraben liegen, die so etwas ausgelöst haben, sondern dass tatsächlich irgendwelche Stoffe bei mir nicht so produziert werden wie es sein sollte. Er meinte, ganz typisch dafür seien diese über Jahre regelmäßig wiederkehrenden Phasen sowie die Tatsache, dass ich in meiner Jugend verschiedene Psychologen besucht hatte, die mir aber nicht helfen konnten. D.h. er ist der Überzeugung, dass es ohne Medikamente bei mir nicht geht und irgendwelche Therapien alleine da nicht helfen würden. Letzten Endes scheint er ja Recht gehabt zu haben, wenn man vergleicht, wie es mir vorher ging und jetzt. Das ist ein riesen Unterschied.
Ich habe heute Abend um 19 Uhr einen Termin und werde die Frage auf jeden Fall mit ihm besprechen. Am Ende kann ja nur er mir wirklich sagen, was das Richtige für mich ist. Also ich wollte hier natürlich keine den Arzt ersetzenden Diagnosen, sondern nur Erfahrungswerte
LittleSister hat geschrieben: Wenn deine Erkrankung nicht psychisch bedingt sind, warum löst man dann die Probleme nicht anders? Beziehungsweise warum nimmst du Psychopharmaka bei nicht psychischen Problemen? Ich sehe da durchaus eine psychische Erkrankung oder eine Erkrankung, die ihre Ursache in psychischen Problemen hat.
Welche fachliche Kompetenz weist Du bitteschön auf, ein solches Urteil zu fällen? Eine organische Depression hat nichts mit psychischen Problemen zu tun, wenn der Botenstoff Serotonin nicht ausreichend produziert wird, ist eine Behandlung beim Psychologen einfach nur überflüssig, da hilft nur ein Medikament.
Ich fände es interessant zu wissen, welches Medikament Du einnimmst, denn die Nebenwirkungen sind schon durchaus unterschiedlich. Es gibt ja zunächst einmal drei Arten, die trizyklischen Antidepressiva, die Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer und die MAO-Hemmer. (Darunter allerdings auch noch Abweichungen, tetrazyklische Medikamente, Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahmehemmer).
Fakt ist, die Medikamente sollte eigentlich nicht die Persönlichkeit verändern, Aggressivität wird aber besonders bei jüngeren Patienten oft beobachtet. Möglicherweise könnte es sich bessern, wenn Du einen kontrollierten Wechsel vornimmst, es kann aber auch einfach so bleiben, weil Du entsprechend auf die Botenstoffe reagierst und Deine jetzige Persönlichkeit Deinem eigentlichen Naturell entspricht.
Ein Medikamentenwechsel muss nicht schlimm sein, wenn er richtig durchgeführt wird. Es ist nicht empfehlenswert, einfach ein Produkt abzusetzen und das nächste einzunehmen. Wenn Du wechseln möchtest, wirst Du das eine Präparat langsam ausschleichen müssen, während Du das neue schon einnimmst. Über einen kurzen Zeitraum ist es durchaus möglich, auch zwei Antidepressiva gleichzeitig einzunehmen.
Ein Wechsel ist unter Umständen aber nur dann sinnvoll, wenn Du die Medikamentengruppe wechselst. Ein SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) mit einem SSRI zu ersetzen ist in meinen Augen unsinnig, wenn dann solltest Du die Produktgruppe wechseln. Die besten Infos kann Dir aber hierzu Dein Psychiater geben. Fakt ist aber, dass ein Wechsel nicht vor dem Zug enden muss, wenn er richtig durchgeführt wird.
@Jess, danke für deine Antwort. Ich nehme venlafaxin, ich glaube das ist ein trizyklisches Produkt, also für Serotonin und Noradrenalin, wobei ich von dieser angeblich antreibenden Wirkung trotz hoher Dosis (225 mg morgens + 75 mittags) nichts feststellen konnte, so dass ich schon darüber nachgedacht hatte, ob es dann nicht reicht eins nur für Serotonin zu nehmen.
Ich habe mich ja schon über das venlafaxin informiert und da soll es ziemlich heftige Entzugserscheinungen beim Ausschleichen geben, so dass mir ein möglicher Wechsel natürlich schon Angst macht, wobei ich auch Sorge habe, ob ein anderes Mittel denn genau so gut wirken würde, nur eben ohne diese Nebenwirkungen wie Unsensibilität und Aggression. Denn das kenne ich von mir so gar nicht, ich war eigentlich immer ein sehr friedlicher Mensch, der selten so Wutanfälle hatte und das häuft sich erst seit ich das Medikament nehme, insofern gehe ich mal davon aus, dass es entweder eine Nebenwirkung ist - oder ich von Natur aus etwas aggro bin und das nur durch die Depression gehemmt war.
Ich sitze gerade beim Doc im Wartezimmer. Bin mal gespannt, was er dazu sagt.
Venlafaxin habe ich selbst genommen und nach drei Monaten abgesetzt, weil ich es überhaupt nicht vertragen habe. Ich denke, dass die Problematik bei Dir durch das Adrenalin entsteht, denn es sorgt ja nicht nur für mehr Serotonin, sondern auch für mehr Adrenalin und dieses kann nun einmal aggressiv machen.
Ich muss allerdings sagen, die Absetzproblematik habe ich überhaupt nicht gespürt, ich habe es zwar Schritt für Schritt abgesetzt, aber kam damit super klar. Ärzte mögen dieses Präparat, dass habe ich schon mitbekommen, immer wieder sollte ich es damit versuchen, aber ich habe mich standhaft geweigert. Ich bin nicht aggressiv, sondern unruhig geworden und das war sehr unangenehm.
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