Ein persönliches Tief überstehen
Ich denke, jeder hat das schon einmal erlebt. Es kommen Zeiten im Leben, da läuft nichts mehr so, wie man sich es vorgestellt hat, geliebte Familienmitglieder erleiden Unfälle oder Krankheiten, man steckt im Stress oder hat Beziehungsprobleme.
Auch ich befinde mich momentan in einer solchen persönlichen Tiefphase. Ich denke, ich entwickle seit geraumer Zeit starke Zeichen einer Depression. Seit ich an der Uni bin, hat sich der Stress in meinem Leben enorm erhöht, und ich kann damit nicht umgehen. Bisherige Klausuren habe ich durch Glück bestanden, doch nun kann ich mich zum Lernen nicht mehr aufraffen. Auch ist unsrere geliebte Katze verstorben, was mir seelisch einen nie gekannten Schmerz hinzugefügt hat. Ich kann mich seitdem für nichts begeistern, finde jedes Fernsehprogramm, jede Beschäftigung ermüdend und langweilig. Ich würde so gern so viel erreichen, doch ich schaffe es nicht, über den Berg zu kommen. Mit meinen Freunden mag ich mich nicht treffen, ich habe das Gefühl, sie verstehen mich nicht. Einen Freund habe ich auch nicht, was das Problem verstärkt.
Ich weiß, ich bin kein Einzelfall. Jeder erlebt gute und schlechte Abschnitte in seinem Leben. Mich interessiert, was ihr dagegen unternommen habt und wie ihr damit umgegangen seid. Habt ihr euch beim Psychotherapeuten Hilfe gesucht? Bei Freunden? Oder hält bei euch eine ebensolche Phase momentan noch an?!
Du hast recht, solche Phasen hat wohl jeder mal. Ich hatte in diesem Jahr auch Phasen, in denen es mir überhaupt nicht gut ging und ich mich ebenso wie du für gar nichts begeistern konnte. Ich habe mir ständig um die Frage Gedanken gemacht, was ich denn hier soll, wenn ich letztendlich sowieso sterbe und dann alles vorbei ist. Ich habe einen Freund, der mich da mehr oder weniger unterstützt hat, aber da er gläubig ist und ich nicht haben sich die Gespräche meist in die falsche Richtung entwickelt. Ich habe einfach etwas gebraucht, eine Art Gedanke, an dem ich mich festhalten kann und an den ich immer denken kann, wenn ich mich frage, was ich hier soll. Bis jetzt habe ich ihn nicht gefunden, aber ich bin zumindest aus diesem kleinen Tief wieder heraus gekommen.
Du musst dich auf die Dinge konzentrieren, die dir vor dem Tief Freude bereitet haben. Ich denke dazu gehören auch deine Freunde, also versuch es doch einfach mal, mit ihnen auszugehen oder etwas zu unternehmen, anstatt von vorne herein zu sagen, dass es dir sowieso keinen Spaß machen wird. Du darfst dich auf keinen Fall zu sehr auf den Gedanken versteifen, dass gerade sowieso alles schlecht und stressig in deinem Leben ist. Versuche dich an den positiven Dingen im Alltag zu erfreuen, und wenn es noch so kleine Kleinigkeiten sind. Nimm soviel positives auf, wie es nur geht.
Mit Freunden darüber reden würde sicherlich auch helfen. Vielleicht hast du ja eine beste Freundin, die sich dann etwas Kreatives einfallen lässt, um dich wieder etwas aufzubauen. Ich bin mir sicher, dass es, obwohl du keinen Freund hast, Menschen in deinem Leben gibt, die sich gut um dich kümmern würden, wenn sie wüssten, wie es dir momentan geht. Aber dazu muss man eben erst einmal den Mund aufmachen, von nichts kommt nichts. Ich glaube nicht, dass es wirklich keinen gibt, der dich nicht versteht. Ich würde es in jedem Fall erst einmal mit Hilfe von Freunde und Familie versuchen und mir erst dann Geanken um die Hilfe von einem Psychotherapeuten machen.
Ich hatte in meinem Leben auch so eine Phase, in der beruflich und privat viel Stress da war und ich mich einfach nicht entspannen konnte. Damals habe ich auch gedacht, dass ich am Rande eines Burnout- Syndroms oder einer Depression stehe, weil ich auch sehr nah am Wasser gebaut war und wegen jeder Kleinigkeit, über die ich sonst nur gelacht hätte, angefangen habe, zu weinen. Ich bin nicht zu einem Psychotherapeuten gegangen, obwohl ich damals ernsthaft mit dem Gedanken gespielt habe, mir dort Hilfe zu suchen.
Mir haben meine Freunde sehr geholfen. Dabei war es gar nicht so, dass ich mir Freunden unbedingt lange über meine Probleme geredet habe, sondern wir haben einfach Dinge zusammen unternommen, die Spaß gemacht haben. Das war mir wichtig, damit ich bei den ganzen Problemen einfach mal kurze Phasen der Entspannung hatte, die mich wieder aufgebaut haben. Auch ein Urlaub hat mir sehr geholfen, weil ich dadurch einfach mal raus und auf andere Gedanken kam.
Ich finde, man sollte - so schwer es auch einem vorkommt - sich selber versuchen zu helfen. Das geschieht ganz einfach, in dem man sich während einer schweren Zeit irgendwelche Ziele oder Tage in der Zukunft sucht, an denen man weiß: Da ist alles endlich vorbei.
Wenn dieser ganze Stress und diese Probleme durch etwas bedingt sind, das leider kein Ende zu nehmen scheint, dann wird es natürlich problematisch. Man sollte versuchen dann herauszufinden woran das liegen könnte. Ob man es alleine macht, oder mit Freunden oder Familie ist eigentlich egal, letzteres hat aber auch gleich eine aufbauende Funktion - wenn es sich nicht um die Quelle des Leidens handelt.
Wenn die Probleme schulisch oder beruflich bedingt sind, sollte man vielleicht mal in Erwägung ziehen sich langfristig etwas um zuschauen. Wer die finanziellen Mittel dazu hat, dem würde ich sogar empfehlen sich für mehrere Wochen irgendwo abzusetzen und einfach mal alles - wirklich alles! - zu vergessen, und zu entspannen. Nicht auf das Geld zu achten, und dann danach nochmal ganz von Vorne zu beginnen. Das klingt vielleicht schwer, aber oftmals hilft Urlaub und ein paar wirklich freie Tage viel mehr, als der Gang zum Psychologen, was irgendwie noch mehr das Gefühl weckt, man wäre nicht mehr geistig in der Lage mit seinem Leben zurecht zu kommen.
Solche Phasen hatte ich natürlich auch schon. Das erste richtige Tief in meinem Leben hatte ich, als mein erster Freund sich von heute auf morgen von mir getrennt hatte. Wir hatten eine gemeinsame Wohnung und eines Tages kam er nicht mehr von der Arbeit nach Hause. Er hatte dann angerufen und Bescheid gesagt, dass er seine Jugend genießen müsse. Das hat mir echt den Boden unter den Füßen weggezogen und ich habe auch echt lange gebraucht, bis ich das Ganze realisieren konnte. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet. Am liebsten hätte ich mich nur in meiner Wohnung eingeschlossen, aber glücklicherweise hatte ich eine ganze liebe Freundin, die mich aufgemuntert hatte. Ohne sie wäre ich vermutlich noch depressiver gewesen, als ich eh schon war. Ihr verdanke ich echt sehr viel.
Auch der Tod meiner Oma war damals sehr schlimm für mich. Zudem machte mir mein Studium überhaupt keinen Spaß, aber ich hatte einfach nicht den Mut, es einfach abzubrechen. Nebenbei hatte ich noch gearbeitet und war wirklich am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Das war eine echt harte Zeit für mich und ich bin auch echt froh, diese überstanden zu haben. Ich war damals auch beim Psychologen und habe eine Gesprächstherapie gemacht, weil bei mir eben ein Burn-Out diagnostiziert wurde. Alleine hätte ich es auch hier nicht geschafft, denn ich war einfach total kraftlos und müde. Ich habe mich dann ganz neu orientiert und seitdem geht es nur noch bergauf. Das hätte ich schon viel früher machen sollen. Manchmal ist es echt gut, sein Leben von heute auf morgen komplett zu ändern. Man braucht eben nur den Mut dazu, weil es eben auch ein großer Schritt ist. Er kann sich aber echt lohnen!
Ich muss sagen, dass ich auch einmal ein enormes Tief hatte. Damals hatte ich angefangen, in der Schweiz zu studieren. Das Studium hat mir überhaupt nicht gefallen und ich habe mich einfach nur unfassbar unwohl gefühlt. Die ersten Wochen hatte ich keinen Menschen aufgrund des Schweizer Dialekts verstehen können und auch das Studium interessierte mich nicht. Zudem war es wahnsinnig anstrengend und ich hatte eigentlich gar keine Freizeit, da ich täglich von morgens bis abends unterwegs war und am Wochenende auch noch arbeiten musste. Dabei wollte ich es aber unbedingt durchziehen, weil meine Eltern nicht begeistert reagiert hätten, wenn ich das Studium abgebrochen hätte.
Zudem war es bei mir auch noch so, dass ich absolut unglücklich in meiner Beziehung war. Trotzdem habe ich es nicht geschafft, mich von meinem Partner zu trennen, da ich Angst davor hatte, allein zu sein. Von daher ging es mir einfach nur unfassbar schlecht und ich konnte mich letztendlich auch nicht weiter dazu aufraffen, weiter zu studieren, weshalb das Studium auch abgebrochen habe. Als es mir mit dieser Entscheidung um einiges besser ging, habe ich es dann auch bald geschafft, mich von meinem Partner zu treffen.
Heute habe ich nun einen neuen Partner und ein Studium, welches mir wahnsinnig gut gefällt. Mir geht es so gut wie noch nie und ich kann jetzt tatsächlich behaupten, jeden einzelnen Tag genießen zu können. Von daher bin ich wahnsinnig stolz auf mich, dass ich so schwerwiegende Entscheidungen wie mit dem Studium und meinem Partner getroffen habe. Immerhin waren das die besten Entscheidungen meines Lebens und ich weiß jetzt, dass ich immer auf mein Herz hören muss. Wenn ich mich in einer Beziehung nicht gut fühle, dann trenne ich mich und wenn mir etwas keinen Spaß macht, dann lasse ich es. So handhabe ich es jetzt immer und damit hatte ich bisher nur positive Erfahrungen. Von daher würde ich dir raten, auch Entscheidungen zu wagen und auf dein Herz zu hören.
Wie auch meine Vorschreiber schon sagten, hat jeder einmal Höhen und Tiefen, doch was du beschreibst klingt nicht nur nach einer einsetzenden Depression oder einer depressiven Verstimmung, sondern schon eher nach einer ausgewachsenen Depression. Ich denke auch nicht, dass hier noch die "Hausmittelchen" helfen werden, wenn du eh schon an dem Punkt angekommen bist, dass du auf nichts mehr Lust hast.
Ich empfehle dir dringend, dich mit deinem Arzt in Verbindung zu setzen und einen Termin bei einer psychosozialen Beratungsstelle aufzusuchen. Sprich doch auch mal mit deinen Professoren oder der Hochschulleitung. Manchmal haben die genau für solche Fälle einen kompetenten Ansprechpartner, der dir in der ersten Zeit mit Gesprächen zur Seite stehen kann, bis du einen Termin bei einer Person vom Fach bekommen hast. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass dies ziemlich schwer ist und zeitaufwendig, aber es hilft.
Link dieser Seite https://www.talkteria.de/forum/topic-205900.html
Ähnliche Themen
Weitere interessante Themen
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr 4049mal aufgerufen · 18 Antworten · Autor: anlupa · Letzter Beitrag von Wibbeldribbel
Forum: Alltägliches
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft 2165mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: merlinda · Letzter Beitrag von Hufeisen
Forum: Alltägliches
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land? 2700mal aufgerufen · 19 Antworten · Autor: damomo · Letzter Beitrag von bambi7
Forum: Freizeit & Lifestyle
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land?
- Was fasziniert euch an amerikanischen Serien 3425mal aufgerufen · 16 Antworten · Autor: Federmäppchen · Letzter Beitrag von mittenimleben7
Forum: Film & Fernsehen
- Was fasziniert euch an amerikanischen Serien
- Shampoo Mousse besser als normales Shampoo? 2221mal aufgerufen · 2 Antworten · Autor: Nurse · Letzter Beitrag von bambi7
Forum: Fingernägel, Haut & Haare
- Shampoo Mousse besser als normales Shampoo?
