Ist es üblich, praktisch jeden Monat krank zu sein?

vom 23.12.2012, 21:15 Uhr

Ein Bekannter von mir erzählte mir gestern, dass er wieder einmal krank ist. So langsam finde ich das sehr kurios, weil er wirklich alle paar Wochen etwas hat. Das ist auch schon anderen Leuten aus seinem Umfeld aufgefallen. Meistens sind es irgendwelchen Kleinigkeiten, also ganz leichte Erkältungen oder ein anderes Unwohlsein. Bei Facebook ist er mit mir auch verlinkt und meistens ist dort dann auch häufig an seiner Pinnwand zu lesen, dass er zum Arzt geht oder gegangen ist und dass er hofft, bald wieder gesund zu werden. Anfänglich habe ich ihm dann auch öfter gute Besserung gewünscht, mittlerweile mache ich das nicht mehr so oft, weil mir das komisch vorkommt. Ich merke, dass ich solche Aussagen zunehmend übergehe, weil sie so alltäglich geworden sind.

Es ist auch so, dass der Bekannte wahnsinnig unzuverlässig ist. Es kam häufiger vor, dass wir mit mehreren etwas unternehmen wollten und immer wieder sagte er ab oder kam einfach nicht und gab hinterher an, dass er krank war. Mittlerweile fragen wir ihn gar nicht mehr, ob er mitgeht, weil uns das allen zu blöd ist. Aber diese ganzen Erkrankungen, sofern vorhanden, nennt er sehr oft als Begründung, wenn er nicht zu einer Verabredung gekommen ist. Falls er nicht absagt, sagt er zum Beispiel hinterher, dass es ihm zu schlecht ging um abzusagen. Dabei haben wir alle den Eindruck, dass er es einfach aus anderen Gründen verschwitzt hat.

Vermutlich klingt das komisch, weil man eigentlich davon ausgehen sollte, dass niemand etwas dafür kann, wenn er krank ist. Ein Freund von mir meinte schon, dass dieser Bekannte aber auch besonders wehleidig ist und vielleicht absichtlich gerne krank feiert. Uns beiden ist aufgefallen, dass er vor allem oft krank ist, seit er seine neue Arbeitsstelle angenommen hat. Im September hat er die neue Tätigkeit begonnen und ich kann mich in dieser Zeit an vier Krankschreibungen durch einen Arzt erinnern. Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt so krank war, dass ich zum Arzt gegangen bin, aber das wird sicher schon ein Jahr her sein, vielleicht auch länger.

Findet ihr es ebenfalls komisch, wenn jemand häufig krank feiert? Findet ihr es normal, dass man praktisch jeden Monat für drei Tage bis eine Woche krank ist? Hattet ihr auch schon einmal eine Phase, in der ihr dauernd etwas hattet? Würdet ihr diese Krankheiten bei einem Bekannten ebenfalls anzweifeln oder ist das etwas, das man nie machen sollte, weil man nicht in der Haut des Betroffenen steckt?

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» Cologneboy2009 » Beiträge: 14238 » Talkpoints: 2,81 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich muss sagen, dass ich es auch komisch finde, wenn jemand so oft krank ist, obwohl ich darüber im Normalfall auch nicht urteilen möchte, weil ja keiner etwas dafür kann, wenn er wirklich öfter krank ist. Ich hatte aber mal eine Kollegin, die sowieso schon recht faul war und auch noch oft davon erzählte, dass sie krank sei. Alle paar Monate schminkte sie sich sehr blass und tat unheimlich leidend wegen einer Erkältung. Dann wussten wir schon, dass sie am späteren Vormittag zum Arzt gehen und sich für mehrere Tage krankschreiben lassen würde.

Auch sonst erzählte sie immer wieder, dass sie krank sei und gab die verschiedensten Beschwerden an. Am Anfang haben wir sie immer noch bedauert und uns darum gesorgt, dass es ihr bald wieder besser geht. Als das aber immer wieder so war, dass sie krank war und wortreich bedauert werden wollte, wurde es uns auch zu viel und wir haben ihre Krankheiten ignoriert. Geändert hat das nichts, sie erzählte immer wieder davon.

Deswegen kann ich schon verstehen, dass du die Krankheiten deines Bekannten anzweifelst, weil es mir bei meiner Kollegin eben selber so ergangen ist, dass ich an ihre angeblichen ständigen Erkrankungen nicht mehr glauben konnte.

» Barbara Ann » Beiträge: 27721 » Talkpoints: 33,79 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


Das was du dort beispielhaft an deinem Bekannten beschreibst finde ich gar nicht so unüblich. Zugegeben, ich kenne kaum jemanden, auf den dies auch zutrifft, aber auch mir kommen ein, zwei Personen in den Sinn, die wirklich sehr häufig krank sind, oder zumindest zum Arzt gehen, weil sie meinen, krank zu sein. Ein Bekannter aus unserem Familienkreis scheint es mit seinen Krankschreibungen auch schon mal so sehr übertrieben zu haben, dass der Arzt ihm schon keinen Krankenschein mehr ausstellen wollte, da dieser auch seine Zweifel hatte. Ihm blieb da nichts anderes übrig, als zum nächsten Arzt zu ziehen.

In meinem Fall ist diese Person auch unzuverlässig und "arbeitsscheu", wenn man dies schon ausdrücken kann. Ich habe diese Andeutung ihm gegenüber nie geäußert, aber bei mir im Freundes- und Bekanntenkreis reden wir auch häufig darüber und sind uns eigentlich alle einig, dass man nicht ständig krank sein kann - Einfach niemand hat über sechs Monate oder länger alle zwei bis drei Wochen eine neue Krankheit, für die man dann krank geschrieben werden braucht. Meiner Meinung nach handelt es sich hier einfach um Faulheit, wie in vielen anderen Fällen wohl auch. Viele werden tatsächlich einfach keine Lust auf Arbeit haben und wollen sich so ein ruhiges Leben gönnen.

Ich frage mich hier zum Teil auch, wie lange Arbeitgeber so etwas mitmachen, bevor denen auch mal der Geduldsfaden reißt. Besagte Person aus meinem Bekanntenkreis wird auch ständig gekündigt - Angeblich immer aus anderen Gründen, ich denke aber, eben genau aus diesen Gründen, weil man so unzuverlässig ist. Etwas anderes ist das vielleicht, wenn man wirklich eine chronische Krankheit hat, aber hier sieht man dann ja beim betroffenem auch, dass dieser nicht gut bei Kräften ist und etwas hat und dann ist die Krankschreibung auch gerechtfertigt. Ansprechen würde ich also nie eine Person direkt auf meinen Verdacht, dass diese sich nur ein ruhiges Leben machen will, aber denken kann bei sich ja jeder, was er meint und in solchen Fällen ist es dann ja auch mehr als offensichtlich.

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» damomo » Beiträge: 3341 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ich finde es absolut nicht normal, wenn jemand so häufig krank ist. Immerhin ist es vielleicht normal, zwei oder dreimal jährlich krank zu sein. Jeden Monat aber, halte ich dann doch für sehr unglaubwürdig. Immerhin ist man dann, sobald man wieder gesund ist, in einigen Tagen gleich wieder krank. Das halte ich aber für ausgeschlossen.

Dass der Bekannte doch etwas öfters als der Durchschnitt krank ist, mag ja sein und das halte ich auch nicht für ausgeschlossen. Ich bin mir aber sicher, dass dein Bekannter auch sehr übertreibt und wohl bei jedem Schnupfen zum Arzt rennt. Von daher denke ich auch nicht, dass er sich unbedingt nur deshalb krank schreiben lässt, weil es ihm so schlecht geht, sondern weil er einfach keine Lust hat, zu arbeiten. So ist so ein Schnupfen natürlich ein guter Grund, um zum Arzt zu gehen und sich entschuldigen.

Ich selbst bin auch oft krank, gehe dann aber meistens trotzdem zur Uni oder meinen normalen Tätigkeiten nach, wenn ich nicht gerade mit vierzig Grad Fieber im Bett liege. Denn wenn es mir nicht so schlecht geht, dass ich mich nicht in der Lage sehen würde, aus dem Haus zu gehen, dann gehe ich auch nicht zum Arzt oder lasse mich gar krank schreiben. Mit ein wenig Schnupfen und Husten laufe ich ständig durch die Gegend, ohne lautstark zu verkünden, das es mir so schlecht geht. Immerhin wüsste ich auch nicht, weshalb ich bei einer leichten Erkältung zu Hause bleiben sollte. Da müsste ich ja fast den gesamten Winter zu Hause bleiben, was ich allerdings für schwachsinnig halte. Wegen einem leichten Schnupfen lasse ich mir ganz sicher nicht die Laune verderben.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 31586 » Talkpoints: 99,70 » Auszeichnung für 31000 Beiträge



Ich finde, dass man das von den Umständen abhängig machen sollte. Wir wissen nichts über die Ernährung, über die familiäre Vorbelastung. Es kommt auch vor, dass das Immunsystem durch Stress - ob jetzt durch Angst, Phobien, Ekel, Leistungsdruck auf Arbeit - geschwächt werden kann. Wenn man also unter enormer Anspannung steht, kann ich mir gut vorstellen, dass man häufiger krank wird.

Auch hängt es ja davon ab, wo man arbeitet. Wenn man in Gesundheitsberufen oder Pflegeberufen tätig ist und man ständig mit Keimen konfrontiert wird, dann ist es klar, dass man dann häufiger sich ansteckt. Kinderbetreuung ist auch so ein Thema. Oder man hat vielleicht kleine Kinder zu Hause, die ständig irgendwelche Infekte aus dem Kindergarten mitbringen. Daher finde ich,j dass man sich immer mit dem Einzelfall beschäftigen sollte.

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» Täubchen » Beiträge: 33057 » Talkpoints: -0,08 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Momentan sind wir auch oft krank gewesen, obwohl wir eigentlich nicht dazu neigen. Unser Sohn geht allerdings seit letzten Monat in den Kindergarten und bringt da so einiges mit nach Hause. Zwar macht dann keiner von uns beiden krank bei der Arbeit, aber dennoch ist man krank. Solche Umstände können das Ganze natürlich beeinflussen, auch Vorbelastungen und so weiter.

Manche Menschen neigen einfach dazu und gerade in Phasen, in denen man vielleicht etwas depressiver ist, wird man auch schneller krank. Vielleicht gefällt ihm auch seine Stelle nicht so und er macht deswegen ständig krank und versucht dann nur auch das Ganze zu überspielen, in dem er das noch im sozialen Netzwerk breit tritt.

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» Ramones » Beiträge: 39994 » Talkpoints: 2,65 » Auszeichnung für 39000 Beiträge


Ohne irgendwie genaueres zu wissen, ist es schwer, sich darüber eine Meinung zu bilden. Es kann recht harmlos sein. Letztes Jahr hatte ich am Jahresanfang gleich vier Erkältungen hintereinander weg, die jedesmal auch noch etwas länger ausfielen als üblich. Dabei hatte ich ansonsten nichts, also auch kein geschwächtes Immunsystem oder dergleichen. Da schien ich einfach Pech gehabt zu haben und eine Sammelstelle für die Erkältungsbakterien gewesen zu sein. Hätte ich das jemand anderem aber erzählt, der mich nicht direkt so verschnupft erlebte, dann wäre ich spätestens bei der dritten aber auch komisch angeguckt worden.

Es kann aber auch schwerwiegender sein, wenn man mal davon absieht, dass diese Krankheiten auch nur vorgeschoben sein können. Es gibt Krankheiten, die haben lange Zeit kein eindeutiges Bild, sodass man nicht darauf kommt, dass man eine schwerwiegende Grunderkrankung hat. Diese Krankheiten äußern sich dann lange Zeit erst mal nur mit kleinen, kurzen Unpässlichkeiten, die keiner ernst nimmt.

Oder es gibt noch eine andere Möglichkeit: In meinem Umfeld gibt es etwa mehrere, die an Krebs erkrankt sind oder waren. Sie wollten aber nicht, dass es jeder wusste, denn sie wollten kein Mitleid. Oder es war ihnen auch peinlich, weil etwa die Prostata betroffen war. Und solange sie es verheimlichen konnten, haben sie es getan. Wenn sie etwa eine Chemo hatten und sich danach nicht wohl fühlten, haben sie nur gesagt, dass sie sich nicht wohl fühlten.

Zu der letzten These würde auch passen, dass er häufiger mal Termine vergisst, denn wenn er wirklich so krank ist, dann hat er den Kopf mit anderen Dingen voll. Manchmal lassen aber auch die heftigen Medikamente den Betroffenen einiges vergessen. Weil das ganze ziemlich schlaucht, ist man auch öfter geistig abwesend, denn der Körper ist mit Heilung und der Therapie beschäftigt. Dazu würde vielleicht auch passen, dass der Arbeitgeber scheinbar keine Probleme macht.

Ich würde ihn also nicht gleich als Simulanten abstempeln. Das ist meinem Freund und mir oft genug passiert, bis endlich die richtige Diagnose da war. Ich war angeblich eine Simulantin, die nur keine Lust zur Schule hatte und Kopfschmerzen vorschob. Mein Vater war ein großer Anhänger dieser These! Als ich dann als Notfall in die Klinik kam und mir ein Gehirntumor entfernt wurde, sagte er plötzlich nichts mehr.

» SonjaB » Beiträge: 1626 » Talkpoints: 7,69 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Zuerst einmal möchte ich sagen, dass man, grade was Krankheiten angeht, niemanden vorschnell verurteilen sollte. Man weiß nie, wie es in den Personen innen drin aussieht und mit welchen Problemen und Ängsten sie vielleicht zu kämpfen haben, von denen wir einfach nichts wissen. Dadurch verurteilen wir manchmal viel zu schnell ohne überhaupt die Hintergründe zu kennen. Wir denken, dass die Person lediglich ein paar freie Tage haben möchte, dabei hat sie vielleicht grade mit einer ernsthaften psychischen Erkrankung zu kämpfen, die es ihr nicht möglich macht das Haus zu verlassen.

Außerdem kann man nie bei jemandem rein äußerlich feststellen, ob er krank ist oder nicht. Grade bei psychischen Krankheiten steht ja (Gott sei Dank) niemandem auf die Stirn geschrieben, dass sie oder er Depressionen oder sonstige psychische Erkrankungen hat, durch die sie an manchen Tagen einfach nicht Arbeiten gehen können, selbst wenn sie wollten, weil sie es einfach nicht schaffen das Bett zu verlassen. Vielen ist es zu peinlich das zuzugeben oder sich Hilfe zu suchen, einfach, weil es in der Gesellschaft immer noch in gewisser Weise ein Tabu Thema ist. Das führt dann vielleicht dazu, dass die Leute lieber nicht den richtigen Grund für ihre Krankschreibung angeben, einfach, weil sie Angst davor haben von anderen Leuten verurteilt zu werden.

» Hufeisen » Beiträge: 5198 » Talkpoints: 74,80 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Da können ja viele Faktoren eine Rolle spielen. Vielleicht ist der Bekannte psychisch sehr belastet. Menschen, die psychische Problemen haben, sollen auch häufiger krank werden. Es kann natürlich auch sein, dass der Bekannte zu sehr auf jedes Wehwehchen achtet und ständig ins sich hineinhorcht. So merkt man ja auch eher, dass hier und dort mal zwickt oder drückt. Manche Menschen sind da eben wehleidiger oder horchen mehr ins sich hinein als andere, die eine Kleinigkeit eher übergehen und nicht so sehr darauf achten und darauf fixiert sind. Man weiß ja auch nicht, wie genau das Leben des Bekannten aussieht.

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» Nelchen » Beiträge: 32251 » Talkpoints: 0,17 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Zwischen krank sein und krank feiern liegt ja nun ein großer Unterschied. Ich finde es schon recht ungewöhnlich, wenn ein eigentlich gesunder Mensch so oft krank ist. Das sollte eigentlich nur vorkommen, wenn man chronisch krank ist oder eine Grunderkrankung hat. Ich bin auch sehr häufig krank, habe aber auch 2 chronische Krankheiten (Immundefekt und Narkolepsie). Dazu jetzt noch ein Magengeschwür. Erkrankungen von anderen Menschen zweifle ich grundsätzlich nur sehr selten an.

» Sternenbande » Beiträge: 1740 » Talkpoints: 67,44 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


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