Wie kann ein Arzt sich vor einem Burnout-Syndrom schützen?

vom 13.12.2012, 20:52 Uhr

Auch bei Ärzten herrscht wohl auf gewissen Gebieten ein Mangel, zumindest, wenn ich mich hier umschaue und auch Vergleiche mit der alten Wohngegend starte. Beides ist recht ländlich gelegen, sodass man durchaus allein von der ländlichen Gegend darauf schließen kann. Je weniger Ärzte es gibt, desto größer ist bei den verbleibenden Ärzten das Aufkommen der Patienten.

Wie schützt sich ein Arzt vor diesem Burnout-Syndrom? Sind viele Ärzte einfach nur überarbeitet und wie kann man diesen Ärzten unter die Arme greifen? Kann man auch als Patient einem Arzt etwas Gutes tun, wenn man seine Hilfe benötigt?

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



Viele Ärzte haben einfach Burn-out, so ist die Realität. Man ist überarbeitet hat nicht genügend Pausen. Ein Arzt kann da auch nicht so viel machen, um vorzubeugen. Sicherlich sollte er sich einen Ausgleich zum Stress schaffen und sich bei Problemen mit jemanden aussprechen, aber das ist leichter gesagt als getan. Dazu kommt ja auch, dass immer enormer Druck da ist. Macht der Arzt einen Fehler wird er verklagt und seine Karriere ist im schlechtesten Fall hin, weil der Ruf ruiniert ist.

Man kann dem Arzt insofern als Patient helfen, indem man ihm genaustens schildert, was man hat und ihm auch mal die Möglichkeit gibt nicht alles schnell abarbeiten zu müssen, also nicht noch mehr Druck entstehen lässt. Sicherlich hat man als Patient nicht die großen Möglichkeiten, das Seelenleben ihres Arztes zu retten, aber ein nettes Lächeln und ein Witz haben noch keinen geschadet.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ich finde es übertrieben, zu behaupten, dass viele Ärzte einen Burn-Out haben. Diese Störung wird ohnehin viel zu leichtfertig überall gesehen – inzwischen hat ja fast jeder Burn-Out, der sich mal gestresst oder etwas müde fühlt. Man muss es wirklich auch nicht übertreiben. Ärzte arbeiten auch nicht mehr als Krankenschwestern oder Egotherapeuten, es wird dann nur immer als ganz übermenschliche Leistung hingestellt. Zudem hat eigentlich jeder Arzt eine Berufshaftpflichtversicherung, sodass er sich da keine Sorgen machen muss, wenn er mal verklagt wird oder einen Fehler macht. Wenn man dann noch das Gehalt bedenkt, was Ärzte bekommen, da mache ich mir keine Sorgen um diese Berufsgruppe.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



@ Zitronengras: Bei Ärzten kommt es sehr oft vor, dass sie Überstunden machen müssen und dazu dürfen sie ihre vielen Überstunden auch nicht aufschreiben. Ärzte schuften hart für ihr Geld und ich denke nicht, dass man das herunter reden sollte. Wenn du mal die Dauer der Schichten siehst, kann man hier auch nicht von einem besonders hohen Gehalt sprechen. Es ist angemessen. Rechtlich ist man sicherlich abgesichert, aber wer will denn zu einem Arzt mit schlechtem Ruf? So ein Ruf entsteht schnell mal, wenn man einen Fehler gemacht hat.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



@Ramones, wenn einem Patienten aber etwas fehlt und er irgendwelche Diagnosen aufstellt, ist dem Arzt dann auch nicht geholfen. Denn dann untersucht der Arzt nicht mehr richtig und hat seine Diagnose schon relativ fest. Es dauert dann noch eine Weile, bis man vielleicht wirklich die Diagnose hat und da kann es auch nicht sein, dem Arzt die Arbeit abzunehmen.

Nicht jeder Arzt ist auch wirklich für Humor erreichbar, man ist manchmal auch nur für einen Arzt auch nur eine Nummer und den Arzt will ich dann auch nicht noch aufmuntern. Kommt aber sicherlich auch auf den Arzt selbst an, aber ich würde es nicht unbedingt damit versuchen und nicht nicht zum Arzt zu gehen, kann es ja auch nicht sein.

@Zitronengras, wenn man manche Arztpraxen beobachtet, ist es so, dass die Patienten schon zahlreich sind und viele Ärzte auch Überstunden machen. Gerade bei Fachärzten ist dies der Fall, wenn es der einzige (Gute) rund um die Gegend ist. Zwar macht es nicht jedem Arzt aus, das stimmt schon, aber wenn man praktisch 18 Stunden am Tag in der Praxis hockt, ist die Gefahr schon recht hoch. Ich denke nicht, dass bei Ärzten die Gesundheit generell zu kurz kommt.

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge


Zitronengras hat geschrieben:Ärzte arbeiten auch nicht mehr als Krankenschwestern oder Egotherapeuten

Gut dann zeig mir mal die Krankenschwester die regelmäßig 60-70 Stunden pro Woche arbeitet. Ich persönlich kenne davon nur ganz wenige, mal ganz davon zu schweigen, dass ich keine Krankenschwester und Ergo-/Physiotherapeuten kenne die 24-Stunden-Schichten schieben. Das gibt es nur noch in ganz wenigen Bereichen und bleibt hauptsächlich im Rettungsdienst, da sonst fast niemand rechtlich sowas machen darf.

Zitronengras hat geschrieben:Zudem hat eigentlich jeder Arzt eine Berufshaftpflichtversicherung, sodass er sich da keine Sorgen machen muss, wenn er mal verklagt wird oder einen Fehler macht. Wenn man dann noch das Gehalt bedenkt, was Ärzte bekommen, da mache ich mir keine Sorgen um diese Berufsgruppe.

Wieder genauso falsch. Zum einen mag das mit der Versicherung stimmen, aber zeig mir mal eine Versicherung, die gerne zahlt. Auch bei Berufshaftpflichtversicherungen versuchen diese erstmal aus ihrer Verpflichtung herauszukommen, etwas bezahlen zu müssen. Es mag aber sicher stimmen, dass nicht gleich die Karriere zu Ende ist, dafür muss man schon grobe Fehler machen.

Und über das Gehalt braucht man glaube ich gar nicht diskutieren, wenn man von der Materie wirklich Ahnung hat. Was richtig ist, ist das Ärzte zumindest von der Einkommenshöhe zu den gutgestellten Menschen in unserer Gesellschaft gehören. Allerdings kommt das in vielen Fällen nicht dadurch zu Stande, dass exorbitante Löhne gezahlt werden, sondern dass gerade im Krankenhausbereich einfach teilweise doppelt solange gearbeitet wird. Und wenn man dann halt statt 35-38 Stunden pro Woche, einfach mal 70 Stunden regelhaft pro Woche arbeitet, begründet das allein ja eigentlich schon das doppelte Gehalt ohne dass man einen höheren Stundenlohn hätte. Dazu kommt dann eben auch die lange Ausbildungszeit und dass gerade die höheren Löhne erst bei entsprechender Weiterbildung und Berufserfahrung gezahlt werden.

Über niedergelassene Ärzte sollte man da gar nicht in diesem Zusammenhang reden, da diese selbstständige Unternehmer sind und somit gar nicht mit normalen Angestellten, sondern nur mit anderen Selbstständigen verglichen werden können.

Ob das nun natürlich zwangsläufig dazu führen soll, dass jetzt viele Ärzte ein Burnout-Syndrom haben, darüber kann man sicher streiten. Aber man sollte egal in welchem Bereich, diese Diagnose nicht einfach leichtfertig abtun, sondern wirklich differenziert betrachten. Persönlich kenne ich jetzt nicht wahnsinnig viele Ärzte, die wirklich unter einem Burnout-Syndrom leiden, dass liegt aber auch sicher daran, dass die Leute, die ernsthaft mit einer Karriere als Arzt liebäugeln, meistens vorher schon wissen, dass man da nicht mit einer 40 Stunden-Woche den großen Reichtum ergattert. Daher denke ich, dass sich oftmals doch eher belastbarere und stressresistentere Leute für diesen Beruf entscheiden. Ausnahmen gibt es aber sicher auch da wie überall.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Zitronengras: Bei Ärzten kommt es sehr oft vor, dass sie Überstunden machen müssen und dazu dürfen sie ihre vielen Überstunden auch nicht aufschreiben. Ärzte schuften hart für ihr Geld und ich denke nicht, dass man das herunter reden sollte.

Ich finde schon, dass viele Ärzte auch viel leisten. Aber wenn man mal Statistiken liest, was ein Arzt verdient, da sind die Ärmsten mit 60.000 EUR im Jahr dabei, der Durchschnitt bei 100.000. Und mal ehrlich, so viel haben wir hier doch alle nicht, obwohl auch manche aus dem Forum bestimmt auch hart und viel arbeiten.

Rechtlich ist man sicherlich abgesichert, aber wer will denn zu einem Arzt mit schlechtem Ruf? So ein Ruf entsteht schnell mal, wenn man einen Fehler gemacht hat.

Denkst Du, dass das überhaupt jemand mitbekommt, wenn ein Arzt von einem Patienten verklagt wird? Ich glaube nicht, wie soll denn die Öffentlichkeit oder wie sollen andere Patienten davon erfahren? Ich habe noch nie von einem Arzt in meiner Umgebung gehört, der angezeigt wurde. Ich denke, dass eine Rufschädigung voraussetzt, dass etwas auch bekannt wird und das wird eher nicht der Fall sein.

Gut dann zeig mir mal die Krankenschwester die regelmäßig 60-70 Stunden pro Woche arbeitet.

Ich kenne aber Ärzte, die in einem Krankenhaus arbeiten und die sind da garantiert keine 70 Stunden in der Woche tätig. Die klagen schon, wenn sie mal eine halbe Stunde länger bleiben müssen. In einer eigenen Praxis mag das anders sein, aber ich könnte mir vorstellen, dass viele Selbstständige, die ein eigenes Unternehmen haben, ganz ähnliche Arbeitszeiten vorzuweisen haben. Es muss ja auch nicht alles Arbeit sein, was man dann in seiner eigenen Firma – und das ist eine Praxis ja – den ganzen Tag lang tut.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von Gio am 16.12.2012, 01:13, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen


Zitronengras hat geschrieben:
Gut dann zeig mir mal die Krankenschwester die regelmäßig 60-70 Stunden pro Woche arbeitet.

Ich kenne aber Ärzte, die in einem Krankenhaus arbeiten und die sind da garantiert keine 70 Stunden in der Woche tätig. Die klagen schon, wenn sie mal eine halbe Stunde länger bleiben müssen.


Mag es durchaus auch geben, aber dann verdienen sie auch entsprechend weniger. Ein Assistenzarzt verdient um die 4.000 Brutto im Monat (macht 48.000 brutto im Jahr), wenn er nur seine normale Wochenarbeitszeit von 40-42,5 Stunden leisten. Dienstzeiten und Bereitschaftszeiten werden bei Ärzten für gewöhnlich als reine Überstunden geleistet und nicht mit Freizeit ausgeglichen. Damit liegt man sicher am oberen Ende der Gehaltstabelle, fängt aber zum einen auch erst mit Ende 20 an überhaupt Geld zu verdienen und liegt bei den Akademikern gar nicht soweit vorn, wie immer suggeriert wird.

Für deine 100.000 Euro Bruttojahreslohn muss man entweder schon Oberarzt sein, was eine 5-6 jährige Facharztausbildung nach dem Studium und eine entsprechende freie Stelle vorraussetzt oder man muss halt massiv Überstunden in Form von hoher Dienstbelastung schieben. Also entweder liest du die falschen Statistiken oder fragst nicht nach wie diese zu Stande kommen.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


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