Diagnose ADHS - Immer gleich Ritalin?

vom 06.12.2012, 22:49 Uhr

Wenn ein Kind die Diagnose ADHS oder ADS bekommt, dann sind die Kinderärzte schnell mit dem Medikament Ritalin bei der Hand. Aber ist das immer direkt notwendig oder kann man mit Therapien auch viel erreichen? Wann ist unbedingt die Medizin notwendig und wann kann man es auch ohne Medikamente behandeln. Sollte man dem Kind zuliebe doch Medikamente geben, weil es dadurch ein wenig zur Ruhe kommt?

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» supermami » Beiträge: 2317 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Das ist meiner Meinung nach ein ganz schwieriges Thema. Ich habe keine Kinder, kenne aber einen Vater, der selber ADHS hat und das an seine Kinder weitergegeben hat. Seine Kinder waren mit Ritalin immer wie auf Droge, betäubt. Er hat das dann nicht mehr gegeben und seine Kinder waren dann auch wieder so wie vorher, was natürlich in der Schule nicht besonders gut ankam. Bei einem Kind hat es sogar richtig Ärger gegeben. Aber den Kindern ging es damit besser, das hat man ihnen auch angesehen.

Ich denke man muss die Situation immer von Fall zu Fall betrachten. Man sollte sich erst mal an einer Therapie probieren. Da gibt es tolle Sachen, die man mit solchen Kindern machen kann. Sollte das nicht funktionieren, kann man ja immer noch Tabletten geben.

In meinen Augen wird die Diagnose aber mittlerweile sehr schnell erteilt und dann werden die Kinder zu schnell betäubt. Man kann es ja auch mit auspowern probieren oder Therapien probieren. Man sollte sich da gut beraten lassen und viel ausprobieren. Tabletten können keine pauschale Lösung sein.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


ADHS ist ja wirklich eine Störung, die das Leben ganz schön beeinflussen oder beeinträchtigen kann. Die Kinder können sich ganz schlecht konzentrieren und schaffen es gar nicht, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, sind ständig von Belanglosem abgelenkt und daraus resultieren natürlich auch Probleme in der Schule. Genauso ist es aber für das Umfeld auch nervig, wenn Kinder so aufgedreht sind und das führt dann dazu, dass das Kind gar nicht so richtig den Kontakt zu anderen findet.

Für manche Kinder ist es dann wirklich etwas sehr Positives, wenn sie durch die Medikamente nicht mehr so überdreht sind und besser zur Ruhe kommen können. Manche empfinden das vielleicht auch als Betäubung. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass eine andere Therapie hier viel bringt. Konzentration kann man gar nicht so richtig trainieren und man kann zwar durch Sport etc. ein Auspowern erreichen, aber das führt dann eben auch nur dazu, dass die Kinder nach dem Sport ruhiger sind, am nächsten Tag ist dann alles wieder wie vorher.

Ich finde, man sollte es nutzen, wenn es solche guten medikamentösen Möglichkeiten gibt, um dem Kind Probleme in der Schule und im Sozialleben zu ersparen. ADHS ist schließlich eine Krankheit und die sollte auch behandelt werden. Letztendlich geht ADHS bei den meisten Kindern nach der Pubertät von alleine wieder weg, d.h. man müsste das Ritalin ohnehin nur ein paar Jahre geben und nicht lebenslang. Wenn das Kind wegen ADHS die Schule nicht richtig schafft, dann wird es ein Leben lang einen Nachteil davon haben und sich vielleicht nachher wünschen, ein paar Jahre lang Medikamente bekommen zu haben.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Ein Kind, welches den Verdacht auf ADS oder ADHS hat, sollte vor allem erst mal in einem Sozialpsychiatrischen Zentrum vorgestellt werden und die Diagnose sollte nie alleine nur von einem Kinderarzt gestellt werden! Auch ein Psychiater für Kinder oder ein Kinderneurologe kann weiter helfen.

Generell gibt es sicherlich noch andere Behandlungsmöglichkeiten. Angefangen über Ergotherapie und so weiter. Auch eine Umstellung des Tagesablaufs und/ oder der Essgewohnheiten kann weiter helfen. Stationäre Therapiemöglichkeiten gibt es mittlerweile auch. Und es gibt durchaus auch andere Möglichkeiten als Ritalin, auch im mediamentösen Bereich. Und man sollte auch Bedenken, nur Medikamente werden bei einer Erkrankung, die sich unter anderem durch das Verhalten zeigt, nicht unbedingt helfen.

Generell würde ich Ritalin nicht verteufeln. Es hat sicherlich seine Wirkung und kann mit Sicherheit auch helfen. Trotzdem sollten aber erst mal oder zumindest zeitgleich, andere Therapiemöglichkeiten genutzt werden. Sicherlich kann eine Gabe von Ritalin auch helfen, dass sich das betroffene Kind auf eine Therapie einlassen kann. Genauso hilft aber auch eine andere Form von Therapie, von dem Medikament wieder los zu kommen.

@ Zitronengras- kannst du mir bitte die Quelle nennen, die besagt, dass ADHS nur ein Problem mit der Konzentration ist? Davon mal abgesehen, kann man mit verschiedenen Methoden auch ohne Medikamente lernen, sich besser zu konzentrieren.

Ritalin generell als gut zu bezeichnen, wie du es nennst, halte ich für einen Trugschluss. Ritalin kann helfen. Ritalin kann mit Sicherheit auch sehr gut und hervorragend andere Therapien ersetzen. Aber die Nebenwirkungen sind auch nicht ganz ohne. Und oftmals kann man durchaus auch ohne Gabe von Medikamenten einiges erreichen.

Des weiteren hätte ich von dir Zitronengras gerne eine Quelle, die besagt, dass bei den meisten Heranwachsenden nach der Pubertät die Erkrankung weg ist. ADHS verwächst sich nicht einfach. Ein Kind mit ADHS kann aber lernen damit umzugehen und kann sich so besser integrieren und ist als Erwachsener weniger auffällig. Wobei man ADHS heute auch durchaus bei Erwachsenen diagnostiziert, was deiner These dann ja widerspricht.

Das es weniger Erwachsene gibt, die mit Ritalin behandelt werden, liegt einmal mit Sicherheit daran, dass diese eher eine andere Form der Therapie wählen oder mit ihrer Erkrankung auch anders umgehen. Zweitens war es bis letztes Jahr so, dass Ritalin nur Kindern auf Rezept verschrieben wurde und somit zuzahlungsbefreit und zum Großteil auch kostenfrei war. Als Erwachsener musste man das Medikament in der Regel selbst aus der eigenen Tasche bezahlen, was viele sich einfach nicht leisten konnten.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Die Konzentration ist eben ein Merkmal, was man nicht einfach verändern kann, genauso wie Intelligenz oder Persönlichkeitseigenschaften. Ich weiß schon, dass es Konzentrationstrainings gibt, aber da kreuzen die Kinder dann Zeichenfolgen ab, das können sie durch die Übung irgendwann fehlerfreier und schneller, können sich dadurch aber nicht besser konzentrieren. Und in einer Therapie bringt man den Eltern bei, die Kinder mit festen Strukturen oder Belohnung und Bestrafung im Zaum zu halten – wie bei der Supernanny. Na ob das so toll ist, frage ich mich auch.

Zudem denke ich, dass eine Familie nicht den kompletten Tagesablauf oder die Organisation des Alltags umstellen kann, da gibt es doch häufig auch äußere Rahmenbedingungen (Job etc.), die das gar nicht zulassen. Sicherlich ist es eine Möglichkeit, aber eben eine, die nur begrenzt genutzt werden kann. ADHS ist auch zu einem großen Teil durch genetische Einflüsse verursacht. Denn schließlich ist es ja mehr oder weniger eine neurologische Störung. Die Filter, die Umwelteinflüsse bewerten und unwichtige Dinge ausklammern, funktionieren nicht richtig. Die Kinder können sich nicht konzentrieren, weil sie es geistig nicht hinbekommen, ihre Aufmerksamkeit längere Zeit auf etwas zu fokussieren.

kannst du mir bitte die Quelle nennen, die besagt, dass ADHS nur ein Problem mit der Konzentration ist? Davon mal abgesehen, kann man mit verschiedenen Methoden auch ohne Medikamente lernen, sich besser zu konzentrieren.

Ich habe geschrieben, dass Kinder mit ADHS sich schlecht konzentrieren können. Ich habe allerdings nicht geschrieben, dass ADHS nur ein Problem mit der Konzentration sei. Dass aber diesbezügliche Probleme eine wesentliche Rolle spielen, sagt ja schon der Name: Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung.

Ritalin generell als gut zu bezeichnen, wie du es nennst, halte ich für einen Trugschluss. Ritalin kann helfen. Ritalin kann mit Sicherheit auch sehr gut und hervorragend andere Therapien ersetzen. Aber die Nebenwirkungen sind auch nicht ganz ohne. Und oftmals kann man durchaus auch ohne Gabe von Medikamenten einiges erreichen.

Auch das hast Du wieder falsch zitiert. Ich habe geschrieben, dass man es nutzen sollte, wenn es entsprechend gute Möglichkeiten zur Intervention mit Medikamenten gibt. Ich habe aber nicht geäußert, dass Ritalin immer und überall gut wäre, aber es sollte meiner Meinung nach durchaus in Betracht gezogen und ausprobiert werden.

Des weiteren hätte ich von dir Zitronengras gerne eine Quelle, die besagt, dass bei den meisten Heranwachsenden nach der Pubertät die Erkrankung weg ist. ADHS verwächst sich nicht einfach. Ein Kind mit ADHS kann aber lernen damit umzugehen und kann sich so besser integrieren und ist als Erwachsener weniger auffällig. Wobei man ADHS heute auch durchaus bei Erwachsenen diagnostiziert, was deiner These dann ja widerspricht.

Du findest etwa hier eine Langzeitstudie zur Entwicklung von ADHS von er Kindheit in das Erwachsenenalter. Die hättest Du Dir aber auch selbst mit google heraussuchen können. Viele Kinder mit ADHS haben die Störung im Erwachsenenalter nicht mehr, denn in der Pubertät verändert sich ja das Hormonsystem, was letztlich auch Prozesse im Gehirn beeinflusst. Zudem entwickelt sich der Hirnteil, der genau für solche Kontrollfunktionen und die Aufmerksamkeit wichtig ist, erst im etwas späteren Alter. Das bedeutet nicht, dass es ADHS bei Erwachsenen nicht mehr gibt, aber es wird deutlich weniger.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von ten points am 07.12.2012, 12:51, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen

Die ADHS - Diagnostik geht gar nicht mal so schnell. Aber man muss, oder will, sicher gehen, dass es wirklich ADHS ist und da müssen die Kinder und auch Eltern eben einige Tests über sich ergehen lassen. Außerdem natürlich auch noch ein MRT und EEG. Es gibt auch verschiedene Formen von ADHS. Es ist ja nicht immer nur das bekannte Bild, was der Otto - Normalverbraucher von ADHS hat: ein herumspringendes, unaufmerksames Kind. Es gibt ja auch die "Träumer", zum Beispiel. Und nicht bei jeder Form ist Ritalin angebracht.

Neben den Formen gibt es auch noch Scheregrade und selbstverständlich sollte man es unter Umständen erst einmal mit etwas anderem als Ritalin versuchen. Zum Beispiel Psychotherapie. In manchen Fällen ist Ritalin einfach wirklich notwendig. Um das zu erklären, müsste ich aber zu weit ausholen. Manche Kinder können sich schlicht und ergreifend nicht anders konzentrieren und da hilft es auch nicht, wenn man sie auspowert und stundenlang mit ihnen raus geht. Die können auch danach ihre Hausaufgaben nicht so machen, wie es andere Kinder könnten (beziehungsweise würden andere Kinder vermutlich erst einmal schlafen wollen, wenn sie so lange getobt haben).

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge


Nicht nur mit der Gabe von Ritalin ist man heute sehr schnell, sondern auch mit der Diagnose von ADS und ADHS. Dabei ist es wirklich nicht so leicht, zu sagen, jemand habe ADS und ADHS. Jede "ungewöhnliche" Eigenschaft, wie Drang nach Bewegung und auch nicht zuhören können oder mangelnde Konzentration, wird gleich in die Richtung gehen, aber richtig ist es nicht, da nicht nur ein Merkmal ADS oder ADHS ausmacht.

Mit einer entsprechenden Therapie kann man durchaus auch bei ADS und ADHS etwas bewirken, da muss man einfach je nach Fall schauen. Immerhin kann man mit einem wirklich geregeltem und konsequentem Tagesablauf etwas bewirken, genauso wie mit Bewegung und Sport und so weiter. Dass es nicht so einfach ist, ist für mich schon noch nachvollziehbar, und manchmal wird wohl gedacht, einfach eine Tablette einwerfen, ist ausreichend. Dennoch würde ich selbst erst einmal schauen, dass es auch wirklich und eine gesicherte Diagnose ist, und dann schauen, aber sofort mit Ritalin beginnen, würde ich auch nicht.

Ich fand es auch mal ganz interessant, die Sichtweisen verschiedener Eltern kennenzulernen, allerdings hatten deren Kinder auch unterschiedliche Symptome bezüglich des ADS und ADHS hatten, sodass man deren Therapien auch unterschiedlich gestaltet hat, aber interessant war es dabei schon, dass keiner von ihnen Medikamente gegeben hat und es erst einmal gelassen hat. Also kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht sofort einhergeht, wenn die Diagnose vorgelegen hat.

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



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