Risikofaktoren beim Schlaganfall berechnen

vom 28.11.2012, 22:03 Uhr

In meinem Bekanntenkreis sind einige Menschen, die einen Schlaganfall bekommen haben. Eine Frau ist dabei, die schon mit Mitte 30 einen Schlaganfall hatte, von dem sie sich zum Glück ganz gut erholt hat. Wenn man sie kannte, hätte man nicht gedacht, dass sie ein Schlaganfall gefährdeter Mensch ist. Sie ist immer schon schlank gewesen und hat Sport getrieben. Sie hatte keinen übermäßigen Stress und dennoch hat sie einen Schlaganfall bekommen.

Welche Faktoren erhöhen denn ein Schlaganfallrisiko und wann sollte man besonders darauf achten, dass man keinen Schlaganfall bekommt? Kündigt sich ein Schlaganfall an oder kommt der in der Regel immer plötzlich? Kann man diese Risikofaktoren irgendwie berechnen? Oder ist ein Schlaganfall unberechenbar und heimtückisch?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Bei Menschen im Alter von 30 Jahren ist es in der Tat recht ungewönlich, dass sie schonmal einen Schlaganfall gehabt haben, die beruhen ja auf arterielle Embolien und im Alter von 30 Jahren kriegt man sie normalerweise nicht. Was mir da spontan als Risikofaktor ins Auge springen würde, wäre evtl. die familiäre Disposition. In der Regel ist beispielsweise KHK mit seinen Risikofaktoren (Cholesterin, Rauchen, Alkohol, Diabetes Mellitus, arterielle Hypertonie, Adipositas) ein großer Risikofaktor für Schlaganfälle, insbesondere Herzrhythmusstörungen unter KHK. Besonders hervorzuheben ist da Vorhofflimmern, was lange Zeit asymptomatisch verläuft und im Regelfall auch nicht wahrgenommen wird, erst im Spätstadium kann sich das Krankheitsbild in Form von belastungsabhängiger Atemnot, Schwindel oder Herzklopfen bemerkbar machen.

Was die Berechnung von Risikofaktoren angeht, gibt es den sogenannten CHADS-VASc-Score für Vorhofflimmern: Dieser Score gibt an, wann der Patient bei Vorhofflimmern antikoaguliert werden sollte. Alles ab 1 Punkt sollte zumindest per ASS 100 mg antikoaguliert werden, um das Risiko einer arteriellen Thrombembolieenstehung zu senken. In den Score fließen insgesamt 7 Risikofaktoren ein: C steht für congestive heat failure, also Herzinsuffizienz (1 Punkt), H steht für Hypertonie (1 Punkt), A steht für Age (> 75 Jahre, 2 Punkte), D steht für Diabetes (1 Punkt), S für Stroke, also wenn man schonmal Schlaganfall gehabt hat (2 Punkte), V steht für vascular disease (in Form von KHK, pAVK, Z.n. Herzinfarkt, venöse Thrombosen, 1 Punkt), A steht ebenfalls für Age (65-75 Jahre, 1 Punkt) und letzlich Sc für Sex category (1 Punkt bei Frauen). Hat man in diesem Score mindestens einen Punkt, wird eine orale Antikoagulation empfohlen. Denn je nach Höhe der Punkte steigt das Thrombembolierisiko signifikant an, bei 1 Punkt ist es 1,3%, bei 6 Punkten sind es schon 9,8%!

Generell kann man aber schon sagen, dass für Schlaganfall dieselben Risikofaktoren gelten wie auch für KHK, letzlich unterscheidet sich ein Herzinfarkt pathophysiologisch kaum von einem Schlaganfall: Minderperfusion infolge eines arteriellen Verschlusses.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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