Trotz Blutzucker im Normalbereich Hunger?

vom 24.11.2012, 09:52 Uhr

Durch meinen Diabetes ist eine regelmäßige Blutzuckermessung unabdingbar, und nur so kann ich einen halbwegs normalen Blutzuckerverlauf feststellen, Die meisten Werte sind auch in einem Normalbereich und an sich ist es so, dass ich dann nicht unbedingt hungrig bin. Dennoch habe ich schon bei mir schon häufig beobachten können, dass ich hungrig werde, wenn ich Normalwerte erreicht habe. Sicherlich ist der Abstand zwischen der letzten und der geplanten Mahlzeit mit ausschlaggebend, esse ich den ganzen Tag nichts, kann der Blutzucker trotzdem normal bleiben und ich werde hungrig.

Diesen Hunger habe ich jedoch auch oft, wenn ich eine Unterzuckerung habe, beziehungsweise wenn der Wert unter meinem Zielbereich liegt oder auch, wenn ich zu schnell von einem zu hohen Wert auf einen niedrigen Wert absinke.

Liegt ein Hunger nicht nur am niedrigen Blutzuckerwert oder am schnell absinkenden Blutzuckerverlauf? Welche Mahlzeiten eignen sich bei einem Hunger in Verbindung mit normalen Blutzuckerwerten, wenn ich kein Insulin für das Essen abgeben möchte?

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



Es hängt ganz davon ab, wie lange der Diabetes schon besteht und wie gut er eingestellt ist: Bei vielen Diabetes-Patienten ist es so, dass sich ihr "normaler" Blutzucker an die langjährig hohen Spiegeln angepasst haben, es hat eine Art Adaptation stattgefunden. Die normalen Blutzuckerspiegeln wie 80-99 mg/dl könnten für einen Diabetiker schon eine Unterzuckerung darstellen oder besser formuliert, sie könnten Hunger kriegen, weil sie den Eindruck haben, dass sie unterzuckert sind. Ihr adaptierter, "normaler" Blutzucker könnte sich beispielsweise in Bereichen von 120-140 mg/dl abspielen, was für einen Gesunden schon einen gestörten Blutzucker darstellt (nüchtern!).

Die Adaptation dürfte ein Grund sein, warum sich ein Diabetiker bei "normalem" Blutzucker hungrig fühlt, aufgrund der lange Zeit hohen Blutzuckerspiegeln. Was die Mahlzeiten angeht, sollte man ebenfalls zwischen einem Typ 1- und Typ 2 Diabetiker unterscheiden: Bei Typ 1 Diabetikern ist es unumgänglich Insulin zu spritzen, weil die körpereigene Insulinproduktion nicht funktioniert. Bei jeder Mahlzeit ist also Insulin Pflicht. Möchte man allerdings die Phase der "Pseudo"-Unterzuckerung bis zur nächsten Mahlzeit überwinden, so kämen Lebensmittel in Frage, die ballaststoffreich sind und einen niedrigen glykämischen Index haben bzw. eine niedrige glykämische Last. Das ist aber meist schwer herauszufinden, weil so etwas nie auf den Packungen mit angegeben sind. Achten kann man da auf den Anteil an "Zucker", der zum prompten Blutzuckeranstieg führt. Sogenannte Poly- bzw. Oligosaccharide in Kombination mit Ballaststoffen führen zu einem eher gemäßigten Anstieg des Blutzuckers über mehrere Stunden. Diese Kombination wird übrigens nicht nur für Diabetiker empfohlen, sondern sollte auch ein Grundstein der ausgewogenen Ernährung sein.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Wie gesagt, besteht mein Diabetes schon seit einigen Jahren und ich habe zwar zwischendurch mal diese Null-Bock-Phasen, aber von denen komme oder kam ich sehr schnell wieder zurück. Durch meine Therapie ist es selbst auch kein Problem, Normalwerte zu erreichen, die ich im Übrigen nicht selbst anpasse, sprich, ich nehme keine zu hohen Werte im Kauf und gebe mich auch mit leicht erhöhten Werten vor den Mahlzeiten nicht zufrieden. Wenn ich Dir nun sage, dass meine Werte sich an sich zwischen 100 und 120 mg/dl bewegen sollen, ich aber derzeit Durchschnittswerte von 120 bis 140 mg/dl habe, hilft es Dir ein wenig weiter? Allerdings kommen die Durchschnittswerte dadurch zustande, dass ich auch nach dem Essen messe und meine Werte dann mit de Zeit absinke. Daran feile ich noch immer, was sich derzeit aber recht leicht bewerkstelligen lässt, sofern ich die entsprechende Anzahl an Blutzuckerteststreifen erhalte.

Wie Du schon wissen dürftest, habe ich einen Typ 1-Diabetes, den ich mithilfe der Insulinpumpentherapie behandle. Das heißt, ich habe eine kontinuierliche Insulinversorgung, wobei diese Basisversorgung in Kürze wieder einmal von mir selbst überprüft werden muss. Ich kann durch die Insulinpumpe nur ein paar Knöpfe drücken, um dann das Essen abzudecken, aber dennoch möchte ich meinen Insulinbedarf beim Essen reduzieren und eher Essen bevorzugen, welches kaum oder besser nicht verinsuliert werden muss. Selbst Gemüse muss durchaus ab bestimmte Mengen mit Insulin abgedeckt sein, auch sehr eiweißhaltiges oder fettiges Essen. Da macht es die Menge.

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



Ein Typ 1 Diabetiker dürfte im Regelfall, sofern sein Blutzucker nicht adaptiert ist, weil der Diabates z.B. viel zu spät diagnostiziert wurde, keine Probleme in mit seinem durchschnittlichen Blutzuckerspiegel haben, weil ja entsprechend der aufgenommenen Menge an Zucker die entsprechende Menge an Insulin gespritzt wird. Unterscheiden tut sich der früh diagnostizierte Typ 1 Diabetes also nicht viel vom einem gesunden Organismus mit einem funktionsfähigen, endokrinen Pankreas.

Wenn du aber nun selbst festgestellt hast, dass dein Blutzucker im Durchschnitt sich im Bereich von 120-140 mg/dl bewegt, so kann es durchaus sein, dass du das Gefühl hast, Hunger zu haben, wenn der Blutzucker < 100 mg/dl liegt. Das wäre im Extremfall eine Differenz von mindestens 30-40 mg/dl, was selbst beim Gesunden das Gefühl der Unterzuckerung auslösen würde (i.d.R. ab < 50 mg/dl, Normalwert < 100 mg/dl). Falls diese besagten Werte nun lange Zeit bestehen bleiben, kann der Körper diese Spiegel als "normal" speichern und den eigentlichen Normalspiegel auf ein höheres Niveau ziehen, das Prinzip der Adaptation also. Für dich wäre dann, sagen wir mal, 135 mg/dl "normal", ab < 110-105 mg/dl könnte sich das Hungergefühl entwickeln, weil der Körper denkt, dass der Blutglucosespiegel sinkt, obwohl absolut gesehen sich der Wert im total normalen Bereich befindet. Um aber die Werte der vergangenen Tage/Wochen/Monate zu vergleichen und mögliche Adaptationen mit ggfl. Therapianpassung zu ermitteln, würde ich an deiner Stelle einen Diabetologen aufsuchen und von ihm mir die Physiologie nochmals erklären lassen, weil es doch sehr komplex ist und der Blutzucker nicht nur von der exogenen Aufnahme abhängt: Unter anderem können Stressreaktionen auch zu hohen bzw. niedrigen Zuckerspiegeln führen, die man abklären muss.

Was das Thema des Essens angeht, bei dem man kein Insulin spritzen muss, kann ich leider nicht viel zu sagen: Soweit ich weiss, ist man als insulinpflichtiger praktisch "gezwungen" sich bei jeder noch so kleinen Mahlzeit Insulin zu spritzen, weil die körpereigene Insulinsekretion nicht mehr funktioniert. Ob es da überhaupt Nahrungsmittel gibt, die keine Kohlenhydrate beinhalten und nicht den Blutzuckerspiegel beeinträchtigen, weiß ich nicht, ich wage es aber zu bezweifeln. Man kann höchstens so vorgehen, dass man überwiegend ballaststoffreiche, überwiegend aus sogenannten Poly- bzw. Oligosacchariden bestehende Lebensmittel bevorzugt, die den Blutzucker langsam und mäßig erhöhen. Ob man da in der Summe die Insulinmenge reduzieren kann, weiß ich nicht, auch da würde ich eher einen Diabetologen empfehlen, vielleicht sogar einen Ernährungsberater.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ich denke schon, dass ein Diabetes Typ 1 durchaus zu einer gesunden Bauchspeicheldrüse Unterschiede hat. Immerhin muss der Diabetiker dies alles manuell steuern, was der Körper an sich selbstständig tut. Man selbst muss gegebenenfalls noch andere Dinge mit berücksichtigen, zum Beispiel Stress, Hormone, andere Medikamente und so weiter. Auch muss die Einstellung, wenn sie irgendwann nicht mehr funktioniert, überprüft werden. Abgesehen davon hat der Diabetiker natürlich seine Blutzuckermessungen durchzuführen.

Diese Adaption ist mir natürlich auch bekannt und lässt sich auch überall nachlesen. Aber wie ich schon sagte, sind meine Normalwerte vor einem Essen schon niedriger als die Werte, die ich nach dem Essen messe. Allerdings sinken die ja dann auch noch ab. Der Durchschnittswert wird dann anhand der gemessenen Werte berechnet, darunter fallen dann alle Werte, egal, wie hoch oder tief sie waren.

Um es anderweitig zu erklären, ich habe neulich zum Beispiel kein Abendessen gehabt und bin mit einem Wert von etwa 100 mg/dl schlafen gegangen. Als ich aufgestanden bin, war mein Wert dann bei 102 mg/dl und ich habe bis dahin immer noch nichts gegessen gehabt. Da ich dann unterwegs war, nach Hause kam, erneut gemessen habe, lag ich wieder bei 100 mg/dl. Das heißt zum Einen, dass die Basis gut eingestellt ist, aber zum Anderen ich dann noch keinen Hunger gehabt hätte, wenn hier die Adaption gestimmt hätte. Dennoch hatte ich dann Hunger gehabt, sodass es eben nicht nur anhand der Adaption oder der Blutzuckerwerte gekommen ist.

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge


*steph* hat geschrieben:Um es anderweitig zu erklären, ich habe neulich zum Beispiel kein Abendessen gehabt und bin mit einem Wert von etwa 100 mg/dl schlafen gegangen. Als ich aufgestanden bin, war mein Wert dann bei 102 mg/dl und ich habe bis dahin immer noch nichts gegessen gehabt. Da ich dann unterwegs war, nach Hause kam, erneut gemessen habe, lag ich wieder bei 100 mg/dl. Das heißt zum Einen, dass die Basis gut eingestellt ist, aber zum Anderen ich dann noch keinen Hunger gehabt hätte, wenn hier die Adaption gestimmt hätte. Dennoch hatte ich dann Hunger gehabt, sodass es eben nicht nur anhand der Adaption oder der Blutzuckerwerte gekommen ist.


Naja, am Blutzuckerspiegel kann es dann wahrlich am wenigsten liegen, wenn du zum Zeitpunkt X kein Hunger gehabt hast, aber zum Zeitpunkt Y plötzlich Hunger bekommen hast, beim gleichen, absoluten Blutzuckerspiegel. Damit kann diesen Parameter hinsichtlich dieser Thematik in deinem Falle wohl ausschließen, zumal der Blutzucker echt gut eingestellt zu sein scheint, wenn er lange Zeit konstant auf demselben Level bleibt.

Hunger ist, um es mal etwas grob auszudrücken, ein subjektives Gefühl, das durch viele verschiedene Faktoren getriggert wird, u.a. dem Blutzuckerspiegel: Wir haben darüber hinaus im Magen-Darm-Trakt bestimmte Rezeptoren, die dem Gehirn einen gewissen Druck im Magen/Darm signalisieren, was soviel heißen soll "Essen ist im Anmarsch", diese Verschaltungen sind aber leider nicht so schnell wie beispielsweise die Messung des Blutzuckers. Ich kenne es von mir selbst, dass ich ein gewisses Hungergefühl entwickle, wenn mein "Magen knurrt" und ich seit mehreren Stunden nichts gegessen habe, obwohl mein Blutzucker auch total normal ist - habe ich explizit mal ausprobiert :) Es scheint also durchaus auch viele andere Faktoren zu geben, die das Hungergefühl senken bzw. triggern, der Füllezustand des Magen-Darm-Traktes gehört wohl auch dazu.

Darüber hinaus kann ich mir auch gut vorstellen, dass eine Schilddrüsenüberfunktion ein Hungergefühl induzieren kann, wobei das allerdings dann eher kontinuierlich sein dürfte. Ob in diesem Zusammenhang auch Medikamente eine signifikante Rolle spielen, kann gut möglich sein, jedoch kenne ich kein Medikament, welches typischerweise so etwas machen würde.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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