Arztbehandlung auch bei vergessener Chip-Karte möglich?

vom 30.10.2012, 14:39 Uhr

Ich war heute bei einem Arzt und da habe ich etwas erlebt, was ich irgendwie nicht verstehen kann. Eine ältere Dame hatte wohl einen Termin und hat aber ihre Chipkarte nicht dabei gehabt. Die "nette" Dame am Empfang hat die Frau weggeschickt und meinte, dass sie ohne Chipkarte nicht behandelt werden kann. Denn sonst könnte ja jeder kommen, der nicht krankenversichert ist. Die ältere Dame meinte, dass sie diese nachreicht und ihren Ausweis so lange da lassen könnte. Sie würde auch die Krankenkassenangaben machen und natürlich auch die fälligen 10 Euro zahlen. Aber die Dame am Empfang war hartnäckig, gab der älteren Frau einen neuen Termin und bat die Karte dann mitzubringen.

Ich habe das nicht verstehen können. Ist eine Behandlung ohne diese Karte wirklich nicht möglich oder war die Frau am Empfang doch etwas übereifrig? Mit dem Ausweis hätten sie sich ja absichern können und ggf. auch eine Rechnung schicken können. Was ist, wenn ich meine Karte mal verliere, krank werde und noch keine neue Karte habe?

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» Ampelmännchen » Beiträge: 1310 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich kann das Verhalten schon nachvollziehen, immerhin hat sie ja auch ihre Vorgaben und kann diese auch nur umsetzen. Gerade, wenn die Frau einen Termin hatte, war es vielleicht auch nichts Dringendes. Ich denke im Notfall wird man da schon eine Ausnahme machen und vielleicht auch nicht gleich nach der Karte fragen, aber so ist es denke ich schon normal, wenn man dann nicht behandelt wird.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Für die Ärzte ist es sehr wichtig, dass eine entsprechende Karte vorliegt, denn ohne diese können sie ihre Abrechnungen nicht machen. Das funktioniert heute alles elektronisch und wenn eine Karte nicht vorliegt, dann würde das sehr viel Aufwand für den Arzt bzw. seine Helfer bedeuten.

Es ist daher für alle Beteiligten einfacher, wenn man die Karte einfach mitbringt. Schließlich haben wir alle ein funktionsfähiges Gehirn. Ein altes Sprichwort besagt ja schon, wer es nicht im Kopf hat, hat es in den Beinen. Also wer seine Karte vergisst, muss sich halt nochmal auf den Heimweg machen und sie holen.

Natürlich wird besonders bei Notfällen eine Ausnahme gemacht. Wenn es um Leben und Tod geht, vergisst selbst die deutsche Bürokratie mal ihre Vorschriften und Gesetze.

» frankiskrank » Beiträge: 289 » Talkpoints: 15,61 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Natürlich kann auch ohne diese Chipkarte eine Untersuchung stattfinden und ich finde es mehr als fragwürdig, wenn man eine ältere Dame einfach wegschickt und einen neuen Termin ausmacht. So eine Karte ist nachzureichen und die Ärzte können sich absichern, indem sie erst einmal die Personalien aufnehmen und auch die Krankenkasse. Wenn dann keine Karte nachgereicht wird, kann der Arzt eine private Rechnung schicken. Dann muss der Patient sehen, dass er das mit der Krankenkasse regelt.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich habe noch nie erlebt, dass ein Patient wieder nach Hause geschickt wurde, weil er seine Krankenkassenkarte vergessen hat. Wenn es in einer Arztpraxis passiert, in der man häufiger Patient ist, wird auch meistens gesagt, dass man die Karte dann eben nachreichen soll. Ich hatte vor kurzem das Problem, dass bei meinem Hausarzt die Computer ausfielen und ich weder die 10 Euro abgeben konnte, noch konnten sie meine Karte einlesen. Mein Rezept und die Überweisung habe ich dann trotzdem bekommen und einfach einige Zeit später dann die Karte und die Praxisgebühr nachgereicht.

Ich finde es schon wirklich überzogen, dass die alte Dame wieder nach Hause geschickt wurde und nun zu einem anderen Termin mit Krankenkarte wieder kommen muss. Da hätte man doch wirklich anders verfahren können. Gerade wo die Frau sogar ihren Personalausweis als Pfand dort lassen wollte und auch die 10 Euro bezahlen konnte. Da hätte man wirklich nicht so streng sein müssen. Die Karte wird da auch nicht direkt so zwingend gebraucht. Eine Untersuchung hätte in jedem Fall auch ohne diese statt finden können.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Verpflichtet ist sicher kein Arzt, einen Patienten ohne Krankenkassenkarte zu behandeln, wenn es kein akuter Notfall ist. Mir ist es auch schon mal passiert, ich wurde deshalb aber nicht wieder nach Hause geschickt, sondern einfach darum gebeten, die Karte in den nächsten Tagen mal vorbei zu bringen. Aber ich war in der Praxis ja schon bekannt, bei bekannten Patienten wird da sicher von vielen Praxen auch mal eine Ausnahme gemacht.

Wenn ein Patient zum ersten Mal kommt und seine Karte nicht dabei hat, dann kann ich es irgendwo schon nachvollziehen, wenn dieser dann nicht behandelt wird. Man kann sich dann eben nicht sicher sein, ob derjenige nicht eventuell betrügen will.

Bei einer älteren Dame könnte man meiner Meinung nach auf jeden Fall eine Ausnahme machen. Immerhin ist der Weg in die Praxis für sie vielleicht auch nicht mehr so einfach. In einem höheren Alter wechselt außerdem kaum noch jemand seinen Hausarzt, deshalb würde ich einfach mal davon ausgehen, dass sie keine neue Patientin war. Und wo sie doch sogar ihren Ausweis angeboten hat, hätte man ihr da doch wirklich entgegenkommen können.

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» Jessy_86 » Beiträge: 5456 » Talkpoints: 0,18 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Diamante hat geschrieben:Wenn dann keine Karte nachgereicht wird, kann der Arzt eine private Rechnung schicken. Dann muss der Patient sehen, dass er das mit der Krankenkasse regelt.

Und was machst du, wenn die Rechnung dann nicht bezahlt wird, weil die alte Dame keine Krankenkasse hat und kein Geld um es selber zu bezahlen. Dann steht der Arzt blöd da und bleibt auf seinen Kosten sitzen. Es ist doch nun wirklich nicht so schwer eine Chipkarte mitzunehmen, wenn man weiß, dass man zum Arzt geht, zumal man die doch sowieso immer im Portemonnaie haben sollte, falls man auch mal unerwartet zum Arzt muss.

Im Notfall wird natürlich selbstverständlich auch ohne Chipkarte behandelt, selbst wenn zu erwarten ist, dass niemand die Behandlung bezahlen kann. Aber das gilt eben für den Notfall, also wenn es um akut lebensbedrohliche Erkrankungen geht. Aber wenn man einen Termin hat, kann es sich ja nur sehr schlecht um so einen akuten Notfall handeln.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Ich finde diese Verhalten auch ein wenig übertrieben. Andererseits hat die Sektretärin sicherlich ihre Vorgaben, an die sie sich eben halten muss. Grundsätzlich denke ich jedoch, dass es allgemein möglich ist, auch ohne der Karte behandelt zu werden. Aufgrund meiner Allergien mache ich seit über drei Jahren eine Impfkur ("Hyposensibilisierung"), weswegen ich einmal im Monat zum Arzt impfen gehen muss. Dabei kam es auch schon einmal vor, dass ich meine Karte zuhause vergessen hatte. Als ich dies sagte, meinte die Sekretärin, dass das kein Problem wäre. Sie bat mich auch nicht, die Karte in den folgenden Tagen vorbeizubringen. Ich weiß nicht, ob sie es im folgenden Monat nachgetragen hat, ich kann es mir aber beim besten Willen nicht vorstellen.

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» mendacium. » Beiträge: 750 » Talkpoints: 17,61 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Ich finde das Verhalten auch ein wenig sehr kleinlich. Es kommt ein wenig darauf an, ob die Patientin dort bereits bekannt ist. Wenn ja, weiß man ja, dass sie eigentlich krankenversichert ist. Und wenn die alte Dame sogar ihren Ausweis da lassen will, ist das Verhalten doch sehr merkwürdig.

Ich muss gestehen, dass ich schon ein paar Mal die Chipkarte meiner Kinder vergessen habe. Das war nie ein Problem. Entweder musste ich die Chipkarte nachreichen, oder ein Formular unterschreiben, in dem sich versichert habe, dass ich beziehungsweise meine Kinder bei der Krankenkasse versichert sind.

Wäre ich die alte Dame, würde ich den Arzt wechseln und ich würde mich beim Arzt persönlich beschweren. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass ich dort länger Patientin bin.

» Anjwin » Beiträge: 360 » Talkpoints: 0,89 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Selbst erlebt habe ich eine solche Vorgehensweise noch nicht. Aber sie ist verständlich. Wobei es sich wohl hier um keine akute Situation handelte. Daher ist die Handlungsweise der Sprechstundenhilfe durchaus legitim. Und wenn hier doch behandelt wird, dann liegt das Risiko beim Arzt, dass er eben am Ende doch kein Geld bekommt.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


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