Könnt ihr den Diagnosen eurer Ärzte immer folgen?
Einige von euch gehen ja regelmäßig zum Arzt oder gehen zum Arzt, wenn sie wirklich krank sind. Der Arzt gibt dann ja Diagnosen. Oftmals ist es ja so, dass ein Arzt dann mit Fachausdrücken um sich wirft und es für einen "normalen" Patienten auch völlig unverständlich ist. Egal, ob Facharzt oder Hausarzt, fragt ihr dann immer nach oder ist es euch ziemlich egal, wie der Arzt euer Krankheitsbild und die Diagnose beschreibt. Versteht ihr immer, was der Arzt euch sagt?
Wie verhaltet ihr euch, wenn ihr was nicht versteht? Merkt ihr euch den Fachausdruck und schaut zu hause nach, was es bedeuten könnte? Wenn ihr nachfragt, umschreibt euer Arzt die Diagnose dann auch so, wie ihr sie verstehen könnt oder kommen wieder neue Fachausdrücke darin vor?
Normalerweise verstehe ich meinen Arzt schon, wenn er seine Diagnose stellt. Das liegt vielleicht mit daran, dass ich eher selten krank bin und zum Arzt gehe und wenn, dann bin ich zum Glück noch nicht schwerkrank gewesen. Und demenstprechend gibt es auch meistens eine Diagnose, die man schon kennt beziehungsweise die eben nicht so schlimm ist, dass von vielen Frakturen oder zystischen Veränderungen die Rede ist oder was da auch alles für Fremdwörter fallen können.
Wenn ich aber eine Diagnose nicht verstehe, dann frage ich auf jeden all noch einmal genau nach und lasse mir erklären, was da mit mir nicht stimmt. Das finde ich auch wichtig, denn der Arzt selber kann es einem am besten erklären und ich sehe es auch so, dass er die Pflicht hat, mich verständlich aufzuklären über meine Diagnose. Meistens habe ich eine Kleinigkeit etwas falsch verstanden und deswegen gibt es eine Ungereimtheit, die ich geklärt haben möchte. Und da gehe ich bestimmt nicht nach hause und lese mir dann Beschreibungen im Internet durch, ich will es direkt wissen und ich traue meinem Arzt mehr als dem Internet.
Die meisten Patienten nehmen die Diagnosen wahrlich so hin, wie es ihnen der Arzt mitteilt, ohne irgendwelche Rückfragen zu stellen oder ähnliches. Diese Erfahrung habe ich nämlich in der Praxis meines Hausarztes gemacht, als ich dort famuliert habe. Nur ein kleiner Bruchteil seiner Patienten waren auch wirklich interessiert an der Erklärung der Diagnose, Fragen habe ich selten erlebt. Ich muss vielleicht an dieser Stelle aber auch ergänzen, dass er immer recht verständlich sprach und Fachbegriffe möglichst vermied, um dieser Problematik vorzubeugen.
Ansonsten, falls der Patient irgendetwas nicht verstanden haben und offene Fragen haben sollte, denke ich, dass er nicht nur das Recht hat nachzufragen, sondern in meinen Augen auch verpflichtet ist jene Fragen zu stellen, wo er denkt den Sachverhalt ABC nicht verstanden zu haben, genauso wie der Arzt die Pflicht hat seine Patienten in allen medizinischen Angelegenheiten aufzuklären.
Was die Selbstrecherche im Internet angeht, wäre ich sehr vorsichtig mit: Sobald man irgendein Krankheitsbild bei google eingibt, kommen haufenweise Links bei raus, wo mindestens genauso viele Symptome oder Therapien stehen. Erstaunlicherweise geht man - wenn es hochkommt - in nur 0,0001% aller Fälle auf den Pathosmechanismus ein, was ich schon bedenklich und erschreckend finde. Ohne zu wissen, was da genau mit dem Körper nicht stimmt und wo bzw. wie die Medikamente wirken, halte ich sämtliche Internetbeiträge für potenziell gefährlich. Mit der nötigen Skepsis und dem Hintergrundwissen kann man sich die Sachen angucken, ist nicht verkehrt, aber sich mehr auf das Internet als seinem Hausarzt zu verlassen, finde ich doch arg seltsam.
Da ich in einer Apotheke arbeite, kann ich mit vielen der Fachausdrücke, die ein Arzt so verwendet, schon etwas anfangen und diese verstehen. Früher hatte ich aber einen Hausarzt, der seine Diagnose gar nicht erklärt hat. Das fand ich nicht so toll und als Jugendliche war ich auch noch zu schüchtern, um dann näher darauf einzugehen und zu fragen, was das nun genau bedeutet. Das ist nun heute nicht mehr so. Heute würde ich dann sofort nachfragen, was der Fachausdruck bedeutet.
Ich glaube nicht, dass ich mir einen schwierigen und oft ja auch langen Fachausdruck merken könnte, bis ich zu Hause bin und es nachschlagen könnte. Außerdem finde ich es auch wichtig, dass man die Diagnose noch in der Praxis versteht, um dann auch noch dort näher auf die Behandlungsmöglichkeiten eingehen zu können, falls dazu dann noch Fragen auftauchen sollten.
Als Physiotherapeut weiß ich zumeist bis auf wenige Spezialfälle, was Ärzte meinen und kann ihnen sehr gut folgen, auch wenn sie auf einem Gesundheitsforum bestimmte Inhalte diskutieren oder ein Forschungsergebnis präsentieren und dabei Komplikationen oder andere Dinge erläutern. Ich weiß aber, dass viele Patienten das nicht können, nicht im Geringsten. Und es gibt Ärzte, denen das relativ egal ist; Ärzte, die ihre Diagnose herunter beten und sofort wieder weg sind.
Im Krankenhaus oder auch in der Praxis gibt es oft Patienten, die mich fragen "der Arzt meinte noch, das ist das und das - aber ich kann mir darunter nichts vorstellen". Ich habe daraufhin immer allen ausführlich erklärt, was das alles bedeutet und es vor allem mit einer Sprache versucht, die der Patient versteht, denn es reicht oft schon, die medizinischen Begriffe gegen die deutschen Synonyme auszutauschen. Was ein Nucleus Prolaps ist, wissen wenige, das sieht schon anders aus, wenn darauf ein Bandscheibenvorfall wird. Ich habe manchmal auch das Gefühl, dass Mediziner gerne die Fachtermini verwenden, wenn sie keine Lust haben das Problem zu erläutern, sich nicht ganz sicher sind oder sie keine schlechten Nachrichten überbringen möchten - das ist allerdings ein subjektiver Eindruck, ich möchte hier niemandem zu nahe treten.
Ich sage zu meinen nicht medizinisch arbeitenden Familienmitglieder und Freunden immer, sie sollen sich das erklären und/oder aufschreiben lassen und bei nächster Gelegenheit ein medizinisch arbeitendes Familienmitglied fragen. Ich selbst muss beim Arzt nicht nachfragen - ich lass ihn gern reden und stell am Ende noch ein paar spezielle Fragen in Fachsprache, denn mir ist aufgefallen, dass ein Arzt ganz anders behandelt, wenn er merkt, dass er jemanden vor sich hat, der allem folgen kann.
Meine Ärzte erklären meist von sich aus, was es mit den Fachbegriffen der Diagnostik auf sich hat. Schon allein, weil sie wissen, dass ich sonst sowieso mit Fragen löchern würde. Für mich ist es wichtig, genau zu wissen, was bei mir vermutet wird bzw. was ich habe. Denn damit hängen ja auch Entscheidungen zusammen, wie eine mögliche Therapie gestaltet werden kann. Natürlich bin ich bei meinen Ärzten, weil ich ihnen vertraue, aber ich vertraue nicht blind und lasse nichts mit mir machen, was ich nicht verstehe oder wohinter ich nicht stehe. Manche Therapie mag ja auch Nebenwirkungen haben, ich möchte von vornherein wissen, was eventuell auf mich zukommen könnte und ob es vielleicht eine Alternative gibt, die ebenso zum Ziel "Heilung" führt. Wenn mein Arzt mir erklärt, was welche Diagnose bedeutet, kann ich ja auch nachvollziehen, ob ich der Meinung bin, dass diese Diagnose zutrifft.
Auch, wenn Ärzte oft als "Götter in Weiß" betitelt werden, sind sie doch Menschen, die auch Fehler machen können. Eine Diagnose muss sich zum Beispiel ja nicht mit meinen Problemen und Empfindungen decken. Wenn ich gar nicht weiß, wovon der Arzt da gerade spricht, kann ich ihm ja auch eventuell gar nicht sagen, dass noch Dieses oder Jenes Symptom zusätzlich aufgetreten ist und eine andere Diagnose eher zutreffen könnte. Heutzutage werden meiner Meinung nach zu unbedacht unnütze Medikamente genommen und zu viel in Menschen vertraut, die aufgrund von erhöhtem Druck und hohen Patientenzahlen vermehrt Fehler machen. Ich als Patient habe sowohl bei Diagnostik, als auch Therapie ein gewisses Mitspracherecht. Das kann ich nur ausüben, wenn ich auch weiß, wovon gerade gesprochen wird. Wenn mir trotzdem noch etwas unklar ist oder ich mehr wissen möchte, erkundige ich mich ebenso im Internet wie zum Beispiel auch bei anderen Ärzten oder einem Apotheker. So bin ich bisher immer gut gefahren.
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