Neurologie und Nervenheilkunde gehören immer zusammen?

vom 16.10.2012, 11:29 Uhr

Da ich aller Anschein nach nicht drum herum komme, mir einen Neurologen zu suchen, habe ich bereits schon mal im Internet nach einem Neurologen in der Umgebung zu schauen. Mir ist dabei aufgefallen, dass die meisten Ärzte gleichzeitig einen Facharzt für Nervenheilkunde, also Psychiater oder Psychotherapeut, mitgemacht haben oder im Titel tragen.

Ist eine entsprechende Weiterbildung bei Neurologen in dieser Richtung üblich beziehungsweise notwendig? Oder gibt es reine Neurologen, die sich allein mit der physischen Erkrankung von Nerven beschäftigen?

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



Es gibt auf jeden Fall auch "reine" Neurologen. Das weiß ich, weil einer meiner Verwandten schon zum Neurologen musste und ich ihn dann immer gefahren habe. Es gibt auch eigentlich keinen Grund, aus dem man unbedingt beide Gebiete kennen muss. Ich denke, dass es für einen Psychologen schon wichtig ist, auch die neurologischen Hintergründe zu kennen, die zu gewissen psychologischen Symptomen führen können, und umgekehrt ist es sicherlich ebenfalls interessant, aber nicht zwingend notwendig. Ein Neurologe hat einfach ein anderes Aufgabenfeld als ein Psychologe und muss nicht zwingend über psychologisches Wissen verfügen.

Ich denke deswegen, dass es eher so ist, dass ein Psychologe auch eine entsprechende Ausbildung in der Neurologie haben wird als ein Neurologe in der Psychologie. Die Patienten eines Neurologen haben ja in der Regel auch eher körperliche Beschwerden, die untersucht werden müssen, als geistige Beschwerden die es zu lindern gilt. Ich glaube, dass auch du einen reinen Neurologen finden wirst, wenn du liebe zu einem solchen gehen würdest.

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» olisykes91 » Beiträge: 5370 » Talkpoints: 24,75 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Neuro = Nerven. Die Neurologie ist eine medizinische Richtung, die sich mit den Nerven und dem Nervensystem der Patienten beschäftigt. Das ist ein sehr umfangreiches Gebiet. Aber die Psyche gehört nun mal dazu. Denn eine psychische Erkrankung ist eine Erkrankung der Nerven und Nervenbahnen, die mit dem Gehirn verbunden sind. Deswegen sind Neurologen auch Psychiater. du wirst keinen Neurologen finden, der nicht auch gleich psychiatrische Kenntnisse hat.

Der Facharzt für Nervenheilkunde ist ein Psychiater. Aber da ja die Übersetzung von Neuro = Nerven sind, ist die Neurologie die Nervenheilkunde.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



@Diamante, ich habe vorhin ja mehrere Ärzte gesucht und viele tragen eben die Bezeichnung "Neurologie und Nervenheilkunde". Daher war ich erstaunt. Dass "Neuro" auf Deutsch auch Nerven heißt, war mir schon bekannt gewesen. Sicherlich gehört es irgendwo zusammen, insbesondere, wenn es um psychische Erkrankungen geht, aber ich dachte, es gibt auch speziell Ärzte, die sich eher mit physischen Erkrankungen der Nerven beschäftigen.

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



Diamante hat geschrieben:Der Facharzt für Nervenheilkunde ist ein Psychiater. Aber da ja die Übersetzung von Neuro = Nerven sind, ist die Neurologie die Nervenheilkunde.

Das stimmt so allerdings nicht ganz. Neuro steht tatsächlich für die Nerven, der Fremdwortteil "logie" stammt aber vom griechischen Wort "logos" und das bedeutet so viel wie "Lehre". Die Neurologie ist somit die Lehre von den Nerven und das ist etwas anderes als Nervenheilkunde, welches die Psychotherapie sein müsste. Da bin ich mir aber nicht ganz sicher. Ein Neurologe jedenfalls ist ein Arzt, der sich auf darauf spezialisiert hat, Nervenerkrankungen zu untersuchen, diagnostizieren und wenn möglich zu heilen. Zum Beispiel die multiple Sklerose. Ist man an ihr erkrankt, geht man regelmäßig zu einem Neurologen in die Behandlung, nicht jedoch zu einem Psychiater oder Psychologen.

Ist ja auch schon von der Wortbedeutung nicht besonders naheliegend, den Neurologen mit einem Psychologen zusammenzubringen - Psycho kommt von "psyche". Das ist griechisch und bedeutet "Seele". Und Seele und Nerven liegen nun einmal weit auseinander, denn nicht jede psychische Erkrankung hat ihre Ursache in einem neurologischem Befund.

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» olisykes91 » Beiträge: 5370 » Talkpoints: 24,75 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Die Frage hierbei ist ja, ob seelische Erkrankungen nun etwas mit Nerven zu tun haben, zum Beispiel, weil Nerven nicht so arbeiten, wie sie es tun sollten. Ich meine, dass daraus auch psychische Erkrankungen entstehen können, nicht aber zwangsläufig müssen. Eine Depression kann ja durchaus etwas mit den Nerven zu tun haben, die nicht richtig arbeiten, oder etwa nicht?

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge


Neurologen und Psychiater sind nicht das selbe, wie es hier behauptet wurde. Trotzdem arbeiten oftmals Neurologen auch mit psychiatrischen Patienten und Psychiater mit neurologischen Patienten. Wobei ich befürchte, die meisten üben nur beide Fachgebiete gleichzeitig aus, weil man an psychiatrischen Patienten nicht wirklich was verdient. Zumindest hat mir mal einen Neurologin UND Psychiaterin (stand auf ihrem Schild, sie wird überall als beides ausgewiesen usw) gesagt, dass sie an sich nur neurologische Patienten behandelt, weil sie für psychiatrische Patienten ja nur 35 Euro im Quartal bekommt. Und ja ich habe bei der Terminabsprache gesagt, dass es sich um ein sehr eindeutiges psychiatrisches Thema handelt. Keine Ahnung, warum die mir überhaupt einen Termin gegeben haben.

Ich kenne Ärzte, die sowohl Neurologie, wie auch Psychiatrie gemeinsam machen, an sich eher aus dem reinen ambulanten Bereich. Da ich zumindest die Psychiatrie auch stationär kenne, kenne ich es nur so, dass Psychiatrie und Neurologie in Klinik getrennt arbeiten und zwei vollkommen unterschiedliche Abteilungen sind. Da ich auch Erfahrungen im ambulanten Bereich von psychiatrischen Kliniken gemacht habe, auch die arbeiten dort alle nur im psychiatrischen Bereich. So weit ich das weiß, hat unsere Klinik auch keine ambulante Neurologie, aber eine ambulante Psychiatrie. Wobei es sicherlich Konzile gibt.

Klar kann eine Depression auch nervliche Auslöser haben. Generell wird vor dem Stellen einer psychiatrischen Diagnose ja auch erst mal alles andere ausgeschlossen. Zum Beispiel auch die Schilddrüse, die auch verantwortlich für Depressionen sein kann. Die wird allerdings eher von einem Nuklearmediziner behandelt, was ein ganz anderes Fachgebiet ist.

Außerdem gibt es ja noch andere psychiatrische Erkrankungen, bei denen man nicht direkt einen Zusammenhang von falsch laufen irgendwelcher Funktionen nachweisen kann. Zumindest noch nicht. Ich vermute, dass wird es aber irgendwann mal geben. Vielleicht wird dann auch die Unterscheidung Neurologie und Psychiatrie anders geregelt.

Generell würde ich grob sagen, der Neurologe ist generell für die Nerven im ganzen Körper zuständig und der Psychiater eher für die Nerven/ Abläufe im Kopf und was die Psyche direkt betrifft. Mit tauben Gliedmaßen ist man sicherlich bei einem Neurologen besser aufgehoben. Wenn daraus psychische Probleme entstehen, ist ein Neurologe und Psychiater sicherlich sinnvoller. Aber mit tauben Gliedmaßen sich von jemand behandeln lassen, der nur Psychiater ist, ist sicherlich weniger sinnvoll.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



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