Kennt ihr Menschen mit gespaltener Persönlichkeit?
Kennt ihr Menschen, die eine gespaltene Persönlichkeit haben? Wie geht man mit solchen Menschen um? Wie äußert sich das bei diesen Menschen die ihr kennt? Welche Personen "wohnen" in dem Körper dieser Person? Geht ihr dieser Person aus dem Weg oder habt ihr engeren Kontakt mir dieser Person? Wie ist diese Person zu euch? Zeigt sie da auch die Persönlichkeiten, die bei ihr im Körper schlummern?
In der Psychiatrie habe ich mal einen Patienten kennen gelernt, bei dem "mehrere Persönlichkeiten" aufgetreten sind. Der hatte allerdings eine schwere Schizophrenie und gehörte jetzt in dem Sinne nicht direkt zu den "dissoziativ Identitätsgestörten", also er hatte keine multiple Persönlichkeit, was du wahrscheinlich meinst. Da gibt es ja Menschen, die 3, 4, 5 und mehr immer wieder kehrende Personen in sich haben, die immer wieder aufrufbar sind und bei denen die Betroffenen tatsächlich in unterschiedlichen Stimmlagen sprechen. So war das bei meinem Patienten nicht.
Aber er hat sich immer mal wieder für einen Spion der AOK gehalten. Da saß er dann da im Morgenkreis mit seiner schwarzen Sonnenbrille und war sich völlig sicher, er sei im Auftrag der Krankenkasse hier, um uns alle auszuspionieren und festzustellen, was hier eigentlich los ist.
Ja, was macht man da - man muss einfach mitspielen. Den Menschen bekommst du nicht raus aus seinem Empfinden durch gut oder böse Zureden. Sicher, bei Schizophrenen sollte man es auch nicht zu weit treiben. Generell haben die erstmal Recht, wenn sie so ihre Behauptungen aufstellen, das sollte man akzeptieren und auf keinen Fall dagegen argumentieren, aber man sollte sie nicht zu sehr anstacheln und damit das Ganze noch vorantreiben.
Bei multiplen Persönlichkeiten, da würde ich es wahrscheinlich genauso machen. Man sollte einfach mit jeder Persönlichkeit normal reden und Verständnis haben und zeigen und nicht sagen, dass er damit aufhören soll und dass das doch krank ist. Man muss es einfach akzeptieren und demjenigen zeigen, dass er trotzdem verstanden wird und dass es ok ist, wenn er so ist, wie er ist. Grundlos bildet schließlich niemand weitere Persönlichkeiten in sich. Das entsteht meistens oder immer durch traumatische Erlebnisse, die jemand nicht anders verarbeiten kann, als in sich zu flüchten und jemanden anderes den Schmerz ertragen zu lassen.
Man darf als Leie aber wahrscheinlich auch nicht versuchen, den Psychiater zu spielen. Das sollte man demselbigen überlassen.
Bei meinem Freund denke ich auch manchmal, dass er dissoziativ ist oder wenigstens schizophren. Das kommt mir manchmal so spanisch vor. Manchmal rede ich mit einem unheimlich liebenswürdigen Mann, der so fürsorglich ist wie kein zweiter, der sich so gerne anschmiegt und der mich gerne beschützt und ach, einfach unglaublich ist und zu mir passt wie die Faust aufs Auge.
Und dann passiert es, ohne, dass etwas geschehen ist, dass er auf einmal unheimlich distanziert und auch gemein ist, dass er jedes Wort umdreht, was ich sage, dass er teilweise auch sehr komische Dinge tut, die ich mir nicht erklären kann. Er guckt dann auch ganz komisch und ich weiß manchmal nicht, was es ihm jetzt gerade weismacht. Dann ist er grundlos eifersüchtig und kneift die Augen zusammen und ich muss überhaupt gar niemanden anderes gesehen haben oder mit jemandem gesprochen haben. Das kommt einfach so und geht auch einfach wieder.
Das kann ich jetzt nicht im Detail hier alles niederschreiben, was er so komisches tut in solchen Phasen, aber ja, was mache ich dann. Ich mache wahrscheinlich zu oft den Fehler und beginne, mir extreme Sorgen um uns zu machen und lasse mich zu oft runterziehen und ja, ich verlange dann wahrscheinlich zu oft eine Erklärung dafür, obwohl ich eigentlich weiß, dass er wahrscheinlich selbst keine dafür hat. Vielleicht trinkt er manchmal zu viel und es liegt daran - das kann ich aber nicht kontrollieren, denn wir wohnen (noch) nicht zusammen.
Ja, ich versuche nach so vielen Fehlern mittlerweile, irgendwie ruhig zu bleiben - wenigstens ihm nicht zu zeigen, wie sehr mich das alles erschüttert. Ich verstehe das demnach sehr gut, wenn Angehörige damit nicht zurande kommen, wenn jemand dissoziativ oder schizophren oder Alkoholiker ist. Aber es nützt nichts, auf die Barrikaden zu gehen und demjenigen immer wieder die Hölle heiß zu machen. Man muss sie irgendwie zum Arzt lenken und wenn einem was an diesen Menschen liegt, dann einfach kontinuierlich Verständnis zeigen und zeigen, dass man da ist. Es ist aber wichtig, dass man sich anderswo selbst Hilfe sucht bei Freunden, in der Familie und vielleicht beim Psychologen.
Ja, was meinen Freund betrifft, unterstütze ich das Verhalten natürlich nicht - ähnlich wie beim Schozophrenen, aber ich sage ihm, dass ich es nicht gut finde, wie viel er manchmal trinkt und dass ich mir Sorgen um ihn mache. Ich sage ihm aber auch, was mir weh tut - zumindest, wenn er sich wieder beruhigt hat, denn wenn er so komisch ist, dann nützt es nichts zu reden, dann wendet er es gegen mich an.
Man muss in jedem Fall mit allen Wellen mitschwimmen, die diejenigen gerade aufzeigen. Man muss sie lassen, wenn sie wahnhaft sind, man muss sie auch mal toben lassen, denn dann kriegt man sie am schnellsten wieder ruhig. Ich bin auch auf Arbeit in der Psychiatrie kein Fan von sofort fixieren oder mit Medikamenten abknallen - solange keine anderen in direkter Gefahr sind oder er selbst. Wenn es möglich ist, dann lasst sie rennen, schreien, gegen den Boxsack hauen. Wer immer wieder jede Emotion verstecken muss, der wird zunehmend komisch. Das ist in etwa dasselbe Phänomen wie bei dissoziativen. Die hatten oftmals keinen, dem sie sich anvertrauen konnten, die hatten keine Chance, ihren Zorn rauszulassen und mussten still sein. Da explodiert dann sozusagen etwas im Gehirn und eine neue Persönlichkeit bildet sich, um nicht durchzudrehen bei aller angestauter Wut.
Zeit zum vernünftig miteinander reden ist dann, wenn derjenige wieder runterkommt. So mache ich das bei meinem Freund oder versuche es.
Mit dieser Frage setze ich mich auch gerade auseinander. Ich habe seit einiger Zeit eine Kollegin, die mir gleich von Anfang an gesagt hat, dass sie eine multiple Persönlichkeitsstörung hat. Sie arbeitet deswegen auch nur in Teilzeit und man merkt es ihr ganz besonders an, wenn sie viel zu tun hat.
Sie ist wirklich ganz nett, verhält sich aber fast jeden Tag anders. Das wirkt sich so aus, dass sie an einem Tag ununterbrochen redet, am nächsten Tag kein einziges Wort sagt und dann am nächsten Tag nur dasitzt und weint. Das tut mir dann natürlich leid, aber ich weiß momentan nicht so richtig, wie ich damit umgehen soll. Ich versuche ihr halt so viel Arbeit wie möglich abzunehmen, damit sie nicht in Stress gerät. Aber das ist wohl auf Dauer auch keine Lösung, denn irgendwann leide ich darunter. Ich habe ja auch sehr viel zu tun.
Ich kenne jemanden, der unter Schizophrenie leidet, die ursprünglich bei diesem Menschen durch die Einnahme von Medikamenten verursacht wurde. Es handelt sich in diesem Fall allerdings nicht um eine Schizophrenie, die mit Halluzinationen einhergeht und insofern hört derjenige auch keine Stimmen oder hat jemanden in sich, der sein Handeln übernimmt oder dergleichen. Es ist also nicht wie in einem gruseligen Edgar-Wallace-Film, sondern eher sehr kompliziert, mit diesem Menschen umzugehen, denn seine psychische Störung drückt sich vor allem in einer besonderen Komplexizität seines Denkens aus und seine kognitiven Fähigkeiten sind auch tatsächlich gestört.
Einige Zeit lang hatte ich zu diesem Menschen ein recht enges Verhältnis und habe ihn oft gesehen und mich mit ihm beschäftigt. Allerdings wurde mir dieser Kontakt tatsächlich irgendwann zu schwierig, weil das Verhalten dieses Menschen für mich häufig in keiner Weise nachvollziehbar war und unsere Beziehung sehr belastet hat. Wir hatten immer wieder Streitigkeiten, deren Auslöser ich häufig nicht sehen konnte. Erst nach langem und sehr intensiven Nachdenken auf die verschiedensten Arten konnte ich hier ein Muster erkennen, das mir ein Nachvollziehen möglich gemacht hat. Allerdings war klar, nachdem ich die Denkweise desjenigen nachvollziehen konnte, dass seine Denkweise wirklich eine sehr komplizierte ist, die auch mit den tatsächlichen Abläufen und Geschehnissen überhaupt nichts zu tun hatte.
Ich fand es nicht nur nicht einfach, mit diesem Menschen umzugehen, sondern wirklich geradezu unmöglich. Besonders, wenn er seine Schübe hatte, war es wichtig, ihm aus dem Weg zu gehen, bis dieser Schub wieder abgenommen hat, denn in solchen Momenten kam man überhaupt nicht an diesen Menschen heran und sie haben sich vor allem darin ausgedrückt, dass er damit begonnen hat, alles um sich herum und teilweise auch sich selbst zu zerstören. Das war für einen Außenstehenden wie mich alles andere als einfach, zumal ich auch nicht selten Opfer dieser Zerstörungswut geworden bin, ohne nachvollziehen zu können, was sich hier nun genau aus welchen Gründen zuträgt. Aufgrund dieser ständigen Notwendigkeit, Abstand nehmen zu müssen und der gleichzeitigen Bemühung um diese Person, habe ich irgendwann festgestellt, dass mir dieser Kontakt wirklich alle Kraft raubt, weil ich zu viel Kraft meinerseits investieren muss, die eben nur außerhalb dieser Schübe irgendwie hilfreich war. Das hat mich einfach zu sehr belastet, sodass ich letzten Endes dann den Kontakt abgebrochen habe.
moin! hat geschrieben:Ich kenne jemanden, der unter Schizophrenie leidet, die ursprünglich bei diesem Menschen durch die Einnahme von Medikamenten verursacht wurde
Es geht hier im Thread aber doch gar nicht um Schizophrenie, sondern um dissoziative Persönlichkeitsstörungen. Man mag "Persönlichkeitsspaltung" zwar umgangssprachlich als "Schizophrenie" bezeichnen, aber das ist, in medizinischer Hinsicht, inkorrekt. Schizophrenie ist eine völlig andere Erkrankung mit anderen Symptomen und muss definitiv auch keine multiplen Persönlichkeiten beim Betroffenen mit sich bringen.
Zum Hauptthema: Ich kannte tatsächlich mal jemanden, der nach einem Unfall einige Monate dissoziativ war. Ich war damals noch lange nicht volljährig und fand das schon ein wenig gruselig, aber da die Person mir wichtig war und ich wusste, dass das alles unfallbedingt und an eine Posttraumatische Belastungsstörung "gekoppelt" war, habe ich es eben hingenommen. Was hätte ich sonst tun können?
Und letztendlich war die Person ja doch immernoch sie selber, auch, wenn sie ab und zu eine Art "Aussetzer" hatte, nachdem sie plötzlich anders sprach und auch nicht wusste, was die vorherigen Minuten geschehen war. Da schien das Gedächtnis plötzlich auszusetzen und die Person benahm sich etwas anders. Aber schlimm war das definitiv nicht. Die Person hatte übrigens zwei innere Persönlichkeiten, die alle paar Stunden mal wechselten. Insgesamt kam man schon irgendwie zurecht. Wobei ich schon sagen muss, dass ich froh war, als die Störung wieder geheilt war. Das liegt aber weniger an meiner eigenen Verunsicherung oder Angst, sondern daran, dass ich das der Betroffenen wirklich sehr gegönnt habe. Denn sie selbst war in dieser Situation auch verunsichert und unglücklich. Sie hat ihre Gedächtnis-Aussetzer und ihre Stimmungswechsel nämlich durchaus auch noch irgendwie mitbekommen. Sie wusste also von ihren eigenen Dissoziationen und litt auch darunter. Natürlich habe ich ihr gewünscht, dass sie das überwindet und es ihr danach wieder gut geht.
Da fällt mir ein, eine entferntere Bekannte hat wohl auch mal Dissoziationen gehabt. Jedenfalls berichtete sie mir das damals. Ihre Erkrankung lag allerdings zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre zurück, bestand also zu einer Zeit, wo ich sie noch gar nicht kannte. Wie viele Personen sie hatte, weiß ich übrigens nicht. Wobei das bei ihm wohl weitaus komplizierter gewesen sein soll, als bei der ersten von mir hier genannten Person.
Die erste hatte zwei sich relativ ähnelnde, gleichaltrige Persönlichkeiten und reagierte auch nie mit "unangemessenen" Gefühlsausbrüchen. Man hat den Wechsel zwar bemerkt, wenn er spontan eintrat, aber es war nicht weiter erschreckend oder gefährlich. Die zweite Person hingegen hatte wohl Innenpersonen unterschiedlicher Altersstufen und neigte auch zu völlig "unberechenbarem" Verhalten. Ich gebe zu, ich glaube, wenn ich das so extrem erleben würde, würde mir das auch ein wenig Angst machen.
Aber wenn ich die Person vorher schon gekannt und sehr gemocht hätte, dann hätte ich natürlich auch während der Erkrankung den Kontakt weiterhin gehalten und versucht, ihr so gut wie möglich zu helfen. Natürlich wäre das vielleicht schwierig geworden, gerade, wenn einen das Verhalten der Person etwas Angst macht, aber ich persönlich bin Freunden gegenüber nun einmal sehr loyal und lasse meine Loyalität vielleicht durch schwere Erkrankungen prüfen, aber nicht zerstören.
Ich denke übrigens, dass es wirklich am besten ist, betroffenen Personen gegenüber möglichst "normal" zu handeln. Den Kontakt zu einem Freund, der plötzlich erkrankt, abzubrechen, stelle ich mir ziemlich mies vor. Wenn ich versuche, mich persönlich in die Situation eines Betroffenen hinein zu versetzen, dann stelle ich mir vor, dass dieses Freundschaftsende eine zusätzliche Belastung wäre, zusätzlich zu der sowieso großen Belastung der Erkrankung. Ich würde mir Unterstützung und Hilfe wünschen, und sitzen gelassen zu werden ist ja auch im gesunden Zustand schon schlimm. Kommen dann auch noch Freundschaftsende und Erkrankung zusammen, dann dürfte das emotional einfach nur katastrophal für mich sein. Und möglicherweise würde es den Krankheitsverlauf sogar noch verschlimmern.
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