Wann spricht man von einer Veranlagung zu Krebs?

vom 14.09.2012, 18:31 Uhr

Ich lese oft davon, dass man eine Veranlagung zu Krebs haben kann. Mich würde mal interessieren, wann man eine Veranlagung hat und wann man davon spricht, dass ein Mensch da eher gefährdet ist als andere Menschen. Ist man schon gefährdet, wenn ein anderes Familienmitglied irgendwann mal an Krebs erkrankt ist oder müssen dann schon mehrere Leute in der Familie diese gefährliche Krankheit bekommen haben und daran gestorben sein?

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» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Naja, im Prinzip ist jeder Mensch veranlagt irgendwann in seinem Leben an Krebs zu erkranken, nur müsste man dafür lange genug leben können. Der Punkt, den du wohl meinst, bezieht sich eher auf genetisch bedingte Krebsarten. Man nehme beispielsweise das Krankheitsbild des HNPCC: Es ist nachgewiesen, dass dieser Krebs genetisch bedingt ist. Ist nun die Mutter bzw. der Vater eines Patienten an dieser Erkrankung verstorben bzw. erkrankt, so wird man auch den Patienten unter die Lupe nehmen und in allen Krebsarten, die mit HNPCC assoziiert sind, eine Art engmaschige Vorsorge/Früherkennung empfehlen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er dann ebenfalls an HNPCC erkrankt ist dann logischerweise im Gegensatz zum Normalbürger (i.d.R. ist es dann statistisch gesehen der "Durchschnittspatient") erhöht, wie hoch sie dann letzlich ist, kann man nach etwaigen Untersuchungen und Stammbäumen feststellen.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Also soweit ich weiß, spricht man von einer Veranlagung, wenn mehrere Fälle in einer Familie bekannt sind, welche an Krebs erleidet sind und schlimmsten Falls daran gestorben sind. Noch schlimmer wird es, wenn es ein Elternteil getroffen hat. Man ist mit diesen Menschen ja so eng verwandt, dass das Risiko, an diesen Krebs zu erkranken wesentlich höher, wie bei den Menschen, welche keinen Krebs in der Familie feststellten.

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» Naviia » Beiträge: 821 » Talkpoints: 27,64 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Esw gibt tatsächlich einige Krebsarten, wo es regelrecht ein Krebsgen gibt. Wenn man das hat, dann ist das Risiko an dieser Krebsart zu erkranken höher. Das heißt aber dennoch nicht, dass man das bekommen muss. Niemand kann sagen, wann es ausbricht sondern nur, dass man ein erhöhtes Risiko hat und zum Beispiel eine 50:50 Chance hat.

Klassisches Beispiel dürfte das Brustkrebsgen sein für das Mamma-Carzinom. Bedenken muss man aber, dass dieses Gen nicht für alle Mamma-Ca. verantwortlich ist, sondern nur für einen kleinen Teil. Nämlich den Teil, der eben tatsächlich vererbt wird und vom familiär bedingtem Brustkrebs auch wieder nur 1/3. Die Wahrscheinlichkeit, dass man an vererbbarem Brustkrebs leidet ist also relativ gering. Man sagt, dass es ca. 5-10% auf 100 betroffene Frauen sind. Bei dem Rest ist es eben nicht vererbt.

Das Brustkrebsgen nennt man BRCA1 und BRCA2. Eigentlich gibt es noch mehr, aber das sind die, die bekannt sind. Leider ist das alles auch noch nicht komplett erforscht.Jedenfalls kann man die Gene mittels Bluttest bestimmen und gezielt darauf testen. Hat man das Gen, dann besteht eine 50-80& Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken. Diese Wahrscheinlichkeit ist natürlich schon recht hoch und dürfte einem auch erst einmal Angst machen,w enn man die Diagnose bekommt, bzw. das Ergebnis des Tests. Außerdem steigt für Frauen auch das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken an.

Auch Männer können natürlich Brustkrebs bekommen. Hier geht man davon aus, dass es öfter familiär bedingter Brustkrebs ist, also vererbt. Die Betroffenen Männer haben dann auch ein erhöhtes Risiko für zum Beispiel Prostatakrebs oder Hodenkrebs. Wenn die Mutter Brustkrebs hat, kann man sich schon testen lassen, ob der Krebs familiär bedingt war oder nicht. Hatte auch die Großmutter oder ein anderer direkter Verwandter Brustkrebs, sollte man unbedingt testen.

Was man dann aber mit dem Ergebnis macht ist die andere Sache. Ich habe auch schon von Frauen gehört, die sich dann prophylaktisch beide Brüste amputieren lassen um die Metastasierung gleich zu vermeiden. Wie gesagt, die Wahrscheinlichkeit ist zwar sehr hoch, aber man weiß ja nicht, ob man es wirklich bekommt oder überhaupt so lange lebt. Ist vorprogramiert, dass man es mit 80 Jahren bekommt, und man wird nur 79, dann hätte man zwar Brustkrebs bekommen, erlebt das aber nicht mehr. Anders herum will man vielleicht auch nicht, dass die eigenen Kinder ihre Mutter nicht mehr erleben. Und wenn man wusste, dass das Risiko sehr hoch ist, muss man es ja nicht drauf ankommen lassen. Dafür gibt es dann aber auch Beratungen. Die Entscheidung kann einem aber keiner abnehmen.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge



Man spricht von einer Veranlagung für Krebs, wenn viele Menschen aus der Verwandtschaft an einer bestimmten Krebsart und allgemein sehr viele an Krebs gestorben sind. Das hat aber mit der Veranlagung im üblichen Sinn nichts zu tun, weil man ja seine individuelle genetische Veranlagung nicht kennt. So weit ist man noch nicht. Nur weil Viele in der Verwandtschaft an Brustkrebs gestorben sind, braucht man die genetische Veranlagung dazu nicht zu haben. Aber statistisch gesehen ist es wahrscheinlich, dass man sie hat. Ich weiß nicht, ob man speziell für diese Krebsart schon das individuelle Risiko herausfinden kann. Für die meisten Krebsarten kann man das noch nicht.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


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