Organspende - aber nur an eine bestimmte Person?

vom 04.09.2012, 16:57 Uhr

Unbeachtet der neuen Regelungen, die bezüglich der Organspende aktuell diskutiert werden, frage ich mich, ob man neben dem normalen Organspendeausweise auch angeben kann, dass man beispielsweise nach seinem Tod nur an eine bestimmte Person spenden würde. Ich bin auf diese Thema gekommen, weil es in der Familie meines Freundes aktuell einen derartigen Vorfall gibt. Ein Bruder des Vaters meines Freundes, also sein Onkel, braucht eine neue Lunge und steht daher auch auf der Warteliste. Bei Lungentransplantationen hat man wie bei vielen Organen das Problem, dass es mehr bedürftige Patienten, als Spender gibt, so dass Patienten mitunter sehr lange auf eine neue Lunge warten müssen.

Die Großmutter meines Freundes ist an sich gegen die Organspende und als ihr Mann verstorben ist, hat sie auch keine Organspende zugelassen. Das Thema war zuvor in der Familie bereits aufgekommen, weil die Freundin eines anderen Onkels eine Lebertransplantation gebraucht, aber auch recht schnell bekommen hat. Als dann der Onkel erkrankt ist und fest stand, dass er eine neue Lunge braucht, schien die Großmutter es sich allerdings anders überlegt zu haben, denn vor ihrem Tod vor wenigen Wochen, schrieb sie eine Notiz, die sie dem Testament beilegte, in der stand, dass ihr Sohn ihre Lunge haben dürfe.

Ich fand diesen Vorfall nach der Schilderung meines Freundes wirklich bewegend, um so trauriger ist es, dass die Großmutter als Spenderin für ihren Sohn leider nicht in Frage kam und daher keine Organe gespendet wurden. Nach diesem Vorfall aber habe ich mich gefragt, ob man denn auf dem Organspendeausweis oder generell im Testament oder so, einfach direkt angeben darf, dass man zwar Organe spenden möchte, aber wenn, dann nur an eine bestimmte Person. Eventuell würde man dann vielleicht auch die Familie als möglichen Empfänger der Organspende angeben.

Findet ihr das in dem Sinne ''fair''? Ich habe bezüglich dieses Themas auch schon andere Meinungen gehört, die beispielsweise eben auch besagten, dass es einem letztendlich egal sein kann, wer die Organe bekommt, weil man selbst dass eben nicht mehr erleben wird und sich daher auch nicht daran stören muss. Auch hieß es, dass die Organe in dem Sinne eben verschwendet wären, wenn aus der Familie gerade keiner Organe braucht, aber dafür jemand anderes.

Ich selbst denke allerdings schon, dass es eine gute Sache für skeptische Spender wäre, dass man dann eben einfach angibt, dass man spendet, allerdings eben nicht jedem. Das ist immerhin besser, als wenn man es ganz ablehnt und das tun derzeit leider sehr viele Menschen. Würdet ihr eine solche Möglichkeit der Einschränkung der Empfänger bei der Organspende nutzen, wenn sie euch zur Verfügung stünde? Würde ihr euch dabei wohler fühlen und vielleicht auch ja sagen, obwohl ihr primär vielleicht gegen eine Organspende seit?

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich finde eine Einschränkung auf bestimmte Personen sinnlos und auch unfair. Klar in der eigenen Familie wird das Organ oder das Gewebe vielleicht besser angenommen, aber man kann doch anderen Menschen nicht die Hilfe verwehren, wenn man grundsätzlich dazu bereit ist.

Man kann keine bestimmte Personen bestimmen, sondern nur die Organe. Also zum Beispiel nur die Lunge oder das Herz oder eben alles. Das finde ich ist eine gute Lösung, da manche zum Beispiel das Herz nicht spenden wollen, ihnen andere Organe aber egal sind. Generell sollte man sich entscheiden, ob man spenden will oder nicht und dies auch irgendwo schriftlich festhalten. Wenn man nichts schriftlich festgehalten hat, kann ein anderer die Entscheidung abnehmen, wenn der Hirntod festgestellt wurde.

Ich würde es auch nicht begrüßen, wenn man nur bestimmten Leuten spenden kann, weil es dann schnell zu einem Organhandel kommen kann. Immerhin ist es ja so, dass man sich dann auch Organe für Geld übertragen lassen kann.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ich muss ehrlich gestehen, dass eine solche Regelung mich eher dazu bewegen könnte, mich als Organspender einzutragen. Damit könnte ich mich persönlich wirklich schon eher anfreunden, als irgendeinem Fremdling ein Organ abzugeben. So bleibt mein gespendetes Organ in der Familie und wuselt nicht irgendwo in der Weltgeschichte herum. Ich möchte nicht den Gedanken führen, dass ich in jemand Fremdes weiterlebe, die Familie wäre wirklich akzeptabler für mich.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 12618 » Talkpoints: 5,12 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Bei der ganzen Diskussion nach dem Organspende-Skandal habe ich ziemlich viel über dieses Thema nachdenken müssen. Ich habe keinen Organspende-Ausweis und habe auch nie einen gehabt. Ich bin sehr skeptisch, wenn es um die Definition des Gehirntodes geht, und traue auch keinen Ärzten, die diesen bestimmen müssten. Wenn man die Diskussion verfolgt hat, bei der es um Ärzte-Honorare ging, hat man außerdem leicht den Eindruck bekommen, dass Ärzte zudem sehr auf das Geld fixiert sind. Von daher würde ich nicht auf die Idee kommen, mich bei lebendigem Leib ausweiden zu lassen, auch wenn es anderen Menschen vielleicht helfen könnte. Ich finde auch nicht, dass man es als Spende bezeichnen kann. "Opfer bringen" wäre vielleicht der bessere Ausdruck.

Meine Organe gehören mir, auch nach meinem Tod. Von daher denke ich, dass es juristisch schon möglich sein sollte, festzulegen, wer genau diese Organe bekommen darf. Ich denke nicht, dass bei so einer Situation versucht wird, was dagegen zu unternehmen, denn am Ende wäre die Gefahr zu groß, dass keiner das Organ bekommt. Das wäre übrigens auch die einzige Bedingung, unter der ich bereit wäre, meine Organe zu spenden. Wenn also in meiner Familie jemand auf ein Organ wartet, wäre ich bereit, mein Organ dieser Person zu geben oder mein Organ jemand anderem zu spenden, falls mir garantiert wird, dass mein Familienangehöriger auf der Warteliste ganz nach oben kommt und sobald wie möglich ein passendes Organ bekommt. Dies würde der Fall sein, falls ich nicht der passende Spender für meinen Familienangehörigen wäre.

Gleichbehandlung, Solidarität hin oder her, meine Familie geht immer vor anderen Menschen vor. Und für meine Familie wäre ich bereit Opfer zu bringen.

» Märie » Beiträge: 459 » Talkpoints: 15,45 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ramones hat geschrieben:aber man kann doch anderen Menschen nicht die Hilfe verwehren, wenn man grundsätzlich dazu bereit ist.

Gerade bei der Großmutter handelte es sich hier um eine Person, die grundsätzlich eben nicht zum spenden der Organe breit war. Nur aufgrund der aktuellen Erkrankung des Onkels hatte sie es sich anders überlegt, ansonsten wäre es dabei geblieben, dass sie nicht spendet.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Finde ich eigentlich okay, wenn man sagt, ich spende nur z.B. meinem Mann ein Organ. Aber gleichzeitig ist das so unfair denen gegenüber die Jahre lang auf eine Niere oder der Sonstigen warten. Ich finde, das Gesetz sollte man dann irgendwie anpassen und für jeden gerecht machen. Ich bleibe auf jeden Fall bei der Organspende trotz des Skandals. So weiß ich dann mal, dass ich einem Menschen etwas Gutes getan habe.

» amarie » Beiträge: 48 » Talkpoints: 17,92 »


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