Übungen zu Atemtherapie nur bei Störung der Lungenfunktion?

vom 04.09.2012, 05:10 Uhr

Neulich habe ich einen Fernsehbericht zum Thema Atemtherapie gesehen wo darüber berichtet wurde, dass diese Therapien wohl vornehmlich bei Störungen der Lungenfunktion angewandt werden. Mich würde nun mal brennend interessieren ob derartige Atemtherapien „nur“ aus reinen Atemübungen bestehen und ob selbige nur bei Erkrankungen ratsam und sinnvoll sind?

Was bringen reine Atemtherapien in Bezug auf das allgemeine Wohlbefinden und sind diese für alle Altersgruppen uneingeschränkt anwendbar? Wer von euch hat schon Erfahrungen mit einer Atemtherapie sammeln können und weiß vielleicht etwas mehr und detaillierter zu berichten?

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» schraxy » Beiträge: 1085 » Talkpoints: 52,15 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Also ich habe noch nie eine Atemtherapie angewendet aber im Unterricht viel darüber gelernt. So Atemtherapien werden ja gern angewendet, wenn alte Menschen an eine Pneumonie (Lungenentzündung) erkrankt sind. Eine Atemtherapie ist soweit behilflich, das sich in der Lunge nicht weiter Bakterien absetzen und die Lunge wieder voll ausgelastet wird. Außerdem ist das gut, damit die Durchblutung wieder ein bisschen in gang kommt. Allerdings muss ich dazu sagen, das wenn man an einer Pneumonie erkrankt ist, auch versuchen sollte, die Sekrete, die sich fest gesetzt haben ab zu husten. Das ist besonders bei bettlägerigen Menschen wichtig.

Normale Atemtherapien sind, denke ich, dafür das die Durchblutung angeregt wird und man besser lernt ruhiger zu atmen, damit man sich auch im Stress wieder besser beruhigen kann. Ich kann mir gut vorstellen das man dann generell ruhiger wird, wenn man eine Atemtherapie anwendet. Ich denke schon, das die Atemtherapien uneingeschränkt anwendbar sind. Man sollte allerdings immer auf eine gute Haltung achten.

» amarie » Beiträge: 48 » Talkpoints: 17,92 »


Eine Atemtherapie wird durchgeführt, um älteren Menschen, die im Krankenhaus liegen, im Sinne einer Pneumonieprophylaxe, eine Lungenerkrankung zu ersparen. Außerdem hilft sie bei diversen Erkrankungen der Atemwege, aber gesunden Menschen und sogar Spitzensportlern hilft sie.

Für ältere Menschen, die sich im Krankenhaus "ihre Lunge platt liegen", ist es wichtig, dass sie mobilisiert werden und eine Prophylaxe gegen Lungenerkrankungen durchgeführt wird. Das muss nicht immer eine Pneumonie sein, die Palette an pulmonalen Erkrankungen ist lang. Sie sorgt dafür, dass die Lunge weiterhin in ihrem Volumen möglichst gut belüftet wird und sich keine Entzündungen oder Sekretverhärtungen innerhalb der Atemwege ablagern, die Krankheiten hervorrufen. Doch auch nach der Erkrankung an solchen oder gerade dann, ist eine Atemtherapie sinnvoll und notwendig. Durch die Atemtherapie kann im Falle einer Erkrankung das feste Sekret gelockert und geholfen werden, es abzutransportieren. Bei asthmatischen Erkrankungen oder Menschen mit einer geringen Lungenkapazität wird versucht diese wieder zu vergrößern oder zumindest zu erhalten.

Wie das gemacht wird? Es gibt viele Wege. Anfangs ist ein vom Therapeuten durchgeführter Atembefund notwendig. Er beurteilt anhand der Atembewegungen, welche Lungenabschnitte gut oder schlecht belüftet sind und kann mithilfe der vom Arzt festgestellten Diagnosen eine gute Therapie planen. Dazu gehören Atemübungen wie die Lippenbremse, mithilfe derer durch einen Gegendruck beim Ausatmen mit jedem Atemstoß ein gewisser Druck in der Lunge verursacht wird, der das Volumen vergrößert. Auch das Sprechen einiger Vokale oder Konsonanten, Fonation genannt, hat einen Zweck: Atmet mal tief ein und "summt" beim Ausatmen ein "wwwwww", bis der Atemstoß zuende ist. Diese Vibration reicht aus, um Sekret zu lockern. Davon gibt es verschiedenste Techniken. Auch mit verschiedenen Positionen und atemerleichternden Stellungen wird gearbeitet.

Doch nicht nur der Patient arbeitet. Es gibt Geräte, in die wahlweise hineingeatmet, hinausgeatmet, gepustet oder anderes wird, um diverse Resultate zu erreichen. Sie zu erklären, würde vermutlich zu tief gehen, aber auch das sind Möglichkeiten, die Atmung zu verbessern.

Schlecht belüftete Areale werden effektiv wie folgt behandelt, ich gebe dir mal ein Beispiel, mit dem du eventuell mehr anfangen kannst, als mit Techniken und Namen: Es gibt bestimmte Muskeln, die die Atmung unterstützen. Sind diese Muskeln verspannt oder verhärtet, nimmt auch die betreffende Atmung leicht ab. Durch eine Detonisierung dieser Muskulatur, zum Beispiel durch Atemmassage, kann eine Steigerung des Gebietes erreicht werden. Dazu lagert man den Patienten in einer Dehnlage und bearbeitet diese Gebiete damit noch effektiver. Anschließend setzt man Impulse durch tiefe, fast schmerzhafte Griffe in die Muskulatur, die eine Reaktion des eigenen Körpers auslösen. Oft verbessert sich die Belüftung der Abschnitte dadurch sehr gut.

Die Atemtherapie ist ein sehr sehr großes und weitgefächertes Gebiet, so wie viele Bereiche der Physiotherapie, ich hoffe, das hat dir einen kleinen Einblick gegen, wirklich zusammenfassen kann man diesen Fachbereich in einem kleinen Beitrag einfach nicht. Denn weitere große Teile der Atemtherapie sind beispielsweise die Atmungsverbesserung und -steuerung bei Spitzensportlern, die durch eine noch effektivere Atmung versuchen ein weiteres Prozent nach oben gut zu machen oder auch Entspannungstherapien, die häufig auch gezielt auf bestimmte Atmungen setzen und auch bei psychiatrischen Patienten eingesetzt werden können. Auch in der Gynäkologie, also Großbereich Schwangerschaft, ist die Atemtherapie vor, während und nach der Geburt tätig.

» benutzer7 » Beiträge: 2116 » Talkpoints: 49,80 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



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