Egoismus, bei Krankheit mit tödlichem Ausgang nicht kämpfen
Manche Krankheiten können trotz der heutigen Medizin und Forschung leider nicht geheilt werden, der Tod ist wahrscheinlich. Man kann vielleicht sein Leben ein wenig verlängern, vielleicht gibt es auch eine minimale Chance, doch die Krankheit zu besiegen und sie zu überstehen. Die Entscheidung, ob man den Kampf auf sich nimmt oder die Krankheit unbehandelt lässt, obliegt meiner Meinung nach schon eher der Person, die betroffen ist. Ich finde, es lässt sich auch sehr schwer in die Situation hineinversetzen, wie man selbst an dieser Stelle handeln würde, weil man eben selbst noch nicht in die Situation erlebt hat und sie auch nicht erleben möchte.
Entscheidet sich nun jemand aber eher dafür, zu sterben, aus welchen Gründen auch immer, ist er da egoistisch und denkt an sich selbst oder hat man als Kranker gefälligst Rücksicht auf Familie und Freunde zu nehmen? Ist es eher von Familie und Freunden egoistisch, wenn sie meinen, man müsse auf jeden Fall darum kämpfen, am Leben zu bleiben? Wie seht Ihr es mit Egoismus bei Krankheiten, die tödlich ausgehen könnten?
Wenn es um den eigenen Tod geht, sollte man egoistisch sein. niemand steckt in deren Haut und kann es nachempfinden, was in einem vorgeht. Ich finde diese Menschen haben ein Recht darauf, selber zu entscheiden ob sie kämpfen wollen oder nicht. Klar ist es schlimm für die Familien, aber soll man Leiden und Schmerzen verlängern, damit es anderen gut geht und einem selber nicht? Ich denke da sollte man nur an sich denken, so wie in anderen Bereichen auch. Selber entscheiden, was einem gut tut und was nicht, macht man im Leben doch immer. Warum soll es dann in dieser Situation anders sein?
Wieso sollte man als Mensch Rücksicht nehmen auf Freunde und Familie und nur denen zuliebe so lange kämpfen wie nur irgendwie möglich? Natürlich wünscht man sich genau das als Angehöriger, aber ich glaube, man muss sich einfach mal überlegen, wie man sich selbst in dieser Situation fühlen würde. Würde man nicht eventuell selbst genauso handeln?
Die Mutter einer Freundin hat nun ihre Krebsbehandlung abgebrochen. Der Krebs ist nicht heilbar, die Therapie war maximal lebensverlängernd. Ihr geht es aber unter der Chemo so schlecht, dass sie für sich selbst den Entschluss getroffen hat, sich nicht weiter behandeln zu lassen. Und ganz ehrlich? Ich finde diese Entscheidung wahnsinnig stark und bewundernswert. So hat sie noch die Zeit, ihr Leben so weit wie irgendwie möglich zu genießen. So lange es eben geht. Es geht doch letzten Endes auch nicht darum, andere glücklich zu machen oder?
Sollte man aus seinem Leben nicht das Beste für sich selbst machen? Gerade dann, wenn man sich genau im Klaren darüber ist, dass es eben keine Heilung gibt und man an der Erkrankung sterben wird? Wenn man dazu egoistisch sein muss dann sollte man das meiner Meinung nach tun. Wenn nicht jetzt wann dann?
Es gibt tatsächlich Krankheiten, wo man davon ausgehen kann, dass es einfach keine Heilung gibt. Und da muss man sich auch keine falsche Hoffnung machen, wenn es einfach mal keine gibt. Meistens ist es so, dass die Betroffenen auch erstmal verdrängen, hoffen, flehen. Aber wenn sie es schaffen, das zu akzeptieren, dann sollten das die Angehörigen doch auch schaffen, oder?
Ich bin der Meinung, dass man demjenigen dann eher zur Seite stehen sollte, seine Entscheidung akzeptieren sollte, egal, ob man das gut findet oder nicht. Man kann die Zeit noch nutzen und sollte sie nicht damit verbringen, sich zu streiten. Viele machen das dann aus Unverständnis so und hinterher bereuen sie es, weil sie nicht gesehen habe, dass derjenige recht hatte. Ich finde da immer den Film:'' Beim Leben meiner Schwester'' sehr gut als Beispiel. Die Mutter hätte auch schon viel früher damit anfangen können zu akzeptieren, dass die Tochter keine Kraft mehr hat und hätte die Zeit sinnvoller nutzen können. Zum Glück hat sie ja noch rechtzeitig die Kurve bekommen. Das ist gar nicht so weit hergeholt, dieser Film.
Ich weiß nun aber nicht, wie das ist, wenn man dann in der Situation steckt. Ich denke dass man schon erstmal will, dass derjenige kämpft und alles dafür tut, dass er so lang wie möglich da bleiben kann oder die Krankheit sogar besiegt. Aber man muss realistisch bleiben. Und ich denke, dass Objektivität durchaus auch beim verarbeiten der Situation helfen kann. Ich würde mich da nach den Wünschen des Betroffenen richten. Ich würde auch wollen, dass man meinen Wunsch respektiert und mich unterstützt. Denn die Unterstützung der Familie ist in der Zeit besonders wichtig und da sollte man nicht im Streit auseinander gehen. Das ist ja in dem Fall einfach sehr endgültig.
Und von Egoismus kann man da vielleicht nicht reden. Das nennt man Akzeptanz und das ist im Verlauf einer Krankheit wichtig. Man steckt auch nicht selbst in der Situation, dass man eine solche Diagnose bekommen hat, da kann man wirklich nicht von Egoismus reden. Ich fände es aber auch wichtig, dass es sicher keine Heilungschancen gibt. Man muss die verbleibende Zeit wirklich nicht damit zubringen, dass manfür was kämpft, wenn der Kampf verloren ist. Aber wenn es noch einen kleinen Funken Hoffnung gibt, sollte man sich gut überlegen, ob man dem nicht nachgeht.
ich würde da nicht von Egoismus reden. Jeder muss in diesem Fall selber entscheiden, ob er sich behandeln lässt oder nicht. Die Verwandten hätten ja auch gar nichts davon, wenn man sich durchs Leben quält. Die Entscheidung sterben zu wollen, sollte jeder respektieren, so schlimm es auch ist.
Auf Freunde Rücksicht zu nehmen ist meiner Ansicht nach viel zu weit her geholt. Für einen noch so guten Freund ist das durchaus sehr schmerzhaft, einen engen Freund zu früh zu verlieren, ich spreche da aus Erfahrung, denn ich habe auch in frühen Jahren meine beste Freundin durch einen plötzlichen Unfall verloren. Wenn meine beste Freundin allerdings todkrank gewesen wäre, hätte ich ihr Sterben wohl leichter akzeptiert und hätte noch wenigstens Abschied nehmen können. Ich denke das ist man einer Freundin oder einem Freund auch schuldig.
Wenn ich jetzt in dem Fall die Mutter wäre, und mein Kind hätte die Diagnose für die tödliche Krankheit bekommen, da gestehe ich dass ich wohl auch total fertig wäre und mein erwachsenes Kind überreden würde, zumindest einen Hauch von einer Chance zu versuchen. Es soll fast nichts schlimmeres geben, als das eigene Kind zu Grabe tragen zu müssen. Ich weiß aber nicht, ob ich dann mein Kind als egoistisch bezeichnen würde. Ich würde es vermutlich eher noch zu einem zweiten Arztbesuch überreden um eine Fehldiagnose auszuschließen und nicht zu früh die Flinte ins Korn zu werfen.
Für den Fall, dass das mein Lebensgefährte wäre, mit dem ich gemeinsam noch recht junge Kinder hätte, würde ich auch alles daran setzten, dass er für die Kinder versucht noch so lange wie möglich und zumutbar zu kämpfen. Das liegt mit daran, dass ich von einem Elternteil erwarten würde, seinen oder ihren Kindern ein Vorbild zu sein. Und was wäre das für ein Vorbild, sich in einer Krisensituation untätig und kampflos dem Schicksal in den Rachen zu werfen? Ich würde jedenfalls meine Kindern nicht wünschen, dass sie so etwas von ihren Eltern mit erleben müssten. Wie könnte man so ein Verhalten denn den eigenen Kinder erklären? Mir fällt dazu nichts ein. Es wäre schon schmerzlich genug für sie, wenn die Heilung nicht geklappt hat, trotz aller Bemühungen. Aber wenn das Elternteil es nicht mal versucht hat? Da hätte ich Bedenken, dass die Kinder sich dann im Stich gelassen und ungeliebt fühlen und vielleicht nie über dieses Trauma hinweg kommen. In so einem Fall fände ich es schon egoistisch von einem Menschen, so aus dem Leben zu gehen.
Ich würde auf gar keinen Fall Rücksicht auf die Verwandtschaft nehmen. Ich habe so einen Fall in meiner eigenen Verwandtschaft. Dort gibt es eine Frau, die nicht mehr lange zu leben hat und nun noch Bestrahlungen (ohne Hoffnung) über sich ergehen lässt nur um noch ein paar Monate zu schaffen. Das ist aber wirklich kein Leben mehr. Sie quält sich und erbricht sich jedes Mal. Die Zeit dir ihr noch bleibt, kann sie so nicht mehr gut nutzen und ihre Verwandten haben so auch nicht mehr Gelegenheit die Zeit mit ihr zu verbringen oder zu nutzen.
Meiner Meinung nach sollte man in so einem Fall egoistisch sein und die Entscheidung selber treffen. Ich habe der Person aus der Verwandtschaft auch gesagt, dass sie für keinen kämpfen muss. Zumal ihr Kampf ohne Erfolg sein wird. Sie wollte nicht hören, aber es war ihre Entscheidung und ich akzeptiere diese. Für mich würde ich entscheiden, dass ich nicht ewige Qual ohne Erfolg haben will. Ich würde keinem zu Liebe mein Leben auf diese Art und Weise um einige Wochen verlängern. Aber ich bin auch der Meinung, dass das nur der Betroffene zu entscheiden hat, er stirbt und hat damit die Entscheidungsgewalt.
Egoismus in diesem Falle ist nicht negativ zu sehen. Man kann sich nicht immer nur um die Wünsche der lieben Angehörigen und Verwandten kümmern. In dem von dir geschilderten Falle sollte man sich selbst der Nächste sein. Denn die Krankheit betrifft die Person selbst.
Wenn überhaupt keine Aussicht auf Besserung der Krankheit besteht und nur eine Lebensverlängerung von kurzer Dauer erreicht werden könnte, ist es doch verständlich, egoistisch zu sein. Eine Lebensverlängerung würde bei Krebs im unheilbaren Stadium für den Kranken eine Chemotherapie mit vielen Problemen und Schmerzen bedeuten. Warum sollte das der Kranke aushalten, nur um auf seine Verwandten Rücksicht zu nehmen? Sterben muss er sowieso, ob einen Monat oder sechs Monate früher oder später, das wird ihm nicht geschenkt. Also dann doch lieber mit weniger Schmerzen früher sterben.
Egoistisch wären die Angehörigen, die versuchen würden, den Kranken zu einer sinnlosen Therapie zu bewegen, bei einer ausweglosen Krankheit. Naturgemäß fällt es den Angehörigen sehr schwer, zusehen zu müssen, wie ein geliebter Mensch leidet und immer weniger wird. Und doch wäre es noch viel schlimmer mitansehen zu müssen, wie er sich ihretwegen durch eine sinnlose Therapie quält.
Ich finde es niemals egoistisch, wenn eine Person die für sie richtige Entscheidung trifft. Das betrifft auch viele weitere Lebensbereiche, in denen manche Leute sicher sofort von Egoismus sprechen würden. Ich sehe es aber so, dass jeder Mensch allein für sich verantwortlich ist und daher auch nur alleine über sich und sein Leben entscheiden kann. Solange man niemandem wirklich schadet, zum Beispiel durch Gewalt oder Ausbeutung, sollte man das tun, was für einen selbst das Beste ist.
Ich fände es sehr rücksichtslos, wenn sich Familienangehörige aus eigenem Egoismus gegen die Entscheidung einer schwerkranken Person aussprechen würden, obwohl sie wissen, dass die Person keine Kraft hat, um sich auf einen vermutlich aussichtslosen Kampf einzulassen. Letztendlich geht es vielleicht immer um eine Form von Egoismus – den der kranken Person, die für sich den besten Weg gefunden hat und den der Angehörigen und Freunde, die den anderen auf keinen Fall verlieren wollen. Dabei können sich andere Leute gar nicht in die kranke Person hineinversetzen. Wie schlimm die eigene Situation ist und wie viel Kraft und Bereitschaft zu kämpfen da noch vorhanden ist, kann nur der Betroffene selbst wissen.
Ich würde auch nicht von einem Partner verlangen, dass er noch versucht, einige Zeit zu kämpfen. Wenn Kinder vorhanden sind, ändert das nichts an der Situation. Warum sollte sich jemand noch weiter schinden, wenn er letztendlich doch verlieren wird und die Kinder vielleicht als letztes Bild nur den Elternteil vor sich haben, der über Monate, vielleicht über Jahre immer weiter abgebaut hat und dabei sicher alles andere als glücklich war. Das sollte man auch den Kindern nicht zumuten, aber vor allem sollte man diese Last einem Partner, der schwer erkrankt ist, nie und nimmer aufbürden. Das fände ich wirklich ziemlich schäbig.
Natürlich sollte man nicht direkt aufgeben. Ich denke aber, dass das nicht dem Wesen des Menschen an sich entspricht. Die meisten Schwerstkranken kämpfen sich schon sehr weit vor, aber irgendwann ist vielleicht auch eine Grenze erreicht und dann geht es einfach nicht weiter. Bei manchen ist sie früher, bei anderen später erreicht. Das muss jeder Kranke selbst feststellen. Als Freund, Angehöriger oder Partner kann man den Kranken nur begleiten und vor allem darf man ihm nicht das Gefühl geben, dass er egoistisch handelt, wenn er irgendwann einfach nicht mehr kann.
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