Was sind Sünden und was muss man wo beichten?

vom 16.07.2012, 21:03 Uhr

Ich bin keine gläubige Frau und gehe deswegen auch nicht in die Kirche. Ich unterhalte mich aber schon gerne über die Kirche, Glauben und Religionen. Nun habe ich schon ein paar Mal gehört, dass man in der Kirche beichten gehen kann. Machen das Katholiken und evangelische Christen, oder nicht?

Die Beichte legt man anscheinend vor einem Kirchlichen ab. Ich würde aber gerne noch ein paar Informationen über den Ablauf einer Beichte bekommen. Ist das so, wie man es im Fernsehen sieht? Also zwei Leute gehen auf verschiedenen Seiten in eine Kabine und diese ist mit einem Gitter voneinander getrennt. Wie gesagt ich kenne es nur vom Fernsehen, daher erbitte ich mir einfach ein paar Informationen.

Gebeichtet werden sollen ja Sünden. Aber was sind in der Bibel Sünden? Was sind Sünden, die man beichten muss? Warum soll man seine Sünden beichten? Was bringt die Beichte, soll man sich dadurch besser fühlen oder wird man dadurch erlöst?

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» Ramones » Beiträge: 38896 » Talkpoints: 30,48 » Auszeichnung für 38000 Beiträge



Genau, der sogenannte Beichtstuhl sieht so aus, wie du ihn im Kopf hast. Wenn man im Beichtstuhl ist, beichtet man alles, was einen selbst belastet oder gegen die zehn Gebote verstoßen hat. Manche Menschen befreien ihr schlechtes Gewissen durch eine Beichte oder planen nach einer Beichte einen Neustart beziehungsweise eine Besserung, andere haben das Gefühl, dass sie durch den Priester, der in der anderen Kabine sitzt, zu Gott sprechen können.

Ich glaube viele Menschen die eine Beichte ablegen haben eigentlich niemanden, mit dem sie wirklich offen und ehrlich sprechen können - und zwar ohne sich zu schämen. Wahrscheinlich haben sie Angst, dass sie verurteilt werden oder andere ein falsches Bild von ihnen bekommen können. Deshalb nutzen sie diese Anonymität. Der Glaube zu Gott wird ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, also dass man in den Himmel kommt und man von den Sünden gereinigt wird, also wie du schon gesagt hast, erlöst wird.

Ich war noch nie auf einem Beichtstuhl und bezweifle, dass ich jemals die Erfahrung machen werde. Ich bin ungläubig und finde auch, dass es ein sehr interessantes Thema ist.

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» soulofsorrow » Beiträge: 8923 » Talkpoints: 52,93 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Ich bin als Kind vor meiner Kommunion dazu genötigt worden, zu beichten. Eigentlich ist das wenig sinnvoll, denn welches "normale" neunjährige Kind hat schon großartige Sünden begangen? Na ja, ich habe jedenfalls nur das Übliche gebeichtet, was von einem Kind in diesem Alter zu erwarten ist: Lügen, Streit mit Freunden, Verwendung von Schimpfwörtern und so weiter. Danach bin ich nie wieder beichten gegangen, obwohl ich manchmal das Bedürfnis dazu verspüre, weil es wirklich eine Erleichterung ist.

Der Beichtstuhl an sich sieht so aus, wie du ihn aus dem Fernsehen kennst. Allerdings muss man, bevor man anfängt, ein kurzes Gebet aufsagen und dann geht es auch schon los. Ich denke, dass als Sünde alles zählt, was man eben der Bibel als Sünde entnehmen kann, zum Beispiel wenn man gegen eines der zehn Gebote verstoßen hat. Der Rest sind vermutlich die Dinge, die man selber als Sünde empfindet. Aber die meisten Menschen haben ja sowas wie ein Gewissen und man kann sich ja selbst denken, was als böse Tat gilt, auch wenn man, was die Bibel angeht, nicht zu 100% textsicher ist.

Wenn man alles genannt hat, wird dir der Pastor sagen, was du zu tun hast. In der Regel muss man mehrere Gebete aufsagen oder einen Rosenkranz runterbeten. Damit wird dir vom Pastor Absolution erteilt, du bist somit vor Gott von deinen Sünden freigesprochen und brauchst dich nicht mehr vor der Hölle zu fürchten, falls du gerade im Sterben liegst. :wink:

Ich glaube, viele Menschen sehen es einfach als große Erleichterung an, jemandem alles erzählen zu können, ohne mit Konsequenzen zu rechnen. Vielleicht hat man die ein oder andere Sünde begangen, über die man sich aussprechen will, aber sich vor seinen Freunden deswegen schämt. Deshalb denke ich, dass es sowohl dem Gewissen als auch dem Seelenheil guttut, beichten zu gehen, sofern man gläubig ist.

» Cappuccino » Beiträge: 3793 » Talkpoints: 1,41 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Zunächst sollte man wissen, dass das Beichten () in der katholischen Kirche (aber auch in der orthodoxen Kirche) eine andere Bedeutung hat, als in der evangelischen Kirche! Denn in der katholischen Kirche zählt dieses zu den Sakramenten (ist also unverhandelbar!). Die Einzelbeichte bei der evangelischen Kirche ist hingegen lässlich, weil deren Glauben zufolge sowieso nur Gott die Sünden vergeben kann und nicht ein Mensch eben für Gott. Daher beichten eigentlich eher nur Katholiken (und orthodoxe Christen).

Dann zur Frage nach dem Beichtstuhl: das ist das klassische Bild, entspricht aber nicht der alleinigen Wahrheit. Es gibt sehr wohl auch Beichtgespräche. Und diese werden dann ohne trennende Wand oder ähnlichem geführt. Hier sitzt man dem geistlichen Würdenträger (in entspannter Atmosphäre) gegenüber und beichtet in einem "normalen" Gespräch.

Was jetzt Sünden sind, ist einfach dadurch zu umschreiben, dass alles, was gegen die Gebote verstößt, eben zu den Vergehen gehört. Gebeichtet werden soll, damit man diese Sünden erlassen bekommen kann. Dazu aber muss man sich der Sünden bewusst sein. Dazu dient eben letztlich das Beichten! Und aus diesem Grund gibt es wohl auch noch die Einzelbeichte bei der evangelischen Kirche. Denn es ist ein "technisches Hilfsmittel", sich aller Sünden klar zu werden. Der Unterschied liegt nun dabei, dass bei der katholischen Kirche der Würdenträger für Gott verzeihen kann. Was einst mal auch zum Ablasshandel geführt hat. Bei der evangelischen Kirche kann der Würdenträger den Sünder nicht frei sprechen. Das macht der Sünder allein mit Gott aus. Was wieder den Ablasshandel in Schwierigkeiten gebracht hat.

Ob man sich nach dem Beichten besser fühlt oder nicht kommt ja ein wenig auf die Person an. Ich kenne es schon so, dass es hilft, wenn man sein Gewissen erleichtert und zu seinen Taten steht. Das es nicht sonderlich hilft, wenn man z.B. seine Frau betrogen hat und dies dem Pfarrer beichtet, ist vielleicht nachvollziehbar. Der Pfarrer wird einem dann wohl die "Aufgabe" stellen, das Problem mit der Frau zu besprechen. Und so kommt es letztlich doch zurück - was einem bei der "Erleichterung" helfen soll.

» derpunkt » Beiträge: 9877 » Talkpoints: 79,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Es gibt in der katholischen Kirche die sogenannten Zehn Gebote. Verstößt man gegen eines der Gebote, begeht man eine Sünde, die durch die Beichte vom Pfarrer stellvertretend für Gott vergeben wird. Man muss aber Buße tun, indem man eine gewisse Anzahl von Gebeten, abhängig von der Schwere der Taten, betet. Ich musste als Kind immer fünf Vater unser und fünf Mariengebete (ich habe sie vergessen) beten.

Ich kann nur von meiner Kinderbeichte berichten, da ich mit sechzehn Jahren aus der Kirche ausgetreten bin. Für Kinder gab es die zehn Gebote speziell an Kinder angepasst. Wir knieten uns in den Beichtstuhl, der so aussah, wie man es im Fernsehen, vor allen Dingen in Krimis, oft sehen kann. Den Pfarrer sah man nur im Halbdunkeln durch ein Holzgitterfenster.

Wir haben die Gebote nacheinander aufgesagt und dann entweder "Nichts" gesagt, wenn wir nicht gegen das Gebot verstoßen hatte oder eben gesagt, was wir verbrochen hatten. Ich habe eigentlich jedes Mal dasselbe gesagt. Man hatte als Kind ein Gefühl dafür, welche Sünden schlimm waren (die hätte man eh nicht gebeichtet) und welche nicht so schlimm waren. Ich habe zum Beispiel immer gebeichtet, dass ich gelogen hatte und dass ich mein Abendgebet vergessen hatte. Zum Lügen wollte der Pfarrer gar nichts Genaueres wissen.

Das so genannte 6. und 9. Gebot Unschamhaftigkeit war ein merkwürdiges Gebot. Keiner von meinen Geschwistern und Freundinnen wusste genau, was das war. Aber wir wussten alle, dass es etwas Peinliches war. Ich und, soviel ich weiß, auch meine Geschwister, haben immer ganz schnell "Nichts" gesagt. Manchmal habe ich noch Ungehorsam gebeichtet, dazu wollte der Pfarrer auch nicht Genaues wissen. Die ganze Prozedur der Beichte war eigentlich ein Herunterrasseln immer derselben Dinge. Der Pfarrer schien auch nie sonderlich interessiert. Schlimme Delikte wie Töten gab es in der Kinderbeichte nicht, die gab es nur in den zehn Geboten der Erwachsenen, die ich mir im Gebetbuch immer interessiert durchgelesen habe.

Am Schluss, nach circa 5 Minuten, hat der Pfarrer dann immer eine Geschichte über einen Heiligen erzählt, dem wir doch bitte nacheifern sollten, um in den Himmel zu kommen. Endlich hat er uns dann mit einer Bekreuzigung unsere Sünden vergeben. Nach der Beichte habe ich ein sehr schönes Gefühl von Neuanfang und Freiheit gehabt. Ich war frei von allen Sünden und konnte wieder ein ganz neues Leben beginnen. Dieses Gefühl würde ich gerne noch einmal haben. Ich habe es ohne Beichte nie mehr so erlebt.

Zu den Sünden gehören Dinge, die man auch ohne Religion als moralisch verwerflich findet, zum Beispiel stehlen, töten, seinem Ehepartner untreu sein, Vater und Mutter nicht ehren, nach dem Besitz seines Nächsten streben und über andere Falsches aussagen (üble Nachrede).

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


In der Bibel wird doch genau definiert, was als Sünde bezeichnet wird und was nicht. Das kann man sowohl im alten Testament in den 10 Geboten nachlesen als auch in der Bergpredigt beispielsweise. Die Kirche hat nur leider die Macke, einen "Zaun um das Gesetz" zu bauen und irgendwelche "Sünden" dazu zu erfinden, die man dann gefälligst zu beichten hat.

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» Täubchen » Beiträge: 31046 » Talkpoints: 0,04 » Auszeichnung für 31000 Beiträge


Bei den Katholiken kommt es doch nicht nur darauf an, was eine Sünde ist. Viel wichtiger ist, was es für eine Sünde ist. Da hilft die Bibel wenig, interessant ist der Katechismus. Denn lässliche Sünden, die nicht bereut und vergeben worden sind, führen nur zu einer Runde Fegefeuer. Schwere Sünden, gern auch Todsünden genannt, bringen einem den zweiten Tod ein, weil man in der Hölle landet, falls man ohne Buße und Vergebung den Löffel abgibt.

» cooper75 » Beiträge: 11214 » Talkpoints: 399,43 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



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