Das Ziel haben einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen?

vom 04.07.2012, 22:05 Uhr

Was ich hier gelesen habe, was anlupa schrieb, Welche Vorteile haben Schwerbehindertenausweise? hat mir fast die Schuhe von alleine ausgezogen. Ich konnte nicht fassen, was ich da gelesen habe. Da arbeitet jemand wirklich darauf hin einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen. Ich konnte es nicht fassen. Sollte man nicht froh sein, wenn man sich einigermaßen noch so fühlt, dass man diesen noch nicht bekommt? Sollte man denn wirklich "darauf hinarbeiten", dass man anerkannt schwer behindert ist? Ich muss sagen, dass ich solche Leute nicht verstehen kann und diese froh sein sollten, wenn der Rücken noch einigermaßen beweglich ist und das Herz noch mitmacht.

Denkt ihr, dass viele Menschen so vorgehen? Denken diese Leute nicht darüber nach, was ist, wenn sie eine Herzattacke mehr haben oder wenn sie noch 2 Bandscheibenvorfälle haben? Sollte man solchen Leuten, die darauf hinarbeiten diesen Schwerbehindertenausweis verwehren?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Verwehren sollte man den Schwerbehindertenausweis natürlich nicht. Der Fall, über den ich geschrieben habe, ist verständlich, wenn man bedenkt, dass dieser Mensch einen stark geschädigten Rücken und ein angeschlagenes Herz hat, er aber in der Arbeit nicht geschont wird, weil ihm eben dieses Prozent noch fehlt. Er möchte ja keinen neuen Herzanfall, sondern nur einen Arzt finden, der ihn so krank schreibt, wie er in seinen (und auch meinen) Augen ist. Er hat 40 Jahre gearbeitet und ist fertig.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Ich finde so etwas natürlich auch schlimm. Jedoch denke ich, dass das schon einige machen werden. Meiner Meinung nach werden das Menschen sein, die bereits eine Erkrankung haben und sich dadurch beeinträchtigt fühlen, dies aber nicht anerkannt bekommen. Es ist sicher nicht in Ordnung auf so etwas hinzuarbeiten und erst recht nicht auf weitere Schäden zu hoffen.

Ich kenne auch Beamte, die auf eine Frührente hinarbeiten. Meiner Meinung nach ist das auch nicht normal. Manche Menschen sind eben komisch und etwas anders als andere. Ob es besser wäre, diesen Leuten diesen Ausweis zu verwehren, weiß ich nicht. Ich denke so eine Entscheidung ist sehr schwierig und es gibt sicherlich auch Leute, die ihn trotzdem bekommen sollten.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



Naja, das Ziel haben, einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen, ist sicherlich für einen gesunden Menschen nicht der richtige Weg. Ich kenne jedoch Leute, die dieses Ziel auch schon für sich selber gesteckt haben.

Allerdings sind diese Leute krank und haben gewisse Schwierigkeiten, im Alltag zurechtzukommen. Nun gibt es ja für Schwerbehinderte gewisse Annehmlichkeiten, auf die ich als gesunder Mensch gerne verzichte, diese Menschen jedoch gerne legal in Anspruch nehmen möchten. Zum einen gibt es Ausweise, die einem das Parken an bevorzugter Stelle ermöglichen, darauf ist z.B. ein Kollege scharf, der kaum laufen kann und wenn er einen Parkplatz weit hinten bekommt, ist er fix und fertig, wenn er im Büro ist. Dann gibt es vergünstigte Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel, oftmals vergünstigte Eintrittspreise für Kunst-, Kultur- und Sportveranstaltungen, man hat steuerliche Vorteile und bekommt hier und dort noch Vergünstigungen.

Dass diese Vergünstigungen die Krankheit bei Weitem nicht aufwiegen, ist klar. Aber wenn es gewisse Vorteile erst ab einem bestimmten Grad der Behinderung gibt und man selber vielleicht nur eine Kleinigkeit davor steht, diesen Grad zu erreichen, dann sind diese Leute oftmals so weit, dass sie darauf hinarbeiten, diese fehlende "Kleinigkeit" zu bekommen. Sie sagen sich, ihnen geht es so bescheiden, da macht das dann auch nichts mehr, dafür haben sie aber eine kleine Entlastung an anderer Stelle. Teilweise kann ich das auch nachvollziehen. Wenn es allerdings gesunde Menschen sind, die anderen diese "Vorteile" neiden und diese dann auch haben wollen und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, dann hört mein Verständnis für solche Aussagen bzw. diese Zielsetzungen auf.

» Squeeky » Beiträge: 2793 » Talkpoints: 6,25 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich denke mal die Vorschriften für einen solchen Ausweis nicht von ungefähr so hoch angesiedelt. Denn auch die Erwerbsunfähigkeitsrente konnte man vor etwas mehr als zehn Jahren wesentlich einfacher bekommen. Aber auch da wurden die Richtlinien verschärft, weil quasi fast Jeder mit einem quer sitzenden Darmwind die Rente bewilligt bekam. Ist jetzt zwar ein wenig krass gesagt, aber viele heutige Rentner haben die Erwerbsunfähigkeit zu schnell bescheinigt bekommen.

Ebenso ist es halt auch mit dem Schwerbehindertenausweis. Klar, er bringt entsprechende Vorteile, was auch beim Kündigungsschutz zum tragen kommt. Aber neben diesem Ausweis gibt es eben auch andere Möglichkeiten, wenn man seinen Beruf eigentlich nicht mehr ausüben kann. Nur da müsste sich der beschriebene Patient auch mit den Möglichkeiten auseinandersetzen und mehr tun, als nur die Ärzte abklappern.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Ich bin mal als Kind mit einem Freund und meiner Mutter bei einer Freundin von ihr mit gefahren. Damals sind wir dann irgendwo hin gefahren und dort hat sie auf einem Behindertenparkplatz geparkt. Ich selbst habe mich sehr gewundert, als sie sagte, dass sie froh sei diesen zu haben.

Welche Behinderung sie hatte, kann ich nicht sagen, da ich noch sehr klein war. Allerdings war es keine, die man sofort sehen würde. Wenn man eine Behinderung hat und die Möglichkeit hat, einen solchen Ausweis zu bekommen, dann sollte man ihn auch in Anspruch nehmen. Denn immerhin hat man dadurch doch auch einige Vorteile.

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» hennessy221 » Beiträge: 5132 » Talkpoints: -1,94 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


hennessy221 hat geschrieben:Wenn man eine Behinderung hat und die Möglichkeit hat, einen solchen Ausweis zu bekommen, dann sollte man ihn auch in Anspruch nehmen. Denn immerhin hat man dadurch doch auch einige Vorteile.


Das ist doch klar, dass man die Vorteile nutzen sollte, wenn man die Möglichkeit dazu hat und der Ausweis einem zusteht. Aber Diamante fragte doch eben danach, ob es nicht unglaublich ist dass Menschen auf einen bestimmten Grad der Behinderung hinarbeiten nur um solche Vorteile zu bekommen.

Ich kann mir aber ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es viele (wenn überhaupt) Menschen gibt, die wirklich als Ziel haben einen solchen Ausweis zu bekommen. Und in dem Fall von analupa kann ich es sogar ein Stück weit verstehen, dass man sich auf die Suche nach einem Arzt macht, der einem das bisschen an Prozenten noch gibt, damit man endlich seine "Ruhe" hat und sich nicht weiter herum quälen muss nur weil man laut Ausweis noch nicht geschädigt genug ist. Ich verstehe dass jetzt nicht so, dass sich diese Menschen absichtlich kränker machen als sie sind, sondern eben nur darauf hoffen, dass ein Arzt wirklich erkennt wie es aussieht.

Ob kerngesunde Menschen, die sich absichtlich krank machen um einen Ausweis zu bekommen, keinen bekommen sollten, kann ich nicht sagen. Allerdings denke ich, dass es schon auffällt; immerhin wird ja üblicherweise alles genau überprüft und auch der Krankheitsverlauf durchleuchtet. Nicht jeder bekommt wegen einem kleinen Zipperlein gleich einen Behindertenausweis und ich denke nicht dass man da so leicht heran kommt.

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» Nana_2011 » Beiträge: 2250 » Talkpoints: 0,21 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich habe auch schon häufig von Leuten gehört, die einfach alles tun um einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen. Die Regeln dafür sind hoch angesetzt, aber rennt man von Arzt zu Arzt und lässt sich alles mögliche bescheinigen, dann klappt es irgendwann mal doch. Warum mancher das will liegt ja auf der Hand, der Ausweis bringt einige Vergünstigungen mit sich. Jedoch wäre es mir ehrlich gesagt zu viel, wenn ich nicht krank genug wäre, auch noch von Arzt zu Arzt zu rennen um eine noch schwerere Erkrankung bescheinigt zu bekommen.

Leider ist es heute aber so, dass viele Leute nur nach ihrem Vorteil trachten und danach, wo sie noch ein paar Euro für sich herausholen können. Das ist schade, führt dann aber zu solchen Dingen wie von dir beschrieben. Ich kann es nicht verstehen, denn jeder der nicht so krank ist, sollte ehrlich froh darüber sein. Wenn man es wirklich mal ist, dann ist der Katzenjammer groß.

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» Vampirin » Beiträge: 5979 » Talkpoints: 30,32 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Ich komme aus Österreich und kann demnach nur aus dieser Sicht schreiben. Aber auch hier kämpfen natürlich immer wieder einige um einen Behindertenausweis zu bekommen. Das mag für gesunde Menschen auch durchaus nicht nachvollziehbar zu sein. Warum es dennoch einige Menschen bewegt haben hier schon einige User gut erklärt. Soll natürlich nur eine Erklärung sein, ob man dann dafür Verständnis hat, ist wohl eine andere. Wenn man aber wie gesagt mit Schmerzen oder größeren Problemen einen Alltag, noch dazu einen beruflichen Alltag bewältigen muss, sieht man wohl vieles plötzlich anders.

Ich kann es auch ein wenig aus einer anderen Sicht beschreiben. Wie viele hier wissen, hat mein Sohn eine sehr schwere Form der Neurodermitis. Aufgrund der Intensität wurde ich gar nicht lange gefragt, sondern es wurde eines Tages mehr oder weniger einfach nur festgelegt, dass er eben eine 50%ige Behinderung hat. Das war sogar noch zu einem Zeitpunkt, wo die Krankheit noch gar nicht so ausgeprägt war. Vor drei Jahren war es auch noch nicht allzu schwer mit Neurodermitis eine 50%ige Behinderung anerkannt zu bekommen.

Nun, nach drei Jahren mussten wir wieder zu einem Kontrolltermin. Die Ärztin meinte, dass sich die Kriterien massiv verschärft haben, aber ich mir keine Sorgen machen brauche, weil mein Sohn sie trotzdem bekommen wird. Wie ich zum ersten Mal gehört habe, dass mein Sohn einen Behindertenausweis bekommen wird, war meine erste Reaktion ehrlich gesagt nicht gerade positiv. Ich habe ordentlich geschluckt und gemeint, dass das nicht nötig sei und er ja auch nicht behindert ist und so weiter. Inzwischen weiß auch ich über die Vorteile, die man oft nicht unterschätzen sollte.

Es geht mir hier nicht um irgendwelche Eintritte, wo man dann eventuell eben günstiger hinein kommt. Bei Kindern ist es zum Beispiel so, dass es zumindest in Österreich eine erhöhte Familienbeihilfe gibt. Das sind immerhin rund 130 Euro im Monat zusätzlich. Die bekommt man aber nur, wenn man eben eine 50%ige Behinderung oder mehr hat. Das ganze wird dann eben für drei Jahre anerkannt. Es geht hier eben in diesem Fall auch um viel Geld. Und keine Sorge, ich werde mit diesem Geld nicht nach Hawaii fahren und mich unter Palmen brutzeln lassen. Dank dieser finanziellen Unterstützung kann ich meinem Sohn diverse Therapien ermöglichen. Ebenso muss er eine strenge Diät einhalten, was auch nicht immer gerade billig ist, von den ganzen Cremen und Co einmal abgesehen. Mit 130 Euro geht sich das im Monat sowieso nicht aus, aber es ist zumindest ein guter Teil abgedeckt.

Dann hatte mein Sohn große Probleme sich im Kindergarten zu integrieren. Dank des Ausweises hatte ich die Möglichkeit um eine Integrationshilfe anzusuchen, die mir dann auch bewilligt wurde. Dank dieser Dame kann mein Sohn nun auch in den Kindergarten gehen und fühlt sich dort wohl, weil eben auf seine Bedürfnisse sehr gut eingegangen wird. Auch aus diesem Grund bin ich für den Ausweis sehr dankbar. Das sind alles Sachen, an die ich am Anfang nie gedacht hätte.

Es gibt also durchaus Gründe, die so einen Ausweis wichtig machen. Deswegen kann ich es durchaus auch verstehen, wenn man versucht, so einen Ausweis zu bekommen. Kein gesunder Mensch wird da so erpicht darauf sein, beziehungsweise würde ein gesunder Mensch sowieso keinen Ausweis bekommen und mit ein paar Wehwehchen ebenfalls nicht. Aber das ist denke ich ja wohl jedem klar.

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» tournesol » Beiträge: 7773 » Talkpoints: 0,38 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


So wie diesem Herrn geht es aber einigen, die versuchen, einen Schwerbehinderten-Ausweis zu bekommen. Außer den genannten Vorteilen bekommen sie auch noch je nach Schweregrad der Behinderung eine Steuerermäßigung.

Dass es jemand auf eine Behinderung anlegt, kann ich nicht verstehen. Selbst wenn sie von Arzt zu Arzt gehen und versuchen, den Arzt von der Schwerbehinderung zu überzeugen, wird es ihnen nicht einfach gelingen, diesen Ausweis zu bekommen. Denn das Versicherungsamt entscheidet immer noch über die Notwendigkeit der Schwerbehinderung. Selbst wenn der Arzt auf Anfrage die Notwendigkeit bescheinigen würde, haben sie am Versicherungsamt einen Amtsarzt sitzen, der eine genaue Prüfung vornimmt und sich auch die Person selbst ansieht. Es geht also nicht einfach so, wie sich der Kollege das denkt.

Auch eine Parkmöglichkeit für Schwerbehinderte wird nur vergeben, wenn es sich um eine Gehbehinderung von Bedeutung handelt.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


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