Zunehmender Bodybuilding- und Schönheitswahn

vom 04.06.2012, 00:36 Uhr

Legst du viel Wert auf dein Äußeres?

auf jeden Fall
2
40%
nein, gar nicht
0
Keine Stimmen
ein bisschen, aber nicht zu viel
3
60%
 
Abstimmungen insgesamt : 5

Mich würde einmal interessieren, was ihr von der heutzutage vorhandenen Bewegung sagt. Wer kennt es nicht? Gestern war der Nachbar im Fitnessstudio, heute ist es der Kumpel und morgen vielleicht schon der Lehr? Den Jugendlichen wird ein gepflegtes Äußeres immer wichtiger. Oft werden andere Dinge vernachlässigt und dies steht im Mittelpunkt des Lebens. Der Blickpunkt verschwindet vom Charakter und geht über zum Aussehen. Was denkt ihr über den heutigen Gesellschafswahn?

» Xantho » Beiträge: 11 » Talkpoints: 7,66 »



Ja, der "Wahn" ist da und wird womöglich nicht mehr als solcher wahrgenommen, weil es irgendwann nicht mehr hinterfragt wird. Gäbe es die Hochglanz-Bilder nicht, dann würden sich viele auch nicht als ein "Mängelwesen" empfinden und darauf aus sein etwas "tun zu müssen". Ein solcher Wahn trifft Menschen, die einen sehr ausgeprägten Herdencharakter habe. Es sind Menschen, die darauf aus sind was "als gut und schön" gilt. Menschen stecken sich gegenseitig an. Und die Medien, also Zeitschriften, Fernsehen und Internet, bieten so eine Art "öffentliche Räume". Man denkt, dass man solchen Aussagen, die hier gemacht werden, nur folgen muss um "höherwertig" zu sein.

Die Frage ist einfach, was wäre, wenn es diese Art von Informationen nicht geben würde? Die Kommunikation wäre viel lokaler, man würde sich ganz anderen Infos und Wertvorstellungen widmen. Letztlich ist der Mensch eine Marionette der Infos, die er sich aussetzt. Die Frage ist nur, inwieweit er das durchschaut und sich davon löst. Wie gesagt, es gibt den Wahn, aber mit Sicherheit nicht flächendeckend. Wahrscheinlich erscheint es einem nur wegen der öffentlichen Medien so und wenn man sich die tatsächlichen Statistiken ansehen könnte ( was unmöglich ist) würde man wahrscheinlich sehen, dass vielleicht nur ein Drittel der Menschheit diesem Bild folgt.

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» esprit*87 » Beiträge: 456 » Talkpoints: 1,38 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Der Wahn bezüglich des Äußeren ist in der heutigen Zeit sehr ausgeprägt, da stimme ich dir zu. Das betrifft wohl die körperliche Pflege, als auch den Kleidungsstil. Heutzutage ist es ja schon eine Seltenheit jemanden zu treffen, dessen Haare nicht gefärbt oder getönt sind, der keine Strähnchen, Painting oder sonst irgendwas in den Haaren hat. Ich bekomme das beispielsweise auch immer wieder bei meinem Friseur zu hören, der stets betont, was für ''jungfräuliche'' Haare ich doch habe. Es geht dann weiter zum Gesicht hin, heutzutage sind die Sonnenstudios überrannt und sprießen an jeder Ecke aus dem Boden. Ich wohne in einem relativ kleinen Ort, dennoch haben wir zwei Sonnenstudios, die auch sicherlich nicht pleite gehen. Davon abgesehen ist es heute ja sogar schon bei Männern verbreitet, Gesichtspflegeserien zu benutzen. Ich finde das schon für eine Frau übertrieben, aber für einen Mann erst recht.

Die Augenbrauen müssen gezupft und nachgezogen sein, die Wimpern gebogen und bemalt, das Näschen gepudert, die Lippen angepinselt. Natürlichkeit wird immer seltener, dabei kann ich persönlich an dieser Künstlichkeit so gar keinen Gefallen finden. Bei Frauen ist es auch immer verbreiteter, sich die Fingernägel anmalen und verlängern zu lassen, keine Ahnung was das soll. Die Figur ist heute natürlich auch das A und O. Ich sehe darin viele Nachteile, aber auch Vorteile. Zum einen kann dadurch schon in sehr frühem Alter eine Essstörung wie Magersucht entstehen, weil schon Teenager die ganze Zeit mit Medien und dem Schönheitsideal konfrontiert werden. Personen, die an sich völlig normale Figuren haben, fühlen sich dadurch unwohl und haben den Wunsch etwas an ihrem Körper zu verändern, sich operieren zu lassen, wenn es nicht geht. Auch bewirkt dies mitunter starke Minderwertigkeitsgefühle.

Dennoch hat dieser Wahn auch gute Seiten, denn hierdurch werden einige Menschen auch körperbewusster. Ich finde es schrecklich, wenn Leute ins Fitnessstudio gehen, um an ihrer Figur zu arbeiten, denn es sieht nicht nur schrecklich unnatürlich aus, sondern hat auch was mitläuferisches, man will halt aussehen wie die Unterwäschemodells auf den Plakaten. Schön ist das nicht unbedingt mehr und ich für meinen Teil bevorzuge Muskeln und gute Figuren, wenn sie durch natürlichen Sportarten entstehen und nicht so eine Gestrample und Geschwitze in einer Halle. Dennoch bewirkt es nun mal auch, dass Leute von ihrem Übergewicht wegkommen, weil der Ehrgeiz da ist, etwas dagegen zu tun. Irgendwie zieht es einen ja doch mit und wenn so viele dem Schönheitswahn verfallen, sinkt auch die Zahl derer, die noch Übergewicht haben, was doch vergleichen zu den USA, eine sehr gute Entwicklung ist.

Ich selbst würde von mir nicht sagen, dem Schönheitswahn verfallen zu sein, ich bin mit meiner Figur zu frieden und komme Moden wie Haarfärben oder Bräunen auch nicht nach. Auch finde ich nach wie vor, dass ein schlechter Charakter durch kein gutes Aussehen der Welt wettzumachen ist und umgekehrt gleicht ein guter Charakter auch weniger ansehliche Körper aus. Vielleicht gibt es Menschen, die sich tatäschlich nur an Äußerlichkeiten orientieren, aber ich bin mir sicher, dass sie niemals so glücklich werden, wie Menschen, denen das egal ist und die allein auf den Charakter einer Person schauen. Denn das Aussehen vergeht irgendwann, ganz egal wie viele Operationen man bezahlen kann, was bleibt ist letztendlich der Charakter und der Mensch an sich und der muss stimmen.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Man muss schon unheimlich jung sein, wenn man vorgibt, dass der "Bodybuilding- und Schönheitswahn" heute zunehmen würde und damit impliziert, es wäre was neues. Mag sein das es wirklich nicht mehr viele Zeitzeugen aus jener dunklen Vergangenheit gibt, als ein gewisser Arnold Schwarzenegger zum Mr. Universum gekürt wurde (um die 1970er Jahre) und wie dann - spätestens Anfang der 80er Jahre - die sog. Muki-Buden wie Pilze aus den Böden geschossen sind. Hier hat man sich wieder auf einen "stählernen Körper" besinnen wollen.

Zu keinem Zeitpunkt war das "Äußerliche" egal, auch wenn das Schönheitsideal tatsächlich Moden unterworfen ist und es heute sicher eine "Todsünde" wäre, wie die damals Hippe Nena (damals wesentlich mehr Pop-Star als z.B. heute Lena) mit offensiv gezeigten Achselhaaren aufzutreten. Und dennoch war auch bei ihrem Styling nichts dem Zufall überlassen.

Wann stand denn der sogenannte "Charakter" eines Menschen jemals im Mittelpunkt des Interesses? Dabei spielt es keine Rolle, ob es um eine Beziehung geht, eine Bewerbung oder aber die Stellung innerhalb eines Sportvereins? Ehrlich gesagt kann ich mich nicht an eine solche Epoche erinnern - und ich erinnere mich aber sehr gut an Telefonzellen, gurtloses Autofahren und die Hitparade im ZDF.

» derpunkt » Beiträge: 9898 » Talkpoints: 88,55 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



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