Unterschied zwischen den Diabetiker Typen

vom 03.06.2012, 13:36 Uhr

Ich habe nun schon oft gehört, dass es verschiedene Diabetiker Typen gibt und so wie ich es verstanden habe, ist wohl der Typ 1 die Erkrankung, die in jungen Jahren entsteht und der Typ 2 ist praktisch Altersdiabetes. Stimmt das oder habe ich da was falsch verstanden?

Wie unterscheiden sich denn die verschiedenen Typen voneinander in der Behandlung und in den Begleiterscheinungen? Gibt es noch mehr Typen? Welches ist der "schlimmste" Typ und mit welchem kann man am einfachsten leben?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Früher hat man das tatsächlich so getrennt, aber mittlerweile stimmt das leider nicht mehr. Das liegt tatsächlich hauptsächlich an der heutigen Ernährung und dem Bewegungsmangel. Das sorgt dann dafür, dass der ehemalige Altersdiabetes auch bei jungen Leuten schon auftreten kann.

Beim Diabetes Typ 1 ist das Hauptproblem, dass der Körper einfach zu wenig Inuslin herstellen kann. Das ist so, weil der Körper Abwehszellen produziert, die die die insulinbildenden Zellen des Pankreas zerstören. Meistens hat das genetische Ursachen oder ist idiopathisch. Das Problem hier ist, dass man die Symptome erst sieht, wenn fast alle Zellen zerstört sind und deswegen nur noch eins gemacht werden kann: Insulin geben. Folglich ist der Typ 1 auch insulinpflichtig.

Das ist der große Unterschied zum Diabetes Typ 2. Der muss nämlich nicht zwangsläufig insulinpflichtig sein. Anders als beim Typ 1 hat man das bis zu einem gewissen Grad auch selber zu verantworten. Ernährt man sich besonders eiweißreich und fettreich, dann werden die Zellen resistent gegenüber dem Insulin, was aber noch gebildet werden kann. Die Zellen erhalten weniger Glukose, worauf der Körper mehr Insulin produziert. Muss der Körper nun kontinuierlich mehr produzieren, dann ist er irgendwann am Ende und produziert einfach nur noch wenig.

Am Anfang kann man es hier noch mit einer Diät versuchen und mehr Sport. Außerdem wird eine Reduzierung des Körpergewichts empfohlen,was auch schon Erfolge erzielen kann. In späteren Stadien gibt man dann Medikamente zur Unterstützung und erst ganz am Ende wird Insulin gespritzt.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge


Der größte Unterschied zwischen den beiden Typen ist der, dass du beim Typ I ein absoluter Insulinmangel besteht, während beim Typ II ein relativer Insulinmangel vorliegt. Folglich sind die Typ I-Diabetiker insulinpflichtig, die Typ II-Diabetiker hingegen versuchen es mittels mehr Sport und Ernährungsumstellung zu kompensieren. Darüber hinaus gibt es auch noch weitere, spezielle Typen, die sich aber eher in ihren Einzelheiten bzw. Entstehungen unterscheiden. Der Gestationsdiabetes ist zwar zum Beispiel auch ein Diabetes, allerdings eine Sonderform.

Die Pathogenesen sind ebenfalls unterschiedlich, der heutzutage weitaus dramatischere Formen annehmende Typ ist sicherlich der Diabetes Typ II: Dieser kommt nämlich in erster Linie durch erhöhte Zuckeraufnahme, kombiniert mit starkem Bewegungsmangel zustande. Genauer gesagt: Man nimmt einfach zu viel Zucker auf, der Körper (beta-Zellen des Pankreas) schüttet Insulin aus, die insulinabhängigen Gewebe (allen voran Muskulatur und Fettgewebe) nehmen diesen Zucker auf und speichern ihn in Form von Fett ab, weil man ja viel mehr Zucker aufgenommen hat, als der Körper eigentlich benötigt. Das Fettgewebe ist nun in der Lage bestimmte Signalstoffe (rund 8-10!) auszuschütten, einer davon ist der TNF-alpha: Diese Substanz hemmt das Insulin in seiner Wirkung, so dass es am Zielgewebe nicht mehr ordnungsgemäß wirken kann.

Den aktuellen Forschungsergebnissen zu Folge wird die Insulinwirkung auf Ebene der intrazellulären Signalkaskaden gehemmt: Es kann zwar an die Zellen als Hormon binden, kann aber keine Reaktion auslösen! Als Folge der Insulinunempfindlichkeit reichert sich durch die stark zuckerreiche Ernährung der Zucker im Blut an, was wiederum eine erhöhte Insulinausschüttung nach sich zieht. So kommt es dann irgendwann - die beschriebenen Prozesse dauern Monate, gar Jahre an, bis es zur ausgeprägten Symptomatik kommt -, dass die beta-Zellen erschöpft sind und einfach kein Insulin mehr ausschütten. Nun kann man, vermute ich mal, selbst als Laie unschwer erraten, dass an dieser Stelle eine medikamentöse Therapie in Form von Ausschüttungsstimulation eher kontraproduktiv ist und Sport und Ernährungsumstellung die beste Therapie darstellen, um einfach den Stoffwechsel wieder in die physiologische Bahn zu lenken.

Das ist wohl auch der Grund, warum der Typ II-Diabetes als Altersdiabetes bezeichnet wurde, wobei heutzutage immer mehr junge Menschen daran erkranken, aufgrund der besagten Situationen. Weiterhin erwähnenswert ist in dieser Angelegenheit, dass Insulin ein anaboles Hormon ist und somit sämtliche anabole Stoffwechselpozesse ankurbelt: So kommt es nicht von ungefähr, dass Typ II-Diabetiker beispielsweise weiter an Gewicht zunehmen, denn das Insulin stimuliert die entsprechenden Fettaufbau-Prozesse, so dass weiterhin eifrig Fettgewebe aufgebaut wird, welches wiederum Anti-Insulinsubtanzen ausschütten. Proteinaufbau wird zwar - wenn auch nicht im gleichen Maße - auch gefördert, allerdings bezweifle ich, dass der Großteil der Bevölkerung sich eher protein- als fettreich ernährt.

Der Typ I-Diabetes hingegen tritt eher akut auf - auch ein wichtiges Kriterium zur Unterscheidung der Diabetes-Typen: Die Gründe können allerdings vielfältig sein. So kann er beispielsweise, wie mein Vorredner bereits schrieb, idiopatisch auftreten, genetisch bedingt sein, oder aber Folge einer viralen Erkrankung sein. Das wird nämlich mit Mumps in Verbindung gebracht, was ja eine virale Erkrankung ist. Zwar ist beim Mumps primär die Ohrspeicheldrüse (Parotis) betroffen, allerdings sind die Viren scheinbar auch in der Lage andere Drüsen zu zerstören, so auch das Pankreas. Zu guterletzt gibt es dann noch die Form der Autoimmunerkrankung, wo der Körper Antikörper gegen das körpereigene Gewebe produziert. Zur Diagnose schaut man sich im Blut die entsprechenden Antikörper gegen die Tyrosinphosphatase IA2-AK oder entsprechende Inselzellen an, die speziell gegen die insulinproduzierenden Zellen gerichtet sind.

So gilt festzuhalten, dass beim Typ I-Diabetes die Patienten insulinpflichtig sind und dementsprechend auch geschult werden, während bei den Typ II-Diabetikern vielmehr die Ernährungsumstellung und die sportliche Betätigung im Vordergrund stehen (sollten). Mit dem richtigen Ansatz ist nämlich vor allem der Typ II-Diabetes sehr gut in den Griff zu kriegen, ohne wirklich an Lebensqualität verlieren zu müssen. Meist hapert es eher an den Gewohnheiten, weil die medikamentöse Therapie doch ohne großen Aufwand verbunden scheint und einfacher umsetzbar zu sein scheint.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge



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