Wie der Familie eine Krankheit beibringen

vom 26.03.2008, 21:09 Uhr

Ich weiß nicht, ob jemand von euch bereits einmal in der Situation war, der restlichen Familie eine schwere Krankheit von sich selbst oder einem anderen Familienangehörigen beizubringen. Ich selbst habe das bislang noch nicht machen müssen, sondern hab nur Erfahrungen damit Todesnachrichten anderen für mich fremde Leute zu überbringen und diese danach zu betreuen. Bei der eigenen Familie geht es einem emotional noch schlechter, als es bei einem Fremden der Fall ist. Zumindest geht es mir so.

Jetzt habe ich von inzwischen mehreren Ärzten eine nicht sehr schöne Diagnose bekommen, und ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher ob ich es meiner Familie sagen soll oder nicht. Auf der einen Seite würde ich es gerne verschweigen, doch würden sie es über kurz oder lang doch mitbekommen und mich dann fragen wieso ich nicht eher was gesagt habe. Zudem ich demnächst weit weg ziehen werde von meiner Familie, würde sie davon nicht viel mitbekommen ausser am Telefon. Ich meine damit, die ganzen spontanbesuche würden sehr selten werden und demnach auch von den äusserlichen Veränderungen würden nicht auffallen. Auf der anderen Seite will ich es ihnen doch sagen, denn es gibt ihnen Gewissheit und ein Gefühl der Aufklärung. Nur hab ich ehrlich gesagt keine Ahnung wie ich es machen soll und vor allem wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, ob jetzt gleich zu Anfang der Krankheit um jemanden zum "durchstehen" zu haben oder das ganze erst später aufzuklären und sich solang auf andere Freunde und Kollegen stützen die in der nähe sind.

Wie gesagt, werde ich in spätestens 1,5 Monaten von hier wegziehen und solange ließe sich das bestimmt verheimlichen da ich auch solches Patientenklientel kenne und diese auch gefahren habe in meinem Beruf. Bei manchen hat man es auch bis nach dem Durchstehen der der Krankheit nicht viele Veränderungen bemerkt ausser Depressionen und Gewichtsverlust. Wie das allerdings bei mir ablaufen wird, kann keiner wissen und darüber kann mir auch kein Arzt eine aussage treffen. Bislang fällt es schon auf, da ich nach der Diagnose weniger auf Arbeit bin und mehr Zeiten zuhause verbringe und demnach auch öfters Online angezeigt werde im ICQ wenn ich mit meinen Schwestern chatte oder auch öfters ans Telefon gehe als mein Anrufbeantworter. Inzwischen wurde ich auch gefragt ob etwas los ist, und bislang leugne ich alles - nur ein paar Freunden habe ich mich bislang anvertraut die ich seit Jahren kenne und die schon ganz andere Dinge mit mir durchgemacht haben. Bei meiner Familie weiß ich es halt nicht, da ich zu meinen Eltern kein wirklich gutes Verhältnis habe, und wenn wir miteinander telefonieren es nur um Smalltalk geht oder eben finanzielle Ansprüche. Wirklich ausgetauscht, haben wir uns seit 6 Jahren nicht mehr über das Privatleben im tieferen Sinne. Mit meinen Schwestern habe ich ein sehr gutes Verhältnis, aber ich denke einfach sie sind zu jung und unreif dafür wenn ich ihnen das mitteile auch wenn sie mit 18 Jahren bzw. 16 Jahren keine kleinen Kinder mehr sind, haben sie doch noch eine sehr naive Sichtweise der Dinge. Deswegen weiß ich gerade gar nicht was ich machen soll, und mich würde mal interessieren was ihr darüber denkt oder wie ihr in meiner Situation handeln würdet ?

Ist auch ein Grund wieso ich mich die letzten Tage und Wochen auch hier weiter zurück gezogen habe und weniger Poste, da ich einfach Zeit zum Nachdenken brauchte. Aber auch nach mehreren Tagen hab ich nicht wirklich ein Ergebnis bekommen, der Kopf sagt nein und der Bauch ist sich noch unentschlossen. Normal verlasse ich mich auf das Bauchgefühl wenn ich unsicher bin, aber das es so schwankt bei einer Entscheidung, hatte ich noch nie.

Anrufen find ich den schlechtesten Weg, allerdings find ich es auch ein dummes Gefühl jemanden gegenüber zu stehen oder zu sitzen und es dann mitzuteilen. Und das ganze als Brief zu schicken ist wohl auch eher Albern und wird für einen schlechten Scherz gehalten. Zudem weiß ich nicht, wer diesen Brief daheim öffnet. Mit meinem Vater hab ich gar keinen Kontakt mehr nachdem er sich eine neue Geliebte zugelegt hat und meine Mutter ist seither auch seltsam reserviert geworden gegenüber uns Kindern ... Also auch nicht das beste Verhältnis, nur das untereinander hat sich seither bestärkt und deswegen fänd ich es nur fair wenn sie es Erfahren würden. Jedoch kann ich keinerlei Aussagen darüber treffen, wie meine Geschwister reagieren. Die Stillen sind meistens die schlimmsten, und das würde auf meine Schwestern zutreffen - denn so war es bislang immer wenn die Todesnachricht von einem Familienangehörigen kam oder Probleme aufgetreten sind. Sie haben alles in sich reingefressen und mit niemanden geredet.

Liebe Grüße
Sorae

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» Sorae » Beiträge: 19435 » Talkpoints: 1,29 » Auszeichnung für 19000 Beiträge



Hallo Sorae,

mir war es auch schon aufgefallen, dass du in letzter Zeit viel seltener online bist als noch vor 2 Monaten. Egal was das für eine Diagnose bei dir ist, es tut mir auf jeden Fall sehr leid für dich und ich hoffe, dass du das einigermaßen durchstehen kannst.

Mit dem Überbringen der Nachricht ist das so eine Sache, ich zum Beispiel habe ein sehr intensives Verhältnis zu meinen Eltern und würde es ihnen dann schon allein deshalb sofort sagen, weil sie mir sehr viel Trost und Halt geben würden. Und ich weiß, dass ich diese Unterstützung auf jeden Fall brauchen würde, weil ich in der Hinsicht nicht so eine Einzelkämpfernatur bin. Wenn du jedoch keinen so guten Kontakt zu deinen Eltern hast, ist die Sache natürlich komplizierter. Es stellt sich die Frage, ob sie dich unterstützen würden oder nachsichtiger mit dir wären, oder ob sie vor lauter Sorge um dich kaputt gehen würden? Bei deinen Schwestern klang das ja fast so, darum würde ich mit ihnen vielleicht erst mal noch nicht reden.

So etwas per Telefon zu sagen halte ich auch nicht für den richtigen Weg, wenn dann sollte das schon persönlich stattfinden. Vielleicht erwischst du deine Mama ja in nächster Zeit mal in einer ruhigen Minute und kannst das mit ihr bereden? Ich fände es jedenfalls auch nur fair, wenn es deine Eltern relativ bald erfahren würden und nicht irgendwann in ein paar Monaten aus allen Wolken fallen würden. Manchmal reicht es ja auch, einfach nur die Karten auf den Tisch zu legen und man fühlt sich selbst viel befreiter, weil es einfach raus ist.

Aber letzendlich ist das natürlich ganz allein deine Entscheidung und du musst abschätzen, wann du es deinen Eltern sagst, nur sagen würde ich es auf jeden Fall und wenn nicht sofort dann auf jeden Fall irgendwann demnächst.

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» Grooovegirl » Beiträge: 3409 » Talkpoints: 11,54 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Hallöchen,

Was auch immer für eine Diagnose bei dir gestellt wurde. Ich wünsche dir erst einmal viel Kraft und alles gute.

Ich sehe es ähnlich wie groovegirl. Es kommt auf das Verhältnis zu den jeweiligen Personen an. Meinen Eltern würde ich es mit Sicherheit sagen,einfach weil ich auch die Unterstützungbräuchte und ich denke sie würden mir Halt geben.

Mich würde auch irgendwo das schlechte Gewissen plagen, wenn ich sie im Ungewissen ließe, denn ich denke ich müsste ihnen das beibringen. Man weiß ja nie was ist,aber ich denke sie würden es nicht so schön finden,wenn ich sie was meine Gesundheit betrifft im Ungewissen ließe. Auch wenn ich sie vielleicht auf den ersten Blick damit zu beunruhigen scheine (ich würde auch nicht wollen,dass sie sich Sorgen machen), sie haben immerhin die Chance sich damit anzufreunden.

Auch würde es sicher meinen Freund entlasten,wenn mir mehrer Personen Halt geben und das nicht nur auf ihm alleine ruht. Denn das wäre auch eine schwer Bürde, die er da zu tragen hätte. Was andere Bekannte und Verwandte betrifft. Ich glaube denen würde ich das nicht zwangsläufig sagen, vielleicht einer sehr guten Freundin, komtm darauf an, um was es sich handelt.

Telefon ist für so etwas nicht das richtig, ich würde das auch persönclih überbringen,auch wenn das ein schwerer Schritt ist.

Ich weiß nicht, wie man sich da fühlt,aber ich weiß wie es ist, wenn man so etwas gesagt bekommt udn ich bin froh,dass manmir das gesagt hat. Mein Vater ist sehr schwer krank und im Grunde könnte er jeden Tag sterben. Mir wurde das früh gesagt und es hilft mir eben auch, das ich weiß, dass es prinzipiell passieren kann. So ist es besser, als wenn er eines Tages nicht mehr da ist und das ganz überraschend kommt... das wäre für mich nicht verkraftbar.

Liebe Grüße
winny

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» winny2311 » Beiträge: 14929 » Talkpoints: 2,74 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Erstmal Dankeschön an euch beide.

Ich weiß nicht wann der beste Zeitpunkt ist, meine Mutter gerade mal 5 Minuten alleine zu erwischen ist eher der seltene Zeitpunkt. Zudem sie dann auch nicht immer in der Verfassung ist, dass man mit ihr ein ernstes Gespräch führen kann da sie auch Probleme hat.

Ich denke mein großer Bruder würde das ganze sehr gefasst sehen, mit ihm hab ich aber auch weniger Kontakt seit einiger Zeit bzw. seit er eine Freundin hat. Denn seither interessieren ihn ganz andere Dinge, aber er ist halt schon erwachsen und nimmt die Dinge wie sie sind. Bei meinen beiden Schwestern kann ich es schlecht einschätzen, da ich lange für sie die Mutterrolle übernommen habe nachdem sich mein Vater eine Geliebte gesucht hat und sich von seiner eigentlichen Familie abgewendet hat. Daran sind beide schon fast kaputt gegangen, und deswegen hatte ich damals auch mein Abitur hingeworfen um mich um beide kümmern zu können und zu sorgen, dass sie wieder ein geregeltes Leben haben mit jemanden der ihnen zuhört und mit Rat und Tat zur Seite steht. Das hat sich die Jahre über nicht geändert, aber inzwischen kann ich nebenbei auch noch mein Leben leben und nicht wie damals, alles für die beiden aufzugeben. Deswegen fänd ich es auf der einen Seite nur fair wenn sie es Erfahren da wir immer ehrlich miteinander umgehen, aber andererseits denke ich, macht es sie kaputt und ausschliessen kann ich es auch nicht, dass ein Hilfeschrei kommen wird ...

Ich mach mir seit Tagen gedanken darum wie man es ihnen beibringen könnte, ohne das sie gleich in ein tiefes Loch fallen. Möglich wird dies nicht sein, da jeder Mensch anders drauf reagiert und das würde ich erst nach der Mitteilung sehen. Diese Entscheidung ist eine, die ich nicht wirklich gerne treffen würde und meine momentane Meinung dazu ist, verschweigen solange es geht. Das kann sich aber in 5 Minuten wieder ändern, wenn ich weiter nachgedacht habe ...

Liebe Grüße
Sorae

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» Sorae » Beiträge: 19435 » Talkpoints: 1,29 » Auszeichnung für 19000 Beiträge



Hallo Sorae,

ich weis nicht wie krank du bist, denn das hast du nicht geschrieben. Ist es eine Krankheit die geheilt werden kann oder ist es eine Krankheit bei der die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist wieder Gesund zu werden? Ich weis, das ist eine sehr indiskrete Frage, aber das wäre für mich ein Entscheidungsgrund ob ich es jemandem erzähle oder nicht.

Ich denke es hilft dir in diesem Falle auch nicht weiter wenn ich dir schreibe wie ich reagieren würde, würde dieser Fall eintreffen, da wir beide verschiedene Verhältnisse zu unseren Eltern haben und auch unsere Freunde verschiedene sind. Daher lass ich das auch weg.

Liebe Grüße von der
Laufmasche

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» Laufmasche » Beiträge: 7540 » Talkpoints: -37,09 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Hallo Sorae, ersteinmal gute Besserung und ich hoffe du wirst wieder gesund.

Du hast geschrieben, dass du ehr Kontakt mit deinen Schwestern hast, als mit deinen Eltern. Ich denke dann haben sie es auch verdient, dass du es ihnen erzählst. Es lässt sich aus der Ferne immer leicht sagen, wie man es selber machen würde, aber gerade weil du bald weggehst, könntest du deine Schwestern doch zu dir einladen und ihr verbringt einen schönen Abend zusammen und du versuchst es ihnen schonend beizubringen.

Je ehr desto besser, denn dann haben sie noch die Möglichkeit dich öfter zu sehen und du bist nicht so weit weg, wie es nach deinem Umzug der Fall wäre. Außerdem könntest du selber dann sehen, wie sie es verkraften und bei Fragen wärst du dann ja direkt noch da und ihr müsstet so was nicht über ICQ oder wie auch immer besprechen.

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» akasakura » Beiträge: 2635 » Talkpoints: 1,50 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ich wünsch dir auch erstmal alles Gute, das du das gut verkraftest.

Und ich rate dir, es deiner Familie zu sagen. Denk nicht darüber nach, wie sie die Nachricht auffassen, sondern sieh es von der Seite, das sie die Wahrheit wissen und dann entscheiden können, ob und wie sie dir beistehen können. Bei deinem Bruder denke ich mal, das er sich einfach in der ersten Verliebtheit ein bisschen zurück gezogen hat. Ist normal, aber er wird zu dir stehen, wenn er die Wahrheit kennt.

Weiterhin vermute ich mal, das sich das Verhältnis zu deiner Mutter dadurch auch verbessern wird. Meist rücken die Menschen ja erst durch schlechte Nachrichten zusammen. Und auch deinem Vater solltest du die Chance auf Wahrheit einräumen. Allerdings würde ich es da erstmal auf den schriftlichen Weg versuchen.

» Punktedieb » Beiträge: 17273 » Talkpoints: 85,15 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Ob ich es meiner Familie erzählen würde? Ich würde sagen: jain, abhängig davon ob es heilbar ist oder nicht. Ich gehe mal davon aus, dass es kein Pappenstiel sein wird - wegen einer Grippe würdest Du sonst auch kaum fragen.

Wenn es heilbar ist oder die Chancen, dass es bei mir heilbar ist gut stehen, würde ich es verschweigen und meine Familie damit nicht belasten. Allerdings ist das Verhältnis zu meinen Eltern / meiner Familie fast nicht existent, daher hätte ich auch die Angst, falsches Mitleid zu provozieren was ich nicht haben will - oder dass meine Familie sich Sorgen machen würde und versucht das Verhältnis künstlich aufzubessern oder ich andere noch damit runterziehe.

Wenn es nicht heilbar ist oder die Chancen auf Genesung sehr schlecht stehen würde ich es dann sagen, wenn ich keine Möglichkeit hätte dies (weiter) zu verschweigen bzw. mich in Ausflüchte / Ausreden flüchten müsste. Da hat bei mir dann die Wahrheit Vorrang, da ich mich selbst zusätzlich zu der Krankheit nicht noch unnötig durch ein Lügenkonstrukt, welches ich noch nebenbei stützen müsste, belasten möchte wenn ich "andere Sorgen" hätte. Und irgendwann kommt es dann raus und man selbst bekommt es noch angekreidet und steht als der Buhmann da, weil man es nicht eher gesagt hat. Dann wird aus dem Opfer mal schnell der Täter gemacht, auch um eigene Schuldgefühle zu unterdrücken.

Was ich noch in meine Entscheidung einbeziehen würde: Wenn mir eine deutlich erfolgreiche Genesung / besserer Krankheitsverlauf nur durch finanzielle Aufwendungen möglich wäre (weil die Kasse es nicht zahlt), die ich selber nicht (mehr) leisten könnte und meine Eltern das entsprechende Kapital hätten würde ich sie vielleicht eher damit vertraut machen. Aber das hängt von der Einzelsituation ab - ich würde es, da kenn ich mich und das Verhältnis zu meinen Eltern gut genug, wahrscheinlich aus (falschem) Stolz nicht machen auch wenn dies ein Fehler sein könnte.

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» Subbotnik » Beiträge: 9308 » Talkpoints: -7,05 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Oh je liebe Sorae, da hoffe ich für Dich, dass es nichts allzu Schlimmes ist. Etwas das heilbar ist oder womit man zumindest gut leben kann, wenn man sich erst mal damit vertraut gemacht hat. (Was bei Dir sicher einfacher und schneller zu bewerkstelligen ist, bei Deinem Beruf.)

Wie geht es Dir denn mittlerweile, hast Du schon mit Deiner Familie gesprochen? Sicher. Trotzdem noch einige Gedanken zum Thema, da vielleicht andere auch dieses Problem haben.

Ich hatte dieses Problem vor etwas über einem Jahr. Allerdings ließ es sich bei mir gar nicht verheimlichen, da vor der endgültigen Diagnose etliche Untersuchungen anstanden. Trotzdem war die endgültige Diagnose schon ein ziemlicher Schock (für alle) und eine Zeit lang wurde es geleugnet. Du doch nicht, zu jung und immer gesund ernährt. Na ja, was da halt noch so für Ausreden kamen, die verdrängen sollten, was eigentlich fest stand, aber nicht sein durfte.

Wenn das Verhältnis zur Familie ziemlich zerrüttet ist, dann würde ich eher nichts sagen. Allerdings würde ich wie Subbotnik in einigen Ausnahmefällen schon etwas verlauten lassen.

Ausgehend von einem guten Verhältnis zur Familie: da würde ich (auch wenn ich die Wahl hätte, eine schwere Erkrankung zu verheimlichen) relativ früh reinen Wein einschenken, damit sich die Mitmenschen an den Gedanken gewöhnen können, so blöd das auch klingen mag. Der Vorteil ist dann auch der, dass man mehrere Stützen hat, die einem helfen können, wenn es wirklich nötig ist. Weil es ja auch immer schwierig ist vorherzusagen, wer wie stabil (emotional/psychisch aber auch physisch) auf eine bestimmte belastende Situation reagiert. Gut wäre es vielleicht auch, wenn man sich zumindest schon etwas mit der Diagnose beschäftigen konnte. Ich weiß nicht, wie es bei Dir ist. Aber vielleicht kann man ja etwas dazu sagen, wie gut die Heilungschancen stehen oder wie gut ein Leben mit dieser Krankheit möglich ist. So ist es bei mir und das war dann doch für das Umfeld beruhigend.

Am besten ist für so ein Gespräch sicher das von Auge-zu-Auge, trotzdem ist es sicher nicht so einfach den richtigen Zeitpunkt zu wählen. Hier kann man vielleicht schon mal telefonisch nachhaken, wann denn Zeit für ein längeres Gespräch ist. Ansonsten spielt sicher auch Intuition für die Wahl des Zeitpunkts eine Rolle.

» JotJot » Beiträge: 14058 » Talkpoints: 8,38 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Ich hätte nicht wirklich damit gerechnet, dass ich nach so langer Zeit noch ein paar Antworten auf das Thema bekomme. Deswegen erst einmal ganz herzlichen Dank. Es ist jetzt zwar schon fast zwei Monate her, dass ich diese Thema eingestellt habe, aber es hat sich noch nicht wirklich etwas geändert. Ich habe es bislang weder meinen Eltern, noch meinen Schwestern erzählt und trage das weiterhin mit mir alleine rum.

Es ist zwar schon einigen Aufgefallen, dass ich anderes geworden bin aber bislang konnte ich alles gut auf die Arbeit abschieben. Es weiß auch niemand, dass ich seither wirklich nur noch einen oder zwei Tage die Woche auf Arbeit gehe (manchmal auch ein bisschen mehr wenn es mir gut geht) und ansonsten die meiste Zeit im Krankenhaus verbringe. Wenn jemand anrufen wollte und ich nicht rangegangen bin, dann hatte ich halt gerade ein Einsatz und als Rettungsassistentin ist es auch nicht ungewöhnlich in einem Krankenhaus zu stehen. Also selbst wenn sie es über die Hintergrundgeräusche rausfinden könnten wo ich bin, wissen sie immer noch nicht das ich als Patient da bin und nicht dienstlich.

Der Umzug steht jetzt auch in einer Woche an, und dann werde ich gar keinen Sichtkontakt mehr mit meinen Eltern haben, vielleicht noch zu Weihnachten und zum Geburtstag aber die meiste Zeit bin ich mehrere hundert Kilometer entfernt. Bis jetzt hab ich es auch alleine geschafft, und ich hoffe, dass es auch so weiter geht. Nur sieht man es inzwischen auch schon was mich plagt, und wenn ich nicht jeden morgen länger im Badezimmer beschäftigt wäre, dann würde es auch schon auffallen wenn man nicht komplett wegschaut.

Anfangs habe ich so gedacht wie du es geschrieben hast Subbotnik, aber ich würde von meinen Eltern das Mitleid bekommen und das möchte ich nicht. Egal wie die Chancen stehen, dann hätten sie noch mehr ein schlechtes Gewissen über meine verkorkste Kindheit an der sie nicht gerade unschuldig waren und an dem Bruch der schon sehr früh eingetreten ist. Bislang versuchen meine Eltern den Schaden und den Schmerz den sie mir damit angetan haben, mit Geld zu stopfen und damit in erster Linie ihr Gewissen zu beruhigen. Finanziell sind sie sehr gut gestellt, und so meinen sie sich alles andere kaufen zu können. Diese Einstellung und das Verhalten geht mir schon lange total gegen den Zeiger, so dass ich das Geld eigentlich gar nicht annehmen wollte. Deswegen wird es mir inzwischen Monatlich aufgenötigt auf ein extra Konto und extrem großzügigen Geld- und Sach Geschenken zum Geburtstag, Weihnachten etc. In der Hinsicht fühle ich mich sonst wieder "abhängig" von ihnen, und sie meinen auch, dass ich sie noch brauche was eindeutig nicht der Fall ist. Aber finanzielle Mittel sind vorhanden und da bräuchte ich gar nicht erst extra fragen gehen und "bittstellen". Als Kind hätte ich sie gebraucht, aber jetzt als Erwachsene Frau mit festem Einkommen und genug Erfahrung wo ich mir Liebe und Zuneigung holen kann, brauche ich sie nicht mehr. Wenn ich vorbei schaue, dann ist es nur eine Höflichkeitsform und um meine kleineren Geschwister zu besuchen. Sobald diese aber auch von Zuhause ausgezogen sind, werde ich mich auch nicht mehr bei meinen Eltern melden geschweige denn blicken lassen. Denn das einzigste was mich mit ihnen verbindet ist das Erbgut und der selbe Nachname ...

Inzwischen habe ich mich dazu entschieden es allen zu verheimlichen in meiner Familie und das ganze mit mir selbst auszumachen. Und wie Subbotnik bereits gesagt hatte, für eine Grippe oder anderem Kleinkram würde ich gar nicht erst fragen und es weiterhin selbst ausmachen. Ich meine eine Grippe geht nach ein paar Tagen wieder rum, das geht momentan nicht so einfach. Die Chancen stehen ausreichend gut, um sich noch an etwas klammern zu können um es vorsichtig zu sagen. Aber ich bin auch dabei die Zeit die ich jetzt noch gut alleine klar komme so schön wie möglich zu machen. Dazu gehört eine große Wohnung, neues Auto, neues Motorrad (und noch weitere "Luxusgüter in der finanziellen Hinsicht) und auch mehr Zeit unter und mit Leuten zu verbringen, zudem ich früher nicht gekommen bin und es nicht als so wichtig erachtet habe. Zudem lege ich mir gerade ein komplett neues Styling zu, und hoffe damit noch ein wenig Frieden zu bekommen und nicht mehr ganz so unzufrieden mit mir und meiner Situation zu sein. Noch bin ich zuversichtlich und ich denke auch immer noch, dass sich positives und optimistisches Denken auf den Prozess auswirkt. In Selbstmitleid und Pessimismus kann ich immer noch versinken, aber erstmal möchte ich daran nicht denken.

Liebe Grüße
Sorae

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» Sorae » Beiträge: 19435 » Talkpoints: 1,29 » Auszeichnung für 19000 Beiträge


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