Ist Rauchen vor der Schwangerschaft schädlich?

vom 28.05.2012, 09:05 Uhr

Das Rauchen allgemein ungesund ist, ist allgemein bekannt. In der Regel halten Raucher trotzdem an ihrem Laster fest, können entweder nicht aufhören (meinen sie zumindest) oder sehen keinen Grund aufzuhören. Lediglich in der Schwangerschaft verändert sich diese Ansicht bei vielen Frauen- auch wenn es immer noch viel zu wenige sind, die dann wirklich aufhören.

Doch reicht es wirklich aus, direkt zu Beginn der Schwangerschaft das Rauchen einzustellen? Oder auch schon kurz vorher, so dass in der Schwangerschaft gar nicht mehr geraucht wurde. Speichert der Körper nichts von den giftigen Stoffen und gibt sie dann eventuell doch weiter?

Mir kam dieser Gedanke, als eine Mutter mir erzählte, dass eines ihrer Kinder zu früh zur Welt kam, obwohl sie bereits zu Beginn der Schwangerschaft das Rauchen einstellte. Ihr erstes Kind hingegen kam trotz Rauchersünden planmäßig und gesund zur Welt. Ich kann mir ehrlich gesagt gut vorstellen, dass Rauchen vor der Schwangerschaft sich trotzdem negativ auswirkt. Welche Ursache nun genau zur Frühgeburt oder auch Behinderungen führt, kann soweit ich weiß gar nicht immer nachgewiesen werden. Aber gibt es dennoch Forschungen zum Thema Rauchen vor der Schwangerschaft und ob sich dies negativ auf das Kind auswirken kann?

Geht ihr als Raucherin davon aus, dass es wirklich ausreicht erst mit der Familienplanung aufzuhören mit dem Rauchen? Redet man sich so vielleicht auch manchmal raus, um nicht eher aufzuhören? Oder gibt es vielleicht so Wissen darüber, dass Rauchen vor der Schwangerschaft keinerlei Einfluss auf das Kind hat?

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» Trisa » Beiträge: 3323 » Talkpoints: 38,55 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Natürlich speichert der Körper die Giftstoffe wesentlich länger. Aber das Baby wird ja eher mit den Dingen versorgt, welche frisch in den Körper gelangen. Jedenfalls ist mir keine Dokumentation bekannt, welche einen Zusammenhang zwischen früherem Rauchen und Problemen in der Schwangerschaft beziehungsweise mit der Entwicklung des Kindes aufzeigen.

Ich selbst habe auch erst mit Bekanntwerden der Schwangerschaft aufgehört. Damals auf anraten meiner Ärztin über Reduzierung, da eben der Fötus lieber langsam entwöhnt werden soll. Ich habe gesunde Kinder zur Welt gebracht und wenn man nicht per Ultraschall festgestellt hätte, dass die Versorgung langsam von meinem Körper reduziert wird, wären sie sicherlich auch noch näher am errechneten Termin zur Welt gekommen. So kamen sie halt elf Tage früher.

Ich kenne aber auch Kinder, wo die Mutter die ganze Schwangerschaft geraucht hat. Selbst wenn sie wenig geraucht haben. Aber beide Kinder kamen wesentlich leichter zur Welt und waren auch recht unruhig. Zufrieden mit sich und der Welt waren diese Kinder nur, wenn die Mutter vor dem Stillen noch eine Zigarette geraucht hat. Ihnen hat echt das Nikotin gefehlt.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Soweit ich weiß, ist man nur sehr wenige Tage wirklich körperlich abhängig. Ich habe 2 Tage im Kopf. Nach einer Woche ist in jedem Fall jeder Raucher körperlich nicht mehr abhängig. Natürlich können noch Stoffe im Körper bleiben und die Schäden die das Rauchen angerichtet hat, werden nicht einfach verschwinden. So hat man zwar schon nach wenigen Wochen ein deutlich geringeres Risiko an den Folgen von Rauchen zu erkranken (Herzinfarkt und Co.), aber dennoch ist die Wahrscheinlichkeit höher, als bei Nichtrauchern. Allein aus diesem Grund denke ich, dass schon noch Stoffe zurück bleiben. Der eigentliche Suchtstoff ist jedoch immer nach kurzer Zeit aus dem Körper „geschwemmt. Ich kann es wirklich nicht nachvollziehen, wie Eltern rauchen können, gerade in der Schwangerschaft.

Ich habe auch geraucht und als wir uns entschieden haben, dass wir ein Kind möchten habe ich von einem auf den anderen Tag aufgehört. Das war im Februar und im Mai war ich dann schwanger. Bei uns gab es dann keinerlei Schäden oder Ähnliches mehr.

» Lara2011 » Beiträge: 1466 » Talkpoints: 0,19 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich denke, dass es nicht ausreicht, wenn man erst kurz vor der Schwangerschaft aufhört zu rauchen. Man sollte auf jeden Fall schon vorher aufhören, am besten, wenn man schon Zweifel hat, ob das mit dem Rauchen noch so weiter gehen kann. Wenn man dann an die Familienplanung heran geht, sollte das Rauchen schon längst aufgegeben werden. Denn der Körper muss ja erst einmal die Giftstoffe abbauen, die dem Körper lange Zeit zugeführt wurden. Und das geht nicht so von einen auf den anderen Tag. Ich denke auch, dass das Rauchen die geplante Schwangerschaft verzögert. Das sind ja alles Faktoren, die auf die Empfängnis beziehungsweise auf die Fruchtbarkeit einwirken.

» Jenna87w » Beiträge: 2149 » Talkpoints: 0,47 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ein Frauenarzt hat mir auf meine Frage hin mal erklärt, dass es da tatsächlich Auswirkungen gibt. Auch wenn das nicht bei jeder Frau exakt so eintritt, wenn man viele Frauen untersucht, dann kann man wohl Tendenzen sehen, die eindeutig sind. Vor meiner ersten Schwangerschaft war ich Gelegenheitsraucher. Ich war nicht abhängig und konnte auch locker wieder aufhören, ohne dass mir wirklich was fehlte. Mein erstes Kind war dann auch ein Schreikind, obwohl ich ein paar Monate vor der Schwangerschaft komplett aufgehört hatte.

Als ich eines meiner Kinder entband, war eine andere Mutter bei mir im Zimmer und deren Kind war auch ein Schreikind. Sie hatte in der Schwangerschaft nicht geschafft aufzuhören mit Rauchen, warum auch immer. Nach der Geburt hatte dieses arme kleine Wesen einen massiven Entzug und war nur nervös und unleidlich, wie man es von erwachsenen Rauchern auf Entzug auch kennt. Die Mutter war völlig fertig und machte sich ein schlechtes Gewissen. Die Kinderkrankenschwester riet ihr wunderlicherweise dann, weiter zu rauchen und zu Stillen, damit das Kind das Nikotin über die Muttermilch bekäme. Ich habe damals noch mit der Frau diskutiert, ob das wirklich sinnvoll ist, denn schließlich schiebt man das Problem nur nach hinten heraus. Man kann ja ein Kind nicht ewig stillen. Soll dann das Kind etwa selbst rauchen, wenn es nach dem Abstillen Entzug hat?

Eigentlich sollte damals kein Nikotin mehr in meinem Körper gewesen sein, zumindest nicht bis zum Ende der Schwangerschaft hin. Mein Kind hat auch nicht so schlimm geschrien, wie das von der oben beschriebenen Raucherin. Aber ich kann euch sagen, es hat mir gereicht. Ein Schreikind kann einem echt den letzten Nerv rauben, egal wie gerne man Kinder mag. Der Arzt meinte, dass die Giftstoffe wohl trotzdem noch nachweisbar sind, auch wenn ich eine Zeit vorher aufgehört hatte. Diese Giftstoffe bewirken, je mehr man raucht oder geraucht hat, dass die Kinder im Durchschnitt kleiner und leichter auf die Welt kommen als die von Nichtrauchern. Zudem altert die Plazenta schneller und verkalkt schneller, wodurch die Kinder dann nicht mehr so gut versorgt werden. Dies untersucht der Arzt zwar zum Ende der Schwangerschaft hin immer wieder, aber notfalls muss eben die Geburt eingeleitet werden, wenn die Plazenta zu früh schlapp macht. So gesehen schädigt das das Kind eben schon, weil es tendenziell einen schwereren Start ins Leben hat, als ein Kind einer Nichtraucherin.

Das Rauchen schadet ja auch dem Herz-Kreislauf-System der Mutter, schon lange vor der Schwangerschaft. Auch wenn die Frau das nicht so direkt merkt, vielleicht nur beim Sport etwas schneller aus der Puste kommt, ist das in der Schwangerschaft nicht so. Die Schwangerschaft bewirkt, dass das Herz-Kreislauf-System der Mutter einiges mehr an Blut pumpen muss. Wenn es durch das Rauchen sowieso schon angeschlagen ist, dann kann das eben schon zuviel sein und die Organe der Mutter an die Grenze der Leistungsfähigkeit führen.

Spätestens wenn man stillen will, treten die Schadstoffe aus den Zigaretten wieder auf. Vieles wird ja in dem Fettgewebe gespeichert und beim Stillen teilweise wieder in die Milch befördert. Wenn man wirklich eine starke Raucherin war, sollte man vielleicht überlegen, ob man die Milch erst mal untersuchen lassen möchte. Was Punktedieb sagt, dass das Baby während der Schwangerschaft nur mit den Dingen versorgt wird, die frisch in den Körper kommen, das wage ich zu bezweifeln. Mir ist bekannt, dass der Körper in der Schwangerschaft seine Vorräte angreift und ans Kind übereignet. Wenn man zum Beispiel zu wenig kalziumreiche Lebensmittel isst, werden die Kalziumdepots der Mutter ausgebeutet. Ob das der Körper dann chemisch rein bewältigt, weiß ich nicht.

Rauchen in und vor der Schwangerschaft ist also keine reine Privatsache der Frau. Es ist natürlich positiv, wenn die Frau aufhören will, besser während der Schwangerschaft als gar nicht, denn jede Zigarette weniger ist schon ein Gewinn für das Kind. Auch wenn einen persönlich nicht unbedingt eine Nebenwirkung trifft, ist zumindest die statistische Wahrscheinlichkeit gegeben und das sollte man gründlich bedenken.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Ich weiß nicht, ob man Kinder mit leichterem Geburtsgewicht so pauschal als Raucherkinder aburteilen kann. Ich rauche, wenn auch wenig, seit vielen Jahren. Beim ersten Kind hat mir meine Frauenärztin auch empfohlen, langsam aufzuhören. Ich habe bis zur Geburt ungefähr eine Zigarette am Tag geraucht. Meine Tochter kam mit Anschubsen einen Tag dem errechneten Termin zur Welt und wog 3.750 Gramm, war also mitnichten untergewichtig. Sie war ein ruhiges, ausgeglichenes Baby, hat schnell durchgeschlafen und war rundum brav und fröhlich.

Bei meinem Sohn habe ich noch weniger geraucht, höchstens mal eine am Wochenende, mal wochenlang überhaupt nicht. Der Kleine kam zwölf Tage vor Termin per Kaiserschnitt zur Welt (leider eine anatomische Notwendigkeit), hat sehr viel länger gebraucht, um durch zu schlafen, hat viel mehr geschrien und ist im Allgemeinen aufgedrehter und wilder und wird schnell ungeduldig.

So unterschiedlich können Kinder sein, und es hatte in meinem Fall eindeutig nichts mit Rauchen zu tun. Da hätte schon eher meine Tochter unruhig sein müssen, nicht mein Sohn. Ich bin sicherlich nicht dafür, in der Schwangerschaft zu rauchen, aber es ist halt wie bei allem, die Ausnahme bestätigt eben die Regel und nichts gilt für jeden.

Wenn man vor der Schwangerschaft aufhört, also mit dem Einstieg in die Planung würde ich sagen, was eigentlich sinnvoll ist, so habe ich das bei meinem Sohn auch gemacht, dann bekommt das Kind sicherlich nichts davon ab. Das Nikotin gelangt ja mit dem Inhalieren in den Körper und wird wieder abgebaut. Eine nachträgliche Belastung des Kindes ist damit wohl auszuschließen, denke ich.

» Thaddäus » Beiträge: 1011 » Talkpoints: 22,78 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Sogenannte Schreikinder sind ja nicht immer eine Folge vom Rauchen. Wenn die werdende Mutter während der Schwangerschaft viel Stress hat, so wirkt sich das auch auf das Kind aus. Das können besonders Mutter beurteilen, welche eben eine wirklich entspannte Schwangerschaft hatten und eine, wo sie recht viel Stress durch Job und dergleichen hatten.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



trüffelsucher hat geschrieben:Ein Frauenarzt hat mir auf meine Frage hin mal erklärt, dass es da tatsächlich Auswirkungen gibt. Auch wenn das nicht bei jeder Frau exakt so eintritt, wenn man viele Frauen untersucht, dann kann man wohl Tendenzen sehen, die eindeutig sind.

(...) Auch wenn einen persönlich nicht unbedingt eine Nebenwirkung trifft, ist zumindest die statistische Wahrscheinlichkeit gegeben und das sollte man gründlich bedenken.

Ich habe mich jetzt extra noch mal selbst zitiert um etwas klar zu stellen, was wohl überlesen wurde. Ich habe nie behauptet, dass das eine 1:1 Beziehung ist und dass Rauchen zwangsläufig Schreikinder, untergewichtige Neugeborene und Frühgeburten verursacht. Ich sprach von statistischer Wahrscheinlichkeit. Da passt ganz gut der Spruch, dass der Teich im Durchschnitt nur einen halben Meter tief war, jedoch trotzdem die Oma ertrunken ist. Ein Teil des Teiches ist so flach, dass nur die Füße nass werden. Das sind vergleichsweise die Kinder, denen nichts sichtbares fehlt. Dann muss es eben auch Stellen geben, die deutlich tiefer sind. Das sind dann die Kinder, die deutlich geschädigt werden.

Beim Teich weiß man in der Regel, wo die tiefen Stellen sind. Man weiß aber nicht vor der Schwangerschaft, ob das werdende Kind mehr oder weniger Folgen davon tragen wird. Meinen herzlichen Glückwunsch allen denen Kindern, denen nichts passiert ist, obwohl die Mutter rauchte. Aber es ist eben im gewissen Sinne eine Art russisches Roulette mit der Gesundheit des Kindes, wenn man darauf spekuliert, dass es eben schon gut gehen wird.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Mein früherer Dozent in Pädiatrie hatte dazu eine klare Meinung. Wenn möglich, sollte man eine Schwangerschaft immer planen und, gesetz dem Fall, dass man raucht, Alkohol trinkt oder schlimmeres zu sich nimmt, sollte man etwa ein Jahr vor der Schwangerschaft damit aufhören, spätestens jedoch ein halbes Jahr vorher. Denn auch wenn es keine direkten Giftstoffe mehr im Körper gibt, muss der Körper Zeit haben sich umzustellen und das Gleichgewicht zu erlangen, bevor es einen zweiten Kreislauf regeln muss.

Das Rauchen von Zigaretten und Alkohol sorgen schließlich für eine Veränderung des hormonellen Zustands, eine Verschlechterung des Blutkreislaufs und eine Vergiftung des Körpers. Dies alles wird an das Kind weitergegeben, natürlich in geringen Mengen, aber ich würde es dennoch nicht riskieren. Eine Rauchentwöhnung des Körpers dauert nahezu ein halbes Jahr, Hormonsystem- und Kreislaufnormalisierung ein wenig schneller, gerade, wenn es durch Sport unterstützt wird, aber man sollte sich schon gut überlegen, ob man seinem Kind von Beginn an schaden möchte oder lieber ein wenig zurück steckt.

» benutzer7 » Beiträge: 2116 » Talkpoints: 49,80 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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