Alltag möglich wenn man Selbstmordversuch überlebt hat?
In meinem Bekanntenkreis hat sich vor vielen Jahren mal jemand versucht selber zu töten. Ich habe dann jahrelang nichts mehr von ihm gehört und dann habe ich erfahren, dass er dennoch Jahre später verstorben ist. Er hat sich total zurückgezogen und ist in einer Klinik dann verstorben. Ich habe mich dann schon oft gefragt, ob nach einem Selbstmordversuch eigentlich der normale Alltag irgendwann wieder möglich ist.
Irgendwie hat derjenige ja in der Nachbarschaft und bei Bekannten immer das Bild eines Menschen, der sich selber töten wollte. Wie ist ein Alltag nach einem Selbstmordversuch eigentlich möglich oder muss so ein Mensch ein Leben lang in Behandlung sein? Muss derjenige ein neues Leben an einer anderen Stelle beginnen? Weg von allen Leuten die ihn kennen? Wie stellt ihr euch ein Leben nach einem Selbstmordversuch vor?
Ich denke, dass man da schön ganz schöne Probleme haben muss mit sich und seinem Körper, denn normalerweise hat der Körper einen Schutz, dass so etwas gar nicht erst so weit kommt. Wenn man es probiert hat, und ist daran gescheitert, ist das Leben danach sicher schwer. Für manche ist der Versuch ein Hilferuf, diese können dann sicher mit richtiger Behandlung wieder ein normales Leben führen. Ich denke, wenn man eine gute Therapie anfängt und diese auch durchzieht, solange sie eben andauert, hat man gute Chancen wieder ins Leben zu finden. Kommt man aber aus dem Sumpf der Depressionen nicht heraus, wird man es sicher immer wieder probieren oder sich wie in deinen Beispiel immer mehr zurück ziehen.
Solche Menschen brauchen Menschen, die sie lieben und hinter ihnen stehen an ihrer Seite. Manche kämpfen auch ein Leben lang wie ein Löwe, um die Depressionen weg zu bekommen und schaffen es einfach nicht und bringen sich dann um. Es ist ein schreckliches Krankheitsbild. Ich habe damit Erfahrung ich hatte selber so einen Fall in meiner Familie. Der Mann hatte Depressionen, jahrelang und immer hat er gekämpft es in den Griff zu bekommen es ist im nicht gelungen, und obwohl er Frau und Familie hatte, die immer zu ihm standen, warf er sich vor den Zug und beendete so sein Leiden. Bei manchen hilft nichts.
Oft wird versucht, mit Medikamenten alles wieder hin zu bekommen. Das ist meiner Meinung nach schwierig, denn Medikamente alleine bringen nichts. Eine gute Therapie und Tabletten für die schlimme Zeit danach können meiner Meinung nach zum Erfolg führen. Wichtig ist aber auch, dass die Person ein stabiles Umfeld hat, was Verständnis zeigt. Wenn man Menschen hat, die hinter einem stehen, kann man vieles schaffen, vielleicht ja auch den Weg zurück ins Leben.
In meiner Jugend gab es zwei Suizidversuche von Bekannten bzw. einer Klassenkameradin. Beide lebten danach ihren normalen Alltag weiter. Bei einem Mädel wusste es auch kaum jemand und es wurde kaum darüber gesprochen. Bei der anderen wusste einige Bescheid, sie machte noch einige Monate eine ambulante Therapie einmal in der Woche und währenddessen wurde manchmal darüber geredet. Allerdings ging es nach den ersten Wochen eher darum, wie sie am besten die Therapie schwänzen kann oder welche Jungs sie dort toll findet. Also schon alles normal.
Bei einem früheren Bekannten war es kein wirklicher Suizid, sondern er hat sich selbst eingewiesen, weil er Angst vor einer Kurzschlussreaktion hatte. Er war einige Tage in der Klinik. Dort war auch eine Frau, deren Hauptproblem nach einem Suizidversuch die Frage war, ob sie wohl rechtzeitig zu ihrer Prüfung entlassen werden kann. Schein also auch ganz so, als würde alles normal weitergehen sollen danach.
Und davon abgesehen ist es ja nicht so, dass auf einem Krankenschein "Suizidversuch" vermerkt ist, man einen Stempel auf die Stirn bekommt und alle Nachbarn informiert werden. Und die wenigsten Menschen werden sich öffentlich umbringen wollen.
Wie lange man in Behandlung ist oder nicht, hängt ja auch von einem selbst ab. Die Dame die unbedingt ihre Prüfung schreiben wollte, musste wie die meisten anderen auch mindestens drei Nächte ohne Auffälligkeiten in der Klinik bleiben und dem Psychologen glaubhaft versichern sich "draußen" nicht den nächsten Strick zu nehmen. Zu einer Behandlung kann man sowieso nur schwer gezwungen werden, vor allem nicht längerfristig.
Ich denke, dass es da wirklich mehrere Möglichkeiten geben kann, wie das Leben nach einem Selbstmordversuch aussehen kann und das ist insgesamt auch von mehreren Faktoren abhängig. In erster Linie ist wohl entscheidend, ob derjenige das Grundproblem, weswegen er sich umbringen wollte, in den Griff bekommt und gesund werden will. Wenn das nicht passiert ist wohl klar, dass ein normales Leben nicht möglich sein kann.
Man wird ja immer wieder an den Punkt kommen, wo man sich dann das Leben nehmen will und das merkt auch die Umwelt. Hat man aber schon einmal den Willen, dass man das Problem in den Griff bekommen möchte, dann muss man noch die Therapie durchhalten. Hier ist dann schon wichtig, dass man jemanden hat, der einen den Rücken steht und zu einem hält. Hat man das nicht, ist es schwierig. Und ja, ich denke dass es auch hart sein kann, wenn man von der Umwelt den Stempel aufgedrückt bekommen hat.
Ganz nach dem Motto: das ist doch der, der sich umbringen wollte. Aber wenn man da offene Menschen um sich hat, die einem quasi eine zweite Chance geben, dann kann das sicherlich auch vorteilhaft sein und bei der Genesung helfen.
Es kommt da meiner Ansicht nach sicherlich an, welche Gründe diese Person für den Selbstmord hatte. Es gibt Menschen, die wollen sich aus Depressionen heraus umbringen, selbstverständlich müssen diese Personen dann erstmal behandelt werden, weil es kaum möglich wäre, sie einfach wieder so in den Alltag zu integrieren, dass ganze würde einfach wieder von vorne los gehen. Es gibt aber natürlich auch andere Gründe, etwa unverarbeitete Probleme, sei es eine Trennung oder der Verlust eines geliebten Menschen, ein enttäuschender Vorfall, wie etwa eine Prüfung, bei der man durchgefallen ist. Solche Dinge müssen dann auch erstmal aus dem Weg geschafft werden, es geht darum die Gründe für den Selbstmordversuch herauszufinden und zu beseitigen, ansonsten ist dieser Person ein normales leben natürlich kaum möglich.
Wenn nun die Person selbst ihre Probleme verarbeitet hat, kommt es natürlich auch immer auf die Umgebung an, wie dieses das aufnimmt und damit umgeht. Ich würde mal behaupten, dass ein ehmals Selbstmordgefährdeter,der in guter Therapie war und gestärkt wieder in den Alltag zurückkehrt, weniger Probleme hat und auch damit zurecht kommt, dass vielleicht einige Bekannte nicht so recht wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen. Jemand der das ganze aber selbst noch nicht so wirklich verarbeitet hat, der wird mit Sicherheit auch wieder neue Probleme haben, weil er sich von der Gesellschaft mehr oder weniger ausgestoßen fühlt und der Kreislauf beginnt von neuem.
Letztendlich ist es aber auch eine Frage des Umfelds selbst, weil es einfach Menschen gibt, die können damit umgehen und andere wieder nicht. Ich weiß, dass es tatsächlich Menschen gibt, die einer Person, die sich selbst umbringen wollte, letztendlich total ablehnend gegenüber stehen, wieso das so ist, weiß ich nicht genau, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie einfach mit der Situationen überfordert sind und dann dicht machen. Für die Person die den Selbstmord begehen wollte, ist das natürlich alles andere als angenehm, hier sind auch wieder die eigenen Charakterstärken gefragt. Andere Personen reagieren dann wieder mit Mitleid, übertriebener Fürsorge oder tun so, als wäre nichts passiert.
Ich persönlich stelle es mir immer noch am angenehmsten vor, wenn Bekannte einen einfach selbst kurz auf das Thema ansprechen, es in den Raum bringen, damit es nicht die ganze Zeit ignoriert und verdrängt wird, sich einmal nach dem Befinden erkundigen und gut ist. Auf einmal den großen Freund zu spielen, obwohl man sich früher nicht gut kannte, finde ich übertrieben und ebenso unangebracht, wie den ganzen Vorfall einfach zu ignorieren. Es ist also nicht nur eine Frage der selbstmordgefährdeten Person selbst, wie sie damit umgeht, sondern auch eine Frage des Umfelds, wie hier reagiert wird und wie diese Person wieder aufgenommen wird. Letztendlich kann ich mir aber schon vorstellen, dass es gut möglich ist wieder in den Alltag zu finden, Personen die diesen Vorfall aber einfach nur vergessen wollen, werden sicherlich trotzdem einen Umzug aus dem gewohnten Umfeld heraus, vorziehen.
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