Schwangerschaftsdiabetes auch bei sehr schlanken Frauen?

vom 24.05.2012, 18:21 Uhr

Eine Freundin von mir ist gerade im siebten Monat schwanger und hat nun die Diagnose des Schwangerschaftsdiabetes bekommen. Bei ihr ist es etwas erstaunlich, da sie sehr schlank ist und im Grunde keine Risikofaktoren mit sich herumträgt. Bislang war mir eigentlich der Schwangerschaftsdiabetes bekannt, wenn man schon etwas dicker ist und/ oder es Familienmitglieder gibt, die bereits mit einer Insulinresistenz oder eben schon mit dem Diabetes Typ 2 zu tun haben.

Bislang muss meine Freundin auch nur drei bis vier Mal ihren Blutzucker messen und sie soll ein wenig auf ihre Ernährung achten, was sie auch tut. Da sie nicht aus Deutschland kommt und auch nicht hier lebt, weiß ich nicht, wie man in ihrem Land und auch an ihrem Wohnort sonst mit diesem Diabetestyp umgeht.

Aber woher kann es kommen, dass eine sehr schlanke Frau, ohne Vorbelastung in der eigenen Familie, ebenfalls eine solche Diagnose bekommt? Könnte es auch hier daran liegen, dass sie mit der Schilddrüse zu tun hat und dadurch der Stoffwechsel schon etwas durcheinander ist?

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



Meiner Freundin wurde die gleiche Diagnose in ihrer Schwangerschaft gestellt. Sie war sehr dünn aber trotzdem stellte man Schwangerschaftsdiabetes fest. Der Arzt meinte zu ihr, dass es an der ungesunden Lebensweise liegen kann. Sie aß am Anfang der Schwangerschaft sehr viel Süßigkeiten und kaum gesundes Obst. Ich denke das hängt halt damit zusammen. Denn das ungeborene Baby bekommt ja alles sofort ab.

» Jenna87w » Beiträge: 2149 » Talkpoints: 0,47 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Es ist zwar in der Tat so, dass es Risikofaktoren gibt, die eine Schwangerschaftsdiabetes begünstigen, aber das bedeutet eben nicht, dass nicht auch schlanke Frauen Diabetes bekommen können in der Schwangerschaft. In erster Linie geht man davon aus, dass die Schwangerschafthormone da eine große Rolle spielen und die haben natürlich auch schlanke Frauen.

Es ist außerdem so, dass auch schlanke Frauen eben ein Kind austragen und Insulin für zwei produzieren müssen. Auch da kann der Körper einfach nicht mehr nachkommen und entwickelt eben die Schwangerschaftsdiabetes. Wann kommt der Körper nicht mehr nach? Das kann einfach so passieren oder aber auch, wenn man eben ungesunde Lebensmittel konsumiert. Manche Frauen haben in der Schwangerschaft dann eben unheimlich Appetut auf Schokolade und wenn man das permanent vertilgt, kommt der Körper nicht hinterher und Zack hat man die Diabetes.

Und man kann ja auch schlank gewesen sein (in der Schwangerschaft sollte man dann ja doch zunehmen), weil man einen guten Stoffwechsel hat oder Sport macht oder auf die Ernährung achtet. Und dann kann sich das in der Schwangerschaft trotzdem ändern, weil man eben mehr Schoki isst und keinen Sport mehr macht. Die Figur ändert sich ja auch nicht so schnell, dass man dann gleich 50kg mehr drauf hat.

Man kann im Vorfeld eigentlich nur darauf achten, was man isst - wobei man sich da in der Schwangerschaft auch nicht zu sehr einschränken sollte. Man sollte schon bewusst essen, aber sich nicht ständig alles verbieten. Manche Frauen (mit Risikofaktoren meistens) entwickeln das trotzdem und manche begünstigen es eben dann selbst.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge



Nun ja, man sagt inzwischen, dass eine Insulinresistenz oder ein Typ 2-Diabetes eher durch eine stark fettige, als denn durch eine zuckrige Ernährung entsteht. Ist dies bezüglich bei einem Schwangerschaftsdiabetes denn anders? So viel ich weiß, isst meine Freundin an sich normal, sie hat auch recht viel Bewegung, sodass es bei ihr eben vielleicht wirklich am zu wenigem Insulin liegen könnte. Wobei ein Typ 2-Diabetiker -meines Wissens nach gibt es eine Verbindung zwischen dem Schwangerschaftsdiabetes und dem Diabetes Typ 2- ja genug Insulin produziert, es kann nur nicht entsprechend funktionieren, weshalb man da die Verwertung des vorhandenen Insulins ja angekurbelt wird.

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



@steph

Eine zuckerreiche Ernährung ist immer noch schlimmer als eine ausschließlich (!) fettreiche Ernährung, was die Entstehung des DM-Typ II angeht (die Kombination macht es dann im Endeffekt aus). Du hast es ja selbst schon schön erklärt, dass der Insulinspiegel immer weiter steigt, während es gleichzeitig nicht verwertet werden kann. Was den Insulinspiegel erhöht und die beta-Zellen des Pankreas zur Insulinsekretion antreibt, ist der Anstieg des Blutglucosespiegels. Zwar spielen da auch einige Aminosäuren eine Rolle, aber zu 99% wird Insulinausschüttung durch Glucose induziert. Fett hat da erstmal eine sekundäre Rolle, zumal Fett ohne Zucker erst gar nicht gespeichert werden kann.

Was den Gestationsdiabetes angeht, kann man nur spekulieren und alle möglichen Risikofaktoren aufzählen, die auch für die Entstehung des normalen DM gelten. Diese Überlegung beinhaltet allerdings einen großen Fehler: Während es beim normalen DM um einen einzigen Menschen geht, bei dem scheinbar ernährungsbedingt der Stoffwechsel entgleist ist (DM-Typ II), hat man bei Schwangeren ganz andere Bedingungen vorliegen. Allen voran unterscheiden sich erstmal die ganzen Hormone, zumindest was ihre Spiegeln angeht. Was für Funktionen die ganzen Hormone in ihrer Gesamtheit haben, weiß nach dem jetzigen Stand wohl keiner, fest steht allerdings, dass sie auch den Stoffwechsel beeinflussen können. Was da für weitere Faktoren mit eine Rolle spielen, kann ich nicht sagen, es kann gut sein, dass die üblichen Risikofaktoren auch ihren Teil dazu beitragen, genauso gut kann es aber auch sein, dass der Gestationsdiabetes zufällig auftreten kann. Es gibt ja auch immerhin übergewichtige Schwangere, die kerngesunde Kinder zur Welt bringen und selbst keinerlei Stoffwechselerkrankungen aufweisen.

Weiterhin sei auch erwähnt, dass der Gestationsdiabetes in den meisten Fällen temporär ist. Diese Tatsache spricht dann doch zum Großteil dafür, dass primär die hormonelle Umstellung eine Rolle zu spielen scheint. Nach der Schwangerschaft ist für die Frau das Risiko in den nächsten 10 Jahren an DM-Typ II zwar etwa 45%, aber das heißt nicht, dass man auch zwangsläufig daran erkranken muss. Nach der Schwangerschaft bzw. der Umstellung der Hormone auf das Normniveau werden dann wohl dieselben Kriterien gelten wie beim normalen DM-Typ II auch, also Übergewicht, zuckerreiche Ernährung, Bewegungsmangel, etc.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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