Ab wann spricht man von Tablettenmissbrauch?

vom 16.05.2012, 11:01 Uhr

Heutzutage wird schnell mal nach einer Kopfschmerztablette gegriffen. Ich habe gehört, dass in der heutigen Zeit es ganz normal ist, dass man einfach in die Apotheke geht und sich Schmerzmittel kauft, ohne es mit dem Arzt abzusprechen. Auch verschreiben manche Ärzte sehr schnell Beruhigungsmittel, Schlafmittel und Schmerzmittel. Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig und auch mein Hausarzt verschreibt eigentlich ziemlich schnell Schmerzmittel.

Wie oft kann man Tabletten nehmen, ohne gleich von Tablettenmissbrauch zu sprechen? Wann sollte man allerhöchstens Tabletten nehmen? Kommt es auch auf die Tabletten an oder kann man auch von relativ harmlosen Medikamenten so süchtig werden, dass man einen Medikamentenmissbrauch betreibt? So sagte mir eine Bekannte mal, dass sie sich ohne ihre Vitamintabletten einfach nicht wohl fühlt und man hatte schon den Eindruck, dass sie diese wirklich braucht.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Tablettenmissbrauch fängt in dem Moment an, in dem man Tabletten aus Nichtigkeiten nimmt. Ein Beispiel hierfür kann sein, das manche Schmerzmittel unheimlich müde machen, und es Menschen gibt die diese einfach nur nehmen, um besser einschlafen zu können. Das ist bereits Tablettenmissbrauch.

Weiterer Unsinn ist zum Beispiel das was ich gerade gemacht habe, ich habe gerade die Novalgin Tropfen genommen (Schmerzmittel gegen starke Schmerzzustände), weil ich leichte Kopfschmerzen habe. Auch dabei kann man bereits von Medikamentenmissbrauch reden. Nun muss ich gleich auf die Arbeit, und Kopfschmerzen kann ich da garnicht gebrauchen, weil es sonst sehr gefährlich werden kann. Zu meiner eigenen Verteidigung ich habe das zum ersten Mal gemacht, und das auch nur weil ich keine Kopfschmerztabletten mehr auftreiben kann, bis ich los muss.

Der reine Tablettenmissbrauch jedoch beginnt schon dann, wenn Tabletten aus anderen Gründen genommen werden, oder Tabletten in einer großen Menge eingenommen werden, die eigentlich nicht sinnvoll gewesen wäre. Ebenfalls dann, wenn man Tablette oder andere Medikamente aus Gründen nimmt, für die sie eigentlich nicht gedacht sind.

Tablettensucht ist wieder etwas anderes. das setzt ein, wenn man ein süchtig machendes Medikament nimmt, und dieses immer weiter nimmt, und irgendwann, wenn die eigentlichen Symptome längst vorbei sind, trotzdem weiter nimmt. Das kann auch aus Angst sein, die Symptome kommen wieder. Im schwersten Falle nimmt man sie weil man sich einbildet das die Symptome immer noch da sind, obwohl längst erwiesen ist, das alles wieder weg ist.

» Frank The Tank » Beiträge: 350 » Talkpoints: 44,33 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Es kommt schon auf das Medikament an, ob dabei ein Abhängigkeitspotential besteht. So wie ich es beobachte sind die Medikamente, die am häufigsten abhängig machen, Schmerzmittel, Abführmittel, Nasensprays und Schlafmittel. Der Grund ist sicher auch, dass viele Menschen ihre Probleme in den Griff bekommen möchten, ohne zu einem Arzt zu gehen. Gerade Medikamente gegen Kopfschmerzen werden natürlich häufig ohne ärztlichen Rat in der Apotheke gekauft. Aber auch da besteht ja eine Beratungspflicht, die auch beinhaltet, dass man dem Patienten sagt, dass diese Tabletten nur für den kurzfristigen Gebrauch gedacht sind.

Gerade bei Tabletten gegen Kopfschmerzen ist es so, dass es zu einem Kopfschmerz kommen kann, der durch die unsachgemäße Einnahme der Kopfschmerztabletten ausgelöst wird. Das kann also passieren, wenn man zu viele Tabletten einnimmt oder wenn man die Tabletten über einen längeren Zeitraum immer wieder anwendet. Bei Kopfschmerzen ist es so, dass man dann spätestens zum Arzt gehen muss, wenn man an 3 aufeinander folgenden Tagen Kopfschmerzen hat oder an mehr als 10 Tagen im Monat. Werden häufiger Schmerzmittel eingenommen, besteht eben die Gefahr des medikamenteninduzierten Kopfschmerzes, der zu einem Teufelskreis führt, der schwer zu durchbrechen ist.

Bei anderen Präparaten, wie z.B. Nasensprays oder Abführmitteln ist es so, dass dem Körper quasi geholfen wird und er sich an diese "Hilfe" so gewöhnt, dass er z.B. die Muskeln im Darm nicht mehr selber großartig bewegt und man deshalb immer wieder mit dem Abführmittel nachhelfen muss. Bei den Vitamintabletten würde ich nicht von einer Abhängigkeit sprechen, aber es kann natürlich schon sein, dass man es merkt, wenn man sie einige Tage nicht nimmt und sich sonst nicht vitaminreich ernährt.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



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