Broken-Heart-Syndrom: seelischer Herzinfarkt

vom 25.04.2012, 13:05 Uhr

Ich habe gerade mal ein wenig rumgezappt im Fernsehen und bei Angelika Kalwass ist die Rede von einem sogenannten Broken-Heart-Syndrom. Das soll ein seelischer Herzinfarkt sein, an dem man angeblich auch sterben kann. Ich habe bis dato noch nichts von diesem Syndrom gehört und frage mich, wie die Menschheit früher überleben konnte, als es diese ganzen neumodischen Krankheiten noch nicht gab.

Wie kommt man zu so einer Krankheit? Was ist dieses Broken-Heart-Syndrom wirklich? Macht es sich wirklich wie ein Herzinfarkt bemerkbar? Es soll, wie dort im Fernsehen gesagt wird seelische Ursache haben. In Schwangerschaften, bei Stress usw. soll es vorkommen. Kanntet ihr diese Krankheit? Kennt ihr Leute, die daran erkrankt sind? Ist es wirklich eine anerkannte Krankheit?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Soweit ich weiß ist bei dieser "Krankheit" in bestimmten Situationen das eigene Nervensystem so überaktiv, dass es eine enorme Menge an Stresshormonen ausschüttet. Es kommt zu einer Durchblutungsstörung des Herzens und damit zu herzinfarktähnlichen Symptomen. Das Nervensystem ist bspw. bei Mangel an Östrogen überaktiv. Männer haben in der Regel wenig Östrogen im Blut. Jedoch bedeutet es noch nichts. Das heißt, wenn sie nicht entsprechendem Stress ausgesetzt sind, der diese Reaktion des Körper hervorruft, kann eine solche Krankheit in dieser Gruppe nicht festgestellt werden. Es wurde überwiegend bei älteren Frauen gefunden.

Sie befinden sich in der Menopause und haben also wenig Östrogen im Blut. Das Nervensystem kann jetzt überaktiv spielen. Vielleicht kann man hier im weitesten Sinne von einer ungleichen Erfahrung im Leben einer Frau und eines Mannes sprechen. Vielleicht sind diese Frauen überwiegend bestimmten Situationen ausgesetzt, in denen Männer dieses Alters es nicht sind. Man müsste also schauen, wo diese Krankheiten genau festgestellt wurden. In welchem strukturellen/gesellschaftlichen Kontext sie sich befinden, der eben diese Reaktion des Körpers begünstigt.

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» esprit*87 » Beiträge: 456 » Talkpoints: 1,38 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Das Broken-heart-Syndrom gibt es wirklich. Allerdings wird es eher als Stress-Kardiomyopathie bezeichnet und das ist natürlich eine anerkannte Krankheit. Ich finde es schon wieder reichlich schade, dass man sich durch solche Sendungen überhaupt fragen muss, ob das wirklich eine Krankheit ist, aber das ist ein anderes Thema. Wie der Name schon sagt, gib es bei der Kardiomyopathie Probleme mit der Funktion des Herzmuskels.

Man sagt ja auch, einfach ausgedrückt, dass sich Stress auf das Herz legen kann und so ist es hier auch. Der Name broken-heart-Syndrom kommt daher, weil man festgestellt hat, dass diese Krankheit oft dann auftritt, wenn die Person zum Beispiel einen nahestehenden Menschen verloren hat, eine schlimme Trennung durchgemacht hat oder sonst etwas in der Richtung mitmachen musste. Aber da spielen dann ja noch mehr Faktoren eine Rolle. Wenn man angeschlagen ist, machen sich Infekte auch immer viel mehr bemerkbar und auch die können sich auf das Herz setzen.

Ich finde den Namen also schon sehr treffend, auch wenn Kardiomyopathie der Name ist, der am Ende geläufiger ist. Man sollte also schon wissen, wie es richtig heißt. Wenn ich mich recht erinnere, wurde diese Erkrankung auch schon mal bei Dr. House angeschnitten. Natürlich auch mit viel drumherum, aber das was da dran genommen wird, bassiert immer auf einer wahren medizinischen Grundlage.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge



Die Sendungen von Angelika Kallwass schaue ich mir immer an, sie sind zwar gespielt, die Probleme, die dort vorgestellt werden, kommen aber in der Realität vor und werden nur fürs Fernsehen verkürzt. Wenn ein Mensch an extremem Stress leidet, wie z. B. nach dem Tod eines Menschen, können dieselben Symptome wie bei einem Herzinfarkt auftreten, insbesondere auch Schmerzen in der Brust. Der Arzt, den man bei solch beängstigenden Symptomen natürlich holt oder zu dem man geht, denkt zuerst auch an einen Herzinfarkt und behandelt zu erst einmal genauso. Erst bei näherer Untersuchung sieht man wohl, dass es kein Infarkt ist. Man kann aber sehr wohl körperlich etwas feststellen, denn das Herz bewegt sich nicht mehr normal.

Anscheinend sind hauptsächlich alte Frauenüber 60 betroffen, das hat irgendwas mit den Hormonen zu tun. Manchmal reichen auch schon kleinere Ereignisse, um so etwas auszulösen, wenn man empfindlich ist. Ich finde den Namen zumindest für den deutschen Sprachraum sehr ungünstig gewählt, dadurch wird die Krankheit nicht ernst genommen. Ein wissenschaftlicher Name wäre sinnvoller.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Das Broken-Heart-Syndrom ist ein sehr junges Krankheitsbild und wurde inzwischen bereits in "Stress-Kardiomyopathie" umbenannt. Atemnot, Brustenge, Schmerzen im Herzen mit Ausstrahlung in den linken Arm - die Symptome sind genau die selben wie bei einem Herzinfarkt, auch Bewusstlosigkeit kann mit ihr her gehen. Doch, auch wenn alles nach Herzinfarkt aussieht, es es kein Herzinfarkt, es gibt keine Minderdurchblutung und keinen Verschluss. Ein Teil des Herzens hört einfach auf zu arbeiten - um den Körper zu schützen.

Viele denken eine Stress-Kardiomyopathie wird durch einen herben Schicksalschlag ausgelöst, eine Hiobsbotschaft, wie durch den Tod eines sehr nahestehenden Verwandten oder eines noch schlimmeren Unglücks. Doch das ist nicht ganz richtig, denn was die Erkrankung auslöst, ist ein Schockzustand, ob positiv oder negativ. So kann eine Frau auch ein Broken-Heart-Syndrom erleiden, wenn plötzlich ein Mann vor der Haustür steht und ihr einen Scheck über eine Million Euro überreicht. Auch eine Überraschungsparty kann der Grund sein.

Dieser positive oder negative Schock sorgen für eine riesige Ausschüttung von Hormonen, allen voran Adrenalin und Dopamin. Dieser Hormonausschüttung ist jedoch so groß, dass das Herz die Arbeit teilweise einstellt, um den Körper vor größerem Schaden zu schützen. Es folgt der Pseudo-Herzinfarkt - und der ganze Körper wird heruntergefahren. Es ist nicht verwunderlich, dass kaum jemand an dem Broken-Heart-Syndrom stirbt, so gut wie jeder überlegt ihn und das Herz, das nicht wirklich beschädigt war, heilt direkt innerhalb von wenigen Wochen wieder aus. Man kann also fast sagen, dass es ein Segen ist. Denn, wenn das Herz diesen Zustand nicht stoppen würde, würden eventuell ganz andere, gefährlichere Schockzustände die Folge sein.

» benutzer7 » Beiträge: 2116 » Talkpoints: 49,80 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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