Warum würdet ihr als Arzt auf dem Land arbeiten, oder nicht?
Das Gesetz gegen den Mangel an Ärzten in unterversorgten Regionen und auf dem Land ist von der Bundesregierung nun verabschiedet worden. Landärzte brauchen keine Honorarabzüge mehr hinzunehmen. Sie können also mehr verdienen, als ihre Kollegen in der Stadt. Ferner soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden. Die Regierung hofft, den Ärztemangel in vielen Regionen so in den Griff zu bekommen. Vielen Ländern gehen die Maßnahmen, die gegen den Ärztemangel beschlossen wurden, nicht weit genug. 200 Millionen Euro an zusätzlichen Kosten sollen auf die gesetzlichen Krankenkassen zukommen. Kritik an diesem Gesetz kommt nicht nur von der Opposition.
Durch einen Weiterbildungsverbund werden junge Mediziner in Praxen und Kliniken aus- und weitergebildet in der hausärztlichen Versorgung und Allgemeinmedizin in Hessen. Damit sollen Ärzte in Landregionen gelockt werden. In Nordvorpommern versucht man, durch ein Stipendium von 500 Euro monatlich Studenten und angehende Ärzte zu verpflichten, sich vier Jahre in einem Landkreis als praktizierender Arzt niederzulassen nach bestandener Facharztausbildung. Gemunkelt wird, dass in manchen Gegenden sogar Grundstücke und Häuser ganz billig zu bekommen sind und teils verschenkt werden von der jeweiligen Gemeinde wenn sich dort jemand als Arzt niederlässt.
Wenn ihr angehender Mediziner wäret oder seid, würde euch das reizen? Hat jemand seine Kindheit und Jugend in einem Dorf oder einer dünnbesiedelten Gegend verbracht, dürfte es für ihn leichter sein, seinen Beruf auch in einer solchen Gegend auszuüben. Aber schwer wird es sein, Städter zu einem Umzug in diese Gegenden zu bewegen, um ihren Beruf auszuüben. Meistens melden dann auch die Partner Bedenken an, was zu verstehen ist. Denn auch sie haben einen Beruf, den sie in einem Dorf oft nicht ausüben können oder wollen. Was meint ihr, greifen die Maßnahmen der Regierung oder haben die Skeptiker Recht, dass weit mehr getan werden müsste? Unter welchen Umständen würdet ihr als Arzt auf dem Land arbeiten?
Ich komme vom Dorf und mich müsste man zwingen, in einer Stadt zu arbeiten. Für mich kam ein Medizinstudium damals grundsätzlich in Frage, da ich an meiner Universität diesen Studiengang aber nicht belegen konnte (Beschämender Weise ist dies ab dem kommenden Wintersemester möglich) habe ich mich dagegen entschieden. Denn ich hätte umziehen müssen. In eine Stadt, eine große noch dazu. Und das so ganz ohne meine Tiere, besonders ohne die Pferde. Ich kann also einfach mal so gar nicht nachvollziehen, warum man nicht auf dem Dorf leben und praktizieren wollen sollte.
Ein weiterer Grund gegen den Arztbesuch war, dass es hier eigentlich genügend Ärzte gibt und diese alt-eingesessen sind. Man hätte es also eventuell schwer mit der Kundschaft. Aber ansonsten sehe ich keine Nachteile für einen Arzt auf dem Lande gegenüber einem, der in der Stadt praktiziert. Im Gegenteil, junge Menschen zieht es doch im Normalfall nicht in die Stadt.Das ist aber meine Erfahrung und die meisten jungen Leute, die ich kommen, sind auch wie ich im Dorf geboren und aufgewachsen. Oder sie kamen aus Städten und waren bei mir zu Besuch und schwärmten davon, wie toll es doch sei hier bei uns in unserem kleinen, ländlichen Dorf. Warum es in einigen Regionen dann doch einen Ärztemangel gibt verstehe ich deshalb nicht.
Ich würde unter keinen Umständen auf dem Land arbeiten. Nach meinem Studium kommen ausschließlich Städte wie Berlin, Hamburg oder gegebenenfalls auch Köln in Frage. Ansonsten fände ich es auch spannend, ins Ausland zu gehen und dort in einer wirklich großen Stadt zu leben und zu arbeiten. Ich möchte nicht auf dem Land arbeiten und schon gar nicht dort leben. Da ich auch dort leben möchte, wo ich arbeite, würde ich dann auch gerne direkt in der Stadt, in der Nähe des Krankenhauses wohnen. Im Zweifelsfall würde ich auch ein bisschen pendeln, sofern das Krankenhaus nicht fußläufig erreichbar ist, weil es vielleicht in einem Randbezirk steht, während ich direkt in der Stadt wohnen möchte. Allerdings würde ich vermutlich nur innerhalb der Stadt pendeln und nicht bis raus aufs Land. Müsste ich auf dem Land leben, wäre ich sehr unglücklich, ich liebe das Stadtleben und je größer die Stadt ist, desto wohler fühle ich mich auch.
Ich kann meiner Vorrednerin nicht zustimmen, was ihr Einschätzung junge Leute betreffend angeht. Ich kenne kaum junge Leute, die gerne auf dem Land leben möchten. Es ist doch gerade so, dass es viele junge Leute in die Städte zieht und nur wenige auf das Land. Dass es eher ungewöhnlich ist, wenn junge Leute auf dem Land leben möchten, kann man auch daraus ablesen, dass es eben auf dem Land neben dem Ärztemangel noch weitere Probleme gibt, junge Leute zu finden, die dort leben und arbeiten wollen. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber die Tendenz geht eher in Richtung Stadt.
In der Stadt hat man einfach viel mehr Möglichkeiten. Ich könnte mir nicht vorstellen, nach der Arbeit in meine Wohnung zu kommen und dann praktisch nichts mehr machen zu können, außer in einem Landgasthof etwas essen zu gehen, raus auf die Felder zu schauen oder mich nur mit ein paar anderen Leuten zu treffen. Natürlich kann man auch andere Dinge erleben, aber oft muss man dann erst weit mit dem Auto fahren, so dass solche Ausflüge in die Stadt dann wohl eher die Ausnahme bilden. Auf dem Land kann man keine Museen besuchen, man kann nicht vernünftig einkaufen, beziehungsweise shoppen gehen, man kann nicht spontan ausgehen und es gibt praktisch nichts zu sehen außer Feldern, Wiesen, kleinen Dörfern und solchen Dingen. Ich finde Städte auch optisch schöner, ich mag die typische Stadtarchitektur, zumindest wenn es um große Städte geht. Man kann dort einfach mehr sehen und erleben - und die Wege sind kurz. Arbeiten kann man auf dem Land natürlich auch, auch im Wunschberuf als Arzt, aber es gibt eben auch noch die Freizeit und in dieser will ich nicht auf dem Land herumsitzen.
Die oftmals kritisierte Anonymität der Stadt ist für mich ein weiterer Vorteil. Ich will nicht wissen, wer meine Nachbarn sind und habe keine Lust auf diesen typischen Dorftratsch. So etwas kann man alles natürlich auch in der Stadt haben, aber es ist eben auch möglich, sich einen kleinen Raum zu schaffen, in dem man frei ist von diesem lästigen "jeder kennt jeden"-Gedöhns. Auf dem Dorf ist das nur begrenzt möglich und wenn, dann gilt jemand, der einfach nur seine Ruhe haben will, als Einsiedler oder ähnliches. Kleine Städte finde ich übrigens ebenso schrecklich wie winzige Dörfer. Ich bin in einer Stadt mit knapp über 200.000 Einwohnern aufgewachsen und es war, als hätte ich auf dem Dorf gelebt, Traktoren und Bauernhöfe inklusive. Ich fühle mich in solchen Gegenden einfach nicht wohl, wenn ich in einer Millionenstadt bin, was aktuell leider nicht der Fall ist, fühle ich mich direkt heimisch, habe das Gefühl, dass ich angekommen bin.
Natürlich wird versucht, Ärzte mit diversen Boni für die ländlichen Gebiete zu gewinnen, weil dort fast niemand arbeiten und leben möchte, vor allem nicht von den jüngeren Leuten. Ich würde weder für finanzielle Vorteile noch für geschenkte Grundstücke und Häuser auf das Land ziehen. Diese Dinge würden mir alle nichts bringen, wenn ich dann frustriert in meinem geschenkten Haus sitzten und mich nach Berlin sehnen würde. Diese Anreize finde ich dennoch ganz gut, weil sie den Ärzten, die sich ein Leben auf dem Land grundsätzlich vorstellen könnten, zusätzlich bei der Entscheidung helfen. Allerdings wird man durch solche Anreize überzeugte Stadtmenschen wie mich niemals aufs Land bekommen.
Wenn ich Abitur gemacht hätte, dann hätte ich auf jedenfall Medizin studiert. Grundsätzlich hätte nichts dagegengesprochen sich auf dem Land niederzulassen, ich komme aus einem 2000 - Seelen Dorf und brauche den Stadt-Flair eigentlich nicht. Trotzdem wäre es mein Wunsch gewesen in einer Klinik angestellt zu sein und keine eigene Praxis zu führen. Entweder hätte ich mich für die Pathologie entschieden oder für die Chirurgie, je nachdem wohin sich meine Interessen eher gewendet hätten.
Pathologen haben in der Regel keine eigene Praxis, weswegen dies auf dem Land wohl eher schwierig gewesen wäre. Chirurgen dagegen können sich in einer Allgemeinchirurgischen Praxis niederlassen und dort ihre Patienten behandeln. Trotzdem glaube ich, das ich das nicht gemacht hätte, Herz-Thorax oder Neuro-Chirurgie hätten mich einfach wesentlich mehr interessiert als das "kleine" allgemeine Zeug, das ein niedergelassener Chirurg so zu sehen bekommt. Hätte ich mich für die Allgemeinmedizin entschieden, so wäre ich aber bestimmt auf dem Land geblieben.
Mir ist es eigentlich nicht klar, warum man unbedingt in die Stadt ziehen will. Die Arbeit auf dem Land ist um einiges angenehmer; dort herrscht meist einer eher familiäre Stimmung unter den Bürgern eines Dorfes, man kennt und unterstützt sich gegenseitig. Und auch der Arzt ist dort noch etwas ganz Besonderes, jemand, zu dem man aufsieht.
Auf dem Land sind die medizinischen Probleme auch einfacher und nicht so komplex, was ja die Arbeit erleichtert, man muss sich weniger mit schwierigen Fällen herumplagen. Auch gibt es auf dem Land weniger Ärztehopping, eben weil der nächste Arzt ein Stück entfernt liegt, d.h. der Arzt hat seine Stammpatienten, die er immer wieder sieht und nicht ständig neue und fremde.
Mir persönlich sind großartige Freizeitmöglichkeiten nicht so wichtig, ich schaue gern fern und besuche andere, aber auf tolle, spektakuläre Veranstaltungen lege ich keinen Wert. Ich würde mich also gerne, wenn ich Arzt wäre, auf dem Land niederlassen.
Also eine echt spannende Frage. Ich bin ein Stadtmensch aber vor 25 Jahren als Arzt aufs Land gegangen. Warum? Ich war 30, wir hatten zwei kleine Kinder und als Facharzt für Allgemeinmedizin wollte ich direkt am Patienten und seinem Umfeld sein. Das war mir aufgrund der Situation und Mentalität der Stadtbewohner in der Großstadt nur schwer möglich: Kaum Kontakt zu den Familien, große Laufkundschaft, viele Zufallspatienten und überhaupt sehr viele Patienten, was zu wenig Zeit für den Einzelnen bedeutete. Und die Stadt war damals laut, dreckig und gefährlich - und wenn man kleine Kinder hat ist nun mal deren Aufwachsen und die Familie wichtiger als das Ausgehen. Inzwischen sind die Kinder groß und weg und nun geht es auch wieder in die Stadt (die Wahl bleibt uns im Leben ja immer wieder). Was spricht nun für das Land (was ja auch sehr verschieden sein kann, was Größe, Lage und Kultur etc. betrifft)?
Ein fester Patientenstamm, deren Familie man von Uroma bis Baby kennen lernt und begleitet - das macht die Diagnosen und Behandlungen deutlich erfolgreicher. Ich kenne meine Leute und weiß wer viel Zeit braucht und wer nur einen kurzen Rat und ich merke, wenn es heute gerade anders ist - eben weil ich die Menschen kenne. Die Achtung im Ort ist immens, ich werde auch zu anderen Fragen gehört, auch das tut gut. Also wer kein grundsätzliches Problem mit dem Land hat und gerne Arzt/Ärztin am Menschen sein möchte, der kann auf dem Land glücklich sein. Natürlich bedeutet das eine eigene Praxis oder gemeinsam mit KollegInnen - auch das muss bedacht werden (aber die Kohle stimmt und da gibt es in Dt. keinen Grund existenzielle Sorgen zu haben).
Ja und meine Frau/der Partner ist ja nicht aus der Welt! Wer hat heute die Arbeitsstelle schon vor der Haustür? (ich schon!) Da muss eben einer der Beiden mit dem Auto zur Arbeit fahren, ist ja nicht so ungewöhnlich und meist ist man vom Dorf schneller am städtischen Arbeitsplatz als jemand der durch eine große Stadt muss. Das hängt von den konkreten Bedingungen hab.
Also vielleicht mal probieren?
Ich wüsste ehrlich gesagt jetzt nicht unbedingt, wieso es auf dem Land schwieriger sein sollte, als in der Stadt. Man hat sicherlich da, als auch dort seine Patienten und ich denke, dass es auf dem Land nicht weniger sein würden, als in der Stadt. Und selbst wenn es in der Stadt mehr wären, müsste man hier doch mit dem Ansturm fertig werden, weil man als Arzt dann eben auch mehr Termine hat, als man hinnehmen kann, so einfach ist das dann eben doch nicht.
Rein prinzipiell hätte ich als Arzt ehrlich gesagt wohl absolut nichts dagegen, auch in einer ländlicheren Gegend zu wohnen, weil ich nämlich eh kein Mensch bin, der gerne in der Stadt lebt, mir wäre der Stress dort einfach zu viel und zu laut ist es mir auch. Ich schätze, dass es Ärzte gibt, die von ihrer Person her auch das eine oder das andere bevorzugen, zumindest aber kann ich mir nicht vorstellen, wieso Ärzte lieber in einer Stadt praktizieren würden.
Eigentlich sollte die Frage sein, ob man selbstständig sein will oder nicht. Mein Verlobter studiert Medizin und daher ist das Thema durchaus etwas mit dem Wir uns langfristig beschäftigen müssen. Ärzte auf dem Land sind meistens selbstständig, was wiederum heißt, dass man sich als Arzt sehr schnell verschuldet. Ein Arzt bekommt nämlich ein sehr knappes Budget von den Krankenkassen gesetzt, welches er nicht einhalten kann, wenn er nur eine bestimmte Anzahl an Medikamenten rausgeben und Patienten betreuen kann. Also ist es trotz toller Prämien einfach nicht machbar.
Ein anderer Punkt ist die Erfahrung. Ist man nach dem Studium fertig, macht es mehr Sinn erst mal in einem Krankenhaus zu arbeiten. Da bekommt man mehr Praxiserfahrung und sieht viele Krankheiten. Damit vergehen dann aber ein paar Jahre. Da man hier bessere Möglichkeiten des Verdienstes hat, ist ein Krankenhaus für Jungärzte sicherlich attraktiver.
Außerdem darf man mal die soziale Komponente nicht vergessen. Jemand der sein Leben lang in einer großen Stadt gewohnt hat oder der einfach noch jung, hat meistens keine Lust sich auf das Land zurückzuziehen. Man darf ja auch die Fahrtkosten auf dem Land nicht vergessen. Man muss ja viele Hausbesuche machen und als Unternehmer trägt man eben finanziell ein hohes Risiko. Mein Verlobter geht also nach dem Studium erst mal in ein Krankenhaus und wird dort arbeiten, bis er Oberarzt ist. Dann kann er immer noch entscheiden, was er möchte und ob er sich selbstständig machen möchte. Das mit dem Haus sehe ich allerdings als notwendige Sache an, da es für einen Arzt mehr Nachteile hat selbstständig zu sein, als angestellt.
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