Plötzlich Reiseübelkeit im Zug - Psychische Ursache?
Im Laufe der letzten Jahre habe ich beim Bus- und Autofahren eine Reiseübelkeit entwickelt, allerdings nur wenn ich versucht habe zu lesen oder die Fahrt sehr lange war. Auf Grund der zunehmenden Übelkeit beim Lesen im Bus hatte ich dann auch irgendwann Angst vor langen Zugfahrten. Die kurzen Zugfahrten zur Schule bereiteten mir nie Probleme auch nicht beim lesen, außerdem fahre ich seit 3 Jahren regelmäßig 3-4 Stunden lang mit dem Zug zu meinem Freund. Lange hatte ich keine Probleme damit. Da ich jetzt aber schon lange nicht mehr dort (bei meinem Freund) war, zwischendrin große Probleme mit dem Magen hatte und die Übelkeit beim Lesen im Bus, an Tagen mit schlechter Konstitution auch ohne Lesen, nicht mehr auszuhalten war, hatte ich natürlich Angst das es im Zug auch wieder so schlimm wird.
Auf der Hinfahrt, die Mittags/Abends war, war mir zwar nicht so gut aber es war auszuhalten. Die Rückfahrt, die morgens um halb 7 startete war schrecklich. Mir war total übel und zum ersten Mal kaufte und nutzte ich Reisetabletten gegen die Übelkeit. Ich habe dann die ganze Fahrt über die Augen geschlossen und auch etwas geschlafen und ab und an ein winziges Stück Brezel zu mir genommen, damit der Magen nicht ganz leer war, außerdem hatte ich zusätzlich Hunger. Mein Gedanke ist nun, das die ganze Übelkeit von der Angst kommt (zumindest beim Zugfahren), denn nach dieser schrecklichen Fahrt wurde mir plötzlich auch morgens Übel, wenn ich ganz normal in die Schule fuhr. Das besserte sich jedoch wieder, auch wenn ich mich nicht traue wieder zu lesen. Kennt das Problem jemand und weiß, wie ich das in den Griff bekomme? Ich würde schon sehr gerne öfter wieder zu meinem Freund fahren, allerdings will ich nicht immer 4 Stunden lang Übelkeit ertragen müssen. ![]()
Ich schätze mal, dass du so etwas wie seekrank wirst. Seekrankheit bricht dadurch aus, dass sich das Schiff (oder was auch immer) sich auf und ab bewegt und eine sehr unruhige Reise hat. Das ist vergleichbar mit einer Strecke, die sehr viele Kurven oder Bodenwellen hat. Da man den Horizont oder das Meer betrachtet oder in einem Buch liest, welche sich nicht sehr bewegen oder gar still stehen, überschneiden sich der Gleichgewichtssinn und der Sehsinn mit unterschiedlichen Informationen.
Durch die unterschiedlichen, gegenteiligen Reize wird eine Übelkeit oder Unwohlsein ausgelöst, da das Gehirn mit der Wahrnehmung, dass sich einmal der Körper bewegt aber es nicht offensichtlich sichtbar ist, nicht klarkommt. Dagegen hilft eigentlich das aus dem Fenster schauen. Am besten ist es nach vorne, besonders wenn einem schlecht ist, und man sieht, was auf einen zu kommt und erwartet. Durch das Augen zu machen, kann es auch besser werden, da der Sehsinn jetzt keine Information gibt, die sich mit der eigentlichen und immer wahrnehmbaren Information überschneidet. Ich hoffe ich hab dir damit geholfen und gute Besserung.
Bei Auto- und Busfahrten kann es schnell zur Übelkeit kommen. Der Gleichgewichtssinn im Innenohr sendet ständig neue Reize, die aber vom Gehirn nicht zugeordnet werden können, wenn man die Fahrt nicht aufmerksam mit den Augen verfolgt. Dadurch entsteht dann die Übelkeit. Bei Auto- und Busfahrten soll man deswegen von Beginn an aus dem Fenster schauen, um die Fahrtbewegungen mit den Augen verfolgen zu können.
Allerdings schreibst du, dass dir auch bei Zugfahrten übel wird. Aber gewöhnlich fährt ein Zug ziemlich gleichmäßig und außerdem wird dir bei kurzen Fahrten nicht so oft übel. So wie du deine Übelkeit geschildert hast, könnte diese tatsächlich auch psychisch verursacht sein. Die starke Übelkeit, die du immer wieder erlebst ist mehr oder weniger ein traumatisches Ereignis für dich. Die Psyche kann Gefühle aus traumatischen Ereignissen noch lange Zeit vortäuschen, auch wenn die Ursache (zum Beispiel schnelle Kurven bei Autofahrten) längst nicht mehr vorhanden ist. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Zunächst würde ich an deiner Stelle zum Arzt gehen und mich untersuchen lassen. Es ist wichtig, dass organische Ursachen für dein Leiden ausgeschlossen werden. Ich vermute aber, dass der Arzt bei dir keine organischen Ursachen für die Übelkeit finden wird. Ich selbst habe jahrelang unter immer wiederkehrende Übelkeit gelitten und kein Arzt hat irgendetwas gefunden. Bei mir war zu viel Stress Ursache für die Übelkeit. Nach dem ich konsequent darauf geachtet habe, dass ich nicht zu viel Stress habe, ist die Übelkeit auf Dauer verschwunden.
Auch bei dir kann möglicherweise Stress eine Rolle spielen. Wenn du mit dem Zug verreisen willst, dann ist das in deinem Fall emotionaler Stress. Aber häufiger Stress bewirkt, dass das Hormon Adrenalin ausgeschüttet wird. Dadurch wiederum wird die Verdauung gebremst, was dann letztendlich zur Übelkeit führt. Dein Hauptproblem scheint aber deine Angst zu sein. Je mehr Angst du vor Zugfahrten hast, desto schlimmer wird es mit der Übelkeit. Es ist wichtig, dass du dich deiner Angst stellst. Ein Vermeidungsverhalten (zum Beispiel möglichst oft zu Hause zu bleiben) macht die Sache auf lange Sicht nur noch schlimmer, ich rede hier aus eigener Erfahrung.
Falls deine Übelkeit wirklich psychisch bedingt ist, dann kann ein planmäßiges Vorgehen helfen. Du könntest zum Beispiel folgendes Experiment machen. Plane mit einer guten Freundin eine etwas längere Zugreise, am besten an einem Wochenende. Vereinbare mit deiner Freundin, dass ihr an der nächsten Haltestelle aussteigt, wenn es dir übel wird. Und plant für den Fall, dass es ganz schlimm werden sollte, von vorneherein eine Übernachtungsmöglichkeit ein, dann musst du die Strecke im „Notfall“ nicht wieder am gleichen Tag zurück fahren. Das Wissen, dass du jederzeit die Zugfahrt beenden kannst, wird dir Sicherheit geben. Es ist gut möglich, dass dir dann auch nach längerem Zugfahren deshalb nicht übel werden wird und du hättest dann dein erstes Erfolgserlebnis. So kannst du dann deine erlernte Angst vor dem Zugfahren Schritt für Schritt wieder verlernen.
Deine Angst vor dem Zugfahren und vor der Übelkeit wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Aber ich möchte dir Mut machen. Habe Geduld und halte durch. Lasse dich nicht durch Rückschläge, die vermutlich immer wieder kommen werden, entmutigen. Auch ich hatte wegen meiner häufigen Übelkeit häufig Angst. Ich hatte Angst Auto zu fahren und habe lange Ausflüge vermieden und auf vieles verzichtet. Aber ich bin aus diesem Teufelskreislauf wieder herausgekommen und das kannst auch du schaffen.
Seit einiger Zeit gehe ich regelmäßig zu einer Psychotherapeutin. Mit der Dame habe ich auch einmal über meine Problematik gesprochen und die sagte auch das es vermutlich eher die Ängste sind, die mir Übelkeit verursachen. Wie Du beschreibst ist das Fahren des Zuges ja eher gleichmäßig und früher gab es trotz den Problemen mit Auto und Bus ja keinerlei Anzeichen für Reiseübelkeit im Zug. Dadurch das mir durch verschiedene Umstände beim Zugfahren öfter übel war habe ich nun Angst dass das durchs Zugfahren selbst ausgelöst wird und nun neige ich zum Vermeidungsverhalten. Schuld daran ist auch meine ausgeprägte Emetophobie - also der Angst vorm Erbrechen oder in irgendeiner Form damit kontaktiert zu werden.
Zusätzlich zeigt sich Stress bei mir oft in Form von Übelkeit und Bauchschmerzen, dann habe ich Angst zu Erbrechen, was den Stress vergrößert - Teufelskreis. Meine Therapeutin riet mir jetzt, einfach erstmal kurze Strecken mit dem Zug zurück zu legen, am besten alleine. Aber immer mit der Sicherheit das mich zur Not jemand an dem Ort, an dem ich mich dann befinde, mit dem Auto abholen könnte. Das werde ich bei Gelegenheit in Angriff nehmen, allerdings weiß ich, das es eher die langen Zugfahren sind die mich emotional belasten. Eben wegen dieser Sicherheit die ich bei den kurzen Strecken habe, bin ich sicher das mir nicht übel wird. Aber man soll ja klein anfangen. Sie sagte außerdem, das ich eine längere Zugstrecke mit einem Freund, Bekannten, Verwandten fahren sollte um Sicherheit zu gewinnen. Bei Gesprächen während der Fahrt sollte jedoch ausschließlich die Angst thematisiert werden.
Ich hoffe sehr, das ich das alles wieder in den Griff bekomme, sonst leidet meine Beziehung sehr darunter - was mich auch wieder unter Druck setzt. Aber wird schon alles werden.
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