Arzt nimmt keine Patienten am letzten Quartalstag an?
A ist Patient in der Hausarztpraxis B. Die Praxis wird von einem Arzt allein betrieben, hat also keine weiteren Ärzte. Nun hatte A einen Termin benötigt, weil A Probleme hatte, die zwar noch auszuhalten waren, aber dennoch dachte A, es wäre akut genug gewesen. Also rief A in der Praxis B an und wollte noch einen Termin für den gleichen Tag ausmachen. Dort wurde aber von der Sprechstundenhilfe gesagt, dass man heute bereits die Abrechnungen für das Quartal mache und man erst am Folgetag einen Termin vergeben könne.
A war sichtlich irritiert und hatte nachgefragt, ob man da nicht wirklich etwas machen könne. Die Sprechstundenhilfe verneinte dies und hatte wohl keine andere Handhabe als für den Folgetag gehabt. A gab sich damit zufrieden, weil es nun kein Notfall in dem Sinne gab und man A vermutlich sowieso auf die Notfallsprechstunde im weiter entferntem Krankenhaus hingewiesen hätte.
Ist das Verhalten der Praxis B rechtens? Hätte A dennoch auf einen Termin noch am gleichen Tag bestehen können? Wie hätte A argumentieren können, um dennoch eine noch am gleichen Tag stattfindende Behandlung und Untersuchung zu erhalten? Ist es generell so, dass der letzte Tag im Quartal für Abrechnungen während der Sprechzeiten genutzt wird oder sollte man als Praxis diese Abrechnungen nach Beendigung der Sprechzeiten erst nutzen?
Ein Recht auf einen Termin hat A bestimmt nicht. Die Sprechstundenhilfe hätte ja auch sagen können, dass einfach kein Termin mehr frei ist. Dann wäre es auch nicht so komisch rüber gekommen. Und vielleicht hat ja die Sprechstundenhilfe auch gemeint, dass die Praxis nachmittags für die Abrechnung geschlossen ist und man deswegen eben keinen Termin bekommen kann. Das ist bei uns hier in vielen Praxen so, dass sie einfach am letzten Tag im Quartal die Praxis schließen oder zumindest den halben Tag schließen und die Praxis nur telefonisch erreichbar ist oder wirkliche Notfälle drankommen können.
Das ist ein ganz normales Verhalten bei den Ärzten. Sie stehen extrem unter Zeitdruck. Haben sie ihre Abrechnungen nicht schnellst möglich fertig zögert sich die Erstattung durch die Krankenkassen entsprechend lange hinaus. Also ist es nachvollziehbar, dass sie hier entsprechend am letzten Tag keinen Patienten annehmen. Allerdings sollte die Sprechstundenhilfe lernen, das ganze für die Patienten ordentlicher zu verpacken, dass hier keine Irritationen und eventuell auch Unverständnis auftreten.
Weiterhin haben die Ärzte seit einiger Zeit ein Quartalsbudget. Wenn das aufgebraucht ist, behandeln die Ärzte nahezu kostenfrei. Dass der Arzt gerne für seine Arbeit bezahlt wird, das ist sicher unbestreitbar. Da es sich nun auch nicht um einen akuten Notfall handelte, wird der Arzt auch entsprechend seine Sprechstundenhilfen angewiesen haben, den Termin auf den Folgetag zu verlegen, da er dann ab dem Tag wieder für seine Arbeit bezahlt wird.
Diesen Fall selbst hatte ich auch schon bei weiterbehandelnden Ärzten zu denen ich überwiesen wurde. Die Sprechstundenhilfe sagte mir selbst, das sie an den beiden vorletzten Tagen keine neuen Patienten mehr annehmen können, da dies zu enormen Zeitdruck kommen würde und so die Quartalsabrechnung sich weiter nach hinten verschieben würde. Bei uns im Ort schließen die Ärzte auch die Praxis für einen Nachmittag um die Abrechnung komplett durch zu bekommen.
Ich habe mich mit einem Termin im neuen Quartal zufrieden gegeben, denn es war kein akutes Problem. Ich habe es noch locker aushalten können und besorgte mir eine neue Überweisung.
Ich halte das für eine faule Ausrede. Sicherlich müssen Abrechnungen gemacht werden aber nicht während der Sprechzeiten. Ich vermute eher dass das Budget des Arztes schon vollkommen ausgeschöpft war und er keine Lust hatte den Patienten umsonst zu behandeln. Das kann ich auch ganz gut nachvollziehen, keiner will gerne kostenlos arbeiten. Außerdem lockt ja auch ein frischer Quartalsschein am nächsten Tag. Ärgerlich natürlich für den Patienten weil die Quartalsgebühr dann wieder fällig ist, aber sicherlich nicht zu ändern.
Ich frage mich allerdings was es bringen würde auf einen Termin zu bestehen wenn kein richtiger Notfall vorliegt. Ich würde meinen behandelnden Arzt nicht auf Dauer verärgern wollen, auf jeden Fall nicht wegen so einer Kleinigkeit.
Bis vor zwei Jahren war ich Patient bei einer Internistin, die auch als Hausärztin tätig war. Ich war dort gelandet, weil sie die Patienten von meiner vorherigen Hausärztin, die in Pension gegangen war und ihre Praxis geschlossen hatte, übernommen hat. In der gleichen Praxis war auch noch ein Kardiologe tätig, also eigentlich letztlich eine Facharztpraxis mit Hausarztpatienten.
Dort war es ebenfalls so, dass zum Quartalsende immer wenigstens ein Tag keine Sprechstunde war, weil man die Abrechnung machen musste. Einmal hatte ich sogar am ersten Juli einen Termin und dieser wurde mir per Post abgesagt. Allerdings erhielt ich diesen Brief nie, weil ich genau zu diesem Monatsanfang umgezogen war und der Brief bei mir gar nicht angekommen ist, sondern zurückgeschickt wurde an die Praxis, weil das private Briefunternehmen natürlich meine neue Adresse und den Nachsendeauftrag nicht hatte. Also stand ich in der Praxis und wurde nicht behandelt, weil mir ja mein Termin abgesagt worden sei. Als ich dann meinte, dass man mir ja auch telefonisch hätte absagen können und dass ich es doch etwas merkwürdig fände, dass drei Tage keine Sprechstunde sei wegen der Abrechnung wurde ich von der Sprechstundenhilfe ziemlich angepampt. Ganz nach dem Motto, dass es ja nicht ihr Problem sei, wenn ich umziehe.
Gut finde ich es auch nicht, dass es wohl in einigen Praxen so gehandhabt wird, aber man kann als Patient daran wohl nichts ändern. Vor allem nicht, wenn man gesetzlich krankenversichert ist. Ehrlich gesagt ist mir ein solches Verhalten bisher auch nur im Osten Deutschlands begegnet, bei meinem ehemaligen Hausarzt in meiner Heimatstadt gab es so etwas nicht, und meine Eltern haben auch noch nie davon berichtet, dass die Praxis wegen der Abrechnung geschlossen würde, und die sind wirklich häufig beim Arzt.
Es ist mittlerweile üblich, dass die Ärzte am letzten Tag eines Quartals die Abrechnungen erledigen, wobei zumindest in meinem Umfeld die Praxen dann noch zwei Stunden am Morgen regulär geöffnet sind um die akut erkrankten Patienten behandeln zu können. Es gibt inzwischen auch Praxen, die bis zu zwei Wochen am Quartalsende keine neuen Patienten mehr behandeln. In diesen Praxen ist es eindeutig so, dass das Budget ausgeschöpft sind und da eben keine neuen Behandlungen mehr angestoßen werden.
Sicher könnten die Abrechnungen auch außerhalb der Sprechzeiten erledigt werden. Allerdings ist das heutzutage so viel Papierkram, wie ich von einer Freundin weiß, dass man das eben nicht mehr so nebenher erledigen kann. Zusätzlich haben die Praxen gerade im ländlichen Bereich immer mehr Patienten zu versorgen, was auch nicht gerade zur Entlastung beiträgt.
Von meiner Hausärztin kenne ich es nicht anders, als dass sie am letzten Quartalstag mit ihrem Team die Abrechnungen in der Praxis machen und für Patienten nicht erreichbar sind. Wie es im Notfall ist, weiß ich nicht, ob sie da behandelt oder die Patienten wegschickt.
Cid hat geschrieben:Von meiner Hausärztin kenne ich es nicht anders, als dass sie am letzten Quartalstag mit ihrem Team die Abrechnungen in der Praxis machen und für Patienten nicht erreichbar sind. Wie es im Notfall ist, weiß ich nicht, ob sie da behandelt oder die Patienten wegschickt.
Wenn es wirklich ein Notfall ist, also eine akute Verletzung, die versorgt werden muss, und die Praxis im Prinzip geöffnet ist, man also quasi bis zur Empfangstheke bei der Sprechstundenhilfe herankommt, dann würde ich sagen, dass sie den Patienten behandeln muss. Notfälle dürfen nicht weggschickt werden, so weit ich das weiß.
Ich kenne es von den Praxen, mit denen unsere Apotheke zusammenarbeitet, auch so, dass am letzten Tag des Quartals die Praxis mindestens einen halben Tag geschlossen hat, um die Abrechnung zu machen. An diesen Tagen ist die Praxis dann aber auch zu, also man kommt noch nicht mal zu der Theke, um einen Termin zu vereinbaren. Allerdings hängt an der Tür auch immer ein Zettel, wohin man sich in einem Notfall wenden kann. Ob der Arzt telefonisch an diesen Tagen erreichbar ist, kann ich nicht sagen, aber ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen. Es wird wohl der Anrufbeantworter eingeschaltet sein.
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