Schmerzempfinden wird durch Schreien oder Fluchen gesenkt
Schreien und kräftiges Fluchen dämpft den Schmerz. Dem Briten Richard Stephens, einem Psychologem von der Keele University, fiel auf, dass seine Frau im Kreißsaal, als die Wehen einsetzten, die schlimmsten Kraftausdrücke benutzte. Er fragte sich, warum sie das machte und erfand ein Experiment.
67 freiwillige Studenten beteiligten sich an dem Experiment. Sie hielten ihre Hand in eiskaltes Wasser und sollten das so lange wie möglich durchhalten. Der Schmerzpegel stieg langsam an und je länger sie das aushielten, um so geringer war ihre Empfindlichkeit. In einem Teil des Versuchs durften sie vorher aufgelistete schmutzige Schimpfwörter benutzen. Wer kräftig fluchte, hielt zwei Minuten die Prozedur durch. Der Kontrollversuch ergab nur eine Minute und 15 Sekunden. Beim Fluchen war das Schmerzempfinden niedriger, die Herzfrequenz stieg an.
Seine Erklärung: Durch das Fluchen wird der Körper in einen Alarmzustand versetzt. Die Nebennierenrinde schüttet in dem Zustand das Stresshormon Cortisol aus. Die Schmerzempfindlichkeit wird gesenkt. Das dürfte beim Schreien genau so sein. Verbreitet in allen Kulturen ist der Kampfschrei. Hat jemand von euch bei der Geburt eures Kindes festgestellt, dass durch das Fluchen oder Schreien die Schmerzempfindung geringer war? Ist es richtig, dass durch das Ausstoßen eines Kampfschreies beim Kampfsport der Schmerz geringer wird? Wenn öfter Kraftausdrücke benutzt werden oder geschrieen wird, läßt dann die Wirkung nach?
Daß lautes Fluchen und Schimpfen den Schmerz erträglicher macht, das stimmt. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Ich habe zwar meinen Mann im Kreißsaal nicht zur Minna gemacht, aber wenn ich mich verletze, dann merke ich durchaus, daß das Ganze schon nur noch beinahe halb so schlimm ist, wenn ich dann fluche oder schimpfe. Ich habe auch meiner Tochter gesagt, wenn sie sich zu Hause fies gestoßen hat, dann darf sie ruhig das eine oder andere zahmere Schimpfwort wie "Sch...." oder "verd...". benutzen, das macht es leichter.
Daß sich die Wirkung abnutzt, glaube ich eigentlich nicht. Ich denke, daß der Effekt im Grunde daher kommt, daß man sich für den Moment noch mit etwas anderem beschäftigt, als nur mit dem Schmerz. Wen ich mir zum Beispiel einen Finger eingeklemmt habe, dann wedele ich wie verrückt mit der Hand, weil es dann leichter auszuhalten ist, ich brauch dann nicht mal zu fluchen. Also vermute ich mal, daß der Effekt schlicht und einfach auf Ablenkung beruht.
Seltsamerweise ist mir das auch schon aufgefallen - gerade gestern zum Beispiel habe ich mir fürchterlich den Finger in der Schublade eingeklemmt. Natürlich habe ich mal wieder geflucht und rumgemotzt und da erschien mir der Schmerz schon nicht mehr so schlimm. Genauso war es bei meiner Leistenbruch-Op. Ich habe (zumindest zuhause) gemeckert, gemault und gemotzt und fand es gleich erträglicher. Das kann allerdings auch daran liegen, das ich meinem Unmut über dem Schmerz mehr Luft gemacht habe und mich deswegen schon besser gefühlt habe.
Ich finde es aber sehr interessant und gut, das man das jetzt auch wissenschaftlich belegen kann, dann kann man das schimpfen und schreien wenigstens rechtfertigen. ![]()
Also ich kann mir schon durchaus vorstellen, dass Schimpfen und Fluchen in Gewisser Weise helfen kann, die Schmerzempfindlichkeit in dem Moment des Schmerzes zu senken, allerdings ist das sicherlich nicht erheblich, starker Schmerz bleibt immer noch stark und Schmerzmittel ersetzt es nun sicherlich nicht. Auch kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es auf die Person ankommt, die das tut, denn wenn man es gewohnt ist in seinem Alltag eh nur permanent zu fluchen, dann wird die Wirkung sicherlich nicht so stark sein wie bei einem Menschen, der Schimpfwörter sehr selten benutzt und dies dann in dem Moment vielleicht als Entlastung ansieht.
Ich selbst würde mir diese Methode allerdings nicht zunutze machen, wenn ich mir weh getan habe oder so, dann würde ich deswegen nicht losfluchen, obwohl es auch sicherlich genug Leute gibt, die eben das machen. Trotzdem würde ich mir dabei doof vorkommen, dass ist wirklich nichts für mich.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das stimmt. Dadurch, dass man flucht, fühlt man sich ja gleichzeitig auch befreit. Man sagt ja nicht umsonst, dass man seinem Ärger Luft macht. Daher denke ich, dass man sich durch das Fluchen auch ein bisschen entspannen kann.
Teilweise kann ich aber auch selbst bestimmen, dass es einen sehr erleichtert, wenn man bei Schmerzen flucht. Wenn ich mir zum Beispiel mal wieder den Zeh an unseren hohen Türschwellen im Haus stoße, dann fluche ich in den meisten Fällen auch und der Schmerz verschwindet dann auch ein bisschen schneller.
Ich bin auch der Auffassung, dass es hilft, wenn man etwas macht, um sich abzulenken, sei es nun schimpfen, schreien, oder eben mit der Hand herum wedeln, wenn man sich weh getan hat.
Man kennt das ja auch, dass man, wenn man sich den Fuß anhaut, erst einmal eine halbe Stunde herum hüpft, obwohl das ja von außen gesehen auch nichts bringt und für Unbeteiligte oft ziemlich amüsant aussieht. Trotzdem denke ich, dass der Sinn dahinter die Ablenkung ist.
Wenn nebenbei noch Hormone ausgeschüttet werden, die den Schmerz dann tatsächlich verringern, ist das natürlich ein angenehmer Nebeneffekt. Aber nicht alle Hebammen und Helfer im Kreißsaal sind so angetan von einer schreienden, werdenden Mutter.
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