Was tun, wenn sich ein Borderliner nicht helfen lässt?

vom 05.04.2011, 13:16 Uhr

Die Tochter meiner Freundin leidet höchst wahrscheinlich am Borderline Syndrom. Sie verletzt sich selber, hat Stimmungsschwankungen, flüchtet sich in Drogen, hält an einem Mann fest, der sie geschlagen und gedemütigt hat. Sie ist 19 und kommt auch ab und an wieder mal nach hause zu ihren Eltern und schimpft dann fürchterlich über den Freund. Die Eltern dachten, dass sie einfach nur dem Mann hörig ist. Doch nun ist sie wieder zu ihm zurück und schimpft bei jedem über die Eltern. Sie fügt sich selber Brandwunden zu, ritzt sich und legt kein Wert mehr auf ihr Äußeres. Aber sie will sich nicht helfen lassen.

Man hat zeitweise den Eindruck, dass sie völlig "normal" ist und dann schwankt sie wieder über und schreit um sich. Früher hätte man wohl gesagt, "Sie ist vom Teufel besessen". Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt, kann man die Stimmung von ihr bezeichnen. Da sie aber 19 ist und sie volljährig ist, kann die Mutter wohl kaum was machen. Aber wie kann man dem Kind helfen? Im Moment ist sie wieder bei ihrem "Peiniger". In einem Bericht habe ich gelesen, dass gerade Borderliner denjenigen, der ihnen den Schmerz zufügt, lieben und ihm verfallen sind.

Was kann die Mutter bzw. der Vater machen um dem Kind zu helfen? Welche Schritte müssen und können die Eltern gehen? Die Tochter muss von diesem Mann weg, der ihr immer weiter seelischen und auch körperlichen Schmerz zufügt. Die Tochter fügt sich selber Schmerzen zu und hat auch schon mehrmals mit Selbstmord gedroht. Polizei macht nichts. Da waren die Eltern schon. Jugendamt macht nicht, weil sie 19 ist. Da waren die Eltern auch schon. Aber wer ist zuständig?

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» Diamante » Beiträge: 41860 » Talkpoints: 10,10 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Das ist sicherlich sehr schwierig für die Eltern, da ihre Tochter eben schon 19 und damit volljährig ist. Ich würde den Eltern raten, dass sie sich Hilfe bei einer psychologischen Beratungsstelle holen oder eben bei einem Psychologen. Dieser wird Erfahrungen mit Borderline Patienten haben und den Eltern sicherlich zu etwas raten können.

Ansonsten weiß ich nur, dass in besonders harten Fällen auch eine Entmündigung notwendig ist, um die Tochter dann eventuell Zwangseinweisen zu lassen. Aber das sollte sicherlich nur die letzte Maßnahme sein.

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» Nelchen » Beiträge: 32246 » Talkpoints: -0,17 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Eine ähnliche Frage hatte ich hier auch schon gestellt, wobei die Ursachen da andere waren. Aber die Eltern können eigentlich erst was unternehmen, wenn das Mädchen zu Hause ist bei ihnen und dort wirklich austickt. Anders haben sie keine Chance.

Allerdings kann man dem Mädchen auch nur helfen, wenn es wirklich dazu bereit ist sein Leben zu ändern. Sicherlich kann man die Behörden, und da wäre das Amtsgericht bzw. Vormundschaftsgericht wohl Ansprechpartner, einschalten. Nur mahlen die Mühlen bekanntlich langsam und man wird starke Nerven brauchen. Aber ich hab dir mal den Thread von mir verlinkt. Vielleicht hilft er dir ja.

» Punktedieb » Beiträge: 16548 » Talkpoints: 84,99 » Auszeichnung für 16000 Beiträge



Wenn ihr ''Peiniger'' ihr körperliche Verletzungen zufügt, dann könnte man dagegen rechtlich vorgehen. Voraussetzung hierfür ist aber zwangsläufig auch die Aussage der Tochter selbst, denn ansonsten könnte schließlich jeder gegen Menschen vorgehen, die er nicht mag, in dem er die Polizei auf körperliche Verletzungen der Mitmenschen hinweist. Solange das Mädchen selbst nichts unternimmt und sich nichts helfen lassen will, kann man dagegen nun mal leider auch nicht viel tun und ist mehr oder weniger machtlos. Mein Freund könnte mich theoretisch auch bestehlen, verhauen und vergewaltigen, solange ich nicht eingestehe, dass das gegen meinen Willen war, kann da keiner gegen ihn vorgehen.

Ob es sich dabei um Borderline oder normale Depressionen handelt, wüsste ich jetzt nicht fest zu sagen, allerdings würde ich mich an deiner Stelle da nicht so festsetzen, da das was ich davon bisher gehört habe, sich auch durchaus um eine ganz gewöhnliche Depression handeln kann, die sich in der Form nur so extrem ausweitet, weil eben auch noch der Charakter des Mädchens dazu kommt, der möglicherweise einfach von Grund auf eher launisch ist. Auch Depressionen äußern sich in den von dir genannten Anzeichen, Eine Borderline Persönlichkeitsstörung geht an sich noch ein ganzes Stück weiter, daher würde ich mich da nicht so darauf festsetzen, zumal es einem in diesem Fall eh nicht wirklich weiter hilft, denn das Mädchen könnte sonst was haben, solange sie sich nicht helfen lässt, spielt das erstmal für die anderen keine Rolle und auch die Polizei kann da wenig machen, wenn sie sich nicht selbst dazu bekennt, dass sie von diesem Mann verletzt wird.

Eine Möglichkeit wäre natürlich, das Mädchen zu einer Therapie zu zwingen, indem man sie, wenn sie mal wieder ihren Tiefpunkt erlangt, zu einer Sitzung mitnimmt und dann eventuell, nachdem man die Meinung des Therapeuten oder Psychologen eingeholt hat, auch einweist. Aber das ist mit viel Willenskraft von der Familie aus verbunden, außerdem kann man natürlich auch damit rechnen, dass das ganze nicht gerade günstig enden wird. Einen Versuch ist es vielleicht wert, aber ansonsten bleibt einem auch wirklich nicht viel mehr, als zu reden und Hilfe anzubieten.

» Crispin » Beiträge: 14933 » Talkpoints: 5,95 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Erst muss Borderline diagnostiziert werden. Danach rate ich dringend zu einer Therapie. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Selbstverletzung und Selbsthass ist schon ein sehr starkes Merkmal. Auch die Stimmungsschwankungen sind Indikatoren. Kümmert euch schleunigst drum.

» Jesper1976 » Beiträge: 3 » Talkpoints: 0,73 »


Mag sein, dass erst einmal eine offizielle Diagnose feststehen muss, aber wenn die betroffene Person gar nicht einsieht, dass sie ein Problem hat und sich dann auch gar nicht zum Handeln motiviert fühlt, dann bringt es doch gar nichts, wenn man versucht ihr eine Therapie aufzudrücken oder andere Hilfsmaßnahmen einleitet. Sie muss selbst dazu bereit sein, Hilfe anzunehmen und etwas ändern zu wollen, ansonsten redet man gegen eine Wand und sämtliche Hilfe ist für die Katz.

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: -0,26 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Es ist sehr traurig aber wenn sich jemand nicht helfen lassen will, kann man Ihm auch nicht helfen. Das kann man, gerade als Eltern, schlecht akzeptieren und muss man auch gar nicht. Aber mehr als immer wieder Hilfe anbieten und der Tochter versichern das man für Sie da ist können die Eltern in diesem Fall vermutlich nicht tun.

Es ist wie bei einem Raucher. Dem kann man noch so oft sagen wie schädlich das Rauchen ist, wenn er es nicht selber will wird er auch so schnell nicht zum Nichtraucher. Auch nicht durch gutes zureden. Das Beispiel hinkt natürlich ein wenig da es bei deinem Beispiel natürlich etwas dramatischer ist, aber das Prinzip ist das Gleiche: Helfen kann man nur dem der sich helfen lassen will.

Natürlich kann man versuchen die Vormundschaft zu erlangen und somit der gesetzliche Betreuer der Tochter zu werden. Das dies aber so einfach geht wage ich zu bezweifeln. Gegebenenfalls könnte man Sie aufgrund der Selbstmordgedanken vielleicht in eine Klinik einweisen lassen. Wie so etwas abläuft und ob das überhaupt geht weiß ich allerdings nicht da ich mit so etwas keine Erfahrungswerte habe.

» Anijenije » Beiträge: 2677 » Talkpoints: 38,16 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich habe viele verschiedene Menschen mit verschiedensten Krankheiten gesehen. Aber bei der Borderline Persönlichkeit ist es meistens so, dass der oder die Betroffene selber einsehen muss, dass er sie krank ist und auch bereit ist, sich helfen zu lassen.

Die Eltern können sonst von Pontius zu Pilatus rennen und es wird überhaupt nichts nutzen, wenn die Tochter selber nicht weiß, warum sie so handelt oder wenn sie gar überhaupt nicht wahr nimmt, dass sie krank ist. Es ist zwar schwierig, da ja das Selbstverletzende Verhalten noch hinzu kommt.

Allerdings würde sich die Person nicht umbringen. Sie macht es nur, um ihren eigenen Körper zu spüren. Das ist zwar nicht gerade toll, aber man muss ehrlich sagen, sie ist ja auch nicht in Selbstmordgefahr. Der Vergleich mit dem Rauchen finde ich übrigens auch gut, denn das Borderline gleicht auch einer Sucht.

Und wir wissen alle, dass man einem Süchtigen, der nicht einsichtig ist, auch nicht helfen kann. Das muss von der Überzeugung von ihm selber kommen.

» nordseekrabbe » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Jetzt muss ich doch einmal nach haken da du erwähnt hast das du schon Menschen mit verschiedensten Krankheiten getroffen hast, vermutlich auch welche mit Borderline. Nun hast du geschrieben das sich Menschen mit Borderline nur spüren wollen und sich nicht selbst umbringen würden. Aber ist es nicht oft so das psychische Erkrankungen, und dass ist das Borderline Syndrom nun mal, oftmals nicht einzeln auftreten sondern Hand in Hand mit anderen psychischen Störungen auftreten. Oder täusche ich mich da?

Denn dann könnte es durchaus sein dass das Mädchen trotzdem Selbstmordgefährdet ist. Ich frage nur weil ich auf diesem Gebiet überhaupt keine Erfahrungen habe, aber meine einmal gehört zu haben das man meisten nicht „nur“ eine psychische Störung hat sondern meistens mehrere. Jetzt bin ich nämlich wirklich neugierig ob ich mich da richtig erinnere oder mich täusche. Gibt es Fälle von Menschen mit Borderline die sich tatsächlich das Leben genommen haben?

» Anijenije » Beiträge: 2677 » Talkpoints: 38,16 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Klar könnte das Mädchen auch selbstmordgefährdet sein. Allerdings führen die meisten es nicht durch. Sie leiden jahrelang unter der Krankheit, obwohl sie es sich selber nicht eingestehen wollen. Das wichtigste ist, dass man dem Mädchen ein stabiles Umfeld gibt. Mehr können die Eltern in diesem Fall nicht machen. Sie sollten dem Mädchen signalisieren, dass sie jederzeit für sie da sind.

» nordseekrabbe » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


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