Wie Medikamente zu Angeberei werden
Vor einigen Jahren war ich gesundheitlich nicht gerade auf dem Hochpunkt und habe damals einige Monate im Krankenhaus verbringen müssen und musste auch sehr viele Medikamente nehmen, was auch bis heute noch so ist, wenn auch nicht mehr so ausgeprägt, wie früher. Ich habe es damals als große Belastung empfunden, regelmäßig all diese Pillen und Kapseln zu mir zu nehmen, man musste die Zeit einhalten und die Art der Einnahme, durfte sie nicht vergessen und nicht verwechseln und nicht verlieren. Das Schlucken größerer Kapseln fiel mir oftmals schwer und so war ich umso erleichterter, als das endlich ein Ende hatte und ich nicht mehr gezwungen war, regelmäßig all diese Chemie zu mir zu nehmen.
Ich besuche momentan die Oberstufe eines Gymnasiums und in einem meiner Kurse ist mir nun ein Mädchen aufgefallen, dass scheinbar gerade zu stolz darauf zu sein scheint, dass sie Medikamente nimmt. Es sieht in etwa so aus, dass sie sich nicht nur mit ihrer Freundin lautstark über ihre, ah so schweren gesundheitlichen Probleme unterhält, nein sie verkündet uns allen auch noch laut und deutlich, dass sie jetzt ihre Tablette nehmen wird. Das macht sie dann auch noch so auffällig (lautstarkes hervorkramen der Verpackung, knisterndes Entnehmen der Tablette, die sie dann vor sich auf den leeren Tisch legt und sie dann gewissenhaft mit einem Schluck Wasser hinunter würgt, nachdem sie die Verpackung wieder eingeräumt hat), dass es eben einfach niemand übersehen kann und das die Lehrer auch geradezu dazu provoziert werden, danach zu fragen, was denn das nun war.
Vor einigen Wochen verkündete sie uns einmal nahezu stolz, dass sie an einem Magnesiummangel leide und es sich dabei eben um Magnesiumtabletten handele, die sie einnehme. Seit letzter Woche nun hat sie angeblich Medikamente gegen eine Schilddrüsenunterproduktion, an der sie leidet und die Tabletten kann sie selbstverständlich auch nicht zu Hause einnehmen, sondern muss das genau in der Schule machen. Ich muss dazu sagen, dass ich in der Schule auch Medikamente nehmen musste und teilweise noch nehmen muss, allerdings ist mir das oftmals unangenehm, so dass ich das zur Pause unauffällig mache oder sogar auf die Toilette gehen. Es muss nicht jeder sehen, was ich habe und das ich etwas dagegen nehmen muss und ich mag auch das Verhalten der Menschen gegenüber mir nicht, wenn sie wissen, dass ich krank bin und mich dann bemitleiden und diese aufgesetzte, künstliche Höflichkeit an den Tag legen.
Besagte Kurskameradin nun nutzt dies auch öfters mal aus, um zu erwähnen, dass sie definitiv nicht nach vorne an die Tafel gehen kann, da ihr sonst schwindelig werden würde und sie wird zum vorlesen auch nicht aufstehen, denn dann könnte sie möglicherweise umkippen, oh Schande. Zu jeder nur möglichen Gelegenheit mosert sie rum und erzählt allen, wie krank sie doch sei und dass sie Tabletten nehmen muss. Besonders da es sich um so alltägliche Dinge wie einen Magnesiummagel handelt, finde ich das einfach nur schrecklich lächerlich und albern. Sie nutzt diesen Vorwand geradezu aus um nichts machen zu müssen und trotzdem im Mittelpunkt zu stehen und vorzuzeigen, wie klein, zerbrechlich und bemitleidenswert man doch ist.
Ich finde ein solches Verhalten shcon sehr armselig und rege ich mich jede Stunde auf, wenn ich dieses Mädchen in meinem Kurs treffe und sie dabei sehe, wie sie ihre Medikamente ''einnimmt'' und sich vor der Klasse gebahrt. Kennt ihr auch solche Menschen, die aus einer kleinen, unwichtigen Krankheit oder auch nur einem Mangel ein solches Theater machen und von allen Mitleid erheischen wollen? Wie reagiert ihr auf ein solches Benehmen?
Ich muss leider immer meine Medikamente gegen mein Asthma mit mir führen. Leider komme ich auch in der Schulzeit nicht immer daran vorbei, es in Pausen oder vor der Schule einzunehmen. Ich verkrieche mich dann meistens jedoch unter den Tisch oder mache es möglichst unauffällig.
Das Verhalten des Mädchens ist absolut nicht nachvollziehbar. Ich weiss selbst wie schwer es ist, seine Medikamenteneinnahme je nach Zustand zu verheimlichen, aber ich selbst schäme mich eher dafür, als dass ich es rumposaune.
Vielleicht leidet das von dir beschriebene Mädchen einfach nur unter einem Mangel an Aufmerksamkeit und den versucht es durch das Bekanntmachen ihrer gesundheitlichen Mängel auszugleichen.
Ich muss selbst Medikamente nehmen, mache jedoch keinen Aufstand deswegen. Aber ich selbst kenne auch solche Menschen, die immer und immer wieder betonen müssen, wie schlecht es ihnen doch geht und wie enorm wichtig ihr Medikamentenkonsum doch ist. Meistens ignoriere ich es gepflegt und frage nur, ob die Person lebenswichtige Medikamente einnehmen muss und was man im Notfall tun kann.
Ich habe meine Arbeitskollegen und meine Mitschüler natürlich über mein Asthma informiert, damit sie wissen wo im Notfall was zu finden ist. Das empfinde ich jedoch auch als sehr wichtig. Ansonsten finde ich, dass eine Medikamenteneinnahme nichts ist, womit man hausieren sollte.
Versucht doch dem Mädchen einfach mal zu sagen, wie sehr euch das Gebahren ihrerseits nervt. Wenn sie darauf nicht reagiert, fragt sie doch einfach ob sie etwas Lebensgefährliches hat, wenn nein, dann geht einfach nicht mehr darauf ein.
Das Mädchen aus einer Schule ist kein Einzelfall. Allerdings kenne ich viele Leute, die sich durch ihre Krankheiten wichtig machen. Deine Schulkameradin scheint die Medikamente ja auch nur so offensichtlich einzunehmen, damit alle anderen es mitbekommen und sie nach ihrer Krankheit fragen. Es ist schon traurig, dass sich diese Menschen mit ihren Gebrechen profilieren.
Wie so viele Menschen, habe ich auch das ein oder andere gesundheitliche Manko und lebe eben irgendwie damit. Aber nicht jeder weiß, welche Krankheiten ich habe und das ist auch gut so. Ich möchte zum einen nicht gern darüber reden und mich dadurch sicher nicht aufspielen. Ich kann meine Medikamente zum Glück immer zu Hause nehmen. Mir wäre es auch unangenehm, wenn ich das irgendwo in der Öffentlichkeit machen müsste. Dafür würde ich mir dann auch einen ruhigen Ort suchen.
Das Mädchen in deiner Schule scheint wohl kein besonders ausgeprägtes Selbstbewusstsein zu haben. Sonst würde sie nicht so eine Show um ihre Tabletteneinnahme machen. Sie möchte so Aufmerksamkeit erhaschen und sich interessant darstellen. Es ist schon traurig, dass sie meint, dass sich nur dadurch andere Menschen für sie interessieren.
Jeder Mensch geht anders mit seinen Krankheiten um und das ist wohl Altersunanhängig. Wobei man es halt doch eher im ländlichen Bereich beim Arzt beobachten kann, wo sich die älteren Leute ja meist kennen. Diese sind auch rege damit beschäftigt über ihre Zipperlein zu philosphieren und wie viele Pillen sie zu welchen Zeiten nehmen müssen.
Das es dir unangenehm ist, wenn jemand mitbekommt, das du Medikamente nehmen musst und das eben scheinbar mit dir selbst ausmachst, ist deine Sache. Aber andere dafür verurteilen, wie sie mit ihrer Erkrankung umgehen, ist eine andere Sache. Selbst wenn dieses Mädchen in gewisser Weise auch einen Nutzen daraus zieht und dir das ganze Verhalten nicht passt. Sie geht halt lieber in die Offensive und erhascht dabei noch Mitleid und kann vielleicht damit besser mit der ganzen Situation umgehen.
Übrigens tut nicht jeder Mitleid heucheln, der dich nach deinem Gesundheitszustand fragt, weil er mitbekommt, das du Medikamente nehmen musst. Es gibt genug Menschen, die dann ehrliches Interesse haben. Und je offener man in seinem nächsten Umfeld damit umgeht, desto weniger Fragen wird es auf Dauer dazu geben.
Es liest sich schon so, als würde Deine Schulkameradin sich mit ihrer Krankheit in den Mittelpunkt stellen wollen und damit mehr oder weniger hausieren zu gehen. Du hast auch geschrieben, dass die Lehrer dafür provoziert werden, nachzufragen, weshalb sie das besagte Medikament nimmt. Wurde sie auch tatsächlich gefragt oder kam es Dir nur so vor, als würde sie provozieren? Aber davon gibt es einige Menschen, die ihre Krankheit quasi dazu missbrauchen, um sich so zu benehmen. Ich würde es ihnen auch nicht ankreiden, sondern sie so lassen, wenn es ihnen damit gut geht.
Ich selbst jabe ja lange nach meiner Ausbildung meine Diagnosen erhalten und so wie Du hätte ich in meiner Schulzeit auch gehandhabt, mich möglichst diskret damit zu verhalten. Sicherlich kann ich nicht abstreiten, dass ich durchaus auch damit hausieren gegangen wäre, aber ehrlich gesagt bin ich sehr froh, dass diese Diagnosen nach meiner Schulzeit gestellt wurden. In der Öffentlichkeit messe ich diskret meinen Blutzucker und stelle auch diskret die Insulinabgabe an meiner Pumpe ein, wenn es nötig wird. Als ich das Insulin noch spritzen musste, bin ich selten damit zur Toilette gegangen, sondern habe möglichst unauffällig in einer Ecke die Einheiten abgegeben.
Ich muss fast immer schmunzeln, wenn jemand sehr offen mit seinen Krankheiten und seinen Medikamenteneinnahmen umgeht. Aber darüber rege ich mich nicht auf, weil ich mir dazu meinen Teil denke und es doch eh nicht ändern kann. Mir fällt es schon unangenehm auf, aber andererseits brauchen diese Leute wohl diese Aufmerksamkeit. Gesunde Menschen, sofern sie Aufmerksamkeit benötigen, holen sie sich eben woanders. Bei Kleinigkeiten wie Magnesiummangel kann man es übertreiben und solange darauf stets eingegangen wird, wird sich an diesem Verhalten auch nichts ändern. Ich denke einmal, Deine besagte Schulkameradin poliert vielleicht auch mit dieser Aufmerksamkeit einfach ihr Selbstbewusstsein auf.
Ich kann dich gut verstehen, ich hatte auch mal eine Arbeitskollegin, die ihre Medikamente so offensichtlich eingenommen hat, dass jeder sie sehen musste. Da wir in einer Apotheke arbeiten, hat jeder die Tabletten dann auch gleich erkannt und sollte dann entsprechend reagieren. Am Anfang haben wir auch noch reagiert und gefragt, aber irgendwann haben wir das einfach nur ignoriert, weil es uns sehr genervt hat, dass sie sich über irgendwelche Krankheiten in den Vordergrund drängen wollte.
Bei deiner Klassenkameradin wird es wohl ähnlich sein, aber eigentlich finde ich es einfach nur lächerlich, wenn man sich über so etwas banales, wie einen Magnesiummangel in den Vordergrund drängen möchte und damit scheinbar angeben will. Bei den Tabletten für die Schilddrüse kannst du ihr sagen, dass man diese früh morgens, noch vor dem Frühstück einnehmen muss und diese Einnahme nicht auf die Schulzeit verlegen sollte.
Einmal abgesehen davon, dass ein Magnesiummangel keine Krankheit darstellt, möchte sich deine Kurskameradin wohl nur aufspielen und auf sich aufmerksam machen, denn schwindelig werden wird es ihr sicherlich nicht, wenn sie nur unter einem Magnesiummangel leidet. Ein Aufstehen vor der Klasse empfindet sie wohl eher als ungut und peinlich, so dass sie ihren Mangel vorschieben muss. Sollte es wirklich so sein, dass ihr beim Aufstehen schwindlig wird, dann dürfte sie ja auch am Ende der Stunde und in den Pausen nicht aufstehen
.
Vielleicht solltet ihr einmal bei ihr nachfragen, was wirklich hinter ihrem Geltungsbedürfnis steckt und warum sie diese Aufmerksamkeit braucht. Vielleicht steckt irgendetwas Ernstes dahinter. Vielleicht hat sie sonst keine Freunde, mit denen sie reden und etwas unternehmen kann und die ihr dann zuhören. Vielleicht hat sie eben einfach nur ein psychisches Problem, aber um das heraus zu finden, solltet ihr mit ihr einmal in einer ruhigen Minute sprechen.
Wenn sie wirklich nur Aufmerksamkeit braucht und sich auch von euch nicht helfen lassen möchte, dann kann ich auch nur dazu raten, sie komplett zu ignorieren, denn wenn ihr dann keiner mehr zuschaut, wird sie vielleicht früher oder später selber auf den Trichter kommen, dass sie ihre Magnesiumtabletten auch anders einnehmen könnte, weil sie sowieso keiner mehr beachtet und sie für diese Einnahme bemitleidet.
Ich würde sie ignorieren, allerdings nicht in ihrer ganzen Persönlichkeit, sondern nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Krankheiten und Medikamente. Wenn sie merkt, dass sie damit kein Interesse mehr erzeugen kann, wird sie auch damit aufhören. Ansonsten würde ich sie aber ganz normal freundlich behandeln. Vielleicht hat sie dieses sich Hervortun durch ihre Krankheit ja von ihren Eltern, die ihr die Aufmerksamkeit nur geschenkt haben, wenn sie krank war. Man sollte ihr zeigen, dass sie auch ohne Krankheit interessant ist.
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