Tod im Krankenhaus durch resistente MRSA-Keime verhindern.

vom 26.10.2010, 21:43 Uhr

Der gefährlichste Krankenhaus-Keim ist MRSA (multiresister Staphylococcus Aureus) , ein kugelförmiges Bakterium, das bei 25 - 30 % der Menschen auf der Haut zu finden ist. Die Bakterien verdoppeln sich alle 20 Minuten. Im Körper eines gesunden Menschen können sich diese Bakterien nicht einfach so ausbreiten. In Fällen von offenen chronischen Wunden, Weichteilinfektionen und Operationen kann es nach medizinischer Behandlung zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Knochenmarksentzündung, Lungenentzündung, Endokarditis, Toxischem Schocksyndrom und Sepsis führen und zu Amputationen von Gliedmaßen.

Alleine in Deutschland gibt es 75.000 - 1 Million Erkrankter durch MRSA nachweisbar. Jährlich sind 50.000 Tote durch den Keim zu beklagen. Gegen die Keime hilft so gut wie kein Antibiotikum mehr; sie sind resistent geworden gegen die meisten Antibiotika. Patienten die im Krankenhaus mit diesem Superkeim infiziert wurden, werden ihn kaum wieder los. In Deutschland wird ein Antibiotikum großzügig angewendet. Das führt zu resistenten Bakterien. Eine erfolgreiche Sanierung kann bis zu 40 Monaten oder länger dauern.

Ein dramatischer Anstieg der Infektionen ist bedingt durch die nicht richtige Umsetzung der vorbeugenden Hygienemaßnahmen. Das Personal ist nicht genügend geschult. Menschen müßten nicht sterben, wenn in Kliniken die Hygienevorschriften beachtet würden. Jeder 2. Arzt desinfiziert nicht fachgerecht seine Hände. Beim Pflegepersonal ist das ebenfalls zu beanstanden. Auch die Hygiene von Klinikbetten bereitet Probleme. Matratzen, Bettrahmen, Kissen und Decken werden nicht nach jedem Patiernten gereinigt, ebensowenig das Schränkchen am Bett und der Haltegriff über dem Bett. Medizische Geräte bleiben kontaminiert.

Ins Krankenhaus geht man, um gesund zu werden, aber oft halten es Ärzte und Klinikpersonal für überflüssig, bei Wundversorgung oder Verabreichung von Spritzen Gummihandschuhe anzuziehen. Die Säuberung der Krankenzimmer duch eine Putzkolonne dauert mit WC ca. 5 Minuten. Experten haben bewiesen, dass der Tod durch Infektionen verhindert werden kann. Ärzte und Pflegepersonal sind dafür verantwortlich. Die Ärzte schweigen dekadent. Viele Patienten werden depressiv, was verständlich ist. Nach einer Infektion bricht die Wunde wieder auf, die Schmerzen werden schlimmer. Die Patienten werden teilweise mit einem Info-Blatt entlassen und müssen nun selbst sehen, wie sie klar kommen.

Die Niederlande konnte als einziges europäisches Land die Ausbreitung der MRSA-Keime in Krankenhäusern fast auf Null senken. Die Deutsche Gesellschaft dür Krankenhaushygiene schätzt, dass bis zu 50% der Infektionen vermieden werden könnten durch bessere Hygiene. Die Krankenhäuser sollen auf schärfere Hygiene-Regel verpflichtet werden. Betten sollen garantiert keimfrei werden. Es sollen Hygiene-Fachleute auf Regeleinhaltung achten laut Ministerium.

Pofessor Dr. Friedrich, Leiter des Hygieneinstituts der Uni Münster hat durch Vorträge und Anleitungen geschafft, dass Kliniken im Münsterland weniger belastet sind. In deutschen Kliniken an der deutsch-niederländischen Grenze, die sich dem EUREGIOprojekt angeschlossen haben sind 5 - 10% Abstriche positiv, im Ruhgebiet 50%. Die Niederländer machen bei Einlieferung des Patienten ins Krankenhaus sofort einen Abstrich. Er wird isoliert, wenn MRSA-Verdacht besteht. Erst wenn er frei von Erregern ist, kommt er auf die normale Station.

Viele deutsche Ärzte fahren in die Niederlande um sich selbst behandeln zu lassen wenn sie krank sind, andere gehen in die Uniklinik Münster. Sagt das nicht alles?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Vor gut zwei Jahren wurde ich täglich mit dem Thema MRSA konfrontiert, weil ich einer Klinik als FSJlerin gearbeitet habe und den Krankenschwestern dort unter die Arme greifen musste. Damals gab es eigentlich immer mindestens einen Patienten, der MRSA-Bakterien hatte.

Um dafür zu sorgen, dass sich das Bakterium nicht ausbreitete, mussten alle, die das Patientenzimmer betreten wollten, Schutzkittel, Mundschutz und Handschuhe tragen. Allerdings kamen auch oft Besucher, die die Regeln einfach nicht verstanden und ohne Schutzkleidung die Räumlichkeiten betraten. Da viele Krankenschwestern keine Zeit hatten um immer ein Auge auf das Zimmer zu werfen, konnten sie auch nicht verhindern, dass die Besucher das Bakterium wieder mit raus trugen. Dort fassten sie dann Stühle, Tische und Ähnliches an und schon konnte die Verbreitung weitergehen.

Es lag aber nicht nur an den Besuchern, sondern auch oft an den Krankenschwestern selbst, die beim Betreten und Verlassen der Patientenzimmer ihr Hände nicht desinfizierten, oder nach dem Behandeln des einen Patienten vergaßen für den nächsten die Handschuhe zu wechseln. Die Bakterien hatten es also nicht sonderlich schwer sich zu verbreiten.

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» VanaVanille » Beiträge: 408 » Talkpoints: 0,12 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Du hast vollkommen Recht. Es wird alles angefaßt, aber die Hände werden nicht desinfiziert, nicht nur bei Krankenschwestern, auch bei Ärzten. Den Patienten werden dann entsprechend der Anweisung der Ärzte mit nicht desinfizierten Händen die Tabletten in einem Plastiktöpfchen gegeben.

Weil das Blutdruckmessgerät im Zimmer kaputt ist, nimmt man eben das vom Nebenraum. Bevor der Arzt kommt, wird noch eben mit nackten Fingern die Wunde freigelegt und dann schnell zum nächsten Fall.

An den Türen der Isolierzimmer (es gibt viele in einem Krankenhaus) sind große Schilder angebracht mit Verhaltenshinweisen. Deshalb verstehe ich nicht, wie Besucher einfach eintreten ohne Schutz.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Cid hat geschrieben:An den Türen der Isolierzimmer (es gibt viele in einem Krankenhaus) sind große Schilder angebracht mit Verhaltenshinweisen. Deshalb verstehe ich nicht, wie Besucher einfach eintreten ohne Schutz.


Genau das habe ich auch nie verstanden. Vor der Tür des Zimmers hing immer ein Schild auf der die Warnung "Bitte vor dem Betreten die Schutzkleidung anziehen!" geschrieben stand, beachtet hat das allerdings kein einziger Besucher. Ich weiß bis heute nicht, ob die Leute dachten, dass sich das Schild nur auf die Krankenschwestern bezieht, aber das kann man sich auch schwer vorstellen. Sonst haben die Menschen doch auch immer Angst vor Krankheiten und Bakterien, aber da scheinen sie diese vollkommen zu ignorieren.

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» VanaVanille » Beiträge: 408 » Talkpoints: 0,12 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Also auch MRSA-Besucherin habe ich ja durchaus eingesehen, dass man mit diesem ganzen Einmal-Überziehzeugs die Verbreitung von MRSA eindämmen möchte. Diese Maßnahmen wären jedoch überflüssig, wenn sich Patienten in Krankenhäusern und Heimen diesen Keim erst gar nicht zuziehen würden. In anderen Ländern wird doch auch vorher kontrolliert und nicht danach mit übertriebener Vorsicht gearbeitet.

Wenn ich nun ordnungsgemäß vor der Tür (im möglicherweise sowieso MRSA-besiedelten Krankenhaus) meine Haare unter der Kopfhaube verstecke, mir den Mundschutz umbinde, mir einen Kittel umhänge, Handschuhe anziehe und möglicherweise noch meine Schuhe mit Schutz überziehe, dann ist meine Kleidung, Haare und Haut weitestgehend geschützt. Doch sobald ich dann drinnen Keime auf der Schutzkleidung angesammelt habe, muss ich doch erst mal wieder aus dem Zimmer und mich dort dann des Schutzes entledigen.

Die Schutzkleidung muss ich danach doch sowieso anfassen, mit meiner Kleidung nach Hause und wenn ich die Handschuhe als letztes ausziehe, habe ich vorher mit diesen (die vorher möglicherweise MRSA Kontakt hatten) Handschuhe doch bereits wieder andere Stellen berührt. Und als Angehöriger plötzlich vermummt vor seinem schwer kranken Angehörigen stehen zu müssen, findet nicht jeder angenehm. Ganz abgesehen davon, wurde mir damals bestätigt, dass der Keim einem gesunden Körper nichts anhaben kann und hauptsächlich für ältere, schwache Personen Gefahr besteht.

Ich verstehe auch nicht wirklich, warum man es nicht schafft deutsche Kliniken auf den selben Stand zu bringen, wie es in vielen anderen Ländern der Fall ist. Und wenn ich so manches Utensil im Krankenhaus sehe, dann wundert mich nicht nur der MRSA Keim wenig. Immerhin wurde hier nun "aufgerüstet" und es stehen immerhin in jedem Zimmer und auf jedem Flur, sowie am Ausgang Desinfektionsmittelspender. Bisher sogar immer gefüllt, was ich anderswo auch schon anders erlebte.

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» Trisa » Beiträge: 3323 » Talkpoints: 38,55 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


@Trisa, es ist ein Trugschluss, dass andere Länder besser sind als Deutschland. Lediglich die Niederlande machen es uns und anderen Ländern vor, wie es richtig gemacht werden muss. In vielen Ländern ist die Verbreitung dieser gefährlichen Keime noch schlimmer als bei uns, ein Beispiel in Europa ist England und vor allem ganz schlimm Frankreich. In Amerika sieht es ebenfalls ganz böse aus. Die Niederländer machen grundsätzlich bei allen Patienten bei der Krankenhausaufnahme mehrere Abstriche. Sie können so sehr schnell feststellen, ob jemand ein Bakterienträger ist. Er wird dann sofort isoliert. In Deutschland sind sie jetzt erst teilweise dazu übergegangen, vereinzelte Abstriche zu machen, nicht bei allen. In den Niederlanden werden die einzelnen Abstriche mit jeweils neuem Material gemacht, so benötigt man fünf Röhrchen. In Deutschland nimmt man statt fünf nur ein Röhrchen und macht mit dem selben insgesamt drei Abstriche, zwei spart man sich. So hat man kostenmäßig nur ein Röhrchen abzurechnen, es geht bei uns nur um Geld einsparen. Diese Maßnahme ist völlig unzureichend und irreführend.

Es ist richtig, dass der Keim einem gesunden Körper nichts antun kann. Aber sobald du dich verletzt, kann der Keim in die Wunde eindringen. Oder aber, du kannst als Gesunder die Keime an andere Personen, die vielleicht verletzt sind, weitergeben. Es ist nicht richtig, dass hauptsächlich ältere, schwache Personen diesen Keim bekommen. In Altersheimen sind viele damit belastet, nicht weil sie schwach sind, sondern krank sind – Wunden haben – und er dort leichter übertragen werden kann. Aber auch diese Menschen haben sich den Keim irgendwo eingefangen – meist im Krankenhaus! Besonders in der Intensivstation und in der Dialyse- Abteilung, aber auch im OP.

Mit deiner Schutzkleidung sollst du nicht aus dem Zimmer gehen. Die Kleidung wird an der Tür ausgezogen und in einem, im Zimmer bereitstehenden Behälter geworfen. Dann erst gehst du aus dem Zimmer und benutzt das Desinfektionsspray. So soll es richtig sein.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


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