Verbrennungen mit sehr warmen Wasser behandeln?

vom 06.05.2010, 21:46 Uhr

Bisher dachte ich immer, dass man kleine Verbrennungen sofort mit sehr kaltem Wasser behandeln soll und mindestens 10 Minuten kaltes Wasser über die Brandstelle geben soll. Vor einiger Zeit meinte eine Bekannte zu mir, dass sie, wenn sie sich in der Küche verbrennt nur noch mindestens 45 Grad warmes Wasser über die Stelle laufen lässt und seitdem sie das macht hat sie nie wieder Brandblasen bekommen.

Heute habe ich mich dummerweise wieder mal am Backofen verbrannt und ich neige auch sehr schnell dazu Brandblasen zu bekommen, die erst Stunden später richtig herauskommen, auch wenn ich mit kaltem Wasser behandel. Also habe ich mir heute mal den Rat meiner Bekannten zu Herzen genommen und habe ein paar Minuten sehr warmes Wasser über die Hand laufen lassen. Und was soll ich sagen, ich habe keine Brandblase bekommen und die heute mittag noch gerötete Stelle ist nicht mehr gerötet und sieht aus, als wenn ich mich nicht verbrannt hätte. Auch brennt es nicht mehr.

Jetzt frage ich mich doch, wie es kommt, dass sehr warmes Wasser wohl bei kleinen Verbrennungen besser hilft als das Auskühlen der Brandstelle. Warum habe ich Brandblasen und brennende Schmerzen, wenn ich eine Brandstelle mit kaltem Wasser "lösche", aber wenn ich Wasser nehme, was mehr als meine Körpertemperatur hat nicht? Ist das heute Zufall gewesen? Meine Bekannte meinte, dass es bei ihr immer so ist. Wie kann man es medizinisch erklären?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Beim Durchlesen deiner Frage hat es mich ehrlich gegruselt. Was bitte macht deine Bekannte, wenn sich, falls vorhanden, eins ihrer Kleinkinder verbrüht. Ein Kinderbad soll schon nicht heißer als 36 Grad Temperatur haben, aber sie würde die Verbrennungen ernsthaft mit 45 Grad heißem Wasser "löschen" wollen?

Kleinere Verbrennung gehören gekühlt. Das das nun in deinem Falle gut gelaufen ist, mag Glück gewesen sein. Wenn man sich verbrannt hat, sollte man maximal 5 Minuten kühles Wasser auf die betroffene Stelle laufen lassen. Laufendes Wasser aus der Leitung deshalb, damit eventuell, je nach Schweregrad der Verbrennungen, nicht noch Keime in die Wunde eingebracht werden. Eis sollte allerdings zum Kühlen auch nicht verwendet werden. Eis kann, genauso wie Heißes, "Verbrennungen" verursachen (= Erfrierungen).

» werweissdasschon » Beiträge: 224 » Talkpoints: 0,52 » Auszeichnung für 100 Beiträge


@werweissdasschon. Meine Bekannte hat keine Kinder und ich habe auch nicht davon gesprochen, dass man es bei Kindern so machen soll. Meine Bekannte hat eine geschätzte Temperatur genommen, die mehr sein muss als die normale Körpertemperatur. Sie meint, ca. 45 Grad. Ich schätze aber eher etwas weniger. Dass man ein Babybad nicht so heiß machen kann ist mir klar. Aber davon war ja gar nicht die Rede. Und mit dieser Temperatur kann man sich als Erwachsener nicht verbrennen.

Ich rede ja auch hier von kleineren Verbrennungen und ich bekomme immer Brandfblasen, wenn ich mich am Backofen verbrenne. Da kann ich kühlen wie ich will und Brandsalbe drauf schmieren. Aber gestern mit dem wirklich warmen Wasser ist das wirklich weggegangen. Ich habe heute morgen nicht mal eine kleine rote Stelle, die daran erinnert, dass ich mich am Backofen verbrannt habe und es tat als es geschah schon sehr weh.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Diesen Tipp, dass man bei Verbrennungen warmes Wasser zur Erstversorgung nehmen soll, habe ich auch noch nie gehört. Ich bin auch immer davon ausgegangen, dass man die Brandwunde kühlen soll. Das gilt sowohl für Verbrennungen mit zum Beispiel eben einem Wasser oder wie in deinem Fall mit einem Backblech, als auch bei einem Sonnenbrand, der ja genau genommen ebenfalls eine Verbrennung ist.

Die Cremen, die man eben bei Sonnenbrand aber eben auch bei anderen Verbrennungen nimmt, sollen ja auch eher einen kühlenden Effekt haben. So gesehen finde ich diese Theorie auch sehr seltsam.

Aber scheinbar dürfte es nun auch bei dir gewirkt haben. Eine wirklich logische Erklärung dafür habe ich auch nicht. Vor allem denke ich, dass es doch dann irgendwie ein wenig mehr bekannt wäre, dass man Brandwunden mit warmen Wasser bahandeln kann oder sogar soll. Vielleicht bekommt man dann keine Blase, weil der Temperaturunterschied zur Verbrennung nicht so groß ist und sich so die Haut leichter anpassen kann? Ich weiß es jedoch nicht, das sind reine wilde Spekulationen ohne jeglichem Hintergrund!

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» tournesol » Beiträge: 7773 » Talkpoints: 0,38 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



War deine Verbrennung vielleicht nicht so stark und der Kontakt mit dem Backblech nur sehr kurz? Vielleicht lag es daran, dass du keine Brandblase bekommen hast? Oder vielleicht hat doch das Wasser, auch wenn es nicht wirklich kalt war, aber vielleicht dennoch kälter, wie das Backblech, eine kühlende Wirkung gehabt, so dass eine Brandblase vermieden werden konnte?

Ich kenne dieses Verhalten nach einer Verbrennung auch nicht. Ich war seither auch immer der Meinung, dass man mit fließendem kalten Wasser mindestens eine Viertelstunde lang kühlen sollte. Der Einwand mit den fünf Minuten kühlen kenne ich ebenfalls nicht, da eine Brandverletzung im ersten Moment nach der Verbrennung ja noch keine offene Wunde darstellt, in die Keime kommen könnten. Wichtig ist hinterher, wenn eine Brandblase vorhanden ist, dass diese nicht geöffnet wird, da in diesem Fall dann Keime eindringen könnten und die Wunde infizieren könnten.

Außer besagten üblichen Cremes oder Gelen, die man aber wohlgemerkt, nach einer ausreichenden Kühlung auftragen sollte (nachdem man die Tube aus dem Kühlschrank geholt hat, wo die Lagerung zu bevorzugen wäre, da ein Gel dadurch einen noch stärkeren Kühleffekt aufweist), könnte man kleinere verbrannte Stellen auch mit ein paar Tropfen reinen Lavendelöls behandeln. Das hilft ebenfalls recht gut bei Verbrennungen.

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» Nettie » Beiträge: 7637 » Talkpoints: -2,59 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Von der Threadüberschrift her hat Diamante vollkommen recht, schwerere Verbrennungen gehören mit wärmeren Wasser behandelt, allerdings sollte das Wasser halt kalt bis lauwarm sein. Gerade bei schwereren Verbrennungen könnte das kalte Wasser direkt aus der Wasserleitung sogar noch schädlich sein. Bei schlimmeren Verbrennungen, also alles was über einen bloße Blasenbildung hinaus geht, sollte eh immer sofort ärztlicher Rat hinzugezogen werden.

Allerdings würden Temperaturen von 45°C über mehrere Minuten Hinweg schon wieder zu einer weiteren Verbrennung führen. Ich denke mal deine Freundin hat schlichtweg etwas übertrieben, oder einfach kein Gespür für Temperaturen. :wink:

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» Julix » Beiträge: 2566 » Talkpoints: -1,81 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ich vermute mal, das es einfach Zufall sein wird, das du nun keine Brandblase bekommen hast. Denn bei einer Verbrennung soll man für ca. 5 Minuten halt die betroffene Stelle kühlen. Und das am besten mit Leitungswasser, welches ca. 20 Grad hat. Also nicht auf komplett kalt stellen, wenn man Wasser über die verbrannte Stelle laufen lässt.

Das ganze hat den Sinn, das man eine Ausbreitung der Verbrennung verhindert. Sprich die Stelle wird dann nicht grösser, denn ohne Kühlung würden die nächsten Regionen der Haut mit betroffen.

Um das mal auf allgemeine Verbrennungen, wie eben auch beim Sonnenbrand, zu beziehen, ist es eben wichtig, das man an der Stelle die Hitze aus dem Körper zieht. Und das eben nicht mit extrem kalten Mitteln, sondern nur, welche die etwas kühler als die normale Körpertemperatur sind. Sonst besteht halt die Gefahr der Erfrierung.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Ich bin auch der Meinung von Punktedieb, das es wirklich nur ein Zufall war, den ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das heißes Wasser irgendwie etwas beeinflusst, das man keine Brandblasen bekommt.

Ich möchte hier einen Fall schiildern, wo mein Kind sich vor einigen Jahren sehr schwer verbrannt hat. Er zog sich die heißen Nudeln vom Kochherd, und es landete alles auf seinem Nacken bzw. auf der linken Seite vom Gesicht. Nur weil ich eine Sekunde nicht aufgepasst hatte. In meiner Panik, weil er sichtlich schon eine sehr rote Haut nach 2 Sekunden hatte, nahm ich ihn und gab ihn in die Badewanne.

Ich nahm lauwarmes Wasser, und duschte ihn ab! Wickelte ihn, so wie er war in eine Decke und rannte mit ihm zu unserem nahegelegenen Spital. In der kurzen Zeit, die ich benötigte bekam er schon Brandblasen.

Im Spital wurde er gleich versorgt und hatte Verbrennungen 2 Grades (A, und B). Die Ärzte lobten mich für meine schnelle Reaktion mit dem lauwarmen Wasser, den nur dadurch konnte vermieden werden, das mein Sohn bleibende Narben im Gesicht davontrug. Darum, weiß ich das kein kaltes, und auch kein heißes Wasser helfen, nur lauwarmes.

» Redangel » Beiträge: 1289 » Talkpoints: 2,82 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Diamante hat geschrieben:@werweissdasschon. Meine Bekannte hat keine Kinder und ich habe auch nicht davon gesprochen, dass man es bei Kindern so machen soll. Meine Bekannte hat eine geschätzte Temperatur genommen, die mehr sein muss als die normale Körpertemperatur. Sie meint, ca. 45 Grad. Ich schätze aber eher etwas weniger. Dass man ein Babybad nicht so heiß machen kann ist mir klar. Aber davon war ja gar nicht die Rede. Und mit dieser Temperatur kann man sich als Erwachsener nicht verbrennen.

Du gibst aber den Tip deiner Bekannten als eigene gemachte Erfahrung wieder. Warum sollte nun einer, der dem Wunder der Nichtblasenentstehung glauben mag, demnächst einen Unterschied dabei machen, wenn er sich selbst (als Erwachsener) verbrennt oder sein Kind es tut?! Es ist vollkommen egal, ob deine Bekannte selbst Kinder hat, der Tip wird doch dann 1:1 auf jede verbrannte Haut umgesetzt.

Du selbst hast in deiner Überschrift geschieben: mit sehr warmen Wasser. Sehr warmes Wasser ist für mich heißes Wasser und hat keine Körpertemperatur. Wenn du eh schon eine Verbrennung hast, machst du es auf jeden Fall mit warmen / heißen Wasser, das sogar über Körpertemperatur temperiert ist, die Sache noch schlimmer. Und darum geht es doch in deiner Frage und nicht, ob du mit 45 Grad warmen Wasser dir Verbrennungen zuziehst, ohne vorher welche gehabt zu haben.

Diamante hat geschrieben:Ich rede ja auch hier von kleineren Verbrennungen und ich bekomme immer Brandfblasen, wenn ich mich am Backofen verbrenne. Da kann ich kühlen wie ich will und Brandsalbe drauf schmieren. Aber gestern mit dem wirklich warmen Wasser ist das wirklich weggegangen. Ich habe heute morgen nicht mal eine kleine rote Stelle, die daran erinnert, dass ich mich am Backofen verbrannt habe und es tat als es geschah schon sehr weh.

Mir ist schon klar gewesen, daß du von kleineren Verbrennungen redest und ich nehme auch nicht an, daß du Ohnmachtsanfälle vorm Backofen bekommst und deshalb großflächige Brandverletzungen im Gesicht und am Oberkörper davonträgst. Ich habe kleinere Verbrennungen extra nochmal unterstrichen, da bei Verbrennungen, die mehr als 20% der Körperoberfläche ausmachen, nicht mit Wasser oder Salben gekühlt werden darf, da die Gefahr besteht, den Körper auszukühlen. Der Tip, die Verbrennungen zu kühlen, ist also nur bei kleineren Verletzungen anzuwenden (also kleiner 20% Oberfläche).

Brandblasen entstehen bei Verbrennungen 2. Grades. Sie schützen die Wunde darunter vor Keimen und sollten deshalb auch nicht eigenmächtig aufgeschnitten werden. Wenn du also bis zu deinem Experiment bisher immer Brandblasen hattest, hattest du auch Verbrennungen 2. Grades. Nun magst du beim letzten Mal am Backofen schnellere Reaktionen bewiesen und nur eine Verbrennung ersten Grades ohne Brandblase bekommen haben. Ein Kind hat weit langsamere Reaktionen, weshalb es sich schwerere Verbrennungen zuziehen kann.

@Nettie: Leider verlaufen die häuslichen Unfälle nicht immer so glimpflich ab, so daß es leider bei Verbrennungen zu offenen Wunden kommen kann. Das sind dann schwerere Verbrennungen (3. und 4. Grades) als die üblichen dir Bekannten aus der Küche beispielsweise.

» werweissdasschon » Beiträge: 224 » Talkpoints: 0,52 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Man liest echt überall man solle kleinere Verbrennungen kühlen und das ist definitiv Unsinn. Ich habe es eben gerade bei mir selbst getestet, nach einer Verbrennung an der Hand am Heizstab des Backofens, ist dort eine 2 cm lange Brandwunde. Ich kühlte sie natürlich zuerst mit kaltem Wasser, dies linderte den Schmerz. Aber jeder kennt es, nach 10 Minuten beginnt die Wunde umso schlimmer zu brennen, also wieder ab unter das kalte Wasser. Nach dem 2ten mal las ich irgendwo, solle man doch warmes Wasser nutzen. Gelesen getan, ich erhöhte die Temperatur langsam, es brennt ganz kurz etwas stärker aber danach ist es ein unglaublich linderndes Gefühl. Es ist ja jedem selber überlassen es einfach mal auszutesten.

Auch Mückenstiche nicht kühlen, den Hintergrund hierfür kenne ich, im Gegensatze zum obigen. Dadurch zieht sich das Gewebe zusammen und der Mückenspeichel wird unter der Haut verteilt, sondern warmes Wasser, so heiß wie erträglich. Das Mückengift (Speichel) ist, wer hätte es gedacht, an die Körpertemperatur angepasst. Bei Temperaturen über 40 Grad zerfällt es auf Grund chemischer Reaktionen und wird somit unschädlich.

» meiermann » Beiträge: 1 » Talkpoints: 0,67 »


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