Strahlen sollen bei Piloten für mehr Hautkrebs sorgen

vom 17.11.2014, 22:43 Uhr

In Kalifornien haben Forscher der Universität herausgefunden, dass Flugpersonal und Piloten doppelt so häufig erkranken an Hautkrebs wie die Durchschnittsbevölkerung. Eine mögliche Ursache könnten möglicherweise die Glasscheiben der Flugzeuge sein, die UV-Strahlen durchlassen, hieß es. Bericht.

Nun habe ich auch Gegenstimmen gefunden. Da wurde geschrieben, dass es keinesfalls die UV-Strahlen sein können, sondern radioaktive Strahlen. Ein anderer schrieb, dass es sich auf keinen Fall um radioaktive Strahlen handelt, sondern um kosmische und solare Strahlung.

Eine UV-Strahlung wurde mit der Begründung ausgeschlossen, dass der Rumpf der Flugkörper aus Aluminium sei und keine UV-Strahlung durchlasse. Durch die Fenster könne nur ein kleiner Teil UV-Strahlung kommen, der nicht ausreiche für einen solchen Verdacht. Ferner wurde auch geschrieben, dass gerade Piloten und Flugpersonal zwischen den Flügen ausreichend Zeit hätten und die Zeit zum Sonnenbaden nutzen - auch im Winter. Außerdem hätten auch Flugzeuge Scheiben aus Polycarbonaten, wo keine UV-Strahlung durchkommt.

Radioaktive Höhenstrahlung sollen sie zwar mehr abbekommen, aber davon keinen Hautkrebs. So bliebe die kosmische Strahlung und die solare Strahlung ( hochenergetische Röntgen-/Gammastrahlung und eine sehr schnelle Teilchenstrahlung).

Jedem ist bekannt, dass Röntgenstrahlen sehr gefährlich sind, wobei es auf die Stärke und Häufigkeit ankommt. Was ich nicht verstehe, dass Wissenschaftler solche Studien machen, wenn bekannt ist, dass die UV-Strahlung im Flugkörper nicht der Grund für Hautkrebs sein kann und von vorneherein ausgeschlossen werden müsste, wenn man den Anmerkungen glauben darf. Was ich eigentlich tue.

Trotzdem wäre es wissenswert, wenn jemand, der etwas mehr von Physik versteht, das entwirren könnte?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Die kosmische Strahlung ist schon ein echtes Problem für die Piloten und das allgemeine Bordpersonal. Selbst Vielflieger bekommen innerhalb kürzester Zeit Dosen ab die eigentlich über der erlaubten Lebensdosis der beruflich exponierten Beschäftigten liegen. Gerade über Letzteres wirst du aus gutem Grund wahrscheinlich nie etwas Offizielles von den Fluggesellschaften hören. Das sind wichtige Kunden die Geld bringen. Welche Studien und Wissenschaftler nun recht haben vermag ich nicht zu sagen, dafür ist das Thema viel zu komplex. Fakt ist aber dass zu viel Fliegen ungesund ist und Krebs hervorruft beziehungsweise Auslösefaktor dafür sein kann. Das ist ähnlich wie beim Röntgen, irgendwann wird es zu viel was man abbekommen hat und der Körper reagiert darauf.

Wenn man sich die kosmische Strahlung einmal anschaut dann hat man einen ständigen galaktischen Teilchenfluss der aus Protonen, Elektronen und Heliumkernen besteht. Dazu kommt noch der Sonnenwind, also die ständige Strahlung von der Sonnenoberfläche. Zu manchen Sonnenzyklen ist diese Strahlung besonders stark und die Piloten sind immer mitten drin. Das Erdmagnetfeld nimmt ebenfalls Einfluss auf die galaktische Strahlung, deshalb sind die zu erwartenden Dosen immer in Abhängigkeit vom Breiten- und Längengrad und natürlich von der Einwirkungszeit (Flugzeit) zu betrachten.

Die Protonen zum Beispiel spalten sich auf dem Weg zur Erde auf und die für den Menschen gefährliche Gammastrahlung wird nun ausgerechnet in der normal üblichen Reiseflughöhe zwischen 10 bis 15 km freigesetzt. Was kann man dagegen machen? Nicht viel, auf jeden Fall helfen keine Sonnenschutzmittel.

Die Schutzprinzipien beim Strahlenschutz (Abstand, Abschirmung, Aufenthaltszeit) sind nur bedingt anwendbar. Eine ordentliche Bleiummantelung würde wahrscheinlich den Flieger am Boden lassen und Schutzkleidung für das Personal wäre nicht praktikabel. Eine niedrige Flughöhe würde zu höherem Treibstoffverbrauch und damit höheren Kosten und zu einer höheren Umweltbelastung führen. Ein Fliegen entlang niedriger (ungefährlicher) Breitengrade würde zu einer Verlängerung der Flugzeiten und damit auch wieder zu mehr Strahlenexposition führen. Bei der Zeit könnte man etwas machen wenn man mehr Teilzeitpersonal einstellt, aber heutzutage sind die meisten Arbeitnehmer auf Vollzeitbeschäftigung angewiesen.

Inzwischen gibt es nachgewiesene Gesundheitsrisiken für das fliegende Personal bei der Bildung von malignen Melanomen, Brustkrebs und einem Katarakt der Augenlinsen bei älteren Piloten. Das habe die von dir erwähnten Studien im Prinzip ja auch bestätigt. Nebenbei, ein erhöhtes Risiko für AIDS bei männlichen Flugbergleitern besteht auch. Da natürlich niemand weiß wie hoch die persönlichen Risikofaktoren sind (Lebensstil, erbliche Vorbelastung) kann man alles nur schwer beurteilen. Kein erhöhtes Risiko bestehen für Leukämieerkrankungen und andere Krebserkrankungen.

Fakt ist aber dass die kritische Zielgruppe die jungen Frauen sind, hier ist besonders die mögliche Strahlenexposition vor und während der Schwangerschaft interessant. Viele Flugbegleiterinnen kommen auf wesentliche Berufslebensdosen, gerade weil sie nicht so früh in Rente gehen. Eine Alternative wäre nur Piloten und Bordpersonal einzustellen die über 50 Jahre alt sind. Da spielt es keine Rolle mehr wenn sich der Krebs nach 35 Jahren entwickelt.

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» hooker » Beiträge: 7218 » Talkpoints: 50,84 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


@hooker, weißt du auch, ob die gefährliche Gammastrahlung durch Fenster aus Polycarbonaten abgehalten werden könnte? In dem Falle könnte man ja nach und nach sämtliche Flugzeuge umrüsten mit solchen Scheiben. Das wäre zwar sehr teuer, aber wenn Menschen dadurch geschützt werden können, sollte es vertretbar sein.

Wie ich das verstehe, hält auch die Flugzeughülle, in der ja Alu mit verarbeitet wurde, diese Gammastrahlen keineswegs ab, ist das so? Ein Flugzeug aus Beton oder Blei würde sich ja nicht in die Luft schwingen können. Also gibt es scheinbar nichts, was diese Strahlen vom Bordpersonal und den Fluggästen abhalten kann. Dann sollte man aber darüber aufklären, dass nicht nur die Flugzeugkanzel die Piloten besonders diesen Strahlen aussetzt, sondern das gesamte Flugzeug durch durchdringende Strahlungen eine fliegende Zeitbombe darstellt.

Es werden auch Tiere mit in Urlaub genommen. Ferner werden andere Tiere ebenso transportiert. Die Tiere müssen dann zum Gepäck in den Rumpf. Ich denke, dass sie dann dort ebenso die meiste Strahlung abbekommen.

Ferner fällt mir gerade ein, dass ja auch viel Lebensmittel, hauptsächlich auch Obst und Gemüse, im Rumpf des Flugzeugs landen. Auch die Sachen werden verstrahlt. Nun weiß ich nicht, wie gefährlich es sein kann, verstrahlte Lebensmittel zu essen?

Vielleicht wäre es wesentlich sinnvoller im Sinne der Gesundheit des Bordpersonals dieses nicht so früh zu pensionieren, sondern länger arbeiten zu lassen. Aber die Zeit nach der Pensionierung vorab aufteilen, zum Beispiel ein Jahr arbeiten und ein Jahr aussetzen bei vollen Bezügen. Das käme dann ungefähr einer Frühpensionierung gleich. Dadurch könnte sich der Körper der Piloten wieder erholen.

Natürlich wird man die Gäste keineswegs unterrichten, dass sie in der Luft gefährlichen Strahlen ausgesetzt werden. Bei einmal jährlich fliegen wird man vielleicht Glück haben. Aber Geschäftsleute, die ein- oder mehrere Male in der Woche im Flieger sitzen, wird es wohl voll treffen. Das Schlimme ist, dass sie einen Auswärts-Termin wahrnehmen müssen und nicht anders können als zu fliegen. Also ist allzu viel Fliegen nicht zu empfehlen.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Fenster aus Polycarbonate helfen meines Wissens da nicht viel, die sind nur für den UV-schutz ausgelegt. Die harte Gammastrahlung schießt dagegen durch alles fast ungebremst durch. Hier wäre Blei die optimale Abschirmung, oder eben die zeitliche Begrenzung des fliegenden Personals das Mittel der Wahl. Aluminium hat bei dieser Strahlenart und der Wandstärke keine messbare abschirmende Wirkung.

Den Tieren geht es nicht besser als den Menschen, das ist richtig. Allerdings dürfte es strahlenbiologisch egal sein wenn sie sich einen Augenkatarkt oder Hautkrebs holen. Beim Menschen dauert es ungefähr 30 Jahre bis so etwas ausbrechen kann und bei Tieren ist es durchaus möglich dass diese Erkrankungen auch nicht so lange benötigen um sich zu manifestieren, aber so alt werden die Tiere meistens ja nicht. Es sei denn man nimmt seinen Papagei ständig mit auf die Reise. Der normale durchschnittliche Reisende bekommt aber keine Probleme, erst wenn man das Flugzeug zu seinem Lebensmittelpunkt macht kann es irgendwann kritisch werden.

Bei den Lebensmitteln ist es nicht so problematisch wie mancher vielleicht denkt, denen schadet ein Flug überhaupt nichts und aus Fukushima werden sie wohl kaum etwas davon importieren. Den Zeitfaktor darf man dabei nicht aus den Augen lassen, die Flugzeit reicht dafür nicht aus um sie so zu kontaminieren dass sie nicht mehr genießbar sind. Überhaupt nehmen wir täglich aus vielen Lebensmitteln auch einen gewissen Anteil an „Radioaktivität“ in uns auf. Ich denke dabei sofort an Backpulver, Pilze, Honig oder Milch. Unser Körper ist das schon seit Jahrtausenden gewohnt dass er von Außen und Innen ionisierender Strahlung ausgesetzt ist. Auch unser Körper besteht aus Kalium-40, ebenfalls ein radioaktiver Stoff. Dazu kommt auch immer noch die normale kosmische Strahlung und Strahlung von den früheren oberirdischen Atomwaffentests der wir jeden Tag ausgesetzt sind und vor der wir uns nicht schützen können.

Das mit der Blockarbeitszeit ist natürlich eine Möglichkeit, aber sicherlich nur schwer durchzusetzen. Ein Pilot der ein Jahr nicht geflogen ist muss praktisch neu angelernt werden. Aber über eine effiziente Planung der Routen und des Personals wird schon lange nachgedacht, auch die Gewerkschaftsvereinigung des fliegenden Personals macht sich darüber schon lange Gedanken. Das zeigt mir dass die Gewerkschaften doch nicht ganz unnütz sind. Ich vermute aber dass das Gegenteil zukünftig der Fall sein wird. Die Flugzeuge werden immer effizienter und verbrauchen weniger Treibstoff, damit können auch die Routen länger werden was wiederum längere Belastungszeiten für das Personal ergibt.

Zusätzlich werden auch immer noch neue Expositionen geschaffen, das sollte vielleicht auch nicht unerwähnt bleiben. Bei uns in Deutschland sind ja diese „Backscatter“ (Nacktscanner) verboten, aber in den USA, England, Holland und Russland wird davon rege Gebrauch gemacht. Jeder Passagier der dort durch muss bekommt seine Dosis ab, sie entspricht in etwas der Dosis von zwei Flugminuten entlang der Polroute. Das ist für den Fluggast nicht so dramatisch, aber das Bordpersonal muss da auch durch und das viele hundert Male im Jahr. Hier könnte wieder organisatorisch etwas verändert werden, zum Beispiel wenn man das Personal als Teil der Sicherheitskette betrachtet und ihnen diese Prozedur erspart.

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» hooker » Beiträge: 7218 » Talkpoints: 50,84 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Das ist in der Tat sehr schlimm für das Flugpersonal. Sie streiken für alles Mögliche, aber hier wäre ein genereller Streik für das Personal weltweit angebracht. Damit könnten sie vielleicht durchsetzen, als Flugpersonal nicht durch die allgemein benutzten Backscatter erfasst zu werden. Denn das kann ja durchaus öfter am Tag passieren.

Je mehr man sich mit dem Fliegen und seinen Gefahren befasst, desto mehr unangenehme Dinge kommen zum Vorschein, von denen ich bisher keine Ahnung hatte. Wie bei vielen anderen Problemen drängt sich hier auch die Frage auf, wenn die Nachteile bekannt sind, warum tut man nichts dagegen? Wo es doch eigentlich oft sehr einfach zu sein scheint und nur einen Anstoß benötigt. Durch dich habe ich nun einen besseren Einblick bekommen, wofür ich mich bedanke.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Oh, danke für die Blumen :D .

Das Thema ist leider sehr komplex und für jemanden der nicht gerade Physik studiert hat schwer zu durchschauen. Das habe ich zwar auch nicht, aber aus beruflichen Gründen muss ich mich öfters damit befassen. Wobei man aber sagen kann dass inzwischen schon einiges für die Leute und auch die Passagiere getan wird. Noch vor zwanzig Jahren spielte das Thema in den Medien und bei den Fluggesellschaften überhaupt keine Rolle und die Flüge dauerten auch viel länger bei einer noch kritischeren Reiseflughöhe..

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» hooker » Beiträge: 7218 » Talkpoints: 50,84 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


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