Ständig über Schmerzen klagen aber nicht zum Arzt gehen

vom 03.04.2015, 08:04 Uhr

Eine meiner Tanten, die auch nicht mehr die Jüngste ist, ruft mich mindestens zweimal in der Woche an, um mir Neuigkeiten aus der Familie etc. mitzuteilen, was an sich noch nicht so schlimm ist, obwohl diese Informationen mich nicht immer wirklich interessieren. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn ich kann mir das Alles ohne Probleme anhören und ab und zu auch etwas dazu sagen.

Was mir allerdings sehr auf die Nerven geht und wofür mir auch mittlerweile das Verständnis und die Geduld fehlt, sind die Krankheiten, die sie alle hat und die bei jedem Gespräch wieder auf den Tisch kommen. Angeblich geht es ihr richtig schlecht, da sie schon seit Längerem ein Problem mit den Augen hat und kaum noch sehen kann. Darum hat sie sich im Supermarkt eine Lesebrille gekauft, geht aber nicht zum Augenarzt. Der kann angeblich sowieso nichts machen und sie weiß ja, woher das kommt.

Zusätzlich hat sie ein Problem mit ihrem Bein, denn im Oberschenkel ist wohl irgendwie ein kleiner Gnubbel, den sie gut erfühlen kann und der ziemlich schmerzhaft ist. Sie kann jedenfalls nicht mehr richtig laufen und jeder Gang ist eine Qual für sie. Zum Arzt gehen braucht sie damit nicht. Das wird laut ihrer Aussage schon irgendwann wieder weg gehen.

Dass die Geschichte mit dem Bein stimmt, habe ich schon mitbekommen, denn als ich sie einmal besucht habe, konnte sie wirklich kaum laufen und ich glaube auch nicht, dass das gespielt war.

Nun kommt noch dazu, dass ihr andauernd schwindelig ist und sie sich auch unterwegs immer mal wieder hinsetzen muss, da sie das Gefühl hat, sonst umzukippen. Aber ihr Kreislauf war laut ihrer Aussage schon immer ein bisschen angegriffen, darum braucht sie auch nicht zum Arzt gehen, denn sie weiß ja, dass das bei ihr so ist.

Mittlerweile muss ich sagen, dass mir das Verständnis und auch die Geduld fehlt, mir stundenlang das Gejammere anzuhören. Es tut mir wirklich sehr leid, dass sie krank ist. Sie ist auch schon 68 und damit wirklich nicht mehr als jung zu bezeichnen. Aus diesem Grund würde ich es sehr begrüßen, wenn sie einen Arzt aufsuchen würde, was sie aber nicht tut, weil sie es noch nie nötig gehabt hat, zum Arzt zu gehen. Sie war schätzungsweise seit 20 Jahren nicht mehr beim Arzt. Wozu auch? Die können ja sowieso nichts machen :wall:

Wenn das ihre Grundeinstellung wäre und sie dabei noch einigermaßen entspannt wäre, würde ich dafür sogar noch ein gewisses Verständnis aufbringen, glaube ich. Der Witz an der Sache ist aber, dass sie jedem anderen, der gesundheitlich irgendein Problem hat, immer sofort dazu rät, einen Arzt aufzusuchen. Außerdem scheint sie sich wirklich Sorgen um ihren eigenen Gesundheitszustand zu machen, denn sie fragt immer wieder, was das wohl sein könnte und dass es so lange dauert und immer noch nicht besser wird - eher im Gegenteil.

Wie würdet ihr an meiner Stelle mit meiner Tante umgehen? Bei jedem Telefonat erzählt sie mir mindestens 20 Minuten lang von ihren Krankheiten, die alle so schrecklich sind und die sie so sehr einschränken. Sobald ich aber das Wort "Arzt" erwähne, ist alles gar nicht mehr so schlimm und sie weiß, woher alles kommt, bis sie dann fünf Minuten später wieder von vorne mit ihrer Leidensgeschichte anfängt. Ich habe ihr auch schon angeboten, mit ihr gemeinsam zum Arzt zu gehen aber auch davon will sie nichts hören. Sie braucht keinen Arzt!

Würdet ihr auf diese Krankheiten immer wieder eingehen, ihr gut zureden und Verständnis zeigen oder würdet ihr sagen, dass ihr davon nichts mehr hören wollt, bis sie endlich zum Arzt gegangen ist? Das Ganze geht jetzt schon über zwei Jahre so, wobei es mit den Sehstörungen anfing und die anderen beiden Sachen nun noch dazu gekommen sind.

» Sandra980 » Beiträge: 1011 » Talkpoints: 12,41 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich kann dich gut verstehen, dass dir bei den Themen allmählich die Geduld fehlt, wenn du es dir immer wieder anhören musst, deine Tante aber nichts unternimmt, was ihr vielleicht helfen könnte. Es scheint so, dass sie Angst vor dem Arztbesuch hat. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum sie sich einerseits Sorgen um ihren Gesundheitszustand macht, aber andererseits aber nicht zum Arzt geht, um eine Diagnose gestellt zu bekommen und gegen das Problem anzugehen.

Ich kann mir vorstellen, dass es in dem Moment schon helfen kann, wenn man sagt, dass man sich die Jammerei über die gesundheitlichen Probleme nicht mehr anhören möchte oder auch kann, wenn doch nichts dagegen unternommen wird. Dadurch ändert sich doch nichts, sondern es wird eher noch schlimmer. Vielleicht hilft dieser Schock dann, dass deine Tante tatsächlich mal etwas unternimmt und zum Arzt geht.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Wenn sie nicht zum Arzt will, aber jammert, dann würde mir da wohl oder übel irgendwann der Kragen platzen. Aber ich selbst weiß auch wie es ist, wenn man Schmerzen hat, aber am Ende kein Arzt wirklich helfen kann. Die einzige Therapie sind da Schmerzmittel, die ich zum Beispiel nur nehme, wenn gar nichts mehr geht. Ich lebe halt täglich mit den Schmerzen und sage das manchmal auch anderen, wenn es mal wieder besonders schlimm ist.

Zum Arzt muss ich deswegen auch nicht gehen, solange ich noch die entsprechenden Medikamente im Haus habe. Aber ich kann manche Menschen auch verstehen, wenn sie nicht zum Arzt gehen wollen. Halt auch aus Angst, was dann noch alles gefunden wird. Da kenne ich sehr viele Menschen, die da eine große Angst davor haben. Oftmals weil sie es bei anderen Menschen erlebt haben, die wegen einer vermeintlichen Kleinigkeit beim Arzt waren und dann schlimme Diagnosen bekommen haben.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^