Sorgt Flüchtlingskrise für Wettbewerb um Finanzhilfen?

vom 25.10.2015, 19:11 Uhr

Die Flüchtlingskrise, die Europa getroffen hat, stellt Deutschland vor große finanzielle Aufgaben und wird das auch in Zukunft noch verstärkt tun. In welcher genauen Größenordnung sich die dafür notwendigen Ausgaben bewegen werden, lässt sich noch nicht seriös beantworten.

Wie mittlerweile bekannt wurde, wird die Staatsverschuldung die kommenden Jahre ja auf jeden Fall noch anwachsen oder zumindest nicht abnehmen. Und obwohl der Flüchtlingsstrom möglicherweise langfristig positive Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt haben wird, ist das auch noch nicht in Stein gemeißelt.

Es befürchten ja nun auch schon viele Personen, dass es möglicherweise zu einem Wettbewerb um Finanzhilfen kommen könnte. Damit gemeint sind Zahlungen wie das Arbeitslosengeld aber auch die Förderung von Auszubildenden und Studenten, die dann praktisch in direktem Wettbewerb um Finanzhilfen mit den Flüchtlingen stehen würden.

Haltet ihr es denn für wahrscheinlich, dass es zu einem solchen Wettbewerb um Finanzhilfen kommen könnte? Oder macht ihr euch darüber eher weniger Sorgen, da es vielleicht nur das ängstliche Gerede einiger weniger Menschen ist? Wie könnte ein solcher Wettbewerb verhindert werden?

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» TamiBami » Beiträge: 2166 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Wenn diese Krise nicht bald aufhört und danach sieht es leider aus, dann werden die Staatsschulden immer höher. Selbst kleinere Städte in der Schweiz müssen nun die Steuern und Abgaben erhöhen, die Krankenkassenprämien sind um rund zehn Prozent gestiegen.

Irgendwann können die Menschen diese Preiserhöhungen aber nicht mehr bezahlen und brauchen dann entweder selber finanzielle Hilfe oder sie bekommen gar keine Hilfe mehr, weil die Kassen leer sind. Irgendwann gibt es sicher einen Wettbewerb und nicht mehr alle Menschen können gleich viel Geld bekommen.

Viele Menschen klagen, es gäbe zu wenig Jobs, also werden die Flüchtlinge die Situation auf dem Arbeitsmarkt noch verschärfen, da frei Stellen noch schneller besetzt werden.

» Bascolo » Beiträge: 3543 » Talkpoints: -0,12 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Vor 15 Jahren hat man noch Panikmache mit dem Untergang des Sozialstaates betrieben. Bis 2015 hatte man kein Geld für Rentner oder Regelsatzbezieher. Dann waren auf einmal 50 Milliarden pro Jahr da. Diese Gelder hätte man auch für Mindestrente, bessere Pflege oder bessere Bildung verwendet werden können.

Das Problem wird vor allem die Zukunft sein. Die fetten Jahre sind vorbei. Statt Fachkräften gab es Sozialhilfeempfänger, für die noch Jahrzehnte bezahlt werden darf. Vor allem können ausländischer Besitz weder von den Steuerbehörden und schon gar nicht von den Sozialämtern oder Jobcentern festgestellt werden.

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» Juri1877 » Beiträge: 6438 » Talkpoints: 54,93 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



TamiBami hat geschrieben:Wie mittlerweile bekannt wurde, wird die Staatsverschuldung die kommenden Jahre ja auf jeden Fall noch anwachsen oder zumindest nicht abnehmen.

Und wie mittlerweile auch bekannt wurde, sind Sachen die bekannt werden, noch lange nicht wahr. Trotz der Kosten der Flüchtlingskrise, wie hoch auch immer so wirklich seien mögen, baut der deutsche Staat seit Jahren erfolgreich Schulden ab und das nicht nur gemessen am BIP, sondern auch real. Und das macht der Staat auch seit 2015 kontinuierlich weiter und ist von circa 80% des BIP mittlerweile bei nur noch gut 60 Prozent angekommen. Und wie gesagt, sinkt nicht nur dieser Prozentwert, sondern jedes Jahr auch real mehrere 10 Milliarden Euro. Und das ist auf den gesamten Staat gerechnet mit Bund, Ländern, Kommunen und auch Sozialkassen.

Geht man jetzt noch davon aus, dass gerade Deutschland mit wenigen Ländern in Europa zu den Hauptabnehmern der Flüchtlinge gehört und sich dann die Finanzentwicklung hier anschaut, dann bleibt eigentlich nur der Schluss über, dass Flüchtlinge sicherlich eine finanzielle Belastung kurzfristig sind und langfristig sein können(eventuell, je nach Integration), aber bei vielen anderen Staaten ganz einfach grundlegende Probleme in ihren Haushalten bestehen, die nur offensichtlicher werden, wenn diese mal ein paar Euro mehr rausrücken müssen.

An irgendwelche Wettbewerbe glaube ich langfristig nicht. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer werden Flüchtlinge mehr und mehr wie jeder andere Leistungsberechtigte behandelt und es wird da keine Extrawürste geben, nur weil der Arbeitgeber jetzt einen Flüchtling einstellt, statt einen deutschen Langzeitarbeitslosen. Da wird es die gleichen Förderungen geben. Zumal wohl, wenn es so weiter geht, bald viele Arbeitnehmer nicht mehr schauen werden, welche Förderung sie für Einstellungen kriegen, sondern eher, ob sie überhaupt noch jemanden finden, der für sie arbeitet. Und da rede ich hier ganz klar nicht so irgendwelchen Akademiker, sondern von einfachen Lehrberufen und ungelernten Kräften.

» Klehmchen » Beiträge: 4652 » Talkpoints: 697,59 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



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